Bringt kriminelle Tropenholzhändler ins Gefängnis

Mit Handschellen gefesselter Holzräuber vor gerodetem Regenwald Bei Tropenhölzern beträgt der Anteil illegaler Hölzer bis zu 90 Prozent.
47.611 Teilnehmer

Ende der Aktion: 22.05.2014

Seit März 2013 ist der Import illegaler Hölzer in die EU verboten. Doch der Raubbau an den Regenwäldern für unseren Konsum geht weiter. Das zeigen Recherchen von Umweltschützern. Eine Schiffsladung Tropenhölzer aus dem Kongo offenbart: Die Gesetze greifen nicht und die Behörden sind untätig. Bitte protestieren Sie

Appell

An: Bundesregierung, EU und Mitgliedsländer

„Die EU-Regierungen müssen den Import und Handel von illegalen Tropenhölzern mit wirksamen Kontrollen und harten Strafen endlich komplett verhindern“

Ganzes Anschreiben lesen

Ende April im Hafen von Antwerpen: Hunderte Kubikmeter aus Afrika importierte Tropenhölzer werden aus dem Frachter MV Chopin entladen. Sie stammen aus den Regenwäldern der DR Kongo. Und mindestens ein Teil der Edelhölzer, 200 Kubikmeter Wenge-Holz, sind offensichtlich illegalen Ursprungs.

Dies belegen Untersuchungen der Umweltorganisation Greenpeace vor Ort im Regenwald des Kongo. Dort beklagen die Einwohner, dass die Holzfirma Bakri Bois Corporation (BBC) ihre Bäume eingeschlagen und sich dann aus dem Staub gemacht habe. Die Lieferung verstößt damit gegen die EU-Holzhandelsverordnung, die den Import illegal geschlagener Hölzer nach Europa verbietet.

Doch das im März 2013 in Kraft getretene Gesetz wurde von der Tropenholzlobby völlig aufgeweicht und besteht nur auf dem Papier. Nicht ein einziges Brett wurde seitdem in der EU beschlagnahmt. Das ist erstaunlich, denn auf die EU entfällt gut ein Drittel des weltweiten Holzmarktes, und Tropenhölzer stammen nach Angaben von Interpol bis zu 90 Prozent aus illegalem Einschlag.

Die zuständigen Behörden führen keine flächendeckenden Kontrollen durch, die belgischen Kontrolleure ignorierten sogar die konkreten Hinweise über die illegale Holzlieferung aus dem Kongo. Greenpeace bleibt nichts anderes übrig, als den weiteren Weg des Tropenholzes über die Schweiz und Tschechien bis nach Deutschland zu verfolgen.

Im August taucht ein Teil des Holzes in dem Sägewerk Herman Huxohl in Gütersloh auf. Nun sind die deutschen Behörden am Zug. Deutschland hat die EU-Verordnung mit dem Holzhandels-Sicherungs-Gesetz umgesetzt. Allerdings hat die Bundesregierung die möglichen Strafen zu einer Ordnungswidrigkeit herabgestuft. 

Bitte fordern Sie bei der Bundesregierung und der EU den Stopp der Tropenholzimporte und wirksame Holzkontrollen

Hinter­gründe

Legal oder illegal?

15 bis 30 Prozent der weltweit gehandelten Hölzer stammen aus illegalen Rodungen, schätzen Interpol, UNO und Weltbank. Bei Tropenhölzern und in vielen Regenwaldländern beträgt der Anteil illegaler Hölzer bis zu 90 Prozent.

Ob eine Holzlieferung legal eingeschlagen wurde oder nicht, lässt sich in der Praxis oft nur sehr schwer prüfen. Interpol führt in seiner Studie über den internationalen Handel mit gestohlenen Tropenhölzern (auf engl., span. und franz.) allein 30 gängige Methoden auf, mit denen kriminelle Verbrecherbanden Genehmigungen fälschen, sich durch Bestechung verschaffen oder die Einnahmen aus ihren Geschäften an den Steuerbehörden vorbeischleusen.

In mehreren international abgestimmten Polizeiaktionen hat Interpol in Lateinamerika 350.000 Tonnen illegaler Tropenhölzer im Wert von vielen Millionen Euro beschlagnahmen sowie 240 Personen festnehmen lassen, darunter in Brasilien und Costa Rica.

Demokratische Republik Kongo

In den Regenwäldern der Demokratischen Republik Kongo herrschen Chaos, Anarchie und Korruption. Die Holzindustrie, darunter auch Firmen aus Europa, verstoßen permanent gegen die Gesetze und plündern die Wälder.

