Kokosöl – Keine gute Alternative zu Palmöl

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Kokosöl erlebt gerade einen Boom. Das exotische Öl aus den Tropen wird nicht nur als besonders gesund für Lebensmittel sowie Kosmetikprodukte angeboten, sondern auch als Alternative zu Palmöl.

Die gute Nachricht gleich vorweg: Wir brauchen keine Pflanzenöle aus den Tropen, in Europa wachsen genug heimische Ölpflanzen wie beispielsweise Olive, Raps und Sonnenblume. Heimische Nahrungsmittel ersparen uns nicht nur fragwürdige Anbaumethoden in Übersee, sondern Tausende Kilometer Transportwege rund um den Globus.

Wie Ölpalmen wachsen auch Kokospalmen nur in den feuchtwarmen Tropen. Sie brauchen ganzjährig hohe Temperaturen und Niederschläge zum Gedeihen. Bedingungen, wie sie in den Gebieten herrschen, die natürlicherweise mit tropischen Regenwäldern bedeckt sind.

Die größten Anbauflächen mit Kokospalmen liegen in Indonesien, den Philippinen, Indien, Tansania, Sri Lanka, Brasilien sowie Papua Neuguinea (siehe Tabelle 1 unten). Also Länder, in denen Regenwälder abgeholzt, die Korruption verbreitet und die Menschenrechte missachtet werden. Aber auch viele kleine Inselstaaten wie Vanuatu, Fidschi und die Salomon Inseln produzieren große Mengen Kokosnüsse. Für diese Länder sind Kokosnüsse ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Der Anbau von Kokospalmen beansprucht Land, und für die Produktion großer Mengen Kokosöl entsprechend große Flächen. Eine einzelne Kokospalme liefert etwa 10-20 kg Kopra (getrocknetes Fruchtfleisch der Kokosnuss) pro Jahr, aus dem das Kokosöl gepresst wird. Auf einem Hektar lassen sich mit Kokospalmen etwa 0,7 Tonnen Kokosöl erzeugen. Bei Ölpalmen sind es über 3 Tonnen pro Hektar. Allerdings liefern Kokospalmen nicht nur Pflanzenöl, sondern viele weitere Produkte (s.u.).

Die Welternährungsorganisation FAO schätzt die Anbaufläche auf aktuell 12 Millionen Hektar (fast so groß wie Griechenland). Die Ernte liegt bei etwa 55 Millionen Tonnen Kokosnüssen pro Jahr. Die Produktion von Kopra liegt bei 5 Mio Tonnen, die Produktion von Kokosöl bei 3,5 Millionen Tonnen pro Jahr (zum Vergleich: Palmöl 65 Millionen 2016).

Der Anbau von Kokosnüssen wird bisher von Kleinbauern dominiert und ein großer Teil der Ernte lokal verzehrt, ohne von Handelsstatistiken erfasst zu werden. Der Preis für Kokosnüsse und Kokosprodukte ist vom Weltmarkt abhängig, den die großen Handelskonzerne und ihre Abnehmer bestimmen. Die Bauern haben das Nachsehen. Mit dem Anbau von Kokospalmen können sie nicht der Armut entrinnen. Und auf firmeneigenen Kokosplantagen verrichten vielfach Tagelöhner die Arbeit unter oft menschenunwürdigen Bedingungen.

Die Entwicklung der Kokosplantagen wurde in den letzten Jahren vom weltweiten Palmölboom überschattet. Viele der Pflanzungen wurden zudem noch zu Kolonialzeiten angelegt und gelten als überaltert. Seit dem Jahr 1961 hat sich die Anbaufläche von 5,2 Millionen Hektar auf etwa 12 Millionen Hektar mehr als verdoppelt (Tabelle 2). Mit stark steigender Nachfrage nach Kokosfett wird das Geschäft für Plantagenfirmen zunehmend attraktiv.

