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In Ecuador keimt Hoffnung

Im April besuchte der neue ecuadorianische Präsident Correa die von der Erdölförderung verseuchten und von Holzfällern geplünderten Regenwälder im Amazonasgebiet. Dazu gehörten die besonders betroffene Gegend um den Yasuni-Nationalpark und weitere angrenzende Indigenengebiete im Regenwald. Correa zeigte sich bestürzt über die Situation und kündigte drastische Maßnahmen an:

  • Die Ausrottung der letzten isoliert von der Zivilisation lebenden Indianergruppen Tagaeri-Taromenane soll endlich gestoppt werden. Zum Schutz der Indigenen wurde bereits 1999 ein knapp 800.000 Hektar großer Teil zur „Unberührbaren Zone“ erklärt. Doch Holzfäller schlagen dort illegal die wertvollen und geschützten Mahagoni- und Zedernbäume ein. Mitarbeiter des Umweltministeriums sollen daran beteiligt sein und die Armee angeblich per Hubschrauber Baumstämme aus dem unzugänglichen Gebiet herausfliegen. Holzfäller haben mehrfach Massaker angezettelt, bei denen Dutzende von Indigenen grausam ermordet wurden. Nun sollen nach Correa die individuellen und kollektiven Rechte der Indigene gesichert werden. „Das Eindringen der Ölfirmen, die Auseinandersetzungen mit Siedlern und die Regenwaldplünderung erfordern kohärente Antworten der Regierung zur Lösung”, so Correa.
  • Ein totales Holzeinschlagsverbot in den Amazonasprovinzen Sucumbios und Orellana soll den illegalen Holzhandel endlich unterbinden. Correa prangerte besonders die gängige Praxis an, nach der auf öffentlichen Versteigerungen beschlagnahmtes Holz von illegalen Holzfällern zu Spottpreisen zurückersteigert wird. In den Medien wurde von Fachleuten eine Ausdehnung des Verbots auf die Küstenprovinz Esmeraldas gefordert. Aus der Provinz stammt mengenmäßig der größte Teil des in Ecuador eingeschlagenen Holzes. Auch die fünf großen Sperrholzhersteller des Landes beziehen von dort ihr Holz. Die Provinz weist eine Entwaldungsrate von vier Prozent auf, die weit über der im Amazonasgebiet liegt. In den verbliebenen Regenwaldgebieten in Esmeralda leben bedrohte indigene Völker wie Awa, Chachi und Epera sowie viele Afroecuadorianer.
  • Angesichts Tausender offener oder nur notdürftig mit Erde bedeckten Ölteichen im Regenwald kündigte Correa Änderungen bei der Ölförderung an. So soll das Ölfeld Ispingo Tambococha Tibutini (ITT) nicht erschlossen werden und das Wassereinzugsgebiet des Curaray-Flusses zum Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung erklärt werden. Die Ölverseuchung gehört überwiegend zu den Hinterlassenschaften des amerikanischen Ölkonzerns Texaco. Gegen den Konzern läuft seit Jahren eine milliardenschwere Sammelklage vor Gerichten.
  • Zur Durchführung des Nationalen Aufforstungsplans gründete die Regierung von Correa die Nationale Waldkorporation, die dem Landwirtschaftsministerium unterstellt ist. Mit jährlich 50 Millionen US-Dollar staatlichen Geldern sollen in den kommenden vier Jahren 150.000 Hektar aufgeforstet werden.
  • Die in 2000 begonnene Erarbeitung des Aufforstungsplans wurde von der Weltbank finanziert und ist immer wieder ins Stocken geraten. Lokale Waldbesitzer, Sozial- und Umweltgruppen haben den Plan abgelehnt, weil er maßgeblich von der Holzindustrie bestimmt wurde. Sie befürchten, dass der Plan insbesondere die Aufforstung industrieller Holzplantagen mit exotischen Baumarten wie Eukalyptus, Kiefern und Teak für den Export fördern wird. Als grüne Wüste verursachen die Holzplantagen gravierende Umwelt- und Sozialprobleme.