Das dreckigste Erdöl der Welt: CETA stoppen!

Für den Abbau von Teersand werden riesige Flächen verwüstet Die Zukunft mit CETA: Das dreckigste Erdöl der Welt für Europa (© Flickr/Dru Oja Jay - (CC BY 2.0))
247.671 Teilnehmer

Ende der Aktion: 20.03.2018

Wir müssen CETA verhindern! Der Pakt würde Umweltgesetze schleifen, mehr Tierleid verursachen und Öl aus Teersand den Weg ebnen. Doch Deutschland kann CETA noch kippen. Die Bundesregierung darf das Abkommen nicht unterschreiben.

News und Updates Appell

An: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Minister Gabriel und Hendricks

„Erdöl aus Teersand kann in Europa verkauft werden, wenn die EU das Handelsabkommen CETA mit Kanada abschließt. Die Bundesregierung muss das verhindern.“

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Die Fördergebiete gleichen Mondlandschaften. Wo einst Nadelwälder wuchsen und Feuchtgebiete lagen, ist die Erde verwüstet. 600 Pflanzenarten und 300 Tierarten lebten dort vor dem Kahlschlag. Jetzt fressen sich Bagger im Tagebau durch Kanadas Provinz Alberta, um Teersand – beschönigend auch Ölsand genannt – abzubauen. Gewaltige Mengen Wasser und Chemikalien sind nötig, um das Öl aus dem Sand zu extrahieren. Das giftige Abwasser wird in Becken gepumpt, die bereits 176 Quadratkilometer groß sind. Der Fluss Athabasca ist verseucht. Die Cree-Indianer am Unterlauf erkranken häufig an Krebs.

Das Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada kann den Weg für Öl aus Teersand auf den hiesigen Markt frei machen. Nach dem Vertrag können Konzerne Staaten verklagen, wenn die ihnen durch scharfe Umweltgesetze das Geschäft erschweren. Bislang schottet die EU Europa vor Erdöl aus Teersand ab. Weil Milliardenklagen drohen, wird es eine Verschärfung, die seit 2011 auf Eis liegt, kaum geben.

CETA: Konzerne können Staaten verklagen

Teersand beschert Kanada die zweitgrößten Erdölreserven der Welt. Derzeit gelangen allerdings täglich nur 4.000 Barrel Öl aus Teersand nach Europa, 2020 sollen es nach Plänen der Industrie 700.000 Barrel sein. Für den Klimaschutz wäre das verheerend, weil das Öl 23 Prozent mehr Treibhausgase freisetzt als herkömmlich gefördertes.

Mit CETA können Konzerne viele Umweltgesetze aushebeln. Verbote von Genmais und Fracking wären kaum haltbar. Manager von Monsanto, Shell und Co reiben sich bereits die Hände. CETA ist zudem eine Blaupause für das Handelsabkommen TTIP mit den USA.

Der Deal wurde jetzt zwar unterzeichnet, er muss jedoch noch durch die nationalen Parlamente aller EU-Staaten. In Deutschland kann der Bundesrat CETA stoppen.

Die Bundesregierung muss ihre Unterschrift verweigern!

Hinter­gründe

Die Teersand-Lagerstätten in der Provinz Alberta breiten sich über eine Fläche doppelt so groß wie Bayern aus. Kanadas Ölvorkommen sollen 170 Milliarden Barrel Erdöl umfassen. Nur Saudi Arabien besitzt größere Reserven.

Derzeit produziert Kanada täglich 2,8 Millionen Barrel Rohöl, 1,5 Millionen davon aus Teersand. Bis 2025 sollen die Förderung auf 4,7 Millionen Barrel steigen, 3,7 Millionen davon aus Teersand.

Der Export in die EU spielt bislang keine Rolle. Allerdings soll der Verkauf bis 2020 von täglich 4.000 Barrel auf 700.000 Barrel am Tag steigen. Das würde die Klimaschutzpolitik der EU konterkarieren. Die Emissionen von Treibhausgasen würde so stark anschwellen, als würden 6 Millionen Autos zusätzlich auf Europas Straßen fahren.

3 Tonnen Sand - 1 Barrel Öl

Teersand wird häufig Ölsand genannt. Das ist irreführend. Öl kann erst durch ein aufwändiges Verfahren aus dem Bitumen im Sand gewonnen werden. Aus zwei bis drei Tonnen Sand erhält man lediglich ein Barrel Öl (159 Liter). Die Förderung verschlingt bis zu fünfmal mehr Energie als bei herkömmlichem Öl. Außerdem emittiert der Treibstoff 23 Prozent mehr Treibhausgase.

