zurück zur Übersicht

Philippinen: Die Zukunft unserer Kinder ist der Wald

Die Regierung der Philippinen fördert neben Bergbau nun den Anbau von Ölpalmen. Im Fokus liegt auch die Insel Palawan. Sie ist UNESCO-Biosphären-Reservat, weil ihre Naturschätze einzigartig sind. Unsere Partner vom Netzwerk ALDAW beraten die Gemeinden und machen sie stark – denn sie können gewinnen

Blick über die weitgehend ungestörte Natur von Brooke’s Point im Süden PalawansBlick über die weitgehend ungestörte Natur von Brooke’s Point im Süden Palawans

Das Hügelland ist übersät mit jungen Ölpalmen, mittendrin verkohlte Baumstämme. Als Urwaldriesen wuchsen sie bis vor wenigen Jahren im dichten Regenwald – jetzt sind sie nur noch stumme Zeugen einer Tragödie. „Auf diesem Land haben wir immer gelebt“, sagt der Bauer Panglima Kalib. „Wir haben Kokospalmen und kleine Reisfelder gepflanzt, uns von den Früchten des Waldes ernährt, aus den Bambusstauden die Wände unserer Häuser geflochten. Doch dann kamen die Firmen, um hier Plantagen aus Ölpalmen anzulegen; dafür wurden Bäume gerodet, unser Land und unsere Felder zerstört. Niemand hat uns gefragt, ob wir einverstanden sind – die Regierung und die Firmen treten unsere Rechte mit Füßen.“

So wie Panglima Kalib ergeht es immer mehr Bauern- und indigenen Familien auf der  Philippinen-Insel Palawan. Als Kalib geboren wurde, war die Natur seiner Heimat noch weitgehend ungestört. In dem Mosaik aus tropischen Regenwäldern, Bergland, Mangroven und Korallenriffen konnte sich unermesslicher Artenreichtum von Tieren und Pflanzen entwickeln. 

Der Naturschatz der drittgrößten Inselgruppe der Philippinen ist so bedeutend, dass die UNESCO die gesamte Provinz Palawan 1990 zum Biospähren-Reservat erklärt hat.

Aus Bambus werden die „Sawali“ geflochten, Wände für die Häuser. Auch dieses Handwerk stirbt aus, wenn die Regenwälder weiter für Plantagen gerodet werden. So wie in Quezon (oben)Aus Bambus werden die „Sawali“
geflochten, Wände für die Häuser.
Auch dieses Handwerk stirbt aus,
wenn die Regenwälder weiter
für Plantagen gerodet werden.
So wie in Quezon (oben)

Doch schon bald wuchs das Inte­resse von Regierung und Firmen an den Bodenschätzen der Insel. Mit großem Engagement kämpft das nationale Netzwerk ALDAW Indigenous Network seit Jahren gegen die Naturzerstörung durch den Bergbau selbst in den streng geschützten Kernzonen, gegen Landraub und Missachtung der Indigenen-Rechte. Mit moderner Technik wie Geotagging, mit Videos, Interviews und Augenzeugenberichten decken sie die illegalen Aktivitäten der Bergbaukonzerne auf und informieren die Bevölkerung.

„Jetzt stehen wir vor dem nächsten ernsten Problem“, sagt ALDAW-Präsident Artiso Mandawa. „Es geht um den Palmölboom. Die Plantagen breiten sich sehr schnell aus, und wir entwickeln gerade Strategien, um die Monokulturen aufzuhalten, bevor es zu spät ist.“

Seit Ende 2010 unterstützt Rettet den Regenwald das Netzwerk bei seinen Aktionen –  zunächst gegen den Bergbau und jetzt auch gegen die Ölpalmplantagen. Unsere Unterschriften-Aktion an die UNESCO hat Generaldirektorin Irina Bukova bereits dazu veranlasst, von der zuständigen Kommission auf den Philippinen Aufklärung zu fordern.

Die Regierung verspricht Wohlstand – stattdessen werden die Menschen ärmer

„Die Regierung behauptet, Palmöl würde uns Wohlstand bringen. Sie verspricht den Menschen Arbeitsplätze und ein stabiles Einkommen, das ihnen die traditionelle Landwirtschaft und Lebensweise nicht mehr garantieren könnten“, sagt Artiso Mandawa. „Doch mit jeder weiteren Plantage merken wir, dass wir ärmer und ärmer werden.“

Der nationale Entwicklungsplan für Palmöl hat im ganzen Inselreich 304.000 Hektar „ungenutztes“ und „unterentwickeltes“ Land ausgemacht, auf dem sich Ölpalmplantagen anbauen ließen. Was dabei „vergessen“ wurde, so ALDAW: Dieses sogenannte Brachland nutzen Kleinbauern und Ureinwohner zum Überleben – sie bauen dort Gemüse an, sammeln Früchte, Kräuter, Medizinpflanzen und Baumaterial. Und die Flüsse liefern ihnen sauberes Trinkwasser.

Der seltene Palawan-Adler gehört zu den bedrohten Tierarten der InselDer seltene Palawan-Adler gehört
zu den bedrohten Tierarten der
Insel

Inzwischen wachsen Ölpalmplantagen auf mindestens 50.000 Hektar – auf den Inseln Mindanao, Bohol und Palawan.

Das Palmölgeschäft auf Palawan betreiben vor allem Palawan Palmöl & Vegetable Oil Mills und ihre Schwesterfirma Agumil Philippines – an beiden sind Unternehmen aus Malaysia und Singapur beteiligt. Auch die Setzlinge werden importiert – ein einträgliches Geschäft bei der  rasanten Nachfrage. Auf der Strecke bleiben die Kleinbauern, die mit den Palmölfirmen Verträge schließen, ohne deren Konsequenzen zu durchschauen. Die Bauern, die Ölpalmen pflanzen wollen, können sich die Setzlinge nicht leisten. So müssen sie bei den Firmen Kredite aufnehmen und werden zu Schuldnern. „Wir sind Gefangene auf unserem eigenen Land“, klagt Artiso Mandawa und meint damit  nicht nur die finanzielle Abhängigkeit von der Palmölindustrie. „Unsere eigene Kopra-Produktion liegt am Boden, weil Tausende Kokospalmen, die noch unsere Großeltern gepflanzt haben, durch Insektenbefall zerstört sind. Die Rüsselkäfer wurden mit den Ölpalmen eingeschleppt.“ Inzwischen sind viele Dörfer von umzäunten Plantagen eingeschlossen, und die Bewohner erreichen ihre Felder nur über lange Umwege.

„Wir wollen unsere traditionelle Kultur und unser Wissen mit neuen Wegen und modernen Techniken verbinden“, sagt Artiso Mandawa. „Die Gemeinschaft in den Dörfern ist stark genug, den Kampf gegen die Ausbreitung der Planagen zu gewinnen. Dazu brauchen wir Ihre Hilfe: Schreiben Sie an unsere Regierung und unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Stimme und einer Spende. Danke.“

 

IHRE SPENDE KOMMT AN

Mit moderner Technik dokumen­tiert das nationale Netzwerk ALDAW (Ancestral Land/Domain Watch) die Aktivitäten der Bergbau- und Palmölindustrie, informiert die Bevölkerung, organisiert Demos, Petitionen und schafft weltweit Öffentlichkeit. Mit Unterstützung von Rettet den Regenwald haben die Aktivisten jetzt eine umfangreiche Studie über die Praktiken der Palmölindustrie und die Ausbreitung der Plantagen auf Palawan erarbeitet. Mit unseren Spendengeldern finanzieren sie auch einen festen Mitarbeiter, der die Gemeinden berät. Die Entwicklung ist noch aufzuhalten, denn sie steckt noch in den Anfängen. Deshalb brauchen unsere Partner weiterhin finanzielle Hilfe.