An Cargill: Kinder gehören nicht auf Plantagen!

Ein junges Mädchen sammelt auf einer Plantage Palmölfrüchte vom Boden auf Arbeit statt Spielen und Lernen: Dieses Mädchen hat keine Chance, eine Schule zu besuchen. Foto: Jason Motlagh/Pulitzer Center on Crisis Reporting (© Jason Motlagh)
65.643 Teilnehmer

Ende der Aktion: 22.05.2014

Für den Anbau von Ölpalmen fallen die letzten Urwaldriesen, die Bevölkerung wird gewaltsam vertrieben. Auch auf den Plantagen gelten Menschenrechte wenig – dort halten Konzerne Arbeiter wie Sklaven. Vom billigen Palmöl profitieren auch Händler wie der US-Multi Cargill und deren Kunden. Bitte protestieren Sie bei Cargill

Appell

An: Präsidenten und Vorstandsvorsitzenden von Cargill, c/o Cargill Deutschland GmbH
, Info_De@cargill.com; Kopien an Kellog's, Nestle, Unilever

„Wir fordern von Palmöl­konzernen wie Cargill: Palmöl, das mit Zwangsarbeit und Menschenrechtsverletzungen produziert wird, darf weltweit nicht gehandelt werden!“

Ganzes Anschreiben lesen

Sie werden zu den gefährlichsten und härtesten Jobs gezwungen, eingesperrt, geschlagen, um ihren Lohn betrogen: Männer, Frauen und Kinder schuften auf Plantagen wie Sklaven – sieben Tage in der Woche.

Neun Monate hat der Journalist Benjamin Skinner mit einem Team die Arbeitsbedingungen auf den Ölpalmplantagen in Indonesien untersucht. Die schockierenden Ergebnisse hat die Zeitung Bloomberg-Bussinessweek (auf Englisch) nun veröffentlicht: Die Arbeiter auf den Monokulturen des malaysischen KLK-Konzerns wurden mit falschen Versprechen angelockt, ihrer Papiere beraubt und zur Zwangsarbeit verpflichtet.

Bereits 2010 hatte die Umweltorganisation Rainforest Action Network (RAN) die KLK-Gruppe und deren Kunden schwerer Menschenrechtsverletzungen beschuldigt. KLK ist mit 200.000 Hektar Plantagen die weltweite Nummer 5 bei Palmöl. Westliche Konzerne wie Cargill gehören zu den Käufern der Sklavenhalter. Allein Cargill soll 27.000 Tonnen Palmöl von KLK bezogen haben.

Der US-Multi beliefert wiederum die großen Nahrungsmittelhersteller wie Nestlé, Kellogg's und Unilever sowie die Biodieselindustrie mit dem importierten Palmöl. So landen die Produkte der Sklavenarbeit auch auf unserem Tisch oder im Tank: Etwa in der Margarine, in den Frühstücksflocken, im Schokoaufstrich und im Biodiesel.

Rettet den Regenwald und RAN fordern Cargill und dessen Abnehmer auf, das für die Menschen und die Umwelt so schädliche Palmöl aus dem Handel zu nehmen.

Hinter­gründe

RSPO Label

Alle genannten Firmen berufen sich auf die umwelt- und sozial verträgliche Herstellung ihrer Produkte und kleben als Beweis das RSPO-Siegel auf ihre Verpackung. Doch das so genannte Nachhaltigkeitssiegel vom „Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl“ RSPO verhindert weder die Regenwaldabholzung noch die Menschenrechtsverletzungen. Die Industrielabel dienen den Firmen dazu, sich als grüne Saubermänner darzustellen und die Klagen der Opfer zu kaschieren. 

KLK-Gruppe

Der malaysische Konzern Kuala Lumpur Kepong (KLK) ist mit einer Ölpalm-Plantagenfläche von 200.000 Hektar  in Indonesien und Malaysia die weltweite Nummer 5 bei Palmöl. Seit 2004 ist KLK Mitglied bei dem Schweizer Palmölverein RSPO und hat fast die Hälfte (88.000 Hektar) seiner Palmölplantagen zertifiziert. 