Für die Ausbeutung des Teersandes werden nicht nur immense Flächen verwüstet, es wird auch im Großmaßstab Wasser vergiftet. Die Abwasserbecken sind bereits 176 Quadratkilometer groß. Mit dem Giftschlamm könnte die Stadt Köln rechnerisch drei Meter hoch zugedeckt werden. Die Brühe enthält Schwermetalle wie Blei, Quecksilber, Arsen und krebserregende Kohlenwasserstoffe. Eine Studie der University of Toronto zeigt, dass bis zu 1000 mal mehr Giftstoffe aus den Becken verdunsten als bislang angenommen. Nach Angaben des Pembina Institute versickern täglich 11 Millionen Liter giftiges Abwasser, belasten das Grundwasser und verschmutzen den Athabasca-River.

Wasser im Athabasca-River ist vergiftet

Fische im Fluss und im Delta des Stromes zeigen auffällige Deformationen. Bei den indigenen Cree, die am Unterlauf leben, treten bestimmte Krebserkrankungen bis zu sieben mal häufiger auf als im Landesdurchschnitt. Einheimische im Dorf Fort Chipewyan bringen zahlreiche Todesfälle mit der Belastung der Umwelt durch Schwermetalle in Verbindung. Die Regierung leugnet einen Zusammenhang. Kritiker sprechen von Rassismus

Bislang sind die USA Hauptabnehmer des kanadischen Erdöls. Die Nachfrage geht allerdings zurück. Mittels Fracking boomt die Produktion von Erdgas und Erdöl in den USA derart, dass das Land unabhängig von Importen werden will. Kanada ist daher auf der Suche nach neuen Kunden. Regierungschef Stephen Harper war bereits auf Werbetour in Europa. Die Ukraine-Krise und die neue Eiszeit im Verhältnis zu Russland dürfte den Kanadiern in die Hände spielen.

Öl-Pipelines quer durch den Kontinent

Für den Transport des Rohöls plant Kanada mehrere große Pipelines. Die Enbridge Pipeline quer über die Rocky Mountains an den Pazifik ist bereits genehmigt. Durch die Pipeline KeystoneXL soll über eine Entfernung von 2700 Kilometern Öl zu Raffinerien in Texas gepumpt.

An­schreiben

An: Bundeskanzlerin Angela Merkel, Minister Gabriel und Hendricks

Sehr geehrte Bundeskanzlerin Angela Merkel, sehr geehrter Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, sehr geehrte Umweltministerin Barbara Hendricks,

aus Teersand gewonnenes Erdöl ist das dreckigste überhaupt. In Kanada werden riesige Waldflächen gerodet und Feuchtgebiete trockengelegt, um den Rohstoff zu fördern. Dafür werden große Mengen Wasser und Energie benötigt. Die Klimabilanz ist verheerend.

Bislang verhindert die EU den Import von Erdöl aus Teersand. Das ändert sich mit dem Handelsabkommen CETA, das mit Kanada ausgehandelt wurde. Über Klagemöglichkeiten von Konzernen gegen Staaten wird wirksame Umwelt- und Klimapolitik ausgehebelt. CETA öffnet somit nicht nur Erdöl aus Teersand den Weg nach Europa, sondern auch Gentechnik und Fracking.

Bitte verweigern Sie dem Handelsabkommen CETA Ihre Unterschrift.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Biodiversität

Die Ausgangslage: Warum ist Biodiversität so wichtig?

Biodiversität oder Biologische Vielfalt umfasst drei Bereiche, die sehr eng miteinander verbunden sind: die Artenvielfalt, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme wie z.B. Wälder oder Meere. Jede Art ist Teil eines hoch komplexen Beziehungsgeflechts. Stirbt eine Art aus, wirkt sich das auf viele andere Arten und ganze Ökosysteme aus.

Weltweit sind derzeit fast 2 Millionen Arten beschrieben, Experten schätzen die Anzahl weitaus höher. Tropische Regenwälder und Korallenriffe gehören zu den artenreichsten und am komplexesten organisierten Ökosystemen dieser Erde. Rund die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten lebt in den Tropenwäldern.

Die biologische Vielfalt ist für sich alleine schützenswert und gleichzeitig unsere Lebensgrundlage. Wir nutzen täglich Nahrungsmittel, Trinkwasser, Medizin, Energie, Kleidung oder Baumaterialien. Intakte Ökosysteme sichern die Bestäubung von Pflanzen und die Bodenfruchtbarkeit, schützen uns vor Umweltkatastrophen wie Hochwasser oder Erdrutschen, reinigen Wasser und Luft und speichern das klimaschädliche CO2.

