Attacke auf den Amazonas­regenwald abwenden!

Yanomami mit Kind Die Yanonami sind eins der 240 Indianervölker Brasiliens (© Wikimedia/Cmacauley (CC BY-SA 3.0))

Der brasilianische Amazonasregenwald ist in höchster Gefahr. Die Regierung unter Präsident Bolsonaro will die Umweltgesetze massiv aufweichen. Die Territorien der Ureinwohner und die Regenwaldschutzgebiete sollen für Sojamonokulturen, Rinderweiden, Staudämme und Bergbauvorhaben Platz machen. Bitte unterzeichnen Sie die Petition.

News und Updates Appell

An: Brasilianische Regierung, Senat und Abgeordnetenkammer

„Die brasilianischen Indigenen kämpfen um ihr Überleben. Der Regenwald soll für die Agrar- und Bergbauindustrie freigegeben werden“

Ganzes Anschreiben lesen

Die indigenen Karipuna fürchten um ihren Regenwald. Holzfäller dringen ein, um Platz für Rinderweiden zu schaffen, klagen die Menschen an.

„Die Regierung ist nur für kurze Zeit im Amt. Wir Indigene sind dagegen für immer da“, erklärt Leila Rocha vom Volk der Guarani Kaiowa. Mit solchen Leitsprüchen protestieren die brasilianischen Ureinwohner vor dem Parlament in der Hauptstadt Brasilia. Mit offenen Schreiben wenden sie sich an die Regeirung des südamerikanischen Landes.

Präsident Bolsonaro hat angekündigt, dass seine Regierung nicht einen einzigen Zentimeter Land den Ureinwohnern zuerkennen werde. Stattdessen will er die Naturschutzgebiete und den Amazonasregenwald für die Agrar- und Bergbauindustrie öffnen.

Die Verwaltung der indigenen Territorien wurde dem Landwirtschaftsministerium unterstellt. Als Agrarministerin ernannte er Teresa Cristina. Sie übernimmt das Amt vom Soja-Milliardär Blairo Maggi, dem weltweit größten Sojaproduzenten aus dem Bundesstaat Mato Grosso.

Bereits in den Monaten vor der Amtsübernahme Bolsonaros sind die Rodungsraten in Brasilien drastisch in die Höhe geschnellt. Zwischen August und November wurden 287 km2 Wald abgeholzt, eine Steigerung um über 400%. Auf Mato Grosso entfielen dabei allein 175 km2, 85% davon illegal.

Schon seit Jahren kämpfen die brasilianischen Indigenen gegen von der Agrar- und Bergbauindustrie vorangetriebene Verfassungs- und Gesetzesänderungen. Dazu gehört der Antrag PEC 215, der es dem Parlament ermöglichen soll, die staatlichen Natur- und indigenen Schutzgebiete aufzuheben. Schon mehrmals konnten die Ureinwohner PEC 215 stoppen. Sie besetzten den Kongress in Brasilia, ihre Demos verhinderten die Debatte im Parlament.

Bitte helfen Sie die drohende Welle der Abholzungen zu vermindern und unterzeichnen Sie unsere Petition an die Regierung.

Hinter­gründe

In Brasilien bestehen derzeit 486 anerkannte und demarkierte indigene Territorien, die meisten davon im Amazonasgebiet. Die Grenzen von weiteren 235 Gebieten der Ureinwohner müsssen noch festgelegt sowie 118 Gebiete noch identifiziert werden.

Brasilien hat das Übereinkommen Nr. 169 über indigene und in Stämmen lebende Völker (Indigenous and Tribal Peoples Convention) der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) unterzeichnet und ratifiziert (im Jahr 2002). In der Konvention verpflichten sich die Staaten, die Rechte der eingeborenen Völker zu schützen und ihre Unversehrtheit zu gewährleisten. Dazu gehören auch die Anerkennung der angestammten Territoren der Völker und der Schutz ihrer Lebensgrundlagen und Lebensweise.

Bereits 2012 hatte der brasilianische Kongress eine Änderung des Waldgesetzes (Código Florestal) beschlossen. Seitdem dürfen auch ökologisch und für den Wasserschutz besonders sensible Flächen wie die Uferstreifen entlang von Bächen und Flüssen sowie Steilhänge gerodet werden, um Platz für Ackerbau und Viehzucht zu schaffen.

Wälder speichern enorme Mengen Wasser und regulieren den Wasserstand der Flüsse. Ohne die schützende Vegetation fließt das Regenwasser rasch ab, die Böden trocknen aus.

