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Indonesien

Zement zerstört unser Leben

Bäuerin Paini Bäuerin Paini führt den Widerstand gegen die Zementwerke an (© Collage RdR/ BanksPhotos/ iStock/ Koswanto)

Der deutsche Konzern HeidelbergCement will das Kendeng-Karstgebirge auf der indonesischen Insel Java abbauen und dort eine Zementfabrik errichten. Doch Eingriffe in diese sensible Landschaft sind eine ökologische und humanitäre Katastrophe. Die Bevölkerung wehrt sich mit aller Kraft

Unentwegt und beharrlich protestieren sie gegen die Zerstörung ihrer Heimat. Sie haben ein Zeltdorf neben einer Baustelle errichtet. Sie marschieren hundert und mehr Kilometer zu Gerichtsverhandlungen. Vor dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Jakarta haben sie ihre Füße in Zementblöcke einbetoniert: Hunderte Frauen und Männer der Bürgerinitiative Kendeng-Gebirge leisten seit mehr als zehn Jahren aktiven Widerstand gegen die Zementindustrie. Es geht um ein lebenswichtiges Kalkgebirge im Osten von Java, es geht um Wasser, Wald und fruchtbares Land. Es geht um das Überleben sanfter Landwirtschaft und den Erhalt einer ökologisch einmaligen Karstlandschaft.

Eine der Protestierenden ist die Bäuerin Paini. Sie sprach am 16. Mai 2016 in der Deutschen Botschaft vor und sagte, „Deutsche Investitionen sollen nicht nur auf Profit zielen, sie müssen auch Mensch und Natur berücksichtigen!“. Denn es ist ein deutsches Zementunternehmen, das in ihrer Heimat, dem Kendeng-Gebirge, eine Fabrik errichten und für dessen Betrieb dort Kalkstein abbauen will.

Das Kendeng-Gebirge ist eine großartige Karstlandschaft im Norden Javas. Kaum 800 Meter hoch, beherbergt es viele Höhlen. Vor einer Million Jahren lebte hier der Frühmensch Homo erectus. Heute ist es Heimat vieler Vögel, Schmetterlinge und Fledermäuse. Der bedrohte Grüne Pfau ist dort anzutreffen und auch das Schuppentier. Unzählige Zugvögel überwintern in den wasserreichen Wäldern des Kendeng.

Zement-Fakten

Zement Herstellung aus Kalkstein, Lehm, Sand, Eisenerz.

Beton Gemisch von Kies und Sand mit Zement und Wasser.

Umwelt Hoher Energieverbrauch (pro Tonne Zement werden ca. 110 kWh Strom benötigt, so viel verbraucht ein 3-Personen-Haushalt etwa innerhalb von zwei Wochen), Staub, giftige Gase.

Klima 6 bis 9% der globalen Treib-hausgasemissionen – ein Vierfaches der Emissionen des Luftverkehrs.

Karst Kalk- und Gipsgebirge mit unterirdischen Höhlen, Seen und Flüssen.

Zementindustrie Indonesien Hohe Wachstumsraten, neue Fabriken auf Java und Borneo in Bau und Planung.

Der Kalkstein wirkt wie ein poröser Schwamm, er speichert das Regenwasser und speist mit seinen unterirdischen Bächen und verborgenen Seen zahlreiche Flüsse. In der Trockenzeit versorgt das Karstgebirge nicht nur die Wälder auf den Anhöhen und die Bauerndörfer der Umgebung mit Wasser, sondern auch Millionen von Menschen auf der dicht besiedelten Insel Java.

Hier haben sich vor 150 Jahren die Samin, die „Freundlich Gesinnten“, wie sie sich selbst nennen, vor den holländischen Kolonialherren in Sicherheit gebracht. Die Samin betrachten die Erde als ihre Mutter, die ihnen alles gibt, was sie brauchen. Sie bauen Reis und Gemüse am Fuß der Berge an, ohne Gift und Dünger. Die Samin sind eine Art frühe Ökogemeinschaft. Mit den Bäuerinnen und Bauern der Umgebung wehren sie sich in der Bürgerinitiative Kendeng-Gebirge gegen die Zerstörung des Karstes.

Doch der Kalkstein lockt die Zementindustrie. Vier Unternehmen wollen ihn abbauen und große Werke errichten. Eines der Unternehmen ist HeidelbergCement, das über seine Tochter Indocement im Distrikt Pati, Painis Heimat, 2000 Hektar Karst abbauen will. Das deutsche Unternehmen ist jüngst in die Medien geraten mit der Bemerkung, mit der von US-Präsident Trump geplanten Mauer gegen Mexiko Profite zu machen. In Indonesien ist die Firma seit 2001 aktiv. Indocement betreibt drei Zementwerke, acht Zementterminals und Dutzende Betonwerke. Das Werk in Pati werde auf jeden Fall gebaut, so die Reaktion von HeidelbergCement auf die landesweiten Proteste und Gerichtsprozesse.

In der Vergangenheit hat Indocement bereits einmal vor Gericht gegen die Bürgerinitiative verloren, in der Revision jedoch gewonnen. Paini ist überzeugt, dass der Richter keinerlei Umweltkenntnisse hatte und die ökologischen Folgen nicht berücksichtigte. Deswegen zieht sie vor den Obersten Gerichtshof.

Demo vor der deutschen Botschaft Deutschsprachiges Banner für die Demo vor der deutschen Botschaft (© JMPPK)

Zementherstellung ist dreckig, frisst Energie und ist ein Klimakiller. Der Abbau der Kalkberge ist ein massiver Eingriff in die Landschaft. Ökosysteme werden zerstört, Wasserkreisläufe unterbrochen und die Luft mit Staub, giftigen Gasen, Stick- und Schwefeloxiden verschmutzt. In der Zementfabrik wird der Kalkstein mit Lehm, Sand und Eisenerz bei Temperaturen von 1450 Grad gesintert. Dafür ist enorm viel Energie notwendig. Bei der Sinterung selbst entstehen aus dem Kalkgestein gebrannter Kalk und Kohlendioxid. Sechs bis neun Prozent der weltweiten Treibhausgase stammen aus der Zementproduktion. Das ist viermal so viel wie der gesamte internationale Flugverkehr ausstößt!

Kein Wunder, dass wegen der Belastung für Umwelt und Menschen die Zementproduktion aus Europa in Länder des Südens abwandert. Die Industrie ist nicht nur wegen der Umweltbelastung im Umbruch, sondern auch wegen des steigenden Verbrauchs, der sich seit 2000 verdreifacht hat. Der Großteil des Zements wird heutzutage in China produziert und verbraucht.

Neben China (Anhui Conch Cement und CNBM), Taiwan (Taiwan Cement) und Mexiko (Cemex) dominieren die Europäer den weltweiten Wettstreit um Beton. Die großen Zementkonzerne wie LafargeHolcim (Frankreich, Schweiz), HeidelbergCement (Deutschland) und Italcementi (Italien) sind überall auf der Welt präsent und sichern sich profitable Kalkberge in Ländern mit schwacher Umweltpolitik, wie zum Beispiel das Kendeng-Karstgebirge auf Java in Indonesien.

Bitte unterstützen Sie die Menschen beim Widerstand gegen die Zerstörung ihrer Heimat durch HeidelbergCement: https://www.regenwald.org/petitionen/1055/