Bitte protestiert: GroKo will Wölfe schießen!

Europäischer Wolf Wölfe sind in Deutschland wieder heimisch (© KeithSzafranski / iStock)
100.840 Teilnehmer

Ende der Aktion: 14.02.2020

Die Große Koalition will Wölfe erschießen lassen, wenn sie über eine Weide laufen. Der Schutz der Tiere soll wegen unberechtigter Ängste und Panikmache gelockert werden. Dabei sind Wölfe in der Bundesrepublik extrem selten und gefährdet. Bitte fordern Sie: Wölfe nicht erschießen, sondern schützen.

Appell

An: die Bundesregierung, Bundesvorstände von CDU und SPD, Vorstand der CSU

„In Deutschland sind Wölfe wieder heimisch, doch extrem selten und gefährdet. CDU, CSU und SPD dürfen Wölfe nicht zum Abschuss freigeben.“

Ganzes Anschreiben lesen

Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ist von „notwendiger Bestandsreduktion“ die Rede. Und weiter: „Wir wollen, dass Wölfe, die Weidezäune überwunden haben oder für den Menschen gefährlich werden, entnommen werden.“ Sprich: Die Regierung will auch Wölfe zum Abschuss freigeben, die über Weiden laufen.

Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD enthält viele Punkte, die man als Umweltschützer kritisieren muss. Wir greifen den Wolfschutz als handfestes, tödliches Vorhaben heraus.

In Deutschland leben lediglich 73 Rudel, 30 Paare und 3 Einzeltiere, insgesamt höchstens 246 erwachsene Tiere, verteilt vor allem auf Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Erst im Jahr 2000 sind Wölfe nach Deutschland zurück gekommen, nachdem sie 150 Jahre zuvor ausgerottet worden waren.

In Wahrheit sind Wölfe in der Bundesrepublik keine Gefahr, sondern bedroht: Seit der Jahrtausendwende wurden mindestens 140 Wölfe im Straßenverkehr überfahren und 26 illegal erschossen. Es ist europaweit kein Fall bekannt, in dem ein Mensch angegriffen wurde.

Wölfe sind Teil der Natur und stehen unter strengem Schutz, sowohl in Deutschland als auch in der Europäischen Union. Jäger müssen daher akzeptieren, dass die Tiere Rehe und Wildschweine töten.

Wölfe reißen selbstverständlich auch Schafe. Folglich müssen Nutztierhalter ihre Herden besser schützen. Der wirtschaftliche Schaden ist jedoch nicht sonderlich groß: 2017 musste der Staat lediglich 135.140 Euro Kompensation zahlen.

Wie wollen wir glaubwürdig für den Schutz von Löwen, Tigern und Jaguare in Afrika, Asien und Lateinamerika werben, wenn wir bei uns Wölfe erschießen?

Bitte fordern Sie: Wölfe nicht erschießen, sondern schützen.

Hinter­gründe

Der Wolf ist die größte Art aus der Familie der Hundeartigen (Canidae). Erwachsene Wölfe wiegen im Durchschnitt 40 Kilogramm und haben eine Schulterhöhe von 75 Zentimetern. Im Vergleich zu einem etwa gleich schweren Deutschen Schäferhund sind Wölfe deutlich hochbeiniger und haben eine gerade Rückenlinie. In Gefangenschaft können Wölfe 16 Jahre und älter werden, frei lebende Wölfe sterben zumeist früher.

Wolfsrudel kommen in unserer Kulturlandschaft gut zurecht und sind nicht auf Wildnis angewiesen. Sie beanspruchen dabei große Flächen für die Suche nach Beutetieren. Das Bundesamt für Naturschutz gibt 103 und 375 Quadratkilometer an.

Wölfe sind gefährdet, kein Gefahr

National ist der Wolf nach dem Bundesnaturschutzgesetz eine streng geschützte Art und genießt damit den höchst möglichen Schutzstatus. In der Roten Liste der gefährdeten Tiere Deutschlands (2009) wird der Wolf als eine vom Aussterben bedrohte Art eingestuft.

Auf EU-Ebene ist der Wolf durch die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) eine „prioritäre Art“, für deren Erhaltung allen Staaten eine besondere Verantwortung zukommt. Gemäß dem deutschen FFH-Bericht von 2013 weist der Wolf weiterhin eine ungünstige Erhaltungssituation auf.