Zudem erzeugen die Regenwälder einen großen Teil der Regenfälle selbst. Etwa Dreiviertel der Niederschläge im Amazonasgebiet stammen aus der Verdunstung der Vegetation, nur ein Viertel aus den vom Atlantik heranströmenden feuchten Luftmassen.

Auch der noch intakte Amazonasregenwald ist im Wandel begriffen, wie jüngste Studien belegen. Die Bäume im Amazonasgebiet wachsen langsamer, immer mehr sterben zudem ab, berichtet ein internationales Forscherteam in der Fachzeitschrift Nature. Die Ursachen sind nicht klar. Die Forscher nennen zwei Dürren 2005 und 2010 sowie höhere Temperaturen als mögliche Ursachen. Über einen Zeitraum von fast 30 Jahren haben Forscher auf 321 über das gesamte Amazonas-Gebiet verteilten Arealen die Entwicklung von Bäumen untersucht. Insgesamt wurden fast 200.000 Bäume vermessen sowie sterbende und neu nachwachsende Bäume erfasst.

Doch immer mehr Regenwald und andere Ökosysteme werden durch die Holzindustrie, für Siedlungen und vor allem für die Landwirtschaft abgeholzt. Der mit Abstand größte Wasserverbraucher ist die Agrarindustrie. Die riesigen Monokulturen mit Soja (25 Millionen Hektar), Zuckerrohr (10 Millionen Hektar), Orangenplantagen (3 Millionen Hektar) verbrauchen Dreiviertel des Wassers.

Nicht nur zur Erzeugung von Nahrungsmitteln und für Tierfutter, sondern auch für die Tankfüllungen der Autos werden Unmengen an Wasser verbraucht. Brasilien ist nach den USA der größte Ethanolproduzent. 

Während die Lage in Brasilien immer kritischer wird und Millionen Menschen gegen die Politik der Regierung protestieren, schaufeln sich die Politiker Korruptionsgelder in die Taschen. Umgerechnet 170 Millionen Euro Schmiergelder soll der staatliche Erdölkonzern Petrobras in die Kassen der Regierungspartei PT von Präsidentin Dilma Rousseff gezahlt haben. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Inzwischen wird gegen über 50 Politiker aus fünf Parteien ermittelt. DieSumme von Schmiergeldzahlungen wird auf umgerechnet drei Milliarden Euro geschätzt.

Den Wassermangel bekämpfen die Politiker, indem sie öffentlich zu Gott beten. Zudem wollen sie neue Stauseen bauen, und einige sind sogar auf die Idee gekommen, den Amazonas anzuzapfen. Kanäle und Rohrleitungen sollen das kostbare Nass über Tausende Kilometer aus dem Regenwald in die Städte und die industrialisierte Landwirtschaft im Süden leiten.

Seit Ende März läuft in den brasilianischen Kinos der Film „A Lei da Áuga", zu deutsch das Gesetz des Wassers". Der Dokumentarfilm zeigt, wie wichtig die Wälder für den Erhalt der Wasserressourcen in Brasilien sind. Der Film beleuchtet auch die Auswirkungen der Änderung des Waldgesetzes auf die Ökosysteme und das Leben der Einwohner.

Weitere Informationen:

Webseite der Abgeordentenkammer zum Verfassungszusatz PEC 215

Spiegel, 19.3.2015: Treibhausgas CO2: Amazonas-Wälder nehmen weniger Kohlendioxid auf

Nature, 18.3.2015: Long-term decline of the Amazon carbon sink

FAZ, 12.3.2015: Korruption in Brasilien - Die schwarzen Kassen der Arbeiterpartei

Taz, 4.3.2015: Landnutzung in Brasilien - Der harte Kampf um den Regenwald

Spiegel, 26.2.2015: Verlorener Regenwald: Satellitenfotos zeigen immer schnellere Abholzung

Informationen zum Film „A Lei da Áuga“ auf Portugiesisch: https://aleidaaguafilme.wordpress.com/

Filmtrailer: http://bit.ly/aleidaaguatrailer

An­schreiben

An: Brasilianische Regierung, Senat und Abgeordnetenkammer

Sehr geehrte Damen und Herren Politiker,

bitte setzen Sie sich für den Erhalt und die Anerkennung der indigenen Territorien, Naturschutzgebiete und der Regenwälder ein.

Die Gebiete der Indigenen und die einzigartige Natur Brasiliens wie der Amazonasregenwald, die Cerrado-Savanne und der Pantanal dürfen nicht für kurzfristige Wirtschaftsinteressen geopfert werden.

Mit freundlichem Gruß

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