Beendet den Handel mit Amphibien

Frosch auf dem Teller Froschschenkel werden vor allem in Frankreich, Belgien und den USA gegessen (© Studio-Annika / istockphoto.com - Collage Rettet den Regenwald)

Ein Pilz ist ihr Ende: Weltweit sterben ungezählte Amphibien wie Frösche an einem tödlichen Pilz. Er infiziert die Haut der Tiere und lässt viele verenden. Durch den internationalen Handel mit Amphibien breitet sich der Erreger rund um die Erde aus. Wir fordern ein Ende dieses Handels, um die Krise einzudämmen.

News und Updates Appell

An: United Nations Environment Programme (UNEP), cc an CITES, IUCN, WTO, World Customs Organisation

„Weltweit sterben Amphibien an einem tödlichen Pilz. Wir fordern ein Ende des Handels mit Amphibien, um die Krise einzudämmen.“

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Die Amphibienkrise ist dramatisch: Von den rund 7800 bekannten Arten sind bereits mindestens 120 durch den Pilz ausgerottet worden. Der Erreger gilt damit als größte Gefahr für das Überleben der Amphibien.

Der Pilz infiziert die Haut der Tiere, hemmt die Hautatmung und stört den Stoffwechsel. Batrachochytrium dendrobatidis ist hoch ansteckend und häufig tödlich. Er vernichtet schnell ganze Bestände von Fröschen, Kröten und Salamandern.

Der Pilz sei der „Sargnagel für die Amphibien“, sagt der Biologe Dirk Schmeller vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ in Leipzig, der an einer internationalen Studie über den Pilz mitgewirkt hat.

Ursprünglich stammt der Erreger Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) von der koreanischen Halbinsel. Von dort hat er sich weltweit ausgebreitet und grassiert seit den 1990er Jahren auch in Europa. Möglich wurde dieser globale Siegeszug durch den internationalen Handel mit Amphibien etwa zu Forschungszwecken, als Haustier oder als Nahrungsmittel. Eine große Rolle spielt dabei der zig Millionen Dollar schwere Handel mit Froschschenkeln.

Hauptimporteure sind Belgien, Frankreich und die USA.

Besonders brisant ist für Forscher, dass durch den Handel immer neue Linien von Bd verbreitet werden. Diese können Resistenzen, die Amphibienarten beispielsweise in Panama entwickelt haben, umgehen.

Hierzulande machen sich Biologen Sorgen um Feuersalamander. Er wird vom Pilz Batrachochytrium salamandrivorans attackiert. In den Niederlanden hat er bereits zu einem Massensterben geführt, in Belgien und Deutschland breitet sich der Erreger rasant aus. Forscher fürchten, dass der Pilz zum Siegeszug jenseits des Atlantiks ansetzt. Dort würde er Hunderte Arten mit dem Tod bedrohen.

Um das Amphibiensterben einzudämmen, fordern wir ein Ende des Handels mit den Tieren.

Hinter­gründe

Zahlen zum Ausmaß des Handels mit Amphibien gibt es kaum. Die FAO schätzt, dass im Jahr 2005 weltweit in Zuchtanlagen 85.000 Tonnen Frösche und andere Amphibien im Wert von einer Drittel Milliarde US-Dollar gezüchtet wurden.

Zwischen 2006 und 2014 wurden mehr als 26 Millionen lebende Amphibien für kommerzielle Zwecke in die USA eingeführt. Über den Londoner Flughafen Heathrow wurden Anfang der 2000er Jahre mehr als 130.000 Amphibien pro Jahr importiert. Hinzu kommt der mitunter illegale Handel mit geschützten und bedrohten Arten.

Probleme bereitet den Behörden, dass in Zollpapieren häufig nicht der wissenschaftliche Name der Tierart aufgeführt wird. Dies trifft besonders für Spezies zu, die keinen Beschränkungen durch das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES unterliegen.