Die Natur ist auch die Heimat und zugleich ein spiritueller Ort vieler indigener Völker. Sie sind die besten Regenwaldschützer, denn besonders intakte Ökosysteme findet man in den Lebensräumen von indigenen Gemeinschaften.

Der Zusammenhang zwischen dem Verlust von Natur und der Ausbreitung von Pandemien ist nicht erst seit Corona bekannt. Eine intakte und vielfältige Natur schützt uns vor Krankheiten und weiteren Pandemien.

Die Auswirkungen: Artenschwund, Hunger und Klimakrise

Der Zustand der Natur hat sich weltweit dramatisch verschlechtert. Rund 1 Million Tier- und Pflanzenarten sind in den nächsten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind derzeit 37.400 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht - ein trauriger Rekord! Experten sprechen von einem sechsten Massenaussterben in der Geschichte der Erde - das Tempo des globalen Artensterbens ist durch den Einfluss des Menschen um Hunderte mal höher als in den letzten 10 Mio. Jahren.

Auch zahlreiche Ökosysteme weltweit - 75 % Landfläche und 66 % Meeresfläche - sind gefährdet. Nur 3% sind ökologisch intakt – z.B. Teile des Amazonas und des Kongobeckens. Besonders betroffen sind artenreiche Ökosysteme wie Regenwälder und Korallenriffe. Rund 50% aller Regenwälder wurden in den letzten 30 Jahren zerstört. Das Korallensterben nimmt durch den globalen Temperaturanstieg immer weiter zu.

Hauptursachen für den massiven Rückgang der Biodiversität sind die Zerstörung von Lebensraum, intensive Landwirtschaft, Überfischung, Wilderei und Klimaerwärmung. Rund 500 Milliarden US-Dollar jährlich werden weltweit in die Zerstörung der Natur investiert - in Massentierhaltung, Subventionen für Erdöl und Kohle, Entwaldung und Flächenversiegelung.

Der Verlust an Biodiversität hat weitreichende soziale und ökonomische Folgen, die Ausbeutung der Ressourcen geht zu Lasten von Milliarden Menschen im globalen Süden. Die UN kann die 17 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung z.B. die Bekämpfung von Hunger und Armut nur erreichen, wenn die Biodiversität weltweit erhalten und für die nächsten Generationen nachhaltig genutzt wird.

Ohne den Erhalt der Biodiversität ist auch der Klimaschutz bedroht. Die Zerstörung von Wäldern und Mooren – als wichtige CO2-Senken - heizt den Klimawandel weiter an.

Die Lösung: Weniger ist mehr!

Die natürlichen Ressourcen der Erde stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Knapp zwei Erden verbrauchen wir Menschen, bei derzeitigem Ressourcenverbrauch werden es 2050 mindestens drei sein. Um für den Erhalt der biologischen Vielfalt als unserer Lebensgrundlage zu kämpfen, müssen wir den Druck auf die Politik weiter erhöhen.
Und auch in unserem Alltag lässt sich viel bewegen.

Mit diesen Alltags-Tipps schützt man auch die biologische Vielfalt:

  1. Öfter mal pflanzlich: Mehr buntes Gemüse und Tofu auf den Teller oder am besten gar kein Fleisch! Rund 80% der Agrarflächen weltweit werden zur Tierhaltung und zum Anbau von Tierfutter genutzt.
  2. Regional und Bio: Ökologisch erzeugte Lebensmittel verzichten auf den Anbau von riesigen Monokulturen und den Einsatz von Pestiziden. Der Kauf von regionalen Produkten spart zudem Unmengen an Energie!
  3. Bewusst leben: Brauche ich schon wieder neue Klamotten oder ein Handy? Oder kann ich Alltagsdinge auch gebraucht kaufen? Es gibt gute Alternativen zu Produkten mit Palmöl oder Tropenhölzern! Tropische Haustiere wie z.B. Papageien oder Reptilien sind tabu! Berechne jetzt deinen ökologischen Fußabdruck.
  4. Werde Bienenfreund:in: Auf dem Balkon oder im Garten freuen sich Bienen und andere Insekten über vielfältige, leckere Pflanzen. Aber auch ohne eigenes Grün kann man in einem Naturschutzprojekt in der Region aktiv werden.
  5. Protest unterstützen: Demonstrationen oder Petitionen gegen die Klimaerwärmung oder für eine Agrarwende üben Druck auf Politiker:innen aus, die auch für den Schutz der biologischen Vielfalt verantwortlich sind.

Lesen Sie hier, warum so viele Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden.

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