Auch wegen der Regenwaldabholzung für Palmölplantagen steht KLK in den Schlagzeilen. Die indonesische Nationalpolizei hat Strafen gegen eine Tochterfirma des Konzerns verhängt, die auf Sumatra illegal Brandrodung betrieben haben soll. Im Juni hatte der Rauch der Waldbrände in Teilen Südostasiens tagelang den Himmel bedeckt und den Menschen das Atmen fast unmöglich gemacht.

Cargill

Der US-Multi Cargill ist der weltweit größte Händler und Verarbeiter von Agrarprodukten. Der im Familienbesitz befindliche und global operierende Konzern ist eines der größten US-Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 133 Milliarden US-Dollar. Cargill handelt mit großen Mengen Palmöl und besitzt auch eigene Palmöl-Plantagen und -Mühlen in Indonesien.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz betreibt Cargill zahlreiche Tochterunternehmen. Allein die Cargill Deutschland GmbH verfügt über 13 Büros und Fabriken in fast allen Bundesländern. In Frankfurt betreibt Cargill eine der größten Biodieselraffinerien Europas mit einer Kapazität von 250.000 Tonnen pro Jahr.

Was können wir tun

Auch wir als Kunden können etwas tun, meint Adam, einer der geknechteten Arbeiter von KLK. Jedes Mal, wenn wir im Laden ein Produkt in die Hand nehmen, das Palmöl enthält, sollten wir uns fragen, ob es durch Sklavenarbeit hergestellt wurde.

Weitere Informationen zur Zwangsarbeit bei KLK und der Verantwortung der Käufer des Palmöls wie Cargill (auf Englisch):

- Webseite des Rainforest Actions Networks (RAN) zu KLK und Cargill
- Artikel von Bloomberg Bussinessweek und ausführliche Berichte und Fotos auf der Webseite des Schuster Institutes zu den Recherchen über die Sklavenarbeit in der Palmölindustrie in Indonesien
- Artikel im The Atlantic über Kinderarbeit für Palmöl in Malaysia

An­schreiben

An: Präsidenten und Vorstandsvorsitzenden von Cargill, c/o Cargill Deutschland GmbH
, Info_De@cargill.com; Kopien an Kellog's, Nestle, Unilever

Sehr geehrter Herr Gregory Page, sehr geehrte Cargill-Kunden,

ich möchte keine Kinder- und Sklavenarbeit in meinem Essen oder Tank haben.

Am 18. Juli hat Bloomberg-Businessweek einen Artikel veröffentlicht, nach dem der Palmöllieferant von Cargill, Kuala Lumpur Kepong (KLK), die Rechte der Arbeiter und von Kindern schwer missachtet. Arbeiter von KLK beschreiben, wie sie betrogen, missbraucht und gefangen gehalten wurden. Viele wurden ihrer Personalausweise und Schulzeugnisse beraubt, um sie an der Flucht zu hindern. Andere, die zu fliehen versuchten, wurden öffentlich zusammengeschlagen.

Dennoch verteidigt Cargill die Praktiken von KLK.

Das ist ein Skandal. Cargill muss umfassende Sicherheitsvorkehrungen treffen um zu verhindern, dass Palmöl aus Sklaven- und Kinderarbeit, von Menschenrechtsverletzungen und der Zerstörung der Regenwälder in die Nahrungsmittelversorgung gelangt.

Bitte nehmen Sie diese Vorwürfe sehr ernst und stellen Sie sicher, dass Ihre Produkte nicht mit dem Missbrauch der Menschen- und Arbeitsrechte sowie Regenwaldabholzung in Verbindung stehen. Als Verbraucher erwarte ich von Ihnen und Ihren Kunden, dass Sie die Menschenrechte und den Umweltschutz achten.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

2016 importierte die EU 6,43 Millionen Tonnen Palmöl aus Indonesien (4,37 Mio. t) und Malaysia (2,06 Mio. t). Auf Deutschland entfielen davon nach Angaben der Bundesregeirung 1,34 Millionen Tonnen (Durchschnitt der Jahre 2013-15). Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.