Großartig: Teil-Sieg für Regenwald und Orang-Utan

Links: Bagger auf einem gerodeten Feld / Rechts: Traurig guckendes Orang-Utan Jungtier Der Regenwald und Lebensraum der Orang-Utans wird für Palmölplantagen vernichtet
137.459 Teilnehmer

Ende der Aktion: 25.02.2016

Die indonesische Palmölfirma Bumitama Agri hat einen Prozess wegen illegaler Regenwaldrodung verloren. Auch im Tanjung Puting Nationalpark holzt die Firma ohne Genehmigung ab. Wir wollen sie auch dort stoppen – bitte helfen Sie mit

Appell

An: Präsident und Forstminister der Republik Indonesien, CEO von Bumitama Agri Ltd; Vorsitzender der IOI-Gruppe

„Der Tanjung Puting Nationalpark auf Borneo muss vor Palmölplantagen geschützt werden, damit Orang-Utans, Nasenaffen und Nashornvögel überleben können.“

Ganzes Anschreiben lesen

Eine großartige Nachricht erreicht uns gerade aus Borneo: Die Palmölfirma Bumitama Agri, die immer wieder Gesetze missachtet, hat vor dem Obersten Gerichtshof Indonesiens wegen illegaler Rodung von Primärwald verloren. Dafür hatten unsere Partner von der Organisation Save our Borneo lange gekämpft.

Wenige Hundert Kilometer weiter südlich rodet Bumitama Agri sogar im Tanjung Puting Nationalpark und in der angrenzen Pufferzone den Regenwald für Palmölplanagen.

Der über 400.000 Hektar große Nationalpark beherbergt weltweit einmalige tropische Waldökosysteme. Dichte Mangrovenwälder bedecken die Küste und die Flussmündungen, an Land erheben sich einzigartige Sumpf- und Torfwälder.

Die Wälder sind der Lebensraum der stark gefährdeten Nasenaffen. Die baumbewohnenden Tiere kommen nur auf Borneo vor. Auch 6.000 Orang-Utans sind in dem Schutzgebiet beheimatet, dazu etwa 250 Vogel- sowie über 600 Baumarten.

Die von Bumitama Agri betriebenen Rodungen von Primär- und Torfwäldern sowie dem Habitat bedrohter Arten sind illegal und verletzen gleich mehrere Gesetze. 2011 hat der indonesische Präsident Yudhoyono ein Abholzungs-Moratorium für die Regen- und Torfwälder des Landes verhängt und im Mai dieses Jahres für zwei Jahre verlängert.

Die Firma hat auch keine Umweltverträglichkeitsprüfungen für die Plantagen veranlasst und soll von den lokalen Behörden Genehmigungen durch Bestechung erhalten haben. Die Einwohner des Dorfes Sekonyer protestieren dagegen, dass Bumitama Agri ihnen das Land geraubt hat.

Der Konzern verfolgt eine nach eigenen Angaben „aggressive Expansionsstrategie" und plant jährlich 13.000 Hektar Palmöl-Plantagen anzulegen.


Weitere Informationen

Bitte helfen Sie die Abholzer zu stoppen und unterzeichnen Sie die Petition an die indonesische Regierung:

Hinter­gründe

Bumitama Agri Ltd.

Diese Palmölfirma betreibt in Zentralkalimantan, Westkalimantan und Riau 46 Ölpalmplantagen mit einer Gesamtfläche von 141.254 Hektar und sechs Palmölmühlen mit einer Kapazität von 405 Tonnen pro Stunde. Insgesamt besitzt bzw. nutzt Bumitama Agri insgesamt 204.052 Hektar Land und will bis 2015 eine Plantagenfläche von 250.000 Hektar erreichen.

Bumitama Agri ist an der Börse von Singapur notiert, Anteilseigner ist zu 33 Prozent die IOI-Gruppe aus Malaysia, die in Rotterdam die große Palmölraffinerie Loders Crocklaan für den europäischen Markt betreibt. Zu den Kunden von Bumitama Agri gehören auch die internationalen Palmölkonzerne Wilmar, Golden Agri Resources (Sinar Mas) und Musim Mas. Wilmar besitzt in Brake bei Bremen eine Palmölraffinerie.

Abnehmer des Palmöls

Die Nachfrage nach dem billigen Palmöl durch die Lebensmittel, Chemie- und Agrospritindustrie in Europa treibt die Regenwaldrodung an. Die EU-Länder importieren sechs Millionen Tonnen des tropischen Öls pro Jahr, Tendenz steigend. Zunehmend geht Palmöl in die Produktion von so genanntem Biodiesel. Ein Drittel der Palmölimporte nach Europa landen auf diese Weise in Fahrzeugtanks und Kraftwerken. Schuld ist die fatale Biospritpolitik von Bundesregierung und EU.

Palmöllabel RSPO

Bumitama Agri ist seit 2007 Mitglied beim Palmöllabel Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO). Die Anforderungen des Palmölsiegels sind allerdings sehr schwach und werden von den Zertifizierungsfirmen ständig ausgehebelt. Einen effektiven Schutz der Regenwälder und vor Landraub gewährt RSPO nicht. Nur so genannte „besonders schützenswerte Gebiete" (High Conservation Value Areas) sind auf dem Papier von der Rodung ausgenommen. In der Praxis holzen die Mitgliedsfirmen und zertifizierten Betriebe weiterhin Primärwälder und Orang-Utan-Habitate ab.

