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Demokratische Republik Kongo

Gold bedroht Gorillas

Gorilla-Mutter schmust mit Baby Rund 4.400 Gorillas leben in der Demokratischen Republik Kongo, 600 von ihnen in den Virunga-Bergen. Nicht alle der acht Vulkane dort sind erloschen: Zuletzt brach der Nyiragongo (unten) im Jahr 2010 aus (© CC BY-SA 2.0)

Obwohl sie tief in den Regenwäldern des Kongobeckens verborgen leben, sind Gorillas und Bonobos vom Aussterben bedroht. Jetzt gibt die Regierung in Kinshasa sogar berühmte Schutzgebiete, die als Welterbe gelten, für die Suche nach Öl, Gas und Gold frei. Örtliche Aktivisten wollen die Naturschätze bewahren. Wir unterstützen sie dabei – mit Ihrer Hilfe

Ein friedliches Bild: Ein Grüppchen Gorillas sitzt beisammen und knabbert Grünzeug. Jungtiere trollen umher, Mütter schmusen mit ihren Kleinen. Die Landschaft drum herum: Üppiger Regenwald, majestätische Vulkane und mit Grün überzogene Berge. Der Dschungel im Kongobecken ist der zweitgrößte der Erde, der in puncto Artenvielfalt Amazonien in nichts nachsteht. Neben Waldelefanten, Okapis, Leoparden und ungezählten Arten von teils farbenfrohen, teils gut getarnten Käfern, Schmetterlingen, Reptilien und Vögeln leben dort drei der vier Menschenaffenarten der Erde: Gorillas, Schimpansen und Bonobos.

Vulkan im Virunga Nationalpark (© CC BY-SA 2.0)

Doch in Wirklichkeit ist dieser Frieden brüchig. Egal wohin man schaut, ist der Lebensraum vieler Spezies bedroht. Ein Fluch für die Tiere am Kongo ist der Rohstoffreichtum des Landes: Beträchtliche Mengen Erdöl und Gas werden dort vermutet. Hinzu kommen Coltan, Seltene Erden, Gold – der Untergrund ist reich gefüllt mit wertvollen Mineralien und Erzen. Sie sind Hunderte Millionen Euro wert, denn kein Smartphone funktioniert ohne die Metalle, kein Windrad liefert ohne sie Strom (siehe Grafik zu den Rohstoffen im Mobiltelefon auf S. 14).

Wo Rohstoffe lagern, gilt oft das Recht des Skrupelloseren

Da diese Konfliktrohstoffe für Milizen, die selbst 15 Jahre nach dem Bürgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo marodieren, eine unerschöpfliche Finanzquelle sind, kommt die Region nicht zur Ruhe. Wo Rohstoffe lagern, gilt oft das Recht des Skrupelloseren – zum Nachteil der Menschen und der Natur.

Parkwächter im Itombwe Schutzgebiet Parkwächter sind wie die örtliche Bevölkerung gegen die Goldsuche im Schutzgebiet Itombwe (© Deo Kujirakwinja)

Ein großer Teil der Menschenaffen ist bedroht, weil wir Menschen nach Erdöl gierig sind. Auf diese Formel lässt sich das Schicksal von Bonobos und Gorillas in den Nationalparks Virunga und Salonga zusammenfassen. In diesen Hotspots der Artenvielfalt will die Regierung von Joseph Kabila Rohstoffe ausbeuten.

Aktiv werden! Ihre Spende hilft den Gorillas

Kongos Umweltschützer mobilisieren die Bevölkerung, um Druck auf die Regierung aufzubauen. Sie reisen von Dorf zu Dorf und sammeln Unterschriften. Im Virunga Nationalpark unterstützen wir die Ranger bei ihrer gefährlichen Arbeit zum Schutz der Menschenaffen. Bitte spenden Sie online unter www.regenwald.org/spende/252/wir-schuetzen-gorillas-vor-der-erdoel-industrie

Der Virunga Nationalpark gehört zu den berühmtesten Schutzgebieten weltweit. Einige der letzten, vom Aussterben bedrohten Berggorillas (Gorilla beringei ssp beringei) leben dort, streng bewacht von Rangern, die zum Schutz der Tiere ihr Leben riskieren. Der Salonga Nationalpark ist ein zentraler Lebensraum für Bonobos. 40 Prozent der Weltpopulation dieser Spezies leben dort. Kein Wunder, dass die UNESCO beide Nationalparks im Jahr 1979 und 1984 zum Welterbe erklärt hat.

