Das dreckigste Erdöl der Welt: CETA stoppen!

Für den Abbau von Teersand werden riesige Flächen verwüstet Die Zukunft mit CETA: Das dreckigste Erdöl der Welt für Europa (© Flickr/Dru Oja Jay - (CC BY 2.0))

Wir müssen CETA verhindern! Der Pakt würde Umweltgesetze schleifen, mehr Tierleid verursachen und Öl aus Teersand den Weg ebnen. Doch Deutschland kann CETA noch kippen. Die Bundesregierung darf das Abkommen nicht unterschreiben.

Appell

An: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Minister Gabriel und Hendricks

„Erdöl aus Teersand kann in Europa verkauft werden, wenn die EU das Handelsabkommen CETA mit Kanada abschließt. Die Bundesregierung muss das verhindern.“

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Die Fördergebiete gleichen Mondlandschaften. Wo einst Nadelwälder wuchsen und Feuchtgebiete lagen, ist die Erde verwüstet. 600 Pflanzenarten und 300 Tierarten lebten dort vor dem Kahlschlag. Jetzt fressen sich Bagger im Tagebau durch Kanadas Provinz Alberta, um Teersand – beschönigend auch Ölsand genannt – abzubauen. Gewaltige Mengen Wasser und Chemikalien sind nötig, um das Öl aus dem Sand zu extrahieren. Das giftige Abwasser wird in Becken gepumpt, die bereits 176 Quadratkilometer groß sind. Der Fluss Athabasca ist verseucht. Die Cree-Indianer am Unterlauf erkranken häufig an Krebs.

Das Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada kann den Weg für Öl aus Teersand auf den hiesigen Markt frei machen. Nach dem Vertrag können Konzerne Staaten verklagen, wenn die ihnen durch scharfe Umweltgesetze das Geschäft erschweren. Bislang schottet die EU Europa vor Erdöl aus Teersand ab. Weil Milliardenklagen drohen, wird es eine Verschärfung, die seit 2011 auf Eis liegt, kaum geben.

CETA: Konzerne können Staaten verklagen

Teersand beschert Kanada die zweitgrößten Erdölreserven der Welt. Derzeit gelangen allerdings täglich nur 4.000 Barrel Öl aus Teersand nach Europa, 2020 sollen es nach Plänen der Industrie 700.000 Barrel sein. Für den Klimaschutz wäre das verheerend, weil das Öl 23 Prozent mehr Treibhausgase freisetzt als herkömmlich gefördertes.

Mit CETA können Konzerne viele Umweltgesetze aushebeln. Verbote von Genmais und Fracking wären kaum haltbar. Manager von Monsanto, Shell und Co reiben sich bereits die Hände. CETA ist zudem eine Blaupause für das Handelsabkommen TTIP mit den USA.

Der Deal wurde jetzt zwar unterzeichnet, er muss jedoch noch durch die nationalen Parlamente aller EU-Staaten. In Deutschland kann der Bundesrat CETA stoppen.

Die Bundesregierung muss ihre Unterschrift verweigern!

Hinter­gründe

Die Teersand-Lagerstätten in der Provinz Alberta breiten sich über eine Fläche doppelt so groß wie Bayern aus. Kanadas Ölvorkommen sollen 170 Milliarden Barrel Erdöl umfassen. Nur Saudi Arabien besitzt größere Reserven.

Derzeit produziert Kanada täglich 2,8 Millionen Barrel Rohöl, 1,5 Millionen davon aus Teersand. Bis 2025 sollen die Förderung auf 4,7 Millionen Barrel steigen, 3,7 Millionen davon aus Teersand.

Der Export in die EU spielt bislang keine Rolle. Allerdings soll der Verkauf bis 2020 von täglich 4.000 Barrel auf 700.000 Barrel am Tag steigen. Das würde die Klimaschutzpolitik der EU konterkarieren. Die Emissionen von Treibhausgasen würde so stark anschwellen, als würden 6 Millionen Autos zusätzlich auf Europas Straßen fahren.

