Fragen und Antworten zu Wilderei

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Jagd oder Wilderei?

In diesem Zusammenhang sollte klar zwischen zwei Begriffen unterschieden werden:

  1. Die legale Jagd der indigenen Völker und Bewohner der Regenwälder für den Eigenbedarf
  2. Die kommerzielle Wilderei mit modernen Waffen. In vielen Ländern gilt Buschfleisch, also das Fleisch der Tiere des Dschungels, als Delikatesse. Es wird zunehmend in gehobenen Restaurants serviert und für Medizin verwendet. Leider boomt der illegale Handel mit Buschfleisch zunehmend.

Welche Gründe gibt es für die kommerzielle Wilderei?

Fünf Gründe sind hauptverantwortlich für die rasant zunehmende Wilderei:

  1. Die expandierende Infrastruktur
    Früher gingen die Waldbewohner auf die Jagd, um sich von dem Fleisch der Wildtiere zu ernähren. Wilderei war nur in den Randgebieten der Urwälder möglich. Heute ist das leider anders. Seit den 1960er Jahren wird der Ausbau von Straßennetzen stetig vorangetrieben. Viele Gebiete sind weitgehend erschlossen und von Straßen oder Flüssen aus erreichbar. Neue Straßen ermöglichen aber neue Siedlungen und somit weitere Entwaldung. Dies wiederum verschafft Wilderern und Händlern von außerhalb leichter Zugang in die Wälder.
  2. Moderne Waffen und Ausrüstung
    Die Wilderer haben von traditionellen auf moderne Waffen umgestellt. Das Problem liegt darin, dass die neuen Waffen eine viel größere Reichweite haben als zum Beispiel Pfeil und Bogen oder Netze. So bringt die modernisierte Technik mehr „Erfolg“, was ganz wesentlich dazu beiträgt, dass die kommerzielle Wilderei weiter ausgebaut wird.
  3. Ansteigende Bevölkerungszahlen und zunehmende Armut
    Ein weiteres Problem ist die wachsende Weltbevölkerung. Je höher die Nachfrage nach Buschfleisch, desto höher werden die Fangquoten. Die Quantität der Wilderei steigt proportional zum Markt bzw. zur Anzahl der Konsumenten. Hinzu kommt die wachsende Armut. Somit stellt die Wilderei einen Anreiz für die Ärmsten dar, wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen und sich zu ernähren.
  4. Sozioökonomische Faktoren
    Während früher nur der Eigenbedarf gedeckt wurde, wird das Geschäft heute zunehmend kommerzialisiert. Geräuchertes oder gesalzenes Fleisch wird auf den örtlichen Märkten verkauft. Auch hier gilt: Je höher die Nachfrage, desto höher der Profit – und der Anreiz zum Weitermachen. Ein weiterer Punkt ist, dass traditionelle Tabus nicht mehr eingehalten werden, was den Tierbeständen keine Möglichkeit zur Erholung gibt. So werden beispielsweise in Uganda traditionell keine Schimpansen gejagt und gegessen. Nach neusten Berichten steigt die Armut aber stetig – und das Tabu wird zunehmend gebrochen.
  5. Steigende Nachfrage: Der asiatische Markt
    Der wachsende Wohlstand in Asien verstärkt das Problem der Wilderei. Durch ihn steigt die Nachfrage nach Elfenbein, Horn vom Nashorn und Körperteilen des Tigers. In China gelten Knochen und Geschlechtsteile des Tigers als potenzsteigernd, darum werden sie häufig in der chinesischen Medizin verwendet. Zudem steigt in den asiatischen Schwellenländern die Nachfrage nach Tigerfleisch und Tigerpelz.

Welchen Einfluss haben die indigenen Völker?

Seit vielen Millionen Jahren ist der Mensch als Jäger und Sammler in den Wäldern unterwegs. Wenn nur die Bewohner des Waldes hin und wieder für den eigenen Bedarf ein Tier töten, schadet das den Tierbeständen nicht. Das ist die Lebensgrundlage der Waldmenschen und zudem eine wichtige Proteinquelle. Meist jagen sie nur in dem Gebiet um ihre Siedlungen herum. Somit haben die Tierpopulationen genug Zeit, sich zu regenerieren. Solange sich die Jagd in diesem Rahmen abspielt, haben die Indigenen einen relativ geringen Einfluss auf die Reproduktion und das Überleben der Arten. Dennoch zählt im Hinblick auf die zunehmende kommerzielle Wilderei jedes lebende Tier.

Welche Auswirkungen hat die kommerzielle Wilderei?