Im Juni haben sich die Umweltschützer auch vor Ort im Holzeinschlagsgebiet der Firma Bakri Bois Corporation (BBC) im Regenwald umgeschaut. Dort beklagen die Einwohner, dass die Firma ihre Bäume gerodet und sich dann einfach aus dem Staub gemacht habe.

Von der EU zur Überwachung der Holzindustrie im Kongo finanzierte Prüfer hatten die lokalen Behörden schon Ende 2012 dazu aufgefordert, BBC die Holzkonzession in der Equateur-Provinz zu entziehen.

Bereits im März hat Greenpeace die belgischen Behörden auf eine vermutlich illegale Ladung Afrormosia-Holz im Hafen von Antwerpen hingewiesen. Die Tropenholzindustrie hat die Holzart bereits an den Rand des Aussterbens gebracht, weshalb der Handel mit Afrormosia nach dem internationalen Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) nur mit besonderen Genehmigungen möglich ist.

Die belgischen CITES-Behörden hatten deshalb die Auslieferung des Holzes zunächst gestoppt. Importeure des seltene Edelholzes waren die belgischen Holzfirmen Vandecasteele und Denderwood. Nachdem die kongolesischen Behörden ihren belgischen Kollegen in den folgenden Wochen insgesamt drei Zertifikate zur Herkunft des Holzes übersandt hatten, wurde das Holz wieder freigegeben, obwohl die afrikanischen Dokumente und Angaben offensichtlich falsch und nicht zutreffend waren.

EU Holzhandels-Verordnung (European Timber Regulation EUTR)

Die EU Holzhandelsverordnung ist am 3. März 2013 in allen Mitgliedsländern offiziell in Kraft getreten. Doch von Beginn an gab es Kritik an der Wirksamkeit des Gesetzes und dem Willen der Mitgliedsländer, den illegalen Holzimporten und der Regenwaldabholzung einen Riegel vorzuschieben.

Ein Schwachpunkt des Holzgesetzes ist, dass es nur für den EU-Erstimporteur der Hölzer greift. Die Importeure müssen lediglich eine „Sorgfaltspflichtenregelung erstellen und für jede Lieferung anwenden". Für deren Kunden gilt dies nicht. Letztere müssen nur Aufzeichnungen über ihre Lieferanten und Abnehmer führen, um eine Rückverfolgbarkeit sicherzustellen.

Im Falle des Wenge-Holzes aus dem Kongo ist der Importeur und Käufer des Tropenholzes die Schweizer Firma Bois d'Afrique Mondiale S.A.iv (BAM) mit Sitz in Luzern. Doch die Schweizer Behörden, denen Greenpeace den Fall meldet, unternehmen nichts, weil dafür die Rechtsgrundlagen fehlen. Und die zuständigen belgischen Behörden bleiben nicht nur untätig, sie antworten den Umweltschützern noch nicht einmal. So kann das Holz von Antwerpen weiterverkauft und quer durch Europa zu Holzfirmen transportiert werden.

Holzhandels-Sicherungs-Gesetz

Die Bundesregierung hat die EU Verordnung mit dem Holzhandels-Sicherungs-Gesetz in nationales Recht umgesetzt. Zuständig für die Kontrolle der Holzbetriebe ist die Behörde für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Allerdings sollen lediglich „15 Prozent der Marktteilnehmer nach einem risikoorientierten Ansatz" von einem Dutzend vorbereiteter Prüfer kontrolliert werden. Welche Firmen mit Tropenhölzern handeln und wie viele Unternehmen es insgesamt sind - geschätzt seien es rund 1200 - ist der Behörde noch nicht klar. Eine Meldepflicht läuft erst im November 2013 aus.

Besonders gründlich scheinen auch die Kontrollen der Behörden nicht zu sein, denn soweit bekannt ist es in den fünf Monaten seit Inkrafttreten der EU-Verordnung zu keiner einzigen Beschlagnahme von illegalen Hölzern in Deutschland gekommen. Erst nach Beschwerde und Anzeige gegen Unbekannt von Greenpeace bei der BLE hat die Behörde nun erste Untersuchungen und Schritte eingeleitet sowie einen Teil des Wenge-Holzes „in Verwahrung genommen".

Mit einer Strafe müssen die Holzräuber nicht rechnen. In letzter Minute vor der Verabschiedung im Bundestag hat die Bundesregierung das Gesetz auf Druck der Tropenholzlobby aufgeweicht. „Verstöße können als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden", schreibt das Umweltministerium auf seiner Webseite.

