Fragen und Antworten zu Soja

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Warum spielt Soja bei der Massentierhaltung eine so große Rolle?

Die Sojabohne enthält besonders viel pflanzliches Eiweiß ebenso wie Eisen, Magnesium und andere Mineralstoffe. Deshalb fördert sie das Wachstum im besonderen Maße. Zudem ist sie in großen Mengen und zu niedrigen Preisen auf dem Weltmarkt zu haben. Soja im Futter ermöglicht es den Tierfabriken, zusammen mit Hormon- und Antibiotika-Beigaben schnell und billig viel Fleisch, Eier oder Milch zu produzieren – und damit mehr Gewinn einzufahren.

Wie viel Soja wird weltweit angebaut?

Aufgrund der ständig steigenden Nachfrage hat sich die Sojaproduktion seit 1960 auf 260 Millionen Tonnen verzehnfacht. Mehr als Dreiviertel der Sojaproduktion besteht schon aus genetisch verändertem Soja, sogenanntem Gen-Soja. Die EU importiert pro Jahr zirka 34 Millionen Tonnen Soja als Tierfutter, größtenteils aus Südamerika. Die dafür beanspruchte Landfläche beträgt 15 Millionen Hektar – das entspricht der Größe Belgiens, der Niederlande und Österreichs zusammen. Deutschland führt etwa 5 Millionen Tonnen ein und belegt damit 2,8 Millionen Hektar Land. Den Großteil der Sojaimporte macht Gen-Soja als Futterzusatz für die Massentierhaltung aus. In Argentinien besteht 99 Prozent der Produktion aus Gen-Soja, in den USA über 90 Prozent und in Brasilien über 65 Prozent.

Warum werden für Soja Regenwälder abgeholzt?

Seit 1960 hat sich die globale Anbaufläche von Soja vervierfacht – auf 100 Millionen Hektar weltweit. Soja wird hauptsächlich in den USA und in Südamerika angebaut. Um Platz für die riesigen Soja-Monokulturen zu schaffen, werden die Regenwälder und andere Ökosysteme wie die artenreiche Cerrado-Savanne gerodet. Millionen Kleinbauern in Brasilien, Argentinien, Paraguay, Bolivien und Uruguay verlieren ihr Land und Einkommen, darunter auch viele indigene Völker. Schon jetzt belegt der Sojaanbau dort über 45 Millionen Hektar Land – das ist mehr als die Fläche Deutschlands und Österreichs.

Wachsen auch in Europa eiweißreiche Pflanzen, die als Futtermittel dienen können?

Allerdings. Hierzu gehören Futtererbsen und -bohnen, Luzernen und Lupinen sowie hierzulande kultivierte Sojabohnen. Im biologischen Landbau sind diese Leguminosen sogar unentbehrlich in der Fruchtfolge. Denn sie reichern den Boden mit Stickstoff an und machen so den mineralischen Dünger überflüssig.

Ist es ok, wenn ich Soja esse?

Menschen verzehren nur zwei Prozent des weltweit angebauten Sojas direkt. 98 Prozent der Soja-Ernte werden an Tiere verfüttert. Würden alle Menschen ihren Eiweiß-Bedarf mit Soja statt Fleisch und Milch decken, wäre die Umwelt etwa fünfmal weniger belastet. Die Soja-Bohne enthält alle acht essentiellen Aminosäuren (also all die, die der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann). Deshalb gilt sie in China als „Fleisch der Erde“. Wer Sojaprodukte isst, braucht aus ernährungsphysiologischer Sicht keine tierischen Proteine. Ideal ist es, biologisch erzeugte Soja-Produkte aus Deutschland zu kaufen und diese mit anderen Leguminosen (Bohnen, Erbsen, Lupinen, Linsen) abzuwechseln. Auch Seitan ist ein schmackhafter Fleischersatz.

Ist der Soja-Anbau giftig für Mensch und Natur?

Das Erbmaterial von Gen-Soja, das mindestens drei Viertel der weltweiten Sojaernte ausmacht, wurde im Industrielabor künstlich verändert. Die Pflanze wurde so gegen das Total-Herbizid Glyphosat resistent gemacht. Der US-amerikanische Konzern Monsanto vertreibt nicht nur die Gen-Sojabohnen, sondern auch das passende Herbizid dazu, das unter dem Namen Roundup (s. Frage weiter unten) verkauft wird.

Was habe ich mit Gen-Soja zu tun?

In Deutschland und Europa will kaum jemand genetisch manipulierte Lebensmittel essen. Produkte, die Gentechnik enthalten, müssen deshalb auf der Verpackung gekennzeichnet werden und sind damit praktisch unverkäuflich. Allerdings gilt dies nicht für Fleisch, Eier oder Milch von Tieren, die mit genetisch verändertem Futter ernährt werden. Über diesen Umweg ist massenhaft Gen-Soja in unseren Lebensmitteln enthalten. Nur Bio-Hersteller schließen Gentechnik aus.

