Ikea: Wohnst du noch oder zerstörst du schon?

Abholzungsmaschinen mit Baumstämmen neben IKEA-Logo
66.575 Teilnehmer

Ende der Aktion: 20.05.2014

IKEA hat die Abholzung der letzten Urwälder im russischen Karelien beendet.

Der Einrichtungs-Konzern Ikea holzt im Kahlschlag die russischen Wälder ab – darunter sogar viele Urwaldflächen. Jahrhundertealte Bäume werden umgesägt und die empfindlichen Böden von den tonnenschweren Holzschleppern zerstört. So sieht keinefalls die „verantwortungsvolle Forstwirtschaft“ aus, die Ikea den Kunden verspricht.

Appell

„IKEA: Bitte stoppen Sie unverzüglich den Kahlschlag der Naturwälder“

Ganzes Anschreiben lesen

Für 129 Euro wird der Ikea-Holztisch Modell Jokkmokk mit vier Stühlen angeboten. „Massive Kiefer; ein Naturmaterial, das wunderschön altert.“ schreibt Ikea dazu. 100 Millionen Möbelstücke verkauft der Konzern pro Jahr in seinen Einrichtungshäusern rund um den Globus. Der Holzbedarf ist mit über 13,6 Millionen Kubikmetern entsprechend gigantisch. Den Preis zahlt die Natur.

Ein großer Teil der Möbelhölzer stammt aus dem hohen Norden Russlands, wie die sehr feinen Jahrringe verraten. Im kühlen Klima nahe des Polarkreises wachsen die Bäume nur sehr langsam. 300.000 Hektar Naturwald hat die Ikea-Tochter Swedwood allein in Karelien gepachtet. Seitdem geht es dem Wald an den Kragen, darunter viele bisher von der Holzindustrie unberührte Flächen.

Tonnenschwere Erntemaschinen legen innerhalb von Sekunden die jahrhundertealten Bäume um. 800 Stück pro Tag rodet jedes der Ungetüme, entastet die Stämme und stapelt sie für den Abtransport ins Möbelwerk. Die fast mannshohen Reifen durchpflügen den weichen, sumpfigen Waldboden. Es wird Jahrzehnte dauern, bis sie sich wieder davon erholen. Tagtäglich holzt Ikea weitere artenreiche Urwaldstücke ab. Öde, leblose Kahlschläge machen sich überall breit.

Kahlschlag mit dem Ökolabel FSC

Ikea hält die Abholzung der borealen Urwälder für „nachweislich verantwortungsvoll“. Der Konzern verweist dazu auf das Siegel Forest Stewardship Council (FSC). Der Kahlschlag in Karelien ist mit dem Ökolabel der Bonner Firma FSC International Center GmbH zertifiziert. FSC-Watch kritisiert den Etikettenschwindel mit dem FSC-Label schon seit langem.

Weitere Infos

Bitte unterstützen Sie die Proteste der schwedischen Umweltorganisation Protect the Forest. Ikea soll sofort den Kahlschlag der Naturwälder beenden.

Hinter­gründe

Kahlschlag mit dem Ökolabel FSC

Ikea hält die Abholzung der borealen Urwälder für „nachweislich verantwortungsvoll". Der Konzern verweist auf das Siegel Forest Stewardship Council (FSC). Der Kahlschlag in Karelien ist mit dem Ökolabel der Bonner Firma FSC International Center GmbH zertifiziert.

„Wir lassen 16–17 Prozent der besonders schützenswerten Wälder stehen, was weit über den gesetzlichen und FSC-Anforderungen liegt“, erklärt die Ikea-Sprecherin Josefin Thorell gegenüber Umweltschützern. „Wir haben schon viel erreicht, aber wir laufen uns gerade erst warm", schwärmt Steve Howard, Nachhaltigkeitschef des IKEA Konzerns. 