In welchem Ausmaß Amphibien mit dem Pilz infiziert sind, zeigen Daten aus Kanada. Von 172 Arten, die einer Statistik zufolge importiert wurden, wurden 43 positiv auf Bd getestet. Bereits im Mai 2008 erklärte die World Organization for Animal Health (OIE) Infektionen mit Bd zur anzeigepflichtigen Erkrankung. Ebenfalls über den internationalen Handel breiten sich Ranaviren aus.

Als Nahrungsmittel spielt der Nordamerikanische Ochsenfrosch die Hauptrolle, der sich zwar mit dem Pilz infiziert, häufig jedoch nicht daran stirbt. Nahezu die Hälfte der weltweit gehandelten Froschschenkel stammt aus Indonesien, wo viele Tiere in der Natur gefangen werden. Hauptimporteure sind Belgien, Frankreich und die USA.

Zwischen 1999 und 2009 wurden 53 Prozent der in die EU eingeführten Froschschenkel nach Belgien geliefert, 23 Prozent nach Frankreich und 17 Prozent in die Niederlande. Belgien führte 24.696 Tonnen ein, Frankreich 10.453 Tonnen, die Niederlande 7.960 Tonnen. Aus Belgien wird ein großer Teil der Ware nach Frankreich weiterverkauft. Deutschland importierte 14,5 Tonnen, die Zahl ist seither deutlich auf rund 41,5 Tonnen allein im Jahr 2016 gestiegen. Zum Vergleich: Während des „Fests der Frösche“, das im April im französischen Vittel stattfindet, werden rund 7 Tonnen Froschschenkel konsumiert, etwa 350.000 Frösche müssen dafür ihr Leben lassen.

Weitere Quellen und Links

Medienspiegel Dirk Schmellers

http://dirk.die-schmellers.de/Press/180514_Amphibienstermen.html

Pathogenic fungus originates in Korea

https://www.p3mountains.org/single-post/2018/05/10/Pathogenic-fungus-originates-in-Korea

Amphibien-Killer-Pilz stammt aus Asien

http://www.ufz.de/index.php?de=36336&webc_pm=13/2018

Interview Dirk Schmellers

http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2018/05/14/amphibiensterben_der_gefaehrliche_chytridpilz_stammt_aus_dlf_20180514_1645_7543a4b8.mp3

Reptilien & Amphibien

https://www.prowildlife.de/tiere/reptilien-amphibien/

Scientists find ‘ground zero’ of deadly frog pandemic

https://news.mongabay.com/2018/05/scientists-find-ground-zero-of-deadly-frog-pandemic/

Global frog pandemic may become even deadlier as strains combine

https://news.mongabay.com/2018/07/global-frog-pandemic-may-become-even-deadlier-as-strains-combine/?n3wsletter&utm_source=Mongabay+Newsletter&utm_campaign=dceb8bffc3-newsletter_2018_07_05&utm_medium=email&utm_term=0_940652e1f4-dceb8bffc3-67234963

How the International Trade in Geckos Is a Scam

https://news.nationalgeographic.com/2016/01/160106-tokay-geckos-indonesia-traditional-medicines-wildlife-trade-traffic/

Trading in extinction: how the pet trade is killing off many animal species

https://theconversation.com/trading-in-extinction-how-the-pet-trade-is-killing-off-many-animal-species-71571

How the pet trade is killing frogs — and the genetic sleuthing that uncovered it

http://www.santacruzsentinel.com/environment-and-nature/20180510/how-the-pet-trade-is-killing-frogs-and-the-genetic-sleuthing-that-uncovered-it