Warum ist Gen-Soja schädlich für die Umwelt?

Die Umweltauswirkungen und Gesundheitsgefahren von Gen-Soja sind bisher nur unzureichend erforscht und bekannt. Auf den Gen-Soja-Feldern breiten sich immer mehr Wildkräuter aus, die gegen das Herbizid Roundup immun sind. Um diese Pflanzen zu beseitigen, muss inzwischen ein ganzer Cocktail hochgiftiger Chemikalien eingesetzt werden. Gentechnik bedeutet daher nicht weniger Chemie, sondern immer mehr.

Schadet das Spritzmittel Roundup der Gesundheit?

Das Total-Herbizid Roundup basiert auf dem Wirkstoff Glyphosat. Diese Chemikalie ist eine Weiterentwicklung des Entlaubungsmittels Agent Orange, das im Vietnamkrieg eingesetzt wurde und unter anderem schreckliche Missbildungen bei Kindern verursachte. Die Beimischung von Netzmitteln macht Roundup noch toxischer als Glyphosat allein. Doch gegen die dringende Empfehlung des deutschen Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), den problematischen Stoff Tallowamin in der Mischung zu ersetzen, hat der Hersteller Monsanto Widerspruch eingelegt.
Unabhängige Studien zeigen, dass Roundup Zellen schädigt – und zwar bis hin zur Nekrose, einem Zustand, in dem Zellen unkontrolliert absterben und so schwerste Gewebeschäden nach sich ziehen können. In Gen-Soja-Anbaugebieten wurde eine abnorme Rate an Geburtsdefekten nachgewiesen. Darüber hinaus zeigt die Forschung, dass Roundup das Erbgut schädigt, in das Hormonsystem eingreift, die Reproduktion erschwert, krebserregend ist und die Nerven schädigt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der UN hat am 20. März 2015Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend für Menschen" eingestuft. Auch die vier in der Landwirtschaft benutzten Insektizide Malathion, Diazinon, Tetrachlorvonphos und Parathion fallen darunter.

Profitieren die Anbauländer nicht vom Soja?

Der Cash Crop Soja wird von Investoren und Agrarkonzernen beherrscht und in Südamerika überwiegend für den Export angebaut. Dadurch sind die Länder fast reine Rohstoffexporteure. Die Soja-Ausfuhren bescheren den Ländern Steuereinnahmen, doch die angerichteten Schäden an Natur und den Einwohnern sind enorm. Die Regenwälder werden abgeholzt, die Böden und Gewässer aufgezehrt und vergiftet, die Kleinbauern von ihrem Land vertrieben und ganze Landstriche entvölkert. Die einheimische Bevölkerung kann sich zunehmend schlechter selbst versorgen; immer mehr Menschen werden in die Armut und Abhängigkeit getrieben.

Der Weltmarktpreis für Soja schwankt sehr stark, weshalb die Bohne ein begehrtes Spekulationsobjekt an den Rohstoffbörsen ist. Und für die ausländischen Agrarkonzerne wie Monsanto bedeutet der Verkauf des Gensoja-Saatgutes zusammen mit dem darauf abgestimmten Pestizidcocktail ein Milliardengeschäft.

Ist das Sojalabel „Runder Tisch für verantwortungsvollen Soja (RTRS)" zu empfehlen?

Mit sogenannten Nachhaltigkeitssiegeln versuchen die Industrie und die Umweltstiftung WWF, die Probleme mit den Soja-Monokulturen unter den Teppich zu kehren. Dazu wurde der Runde Tisch für verantwortungsvollen Soja (engl. Roundtable for responsible Soy – RTRS) gegründet. Das Label ist ein reiner Etikettenschwindel und Betrug. Millionen Hektar industrielle Soja-Monokulturen sind weder umweltfreundlich noch sozialverträglich. Sogar Gen-Soja erhält das Siegel.

Die ersten unter RTRS zertifzierten Betriebe gehören zur brasilianischen Andre Maggi-Gruppe, dem weltweit größten und schlimmsten Sojaproduzenten. Auf Satellitenaufnahmen ist zu erkennen, wie für die Plantagen im Bundesstaat Mato Grosso Regenwald gerodet wurde. Zudem stammt der Großteil der zertifizierten (Gen-)Sojalieferungen gar nicht von den mit dem Label bedachten Betrieben, sondern wird einfach auf dem Weltmarkt eingekauft. Möglich ist dies durch einen weiteren Trick, das sogenannte Massenbilanzsystem.