Zu den Kunden des zertifizierten Palmöls gehören Unilever, Henkel und Rewe. Den Vorsitz von RSPO führt ein Unilever-Manager. Der Unilever-Konzern ist mit einem jährlichen Palmölverbrauch von 1,4 Millionen Tonnen der weltweit größte Verbraucher von Palmöl.

Tanjung Puting Nationalpark

Der auf einer Halbinsel im Süden Borneos gelegene Nationalpark beherbergt eines der größten noch verbliebenden tropischen Sumpfwaldgebiete der Welt. Bereits 1935 wurde das Gebiet zum Wildtierreservat erklärt, um die dort lebenden Orang-Utans (Pongo pygmaeus) und Nasenaffen (Nasalis narvatus) zu schützen. 1977 anerkannte die UNESCO das Gebiet als Biosphärenreservat, das 1982 von der indonesischen Regierung zum Nationalpark erhoben wurde. 1996 wurde Tanjung Puting auf seine aktuelle Größe von 4.150 Quadratkilometern ausgeweitet und erstreckt sich über ca. 100 Kilometer in Nord-Süd- und ca. 40 Kilometer in Ost-West-Richtung.

Trotz des bereits seit langem bestehenden Schutzes ist Tanjung Puting stark bedroht. Die zuständigen Behörden unternehmen zu wenig gegen Plünderer und Abholzer. Nicht nur Palmölfirmen betreiben Rodungen, auch der Einschlag tropischer Edelhölzer zerstört die Natur. Außerhalb des Nationalparks wurden die wertvollen Ramin- und Eisenholzbäume längst rücksichtslos von der Tropenholzindustrie geplündert und stehen nun als gefährdet auf der Roten Liste.

Ein weiteres gravierendes Problem ist der Goldabbau in den Flüssen. Das zum Trennen des Goldes benutzte hochgiftige Schwermetall Quecksilber vergiftet die Flusssysteme und deren Bewohner.

An­schreiben

An: Präsident und Forstminister der Republik Indonesien, CEO von Bumitama Agri Ltd; Vorsitzender der IOI-Gruppe

Sehr geehrte Herren,

wie Sie wissen, hat Ihr Forstministerium vor dem Obersten Gerichtshof im Dezember 2013 den Prozess gegen die Palmölfirma Bumitama Agri Ltd. wegen illegaler Rodung von 7.000 Hektar Regenwald gewonnen. Damit endete ein zweijähriger Rechtsstreit: Die Richter bestätigten, dass Bumitamas Tochterfirma PT. HPA keine Genehmigung besaß, als sie im Distrikt Ost-Kotawaringin in Zentralkalimantan den Wald abholzte und dort auf 3.000 Hektar Ölpalmen pflanzte.

Nach diesem Urteil vor einem höchsten indonesischen Gericht sollten der Firma Bumitama Agri Ltd. sämtliche Konzessionen entzogen werden – denn dieses Unternehmen ignoriert ganz offensichtlich indonesische Gesetze.

Auch im Tanjung Puting Nationalpark: Dort lässt Bumitama Agri über seine Tochterfirma PT. Andalan Sukses Makmur (PT. ASM) den Regenwald innerhalb der Parkgrenzen (Gebiet von Teluk Pulai) und in der Pufferzone (im Norden am Sekonyer-Fluss) zur Anlage von Monokulturen aus Ölpalmen roden. Primär- und Torfregenwälder und der Lebensraum bedrohter Tiere wie Nasenaffen und Orang-Utans werden dadurch unwiederbringlich zerstört.

Die Aktivitäten von Bumitama Agri sind illegal und verstoßen gegen zahlreiche Gesetze. Dazu gehört auch das im Mai verlängerte Moratorium zum Schutz der indonesischen Primärregenwälder. Die Einwohner des Dorfes Sekonyer protestieren dagegen, dass die Firma ihnen das Land geraubt hat und verlangen dessen Rückgabe.

Aufgrund mangelnder Kontrollen und dem unzureichenden Management des Nationalparks und seiner Pufferzonen sind auch der illegale Einschlag von Tropenhölzern und zahllose Gruppen von Goldwäschern verbreitet, die mit Schwermetallen das Ökosystem verseuchen.
Die indonesischen Behörden müssen daher dringend einschreiten, die Rodungen und Zerstörungen im Tanjung Puting Nationalpark und der Pufferzone unverzüglich stoppen sowie den wirksamen Schutz und Management des Gebietes durchsetzen.

Mit freundlichem Gruß

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

2016 importierte die EU 6,43 Millionen Tonnen Palmöl aus Indonesien (4,37 Mio. t) und Malaysia (2,06 Mio. t). Auf Deutschland entfielen davon nach Angaben der Bundesregeirung 1,34 Millionen Tonnen (Durchschnitt der Jahre 2013-15). Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.