Abholzen für unsere Energie? Nein danke!

ein dicken Baum, umgefallene Bäume verrotten Bialowieza Wald in Polen So sollten Wälder aussehen (© Adam Ławnik) Holzfeuer im Kamin
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Ende der Aktion: 20.06.2018

Zurzeit entscheidet die EU über den Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2030. Holz als Brennstoff ist der wichtigste Energieträger. Künftig soll noch mehr Holz in den Wäldern geschlagen werden. Davor müssen wir sie schützen. Denn Europas Wäldern geht es schlecht, die Artenvielfalt schwindet. Bitte unterschreiben Sie unsere Petition

News und Updates Appell

An: EU Kommission, EU Parlament, EU Ministerrat, EU Mitgliedsländer

„Die EU will die Wälder noch stärker für die Produktion von Holz als Brennstoff nutzen, zum Schaden der Natur. Stoppt die Bioenergiepolitik der EU!“

Ganzes Anschreiben lesen

Stellen Sie sich einen gigantischen Würfel aus Baumstämmen vor: Fast 760 Meter lang, 760 Meter breit, 760 Meter hoch. Das ist die Holzmenge, die wir in der Europäischen Union (EU) pro Jahr verfeuern, um Heizwärme und elektrischen Strom zu erzeugen.

Erneuerbare Energien sollen das Klima schützen und die Wirtschaft ankurbeln. Im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen Wind-, Wasserkraft- und Solarenergie. Doch in der Praxis liefern sie nur ein Drittel der erneuerbaren Energie. Zwei Drittel werden durch Biomasse erzeugt. Fast 440 Millionen Kubikmeter (m3) Holz und Holzreste als Brennmaterial machen den Großteil der erneuerbaren Energie in der EU aus.

Nicht nur Baumstämme, auch Äste und Zweige werden dazu zerschreddert. Zum Teil ziehen Bagger sogar die Baumstümpfe aus dem Boden. Lebendige Ökosysteme degradieren so zu öden Wirtschaftswäldern. Immer mehr Holz soll in den Wäldern geschlagen werden, ergänzt durch Holzplantagen und Pelletimporte aus Übersee.

Dabei geht es unseren Wäldern immer schlechter, das zeigen nicht nur die alljährlichen Waldzustandsberichte der Bundesregierung. Dreiviertel aller Tier- und Pflanzenarten sowie Habitate befinden sich nach Angaben des Umweltministeriums in einem unzureichenden oder schlechten Zustand. Die Artenvielfalt droht auszusterben.

Massenhaft Bäume zu verbrennen, ist das Gegenteil von umwelt- und klimafreundlich, schreiben 800 Wissenschaftler an die EU. Denn ob die Wälder, die heute in Rauch aufgehen, jemals wieder nachwachsen und CO2 binden können, ist fraglich.

Anstatt auf Holzproduktion getrimmte Forste brauchen wir eine naturnahe Waldbewirtschaftung. Totholz, alte und abgestorbene Bäume, sind dabei ein wichtiger Lebensraum. Und mindestens 5% der Wälder sollten ungenutzt bleiben.

Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition zum Schutz der Wälder und ihrer Bewohner.

Hinter­gründe

Erneuerbare Energiepolitik der EU

Die Europäische Union (EU) will weiteres Wirtschaftswachstum und fördert dazu den Ausbau der erneuerbaren Energien. Diese sollen im Jahr 2020 mindestens 20% des Energieendverbrauchs ausmachen, hat die EU bereits 2009 mit der Erneuerbare Energien Richtlinie beschlossen. Derzeit verhandelt sie über die Umsetzung des 2014 vereinbarten Rahmens für Klima- und Energiepolitik, nach dem bis 2030 deren Anteil auf 27% in der EU steigen soll.

Doch was bedeuten dies Pläne für die Natur und vor allem die Wälder?

In der EU wurden 2015 bereits 440 Mio. m3 Biomasse - vor allem Holz - zur Energieerzeugung eingesetzt. In Deutschland geht mit schätzungsweise 80 Mio. m3 (2010) schon mehr Holz zur Erzeugung von Wärme und Strom in Rauch auf, als für Möbel, Papier oder Verpackung (76 Mio. m3 pro Jahr) verwendet wird.