Studie: Recent Asian origin of chytrid fungi causing global amphibian declines

http://science.sciencemag.org/content/360/6389/621

Studie: Development and worldwide use of non-lethal, and minimal population-level impact, protocols for the isolation of amphibian chytrid fungi

https://www.nature.com/articles/s41598-018-24472-2

Salamander: Batrachochytrium salamandrivorans: Deadly fungal threat to salamanders

https://amphibiaweb.org/chytrid/Bsal.html

World Organization for Animal Health (OIE)

http://www.oie.int/

Risk of survival, establishment and spread of Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) in the EU

http://doc.oie.int:8080/dyn/portal/index.seam?page=alo&aloId=35406&fonds=&cid=148

Report of the meeting of the OIE Aquatic Animal Health Standards Commission 2017

http://doc.oie.int:8080/seam/resource/directMedia/P2t1hfsPkM6j2YWZVhj41gSlyyc_L3rT?binaryFileId=14393&cid=148

Amphibian diseases flow through animal trade

https://www.sciencenews.org/blog/wild-things/amphibian-diseases-flow-through-animal-trade

International trade in amphibians: a customs perspective

http://www.amphibians.org/wp-content/uploads/2013/09/Alytes_2012_gerson.pdf

Is the international frog legs trade a potential vector for deadly amphibian pathogens?

https://esajournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1890/090111

Trends in US Imports of Amphibians in Light of the Potential Spread of Chytrid Fungus, Batrachochytrium dendrobatidis (Bd), and Implications for Conservation

https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/13880292.2017.1403796

Organisation Amphibian Ark

http://www.amphibianark.org

There is no proposed ban on the U:S: amphibian trade

http://www.amphibianark.org/pdf/US_amphibian_trade_proposal.pdf

IUCN Amphibian Conservation Action Plan

http://www.amphibianark.org/pdf/ACAP.pdf

The global amphibian trade flows through Europe : the need for enforcing and improving legislation

https://biblio.ugent.be/publication/8515142

https://link.springer.com/article/10.1007/s10531-016-1193-8

Scientists find frog legs trade may facilitate spread of pathogens

https://phys.org/news/2009-11-scientists-frog-legs-pathogens.html

Organisation save the Frogs

https://www.savethefrogs.com/

The Amphibian Trade: Bans or Best Practice?

https://www.savethefrogs.com/d/who-we-are/staff/kerry-kriger/pdfs/Garner-2009-Reply-to-Kriger.pdf

Is the demand for amphibians as pets threatening their survival in the wild?

https://australianmuseum.net.au/blogpost/amri-news/amri-demand-for-amphibians-as-pets

Spread of Chytridiomycosis Has Caused the Rapid Global Decline and Extinction of Frogs

https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10393-007-0093-5

Antrag SPD/Grüne: Wildtierhandel und -haltung in Deutschland einschränken und so den Tier- und

Artenschutz stärken

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/137/1713712.pdf

Two amphibian diseases, chytridiomycosis and ranaviral disease, are now globally notifiable to the World Organization for Animal Health (OIE): an assessment

https://www.int-res.com/articles/dao2009/special/fungus/fungpp7.pdf

Studie Canapés to Extinction:

http://www.prowildlife.de/wp-content/uploads/2016/02/Frogs-Legs_report_finalA4_web.pdf

An­schreiben

An: United Nations Environment Programme (UNEP), cc an CITES, IUCN, WTO, World Customs Organisation

Sehr geehrter Exekutivdirektor Erik Solheim,
sehr geehrte Damen und Herren,

Wissenschaftler beobachten weltweit ein besorgniserregendes Amphibiensterben. Eine Ursache dafür ist der hochgradig ansteckende und häufig tödliche Pilz Batrachochytrium dendrobatidis.

Aktuellen Studien zufolge hat sich der Pilz von der koreanischen Halbinsel ausgehend bis nach Südamerika und Europa ausgebreitet. Möglich wurde dies durch den internationalen Handel mit
Amphibien. Wissenschaftler fordern daher ein Ende dieses Handels.

Wir schließen uns dieser auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Forderung an.

Bitte beenden Sie den Handel mit Amphibien.

Mit freundlichen Grüßen

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