Klima und Regenwald - Positionspapier von Rettet den Regenwald e.V.

Regenwälder sind komplexe Ökosysteme mit höchster Biodiversität und sind Lebensraum für Millionen Menschen. Sie sind ein zentraler Bestandteil des lokalen und globalen Klimasystems und spielen eine Schlüsselrolle im Klimaschutz und im Kampf gegen die Klimakatastrophe.

Regenwälder sind komplexe Ökosysteme mit höchster Biodiversität und sind Lebensraum für Millionen Menschen. Sie sind ein zentraler Bestandteil des lokalen und globalen Klimasystems und spielen eine Schlüsselrolle im Klimaschutz und im Kampf gegen die Klimakatastrophe.

Doch Regenwälder können ihre Funktion als Klima-Stabilisator immer schlechter erfüllen: Durch ihre Vernichtung etwa für Plantagen, Weiden oder Bergbauprojekte gehen zentrale Kohlenstoff-Speicher und -Senken verloren. Stattdessen können sich Regenwaldgebiete zu Quellen von Treibhausgasen entwickeln: insbesondere die Brandrodung und die Nutzung der gerodeten Flächen etwa als Rinderweiden verursachen Emissionen von Kohlendioxid und Methan. Besonders verheerend wirkt sich die Zerstörung der Torfwälder aus.

Von der 18 Kipp-Punkten im globalen Klimasystem betreffen zwei direkt Regenwälder: der Verlust der Wälder Amazoniens und die Verschiebung des Westafrikanischen Monsun.

Klimaschutz ist ohne Regenwaldschutz zum Scheitern verurteilt.

Der Verlust der Biodiversität und die Klimakatastrophe sind existentielle Krisen

Wir sind mit zwei existentiellen ökologischen Krisen zugleich konfrontiert, die wir durch unsere Lebens- und Wirtschaftsweise selbst verursachen: Die Klimakatastrophe und das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten. Laut UN-Klimarat IPCC könnten bis zu 30 Prozent aller Spezies aussterben, wenn sich das Weltklima um 1,5 bis 2,5 Grad Celsius erwärmt. Umgekehrt kann der Verlust von Biodiversität die Klimakatastrophe verschärfen, etwa beim Kipppunkt im Regenwald Amazoniens.

Forderungen von Rettet den Regenwald zum Klimaschutz

Wir müssen den Verlust der Biodiversität und die Klimakatastrophe gleichzeitig bekämpfen. Es ist gefährlich, eine Krise als wichtiger und dringender zu betrachten. Klimaschutz darf nicht „kompromisslos“ sein und den Artenschutz als zweitrangig missachten. Beide müssen Hand in Hand gehen, in der Praxis sind Arten- und Klimaschutz jedoch nicht deckungsgleich oder widersprechen einander gar.

Wir müssen unsere Lebens- und Wirtschaftsweise grundlegend ändern:weg von Wachstumswahn, überbordendem Konsum und der Logik der Naturausbeutung. Wir müssen unseren Verbrauch von Energie, Nahrungsmitteln und Rohstoffen senken, statt ihn mit „grünen Produkten“, Offset-Modellen und Konzepten wie Net-Zero oder co2-neutral aufrecht zu erhalten. Wir dürfen uns nicht von zukünftigen Technologien als Problemlöser blenden lassen. Nötig ist de-growth, nicht green-growth.

Wir dürfen aus dem Klimaschutz kein Geschäft machen: Wälder sind keine Ware, CO2 ist keine Währung.

Wir müssen raus aus fossilen Energien. Biomasse und Biotreibstoffe sind oft eine falsche Lösung. Es darf keine Projekte geben, die den Verbrauch fossiler Energien fortsetzten, wie Umbau von Kraftwerken, Erschließung neuer Ölfelder und Minen, Bau von Pipelines. Biokraftstoffe, die auf Palmöl, Soja, Zuckerrohr etc. beruhen, sind keine Lösung. Wälder sind kein Brennmaterial für Kraftwerke.

Wir müssen die Wälder und die Natur erhalten und Schäden heilen. Wie das gelingt, ist nicht trivial. Es ist keine Lösung, wahllos und rekord-heischend Bäume zu pflanzen. So sind Savannen nicht „waldfrei“, sondern wertvolle, an den Standort angepasste Ökosysteme. Wir müssen Wälder zudem als vielfältige Ökosysteme und Lebensraum verstehen, die mehr als Kohlenstoff-Speicher sind. Das Pflanzen von Bäumen muss daher über den Klimaschutz hinaus ökologischen Wert haben. Deshalb scheiden Baum-Plantagen als fake forests aus, die zudem meist schlicht Holzlieferanten sind und nach wenigen
Jahrzehnten geerntet werden.

Klimaschutz muss gerecht sein - Klimaschutz darf niemals zu Lasten der Menschenrechte gehen. Wir müssen die Rechte Indigener Völker, die häufig die besten Waldschützer sind, sichern und stärken. Häufig wurden und werden Indigene vertrieben oder in ihren Rechten verletzt, um ihr traditionelles Land in Schutzgebiete zu verwandeln, angeblich degradierte Flächen aufzuforsten oder um Ressourcen für „grüne Produkte“ abzubauen.

Wir müssen Klimaschutz gerecht gestalten – zwischen den Ländern, Bevölkerungsgruppen, Geschlechtern und Generationen.Für die Klimakatastrophe sind vor allem die – reichen - Industrieländern verantwortlich, sowohl historisch betrachtet als auch heute pro Kopf. Leidtragend sind hingegen die Menschen in den - armen - Ländern des globalen Südens, die wenig zur katastrophalen Entwicklung beigetragen haben beziehungsweise beitragen und zudem weniger Ressourcen für den Kampf gegen die Klimakatastrophe und ihre Folgen haben.

Wir sind daher mehr als andere gefordert, unseren Umweltverbrauch zu senken und die Opfer zu unterstützen.

Wir brauchen strikte Gesetze, Regulierungen und Verträge. Freiwillige Vereinbarungen oder „Pledges“ von Firmen und Staaten werden häufig nicht eingehalten oder dienen gar als Greenwashing. Die Verantwortung für ressourcen- und klimaschonende Entscheidungen darf nicht etwa mit Logos, Siegeln und Zertifikaten auf den Einzelnen abgeschoben werden.

Wir müssen Wirtschaft und Gesellschaft nach der Covid-Pandemie umweltverträglich umgestalten. Es darf keine Konjunkturprogramme mit alten Rezepten geben. Covid hat zugleich gezeigt, dass wir angesichts einer existentielle Krise schnelle und tiefgreifende Veränderungen schaffen können.