Liberia: Kein Tropenholz aus diesen einzigartigen Wäldern!

Ein Schimpanse in Liberia Die Wälder Liberias bieten Schimpansen einen Lebensraum. (© Sonja Metzger / Wild Chimpanzee Foundation)

Die Firma Golden Veroleum Liberia besitzt Konzessionen über hunderttausende Hektar Land, um Palmölplantagen anzulegen. Jetzt beantragt sie eine Lizenz, die den Verkauf des dabei geschlagenen Holzes erlaubt. Umweltschützer fordern, den Export von Holz aus solchen Konzessionen zu verhindern. Sonst drohe die Zerstörung der Regenwälder.

Appell

An: Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf

„In Liberia ist der Verkauf von Holz untersagt, das bei der Anlage von Plantagen geschlagen wird. Eine Lockerung gefährdet die Regenwälder akut.“

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Liberia beheimatet fast die Hälfte der verbliebenen, unglaublich artenreichen Regenwälder Westafrikas. Was der Umweltschützer James Otto sagt, ist unmissverständlich: „Wenn das Holz aus Palmölkonzessionen verkauft und exportiert werden darf, bedeutet dies das Ende für viele Wälder!“  Riesige Flächen sind bedroht: Allein Golden Veroleum Liberia (GVL) und der Konzern Sime Darby verfügen über 600.000 Hektar große Ländereien. „Manager machen in den Führungsetagen der Politik mächtig Druck für eine Lockerung des Handelsverbots“, ist der Umweltschützer des Sustainable Development Institute (SDI) in Monrovia überzeugt.

In der Lesart von GVL solle der Vorstoß lediglich Gemeinden helfen, die das Holz nutzen wollen, das bei der Anlage von Plantagen anfalle. Bisher verrotte es ungenutzt. GVL zufolge würden keine Bäume gefällt, die nicht sowieso für die Plantagen gerodet würden. SDI traut dem nicht.

Sowohl GVL als auch die Gemeinden müssten in jedem Fall Holzfäller engagieren – die häufig in illegale Geschäfte verstrickt waren. Die Holzbranche gilt als notorisch kriminell.

Ein Grund für James Ottos Warnung ist die undurchsichtige Gesetzeslage in Liberia. Grundsätzlich sind der kommerzielle Holzeinschlag und der Export derzeit verboten. Gestattet die Regierung jetzt den Holzverkauf aus Palmöl-Konzessionen, wo Bäume gefällt werden dürfen, würde auch der illegale Handel befeuert. Der Druck auf Wälder nähme dramatisch zu.

Liberia hat sich in Abkommen mit der UN und der EU zum Schutz seiner Wälder verpflichtet. Diese Verpflichtungen wären nicht haltbar.

Gemeinsam mit dem SDI verlangen 50 Umweltschützer aus aller Welt, die den renommierten Goldman-Preis gewonnen haben, von Liberias Regierung, den Export von Tropenholz aus Palmöl-Konzessionen zu verhindern.

Bitte unterstützen Sie diese Forderung.

Hinter­gründe

Open Letter from Goldman Prize Laureates

We are pleased that the Forestry Development Authority (FDA) of the Republic of Liberia denied Golden Veroleum Liberia’s request for a permit to allow logging for export in its Concession Area. We congratulate the FDA for this decision and encourage the authority to continue its efforts to manage Liberia’s forest in a sustainable manner.

We are, however, deeply concerned that the FDA plans to develop a regulation to allow forest destruction or conversion for oil palm and/or rubber plantations. We note that this does not only contradict the government’s pledge to work with the international community to reduce deforestation and forest degradation, and the restoration of degraded landscapes, it places the future of one of the most viable tract of rainforest in West Africa in danger.

With this letter, we express support for the Sustainable Development Institute’s (SDI) call on the government of Liberia to abandon its plan to legalize forest destruction by removing the current restriction on the export of timber from forest conversion.

We note the Government of Liberia’s endorsement of the New York Declaration on Forest in 2014; Liberia’s Voluntary Partnership Agreement with the European Union; and its partnership with the Kingdom of Norway, and we encourage the government to follow through on its commitments under these initiatives.