Immer mehr Holz, d.h. vor allem Holzhackschnitzel und Pellets, importieren die EU-Länder zur Energieerzeugung. 21,7 Mio. t Holzhackschnitzel werden jährlich zur Energieerzeugung vebrannt sowie etwa 6,6 Mio. t Pellets aus Nordamerika sowie 1,4 Mio. t aus Russland und der Ukraine eingeführt. So zerkleinern rund um den Globus Maschinen Wälder zu Hackschnitzeln und Pellets für unseren Bedarf.

Die Verbrennung von Holz setzt nicht nur den in den Bäumen gebundenen Kohlenstoff frei, der freigesetzte Rauch und Feinstaub verursacht auch massive gesundheitsschädliche Emissionen, die u.a. schwere Herz-, Kreislauf- und Atemwegeerkrankungen, Krebs sowie Asthma auslösen können. Tausende Menschen - nach wissenschaftlichen Studien bis zu 40.000 Personen - sterben jährlich in Europa daran. 

Was sieht es in unseren Wäldern aus?

In der EU dehnen sich Wälder, Forste und Holzplantagen auf etwa 182 Millionen Hektar aus. Der größte Teil davon sind Wirtschaftwälder, die ganz überwiegend auf Produktivität und Rentabilität ausgerichtet sind, also maximale Holzproduktion in kürzester Zeit.

In Deutschland herrschen auf 54 % der Waldfläche Forste mit zumeist standortfremden Nadelbäumen (Fichten, Kiefern, Lärchen und Tannen) und exotischen Koniferen wie Douglasien vor. Laubhölzer und vor allem Buchenwälder gedeihen dagegen auf nur 43% der Fläche. Und alte (mehr als 160 Jahre), der potenziellen natürlichen Vegetation entsprechende Laubwälder nehmen lediglich 2,4 Prozent der deutschen Waldfläche ein.

Nach der 2010 vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) veröffentlichten Karte der „Potenziellen Natürlichen Vegetation von Deutschland" ergibt sich, dass eigentlich Buchenwälder verschiedenster Ausprägungen mit gut 67 Prozent Flächenanteil (24,3 Millionen Hektar) bei uns vorherrschen würden, während Nadelwälder nur auf einen Anteil von etwa einem Prozent (!) kämen.

Ökologisch gesehen sind die Wirtschaftswälder in einem desolaten Zustand. Sie bieten nur vergleichsweise wenig Tier- und Pflanzenarten Lebensraum und Nahrung. Dies spiegeln auch die Umweltstudien von Bundesregierung und EU wieder. Sowohl der Bericht des Bundesamts für Naturschutz "Die Lage Der Natur in Deutschland" und der Bericht der EU Kommission "Der Zustand der Natur in der EU" kommen jeweils zu dem Ergebnis, dass Dreiviertel aller Tier- und Pflanzenarten sowie Habitate sich in einem unzureichenden oder schlechten Zustand befinden. Die Artenvielfalt geht immer weiter zurück und droht auszusterben.

Im Gegensatz dazu sind Urwälder und naturnah erhaltene Wälder wichtige Habitate und der Lebensraum einer immensen Artenvielfalt. In Deutschland sind aufgrund des Lobbydrucks der Forst- unhd Holzindustrie nur knapp zwei Prozent der Waldfläche von der Nutzung ausgenommen. 

Anstatt einer immer intensiveren, auf maximale Holzproduktion ausgerichteten Forstwirtschaft benötigen wir schonend und naturnah bewirtschaftete Wälder. Denn Wälder erfüllen viele wichtige Funktionen als nur reine Holzlieferanten zu sein: Sie erhalten die Biodiversität, die Böden, sind Wasserspeicher (Trinkwasser) und regulieren den Wasserhaushalt (Hochwasserschutz), sie speichern riesige Mengen Kohlenstoff, wirken ausgleichend auf das Klima, reinigen die von Industrie, Haushalten und Verkehr verschmutzte Luft und sind ein wichtiges Ziel für Freizeitaktivitäten und Erholung.