Im März 2018 der Schock. Dokumente wurden bekannt, wonach Präsident Kabila beabsichtigt, Teilen der Gebiete den Schutz als Nationalpark zu entziehen. Der Status blockiere die wirtschaftliche Ausbeutung. Das Land habe jedoch das Recht, die Bodenschätze überall abzubauen – auch in Schutzgebieten. Insgesamt sollen nahezu 4.500 Quadratkilometer für die Exploration freigegeben werden, dem US-Medienunternehmen Bloomberg zufolge sogar 16.700 Quadratkilometer. Wird der Plan umgesetzt, wäre selbst der höchste Schutzstatus nichts wert.

RDC Karte (© Rettet den Regenwald)

Die Karte zeigt Ihnen, wo sich die in diesem Text vorgestellten Schutzgebiete Salonga (Kartenmitte), Virunga und Itombwe (rechts) befinden. Am linken Kartenrand ist der Afi Mountain in Nigeria eingetragen, um den es ab Seite 10 geht

 

Präsident Kabila lässt sogar in Nationalparks nach Öl bohren

19 örtliche Umweltschutzorganisationen haben in einem Brandbrief vor den Folgen einer Verkleinerung der Nationalparks gewarnt. Sie mobilisieren die Bevölkerung, um Druck auf die Regierung in Kinshasa aufzubauen. 100.000 Unterschriften wollen sie mit einer nationalen Petition sammeln. Sie haben uns gebeten, parallel eine weltweite Kampagne zu starten.

Kabilas rücksichtslose Politik hat offenbar die kanadische Bergbau-Firma Banro ermutigt, in Gorilla-Habitat vorzudringen. Schauplatz ist das Schutzgebiet Itombwe. Dort leben Grauergorillas, eine Unterart des östlichen Gorillas (Gorilla beringei ssp. Graueri). Die Spezies ist wie seine Verwandten in Virunga vom Aussterben bedroht.

verwendung Das Okapi (Okapia johnstoni) wird auch Waldgiraffe genannt und ist so scheu, dass es erst im Jahr 1901 entdeckt wurde. Es lebt ausschließlich in der Demokratischen Republik Kongo. Mittlerweile ist sein Überleben stark gefährdet (© meunierd/shutterstock.com)

Banro hat sich bereits seit Mitte der 1990er-Jahre Bergbaukonzessionen über mehr als 2.600 Quadratkilometer im Kongo gesichert und betreibt seit einigen Jahren in Twangiza und Namoya zwei Goldminen. Die Bevölkerung klagt über Landraub und Vertreibung.

Die Goldfirma Banro dringt in das Schutzgebiet Itombwe vor

Im Jahr 2014 hatte das Unternehmen zugesichert, das Schutzgebiet Itombwe nicht anzutasten. Doch das Versprechen gilt offenbar nicht mehr, seit die Regierung Rohstoffausbeutung Vorrang vor Naturschutz einräumt. Einheimische fotografier-
ten heimlich Hubschrauber des Unternehmens und informierten die Behörden.
Auch in Itombwe schlagen Umweltschützer Alarm. Sie haben gegen den Goldbergbau demonstriert und eine Deklaration verfasst. Bislang ohne Erfolg. Deshalb setzen sie auf internationale Unterstützung, um die Mineure von Banro zu stoppen.

Dass Protest etwas bewirkt, beweist der Virunga Nationalpark. 2014 ist es Umweltschützern gelungen, die britische Erdölfirma SOCO zu stoppen. Ein solcher Erfolg sollte uns jetzt wieder gelingen. Der Schutz der Menschenaffen ist jedes Engagement wert.

Aktiv werden! Unterschreiben Sie unsere Petitionen

Die Natur im Kongobecken ist ein Schatz, der bewahrt werden muss. Bitte helfen Sie mit Ihrer Unterschrift: „Kein Primaten-Blut für Öl“ und „Gold bedroht Gorillas“ online unter
www.regenwald.org/petitionen

  Virunga Unterschriften Einheimische haben eine Petition gegen die Ölförderung gestartet (© CREF)