3 Tonnen Sand - 1 Barrel Öl

Teersand wird häufig Ölsand genannt. Das ist irreführend. Öl kann erst durch ein aufwändiges Verfahren aus dem Bitumen im Sand gewonnen werden. Aus zwei bis drei Tonnen Sand erhält man lediglich ein Barrel Öl (159 Liter). Die Förderung verschlingt bis zu fünfmal mehr Energie als bei herkömmlichem Öl. Außerdem emittiert der Treibstoff 23 Prozent mehr Treibhausgase.

Für die Ausbeutung des Teersandes werden nicht nur immense Flächen verwüstet, es wird auch im Großmaßstab Wasser vergiftet. Die Abwasserbecken sind bereits 176 Quadratkilometer groß. Mit dem Giftschlamm könnte die Stadt Köln rechnerisch drei Meter hoch zugedeckt werden. Die Brühe enthält Schwermetalle wie Blei, Quecksilber, Arsen und krebserregende Kohlenwasserstoffe. Eine Studie der University of Toronto zeigt, dass bis zu 1000 mal mehr Giftstoffe aus den Becken verdunsten als bislang angenommen. Nach Angaben des Pembina Institute versickern täglich 11 Millionen Liter giftiges Abwasser, belasten das Grundwasser und verschmutzen den Athabasca-River.

Wasser im Athabasca-River ist vergiftet

Fische im Fluss und im Delta des Stromes zeigen auffällige Deformationen. Bei den indigenen Cree, die am Unterlauf leben, treten bestimmte Krebserkrankungen bis zu sieben mal häufiger auf als im Landesdurchschnitt. Einheimische im Dorf Fort Chipewyan bringen zahlreiche Todesfälle mit der Belastung der Umwelt durch Schwermetalle in Verbindung. Die Regierung leugnet einen Zusammenhang. Kritiker sprechen von Rassismus

Bislang sind die USA Hauptabnehmer des kanadischen Erdöls. Die Nachfrage geht allerdings zurück. Mittels Fracking boomt die Produktion von Erdgas und Erdöl in den USA derart, dass das Land unabhängig von Importen werden will. Kanada ist daher auf der Suche nach neuen Kunden. Regierungschef Stephen Harper war bereits auf Werbetour in Europa. Die Ukraine-Krise und die neue Eiszeit im Verhältnis zu Russland dürfte den Kanadiern in die Hände spielen.

Öl-Pipelines quer durch den Kontinent

Für den Transport des Rohöls plant Kanada mehrere große Pipelines. Die Enbridge Pipeline quer über die Rocky Mountains an den Pazifik ist bereits genehmigt. Die Pipeline KeystoneXL über eine Entfernung von 2700 Kilometern zu Raffinerien in Texas führen. US-Präsident Barack Obama muss den Bau noch genehmigen, zögert jedoch.

An­schreiben

An: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Minister Gabriel und Hendricks

Sehr geehrte Bundeskanzlerin Angela Merkel, sehr geehrter Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, sehr geehrte Umweltministerin Barbara Hendricks,

aus Teersand gewonnenes Erdöl ist das dreckigste überhaupt. In Kanada werden riesige Waldflächen gerodet und Feuchtgebiete trockengelegt, um den Rohstoff zu fördern. Dafür werden große Mengen Wasser und Energie benötigt. Die Klimabilanz ist verheerend.

Bislang verhindert die EU den Import von Erdöl aus Teersand. Das ändert sich mit dem Handelsabkommen CETA, das mit Kanada ausgehandelt wurde. Über Klagemöglichkeiten von Konzernen gegen Staaten wird wirksame Umwelt- und Klimapolitik ausgehebelt. CETA öffnet somit nicht nur Erdöl aus Teersand den Weg nach Europa, sondern auch Gentechnik und Fracking.

Bitte verweigern Sie dem Handelsabkommen CETA Ihre Unterschrift.

Mit freundlichen Grüßen

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