Zahlen zum Thema erneuerbare Energien, Bioenergie und Holz als Brennstoff

Video zu der Frage, ob die Verbrennung von Holz wirklich klimaneutral ist: https://www.youtube.com/watch?v=FMCQDTMcsaQ&t=5s

FERN, Birdlife, Transport&Environment, 2017: What impact has the Renewable Energy Directive had on EU forests?

http://www.fern.org/sites/fern.org/files/briefingLULUCFjune2017%20(2).pdf

Seite 1, Tabelle 1: Verbrauch von Holzbiomasse für Energie

2015: 439.841.000 m³

European Commission, 2014: Commission staff working document. State of play on the sustainability of solid and gaseous biomass used for electricity, heating and cooling in the EU

https://ec.europa.eu/energy/sites/ener/files/2014_biomass_state_of_play_.pdf

Seite 28:

Energie aus Biomasse

EU 2012: 99 Mtoe (Million tons of oil equivalent = Millionen Tonnen Erdöleinheiten)

= 62% Anteil an der Produktion erneuerbarer Energien in der EU (= 159,7 Mtoe) und

= 8,7% Anteil am Endenergieverbrauch der EU

EU 2020: 139,5 Mtoe

= 57% Anteil an der Produktion erneuerbarer Energien in der EU, davon

- Wärme 90,4 Mtoe

- Transport 29,1 Mtoe

- Elektrizität 20,0 Mtoe

Energie aus Biomasse nach EU-Ländern 2020

- Frankreich 21,6 Mtoe

- Deutschland 21,1 Mtoe

- Schweden 11,7 Mtoe

- UK 10,4 Mtoe

- Italien 9,8 Mtoe

AEBIOM 2017: European Bioenergy Outlook 2017. Key Findings

http://www.aebiom.org/wp-content/uploads/2017/10/KF17-v2.pdf

Endenergieverbrauch EU 2015

Fossile Energien und Kernkraft 83%

Erneuerbare Energie 17%, davon

- Bioenergie 10%

- Wasserkraft, Wind, Sonne, Geothermie 7%

Energieerzeugung aus Bioenergie in der EU 2015: 112,342 Mtoe

Pelletproduktion 2016

Weltweit 28.9 Mio. t

EU 14 Mio. t, davon

- Deutschland 1,9 Mio. t

- Schweden 1,7 Mio. t

- Litauen 1,4 Mio. t

- Estland 1,2 Mio. t

- Frankreich 1,2 Mio. t

- Nordamerika 9,9 Mio. t

- Russland, Ukraine 2,6 Mio. t

- Asien (ohne China) 2,1 Mio. t

- Restl. Welt 0,3 Mio. t

Pelletverbrauch EU 2016

21,7 Mio. t

Pelletimporte EU 2016

Nordamerika 6,6 Mio. t

Russland, Ukraine 1,4 Mio. t

An­schreiben

An: EU Kommission, EU Parlament, EU Ministerrat, EU Mitgliedsländer

Sehr geehrte Damen und Herren,

die EU und ihre Mitgliedsländer planen im Rahmen ihrer Politik zu erneuerbaren Energien, immer mehr Holz zur Erzeugung von Wärme und Strom zu verbrennen. Bereits jetzt hat die Holzverfeuerung einen Anteil von etwa 50 Prozent an den erneuerbaren Energien, die gesamte Biomasse sogar von zwei Dritteln.

Dabei geht es den Wäldern in Europa und der Artenvielfalt schlecht. Dreiviertel aller Tier- und Pflanzenarten sowie Habitate befinden sich nach Angaben des Umweltministeriums in einem unzureichenden oder schlechten Zustand. Die Bestandszahlen vieler Arten gehen rapide zurück.

Anstatt die Waldbewirtschaftung auf maximale Holzproduktion auszurichten, müssen Umweltaspekte in den Vordergrund gestellt werden. Mehr Flächen müssen zudem von der Holznutzung ausgenommen und geschützt werden.

Bitte korrigieren Sie dringend die Bioenergiepolitik der EU und ihrer Mitgliedsländer. Die massenhafte Verbrennung von Bäumen und anderer Biomasse ist weder umweltfreundlich noch klimaneutral.

Mit freundlichen Grüßen

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