Öl- oder Kokospalmen sind weder schlecht noch gut. Das Problem liegt in der ungeheuren Nachfrage nach billigen pflanzlichen Ölen und Fetten auf dem Weltmarkt. Die von der Industrie benötigten enormen Mengen lassen sich besonders kostengünstig auf riesigen industriellen Monokulturen und unter ausbeuterischen Arbeitsbedingungen erzeugen. Wenn immer mehr Firmen von Palmöl auf Kokosöl umstellen, dann entstehen sehr schnell ähnliche Probleme wie mit der Palmölindustrie: Landraub, Rodungen für neue Plantagen und die Vernichtung der Biodiversität.

Die Lösungen:

Millionen Tonnen Grundnahrungsmittel können und sollten bei uns angebaut werden, und nicht auf anderen Kontinenten, weil dort die Produktion billiger ist, indem Plantagen in die Regenwälder geholzt, die Einwohner vertrieben und die Menschen als Tagelöhner ausgebeutet werden.

Verwenden Sie europäische Pflanzenöle - am besten kaltgepresst - wie beispielsweise aus Färberdistel, Maiskeim, Olive, Raps, Sonnenblume usw. Kochen Sie wann immer es geht selbst aus bekannten, frischen Zutaten aus regionaler Produktion. Bitte vermeiden Sie soweit möglich all die industriellen Fertigprodukte mit billigen und minderwertigen Zutaten aus dem Supermarkt.

Produkte aus der Kokosnuss

Kokosnüsse liefern Fasern (u.a.. für Matratzen und als Isoliermaterial verwendet), Kokosschalen (dienen z.T. als Grillkohle und für Kunsthandwerk), Fruchtfleisch (Kobra) und Fruchtwasser (frisch und abgefüllt als Getränk).

Aus dem getrockneten Fruchtfleisch mit einem Fettgehalt von 65-70 % wird Kokosfett (Kokosöl) gepresst. Die Kopra wird dazu in den Ölmühlen erhitzt und unter großem Druck in Schraubenpressen entölt. In einer zweiten Phase kann mit Lösungsmitteln noch etwas mehr Öl herausgelöst werden.

Weiterhin kann auch natives Kokosöl durch rein mechanisches Auspressen ohne Erhitzen gewonnen werden. Die Pressrückstände enthalten noch viel Zucker, Eiweiß und Mineralien und ergeben ein wertvolles Viehfutter.

Kokosöl ist weiß und bei Raumtemperatur fest. In dieser Hinsicht ähnelt es Palmöl, so wie auch in seinem sehr hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren. Es wird zum Backen, Braten und Frittieren verwendet.

Schneidet man den jungen weiblichen Blütenstand weg, strömt viel süßer Palmsaft aus der Wunde. Er wird mit Köchern aufgefangen und frisch als Palmsaft getrunken, meist aber zu Palmwein vergoren und zu Palmschnaps destilliert.

Tabelle 1: Kokosanbau nach Ländern: Anbaufläche (größer als 10.000 ha) und Erntemenge von Kokosfrüchten für das Jahr 2014 sowie Produktion von Kokosöl im Jahr 2016

  1. Quelle: Welternährungsorganisation FAO http://www.fao.org/faostat/en/#data/QC

  2. Quelle: http://www.indexmundi.com/AGRICULTURE/?commodity=coconut-oil&graph=PRODUCTION für das Jahr 2016

Tabelle 2: Entwicklung der weltweiten Anbauflächen von Kokospalmen

Quelle: Welternährungsorganisation FAO http://www.fao.org/faostat/en/#data/QC

Weitere Informationen

Artikel in Biorama: Weshalb Kokosöl keine gute Alternative zu Palmöl ist

Artikel über Kokosboom auf den Philippinen: How Philippines is battling to cash in on coconut craze

Artikel über die gefährlichen Arbeitsbedingungen der Kokospflücker in Indien: Ripe for the Plucking, but Fewer Dare to Try

Artikel über Tierquälerei bei der Kokosernte: Did an Abused Monkey Pick Your Coconut?

Artikel The World Leaders In Coconut Production