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Mikrokosmos Regenwald

Kann sie Ghanas Bergwälder retten?

Weissnackenmangabe Das Weibchen bringt ein Junges nach 170 Tagen Tragzeit zur Welt

Der Affe mit dem hellen Schopf: Die Weißnacken‑mangabe ist ein mittlerweile seltenes Tier. Vor Kurzem wurde sie im Atewa-Wald entdeckt und mobilisiert Umweltschützer weltweit

Tierporträt: Die Weißnackenmangabe

Ginge es nach der Natur, wären Weißnackenmangaben nichts Besonderes: Primaten wie andere auch. Schlanker und eleganter als manche Verwandten; mit langen Schwänzen und mit weißem, an eine Mondsichel erinnernden Fleck auf dem Kopf – und so steckt in ihrem wissenschaftlichen Name Cercocebus lunulatus das Wörtchen Luna: Mond.

Im Grunde haftet der Spezies also nichts Rekordverdächtiges an. Es liegt an uns Menschen, dass die Tiere herausstechen: Weil wir ihren Lebensraum zerstören, ist das Überleben der Art aus der Familie der Meerkatzenverwandten gefährdet. Auf der Roten Liste werden Weißnackenmangaben als „endangered“ geführt. In den vergangenen 30 Jahren ist ihre Population um 50 Prozent eingebrochen. Womöglich steht es um sie noch schlimmer, schreiben die Experten der Weltnaturschutzunion IUCN. Einige Zoos – von Ghanas Hauptstadt Accra bis Landau in der Pfalz – bemühen sich in Zuchtprogrammen, zur Rettung der Art beizutragen. Entscheidender ist freilich, ihr Habitat zu erhalten.

Lediglich in einer Handvoll kleiner Regenwaldgebiete in der Elfenbeinküs-te, Burkina Faso und im Westen Ghanas sind Weißnackenmangaben zu finden. Im Dezember 2017 rieben sich Biologen, die den Atewa-Wald im Osten Ghanas erforschen, überrascht die Augen: In ihre Kamerafallen waren tatsächlich Weißnackenmangaben getappt. Niemand hatte die Art dort vermutet. (Mehr zum Atewa- Wald lesen Sie ab Seite 4.

Die Tiere verbringen ihre Tage zumeist auf dem Waldboden. Dort futtern sie Früchte und Samen; auch Insekten verschmähen sie nicht. Nur ausnahmsweise steigen Weißnackenmangaben in die Bäume. Bis zu 60 Tiere beiderlei Geschlechts ziehen gemeinsam durch ihr rund 200 Hektar großes Revier und verständigen sich mit Rufen. Beim Gehen legen die Tiere ihren Schwanz, der mehr als 70 Zentimeter lang sein kann, an den Körper und tragen die Schwanzspitze über dem Kopf.

Weißnackenmangaben gehören zu den zehn Mangaben-Spezies. Sie wurden zwar schon 1853 wissenschaftlich beschrieben, ein Jahr nach dem Gorilla, doch erst seit wenigen Jahren gelten sie als eigene Art. Zuvor hatte man sie für Ruß- beziehungsweise Halsbandmangaben gehalten.
Wer weiß, vielleicht halten die Tiere ja weitere Überraschungen parat – hoffentlich sterben Weißnackenmangaben nicht aus, bevor alle Geheimnisse gelüftet sind.