Die illegale Plünderung und Abholzung der Regenwälder ist für die Politiker eine geringfügige Verletzung der Rechtsregeln. Die kriminellen Holzkartelle, die nach Angaben der Weltbank jährlich bis zu 75 Milliarden Euro mit geraubten Hölzern umsetzen, dürften sich davon wohl kaum abschrecken lassen.

Danzer Gruppe

Im Juni spüren die Umweltschützer die Holzlieferung bei dem Furnierwerk Danzer Bohemia Dýhárna in Horní Pocaply in der Tschechischen Republik auf. Die schweizerisch-deutsche Danzer Gruppe ist einer der weltweit größten Hersteller tropischer Furniere und bereits in der Vergangenheit immer wieder wegen Skandalen auf den Holzeinschlagskonzessionen der Tochterunternehmen in Afrika aufgefallen.

So hatte sich die Tochtergesellschaft Siforco 2011 an Gewalttaten von Militär und Sicherheitskräften gegen Dorfbewohner der Waldgemeinde Yalisika im Norden der Demokratischen Republik Kongo beteiligt. Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen Global Witness und European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) haben Anzeige in Deutschland gegen Danzer erhoben.

Sägewerk Herman Huxohl GmbH

Die Firma Herman Huxohl & Sohn Gmbh in Gütersloh hat sich auf den Handel und die Verarbeitung tropischer Edelhölzer spezialisiert. 15.000 Festmeter Edelholzstämme schneidet der Betrieb pro Jahr auf, zu dessen weltweiten Kunden Holzimporteure, Holzhändler, exklusive Yacht- und Bootswerften, Musikinstrumentenhersteller sowie Bildhauer gehören. Besonders stolz präsentiert die Firma auf ihrer Webseite viele Fotos von riesigen Urwaldstämmen, die von den Mitarbeitern mit abenteuerlich anmutenden Maschinen und Methoden zerkleinert werden.

Wenge-Holz

Die Wenge-Bäume (Millettia laurentii) kommen in den tropischen Regenwäldern des Kongobeckens vor. Das dunkelbraune Tropenholz wird besonders zur Herstellung von dekorativen Furnieren und für Möbel genutzt. Das Holz steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten (Red list) und ist als "bedroht" eingestuft. Die "Hauptbedrohung stellt die Übernutzung im Verbreitungsgebiet aufgrund des dekorativen Holzes" dar.

Weitere Informationen:
Themenseite zu Tropenholz von Rettet den Regenwald

Artikel von Greenpeace
- Illegales Tropenholz - erster Verdachtsfall in Deutschland
- Importing timber from the DRC: A high-risk business for Europe

Artikel im Spiegel Milliardengeschäft: So kommt illegales Tropenholz nach Deutschland

An­schreiben

An: Bundesregierung, EU und Mitgliedsländer

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrte Damen und Herren Politiker der EU und Mitgliedsländer,

weiterhin gelangen große Mengen illegal geschlagener Hölzer auf den europäischen Markt, wie die Untersuchungen von Umweltschützern anhand von Tropenholzimporten aus dem Kongo zeigen.

Völlig unbehelligt werden die Ladungen mit den geraubten Hölzern von den Häfen über die Grenzen in andere EU-Länder geschafft, obwohl die Fälle den Behörden gemeldet wurden.

Doch flächendeckende Kontrollen der Behörden und strafrechtliche Verfolgungen der kriminellen Holzhändler gibt es nicht. Nicht ein einziges Brett wurde bisher beschlagnahmt, kein einziger der Holzräuber bestraft.

Die bestehenden Gesetze – das Holzhandel-Sicherungs-Gesetz in Deutschland und die Holzhandelsverordnung der EU – sind wirkungslos. Sie können illegale Holzimporte nicht verhindern, die Täter überführen oder zur Rechenschaft bringen. Für die Bundesregierung ist der Import von illegal geschlagenen Hölzern sogar nur eine Ordnungswidrigkeit.

Frau Bundeskanzlerin, die Regenwälder der Erde illegal abzuholzen, ist ein gravierendes Verbrechen und kein Kavaliersdelikt. Schützen Sie die Wälder, legen Sie den gesetzwidrigen Plünderern das Handwerk:

- Verbieten Sie den Import von Tropenhölzern und führen Sie flächendeckende und strikte Kontrollen der Holzimporte durch.
- Beschließen Sie Gesetze, die es ermöglichen, effektiv gegen den Import und Handel mit illegalen Hölzern vorzugehen und
- setzen Sie Strafen fest, die die kriminellen Holzhändler wirklich abschrecken.

Mit freundlichem Gruß