So verhalten Sie sich richtig

Bei einer Begegnung mit Wölfen rät das Bundesamt für Naturschutz:

- Verhalten Sie sich bitte ruhig. Bleiben Sie stehen und halten Sie Abstand.

- Laufen Sie nicht weg, sondern gehen Sie langsam rückwärts und sprechen Sie dabei laut.

- Falls der Wolf nicht wegläuft, halten Sie an, schreien Sie ihn an und klatschen in die Hände. Machen Sie sich groß, um ihn einzuschüchtern.

- Wenn Sie mit Hund unterwegs sind, leinen Sie ihn bitte grundsätzlich an und führen Sie ihn nahe bei sich. Sollte sich ein Wolf trotzdem nähern, rufen Sie laut und klatschen Sie in die Hände, um Ihre Anwesenheit deutlich zu machen.

- Bitte locken Sie keine Wölfe an und füttern Sie diese keinesfalls. So verhindern Sie, dass ein Wolf seine natürliche Scheu vor dem Menschen verliert.

- Melden Sie Wolfsbegegnungen an die zuständigen Länderbehörden.

Wirtschaftliche Schäden gering

Wirtschaftliche Schäden durch Wölfe halten sich in überschaubaren Grenzen: Laut Bundesamt für Naturschutz betrugen die Ausgaben der Bundesländer mit Wolfsvorkommen im Jahr 2016 insgesamt 1.100.963 Euro für Herdenschutzmaßnahmen. Im Vergleich dazu lagen die Schadenausgleichszahlungen, bei denen ein Wolf als Verursacher nachgewiesen oder nicht ganz ausgeschlossen werden konnte, bei rund 135.140 Euro.

An­schreiben

An: die Bundesregierung, Bundesvorstände von CDU und SPD, Vorstand der CSU

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel,
sehr geehrte Vorstände von CDU, CSU und SPD,

im Koalitionsvertrag ziehen Sie den strengen Schutz der Wölfe in Zweifel. Sie erwecken den Eindruck, dass es in der Bundesrepublik zu viele Wölfe gibt und sie für Menschen und Weidetiere gefährlich sind. Das ist falsch.

Bei nur 60 Rudeln und 13 Paaren ist die Zahl so gering, dass das Überleben der Art in Deutschland nicht gesichert ist.

Die unberechtigten Ängste der Bevölkerung und die Sorgen der Weidetierhalter müssen ernst genommen werden. Wölfe sind aber keine Gefahr, sondern selbst gefährdet!

Wölfe genießen heute den höchsten Schutzstatus, sowohl in der Bundesrepublik als auch in der Europäischen Union. Das darf sich nicht ändern. Wölfe dürfen nicht unter das Jagdrecht fallen, sondern ausschließlich unter das Naturschutzrecht.

Vor 150 Jahren wurde der Wolf in Deutschland ausgerottet. Bitte verhindern Sie, dass sich dies wiederholt.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Biodiversität

Die Ausgangslage: Warum ist Biodiversität so wichtig?

Biodiversität oder Biologische Vielfalt umfasst drei Bereiche, die sehr eng miteinander verbunden sind: die Artenvielfalt, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme wie z.B. Wälder oder Meere. Jede Art ist Teil eines hoch komplexen Beziehungsgeflechts. Stirbt eine Art aus, wirkt sich das auf viele andere Arten und ganze Ökosysteme aus.

Weltweit sind derzeit fast 2 Millionen Arten beschrieben, Experten schätzen die Anzahl weitaus höher. Tropische Regenwälder und Korallenriffe gehören zu den artenreichsten und am komplexesten organisierten Ökosystemen dieser Erde. Rund die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten lebt in den Tropenwäldern.

Die biologische Vielfalt ist für sich alleine schützenswert und gleichzeitig unsere Lebensgrundlage. Wir nutzen täglich Nahrungsmittel, Trinkwasser, Medizin, Energie, Kleidung oder Baumaterialien. Intakte Ökosysteme sichern die Bestäubung von Pflanzen und die Bodenfruchtbarkeit, schützen uns vor Umweltkatastrophen wie Hochwasser oder Erdrutschen, reinigen Wasser und Luft und speichern das klimaschädliche CO2.

Die Natur ist auch die Heimat und zugleich ein spiritueller Ort vieler indigener Völker. Sie sind die besten Regenwaldschützer, denn besonders intakte Ökosysteme findet man in den Lebensräumen von indigenen Gemeinschaften.