Die ARD Fernsehreportage „Ikea-Möbel: Holz aus Urwäldern“ zeigt ein ganz anderes Bild. Und Umweltschützer kritisieren das FSC-Label schon seit langem. Die Standards werden in der Praxis nicht eingehalten, Hunderte von fragwürdigen Zertifikaten sind die Folge, wie FSC-Watch seit Jahren dokumentiert. Auch in Skandinavien und in den Tropen werden unberührte Urwälder mit dem Segen des Labels von der Holzindustrie geplündert. 

Ikea finanziert dafür die US-amerikanische Organisation Rainforest Alliance mit großzügigen Spenden. Deren Zertifizierungsabteilung Smartwood hat das FSC-Label an die Ikea-Tochter Swedwood und den Raubbau an den Wäldern in Karelien vergeben. Mit Ikeas Spenden, die allein 2011 mehr als 100.000 US-Dollar betrugen, drücken die Rainforest Alliance und Smartwood sicher gern ein Auge bei den Abholzern zu.

Und nicht nur das Holz ist bei Ikea ein großes Problem: 40.000 Tonnen Palmöl verbraucht der Konzern pro Jahr vor allem für Kerzen, aber auch andere Artikel wie Gebäck. Für den Palmöl-Anbau rodet die Industrie die tropischen Regenwälder. Aber auch dafür wartet Ikea mit einem weiteren Grünwaschlabel auf, dem sogenannten "Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO)".

Weitere Informationen im WDR-Fernsehen und auf Englisch bei Protect the Forest und Mongabay

Update 3. Juli 2012: Offener Brief des FSC Deutschland an Rettet den Regenwald

Update 4. Juli 2012:  Stellungnahme von Rettet den Regenwald zum "Offenen Brief des FSC Deutschland" an den Verein

 

An­schreiben

IKEA Deutschland
Peter Betzel, Geschäftsführer
Am Wandersmann 2–4, D-65719 Hofheim-Wallau
Tel.: +49(0)6122/585 4473; Fax: +49(0)6122/585 4121
E-Mail: peter.betzel@ikea.com

Kopien an Ikea Österreich, Ikea Schweiz, Inter Ikea Systems BV Niederlande

Sehr geehrter Herr Betzel,

Ikea wirbt mit „Nachhaltigkeit“ und „verantwortungsvoller Forstwirtschaft“. Doch die Praxis in Russland sieht anders aus. In Karelien rodet die Ikea-Tochter Swedwood auf einer 300.000 Hektar großen Konzession die Wälder, um den Holzbedarf des Konzerns für die Möbelproduktion zu decken. Zudem kauft Swedwood vor Ort große Mengen Holz von anderen Firmen ein.

Die Naturwälder werden mit Erntemaschinen abgeholzt, darunter bisher vom Holzeinschlag unberührte Urwaldflächen. Zurück bleiben riesige Kahlschläge. Die Artenvielfalt wird vernichtet, die Böden von den Reifen der tonnenschweren Forstschlepper zerstört. Sie werden Jahrzehnte brauchen, um sich davon wieder zu erholen. Nur noch etwa zehn Prozent der borealen Wälder sind in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten.

Die Kahlschläge mit schwerem Gerät und die Abholzung der jahrhundertealten Bäume haben auf keinen Fall ein „Ökosiegel“ verdient. Das Label der Bonner Firma FSC International Center GmbH und die Zertifizierung der Holzeinschlagskonzessionen von Swedwood sind offensichtlich ein Etikettenschwindel. FSC wird seit Jahren von Umweltorganisationen wegen seiner laschen Standards, hunderter fragwürdiger Zertifizierungen und sogar Betrugsfällen beschuldigt (siehe u.a. www.fsc-watch.org). Wir erkennen FSC deshalb nicht an.

Trotz der Klagen der Umweltgruppen Protect the Forests aus Schweden und SPOK Karelia aus Russland gehen die zerstörerischen Praktiken von Swedwood unvermindert weiter. Auch das Erste Deutsche Fernsehen (ARD) hat darüber schon im November 2011 ausführlich berichtet.

Bitte stoppen Sie unverzüglich den Kahlschlag der Naturwälder. Die verbliebenen Urwälder Russlands müssen erhalten werden, anstatt als billiger Rohstoff für Ikeas zu enden.

Mit freundlichen Grüßen