Sincerely yours,

1.Leng Ouch, Cambodia, Asia 2016

2. Luis Jorge Rivera-Herrera, Puerto Rico, South & Central America 2016

3. Howard Wood, Scotland, Europe 2015

4. Jean Wiener, Haiti, Island & Island Nations 2015

5. Ramesh Agrawal, India, Asia 2014

6. Desmond Mathew D’Sa, South Africa, Africa 2014

7. Rudi Putra, Indonesia, Islands & Island Nations 2014

8. Azzam Alwash, Iraq, Asia 2013

9. Evgeniya Chirikova, Russia, Europe 2012

10. Ikal Ang'elei, Kenya, Africa 2012

11. Dmitry Lisitsyn, Russia, 2011

12. Randall Arauz, Costa Rica, South & Central America, 2010

13. Lynn Henning, USA, North America 2010

14. Thuli B Makama, Swaziland, Africa 2010

15. Tuy Sereivathana, Cambodia, Asia 2010

16. Marc Ona, Gabon, Africa 2009

17. Maria Gunnoe, USA, North America 2009

18. Olga Speranskaya, Russia, Europe 2009

19. Yuyun Ismawati, Indonesia, Islands & Island Nations 2009

20. Feliciano dos Santos, Mozambique, Africa 2008

21. Ignace Schops, Belgium, Europe 2008

22. Orri Vigfússon, Iceland, Islands & Island Nations 2007

23. Sophia Rabliauskas, Canada, North America 2007

24. Hammarskjoeld Simwinga, Zambia, Africa 2007

25. Craig Williams, USA, North America 2006

26. Silas Kpanan Ayoung Siakor, Liberia, Africa 2006

27. Tarcísio Feitosa, Brazil, South & Central America 2006

28. Yu Xiaogang, China, Asia 2006

29. Pisit Charnsnoh, Thailand, Asia 2002

30. Steve Wilson, USA, North America 2001

31. Bruno Van Peteghem, New Caledonia, Islands & Island Nations 2001

32. Myrsini Malakou, Greece, Europe 2001

33. Giorgos Catsadorakis, Greece, Europe 2001

34. Nat Quansah, Madascar, Island & Island Nations 2000

35. Alexander L. Peal, Liberia, Africa 2000

36. Michal Kravčík, Slovakia, Europe 1999

37. Dr. Bobby Peek, South Africa, Africa 1998

38. Atherton Martin, Dominica Republic, Islands & Island Nations 1998

39. Anna Giordano, Italy, Europe 1998

40. Paul Cox, Samoa, Islands & Island Nations 1997

41. Juan Pablo Orrego S., Chile, South & Central America 1997

42. Albena Simeonova, Bulgaria, Europe 1996

43. Ricardo Navarro, El Salvador, South & Central America 1995

44. Laila Iskandar, Egypt, Africa 1994

45. Heffa Schuecking, Germany, Europe 1994

46. Andrew Simmons, St. Vincent and the Grenadines, Islands & Island Nations 1994

47. Sviatoslav Zabelin, Russia, Europe 1993

48. Christine Jean, France, Europe 1992

49. Dr. Mathieu Wadja Egnankou, Ivory Coast, Africa 1992

50. Cath Wallace, New Zealand, Islands & Island Nations, 1991

An­schreiben

An: Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf

Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf,

die Palmölfirma Golden Veroleum Liberia besitzt Landwirtschafts-Konzessionen über Hunderttausende Hektar. Jetzt beantragt die Firma eine Rodungserlaubnis, die auch den Verkauf des bei der Anlage von Palmöl-Plantagen im Landkreis Sinoe geschlagenen Holzes erlaubt. Derzeit hat sie dafür keine Genehmigung, nachdem die Forstbehörde Forestry Development Authority (FDA) diese verweigert hat.

Umweltschützer und Menschenrechtsgruppen aus aller Welt fürchten, dass die Flächen komplett gerodet und in Plantagen umgewandelt werden, sollte mit dem Einschlag auch der Holzverkauf genehmigt werden. Das Land und die Lebensgrundlage der Dörfer, die vom Wald abhängig sind, wären gefährdet. Derzeit unterliegt der Export von Tropenholz aus Landwirtschaft-Konzessionen wie denen von Golden Veroleum Liberia Restriktionen. Der Handel wäre illegal.

Liberia hat sich in internationalen Verträgen zum Schutz seiner Wälder verpflichtet. Dazu gehören die New York Declaration on Forests und das Voluntary Partnership Agreement mit der EU.

Bitte werden Sie Ihrer Verantwortung für die Natur Ihres Landes gerecht und verhindern Sie den Export von Tropenholz aus solchen Konzessionen.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.
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