Der Zusammenhang zwischen dem Verlust von Natur und der Ausbreitung von Pandemien ist nicht erst seit Corona bekannt. Eine intakte und vielfältige Natur schützt uns vor Krankheiten und weiteren Pandemien.

Die Auswirkungen: Artenschwund, Hunger und Klimakrise

Der Zustand der Natur hat sich weltweit dramatisch verschlechtert. Rund 1 Million Tier- und Pflanzenarten sind in den nächsten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind derzeit 37.400 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht - ein trauriger Rekord! Experten sprechen von einem sechsten Massenaussterben in der Geschichte der Erde - das Tempo des globalen Artensterbens ist durch den Einfluss des Menschen um Hunderte mal höher als in den letzten 10 Mio. Jahren.

Auch zahlreiche Ökosysteme weltweit - 75 % Landfläche und 66 % Meeresfläche - sind gefährdet. Nur 3% sind ökologisch intakt – z.B. Teile des Amazonas und des Kongobeckens. Besonders betroffen sind artenreiche Ökosysteme wie Regenwälder und Korallenriffe. Rund 50% aller Regenwälder wurden in den letzten 30 Jahren zerstört. Das Korallensterben nimmt durch den globalen Temperaturanstieg immer weiter zu.

Hauptursachen für den massiven Rückgang der Biodiversität sind die Zerstörung von Lebensraum, intensive Landwirtschaft, Überfischung, Wilderei und Klimaerwärmung. Rund 500 Milliarden US-Dollar jährlich werden weltweit in die Zerstörung der Natur investiert - in Massentierhaltung, Subventionen für Erdöl und Kohle, Entwaldung und Flächenversiegelung.

Der Verlust an Biodiversität hat weitreichende soziale und ökonomische Folgen, die Ausbeutung der Ressourcen geht zu Lasten von Milliarden Menschen im globalen Süden. Die UN kann die 17 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung z.B. die Bekämpfung von Hunger und Armut nur erreichen, wenn die Biodiversität weltweit erhalten und für die nächsten Generationen nachhaltig genutzt wird.

Ohne den Erhalt der Biodiversität ist auch der Klimaschutz bedroht. Die Zerstörung von Wäldern und Mooren – als wichtige CO2-Senken - heizt den Klimawandel weiter an.

Die Lösung: Weniger ist mehr!

Die natürlichen Ressourcen der Erde stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Knapp zwei Erden verbrauchen wir Menschen, bei derzeitigem Ressourcenverbrauch werden es 2050 mindestens drei sein. Um für den Erhalt der biologischen Vielfalt als unserer Lebensgrundlage zu kämpfen, müssen wir den Druck auf die Politik weiter erhöhen.
Und auch in unserem Alltag lässt sich viel bewegen.

Mit diesen Alltags-Tipps schützt man auch die biologische Vielfalt:

  1. Öfter mal pflanzlich: Mehr buntes Gemüse und Tofu auf den Teller oder am besten gar kein Fleisch! Rund 80% der Agrarflächen weltweit werden zur Tierhaltung und zum Anbau von Tierfutter genutzt.
  2. Regional und Bio: Ökologisch erzeugte Lebensmittel verzichten auf den Anbau von riesigen Monokulturen und den Einsatz von Pestiziden. Der Kauf von regionalen Produkten spart zudem Unmengen an Energie!
  3. Bewusst leben: Brauche ich schon wieder neue Klamotten oder ein Handy? Oder kann ich Alltagsdinge auch gebraucht kaufen? Es gibt gute Alternativen zu Produkten mit Palmöl oder Tropenhölzern! Tropische Haustiere wie z.B. Papageien oder Reptilien sind tabu! Berechne jetzt deinen ökologischen Fußabdruck.
  4. Werde Bienenfreund:in: Auf dem Balkon oder im Garten freuen sich Bienen und andere Insekten über vielfältige, leckere Pflanzen. Aber auch ohne eigenes Grün kann man in einem Naturschutzprojekt in der Region aktiv werden.
  5. Protest unterstützen: Demonstrationen oder Petitionen gegen die Klimaerwärmung oder für eine Agrarwende üben Druck auf Politiker:innen aus, die auch für den Schutz der biologischen Vielfalt verantwortlich sind.

Lesen Sie hier, warum so viele Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden.