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Waldelefanten: Die Förster des Dschungels

Afrikas Waldelefanten sind ein Segen für die tropischen Regenwälder. Weil die Dickhäuter Baumsamen kilometerweit durchs Dickicht tragen, erhalten sie die Biodiversität im Dschungel. Sie sind zudem mehr als die kleinen Brüder der Savannenelefanten, sondern eine eigene Spezies

Die Förster des Dschungels Titel Im Revier der Elefanten wachsen viele von der Holzindustrie begehrte Baumarten.
Und so dringen mit den Holzfällern auch die Wilderer tief in die Wälder ein

Die Lichtung ist ihre Bühne: Übermütig tollen junge Waldelefanten umher, eine Kruste vom letzten Schlammbad auf der Haut, ältere Tiere stöbern auf der Suche nach Mineralien im Boden, zwei Bullen zanken um ein Weibchen – und bemerken nicht, wie ein Jüngling eilig die Umworbene begattet, woraufhin Schwestern und Tanten ein Hochzeitslied trompeten. Da bricht eine kleine Gruppe aus dem Busch und gesellt sich zu den übrigen Tieren.

Es scheint ein Fehler der Natur zu sein, ausgerechnet dicke Elefanten in dichten Regenwäldern West- und Zentralafrikas anzusiedeln. Durch ihre Körperfülle und ihr Gewicht müssten die Tiere Baum und Strauch verwüsten. Das Gegenteil ist der Fall: Elefanten sind ein Segen für den Wald. Auf ihren Pfaden durchstreifen andere Tiere den Dschungel. Sie profitieren auch von den Mineralien, die von Elefanten aus dem Boden gewühlt wurden.

Waldelefanten schöpfen aus dem Vollen, wenn es ums Fressen geht. Rund 150 Zutaten umfasst der Speiseplan aus Blättern, Zweigen und Rinden. Eiweißreiches Steinobst gehört zu ihren Lieblingsgerichten. Um die Früchte des Makore-Baums zu finden, ziehen die Tiere sogar 50 Kilometer weit durch den Busch.

Indem die Elefanten Samen fressen, tragen sie diese kilometerweit fort; wo sie Dung fallen lassen, gedeihen Sprösslinge. Einige Hundert Baumarten profitieren davon, darunter holzwirtschaftlich bedeutsame Arten wie Mahagoni, Limba und Bongossi. Mindestens 50 Spezies überleben sogar ausschließlich im Revier von Waldelefanten. Sie vermögen als Einzige die fußballgroßen Nüsse von Omphalocarpum-Bäumen zu knacken.

Lange hielt die Wissenschaft Wald­elefanten für die kleinen Brüder der Savannenelefanten: Sie werden 6 statt 7,50 Meter lang und tragen kürzere Stoßzähne. Erbgut-Analysen beweisen jedoch, dass die Tiere eine eigene Art sind und sich vor sechs Millionen Jahren trennten.

In Gefahr

Zwischen 2002 und 2011 ging die Population der Waldelefanten in Zentral- und Westafrika um 62 Prozent zurück. Die Weltnaturschutzunion stuft sie als „endangered – stark gefährdet“ ein. Wilderer töten Tiere wegen ihres Elfenbeins und Fleischs. Eine Rolle spielt, dass Menschen tiefer in den Wäldern roden.