Das ausbeuterische Verhalten hat in den letzten 50-60 Jahren stark zugenommen. Die Folgen sind verheerend:

  • Zum einen wird den Ureinwohnern damit ihre Lebensgrundlage entzogen, zum anderen wird das Ökosystem Regenwald mit seinem natürlichen Gleichgewicht komplett zerstört. Wenn z.B. Raubtiere in der Nahrungskette fehlen, vermehrt sich ihre Beute umso mehr. Dadurch wird wiederum die Beute der Beute deutlich knapper – und diese schädliche Spirale setzt sich fort. Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages schätzt, dass das Aussterben einer Art das Sterben von mindestens 30 anderen Arten nach sich zieht.
  • Werden Tiere gefangen und getötet, so können sie nicht mehr zur Vermehrung der Art beitragen, Jungtiere müssen ggf. verhungern, weil sie nicht mehr mit Nahrung versorgt werden können, oder sie werden an Tierhändler verkauft. Somit haben die Populationen in freier Wildbahn keine Chance auf Reproduktion. Das führt unweigerlich zum Aussterben von ganzen Populationen und schließlich der gesamten Art. Die Folge ist ein drastischer Biodiversitätsverlust.
  • Eine weitere Folge der kommerziellen Wilderei ist, dass bestimmte ökologische Funktionen nicht mehr erfüllt werden können, wenn bestimmte Arten dem Ökosystem entrissen werden. So sorgen viele Tiere, die als Buschfleisch auf dem Teller landen, für die Verbreitung von Samen. Viele Pflanzen sind darauf spezialisiert und haben im Laufe der Evolution ihre Samen so entwickelt, dass diese nur noch durch Tiere erfolgreich verbreitet werden können. Entweder werden die Samen von Tieren gefressen und durch den Kot verbreitet, oder die Samen bleiben am Fell der Tiere hängen und werden auf diese Weise verteilt. Beispiele dafür sind Brüllaffen und Tamarine in Südamerika, die zur Verbreitung der der riesigen Feigenbäume beitragen. Auf längere Sicht gesehen bedeutet die Wilderei von Tieren ein Aussterben der betroffenen Pflanzenarten und dadurch wieder eine Störung des ökologischen Gleichgewichts des gesamten Waldes. Da die Regenwälder einen besonders großen Beitrag zur Sauerstoffproduktion und CO2-Absorbtion auf der Erde beitragen, wirkt sich das Aussterben von großen Urwaldbäumen und Waldflächen langfristig auch auf unser Klima aus.

Welche Gefahren bringt die Wilderei?

Übertragung von Krankheiten

Durch den Verzehr von Affenfleisch können Krankheiten auch auf den Menschen übertragen werden, wie zum Beispiel das tödliche Ebola-Virus. So besteht die Gefahr, dass ein Großteil einer lokalen Bevölkerung infiziert wird. Erst Ende 2012 gab es in der Region rund um den Itohya-Wald in Uganda einen weiteren Ausbruch der hoch ansteckenden Viruskrankheit, an dem mehrere Menschen starben. In einem kleinen Dorf in Gabun starben 13 Dorfbewohner an dem Virus, nachdem sie Affenfleisch gegessen hatten.

Gewaltsame Auseinandersetzungen

Die zum Teil militärisch ausgebildeten und schwer bewaffneten Banden liefern sich regelrechte Feuergefechte mit den Wildhütern, wobei schon mehrere Menschen auf beiden Seiten ums Leben gekommen sind. 19 Ranger sind Anfang 2012 in Afrika in solchen kriegerischen Konflikten umgekommen. Aus einem Interview mit der Verwaltung des Virunga Nationalparks ist bekannt, dass insbesondere im Kongo Park-Ranger in gewaltsamen Auseinandersetzungen getötet werden.

Welche Maßnahmen gibt es?

1973 wurde das „Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen" (Washingtoner Artenschutzabkommen (WA)), englisch: Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (CITES)) geschlossen. In Deutschland ist das WA bereits seit 1976 gültig, und bis heute sind dem WA 176 Staaten beigetreten. Seit 1984 hat die EU das WA verbindlich für alle EU-Staaten umgesetzt. Ziel des Abkommens ist es, den internationalen Handel, der eine der Hauptgefährdungen für den Bestand wildlebender Tiere und Pflanzen darstellt, zu überwachen und zu reglementieren. Dabei bedeutet „Handel“ jeder Transport über eine Grenze hinweg, unabhängig davon, aus welchem Grund dieser Transport erfolgt. Die gefährdeten Arten sind im WA entsprechend dem Grad ihrer Schutzbedürftigkeit in drei Anhängen aufgelistet. Für sie gelten unterschiedlich starke Handelsbeschränkungen. Diese Anhänge I-III werden circa alle zwei Jahre auf der WA-Vertragsstaatenkonferenz aktualisiert. Soweit die Theorie – leider sieht die Praxis anders aus. Beispiel: Die 15. Vertragsstaaten-Konferenz 2010 in Doha, Katar. Nie zuvor gab es auf einer CITES-Konferenz so viele Schutzanträge für Haie oder die Forderung nach einem Handelsstopp für eine kommerziell so bedeutende Art wie den Roten Thunfisch. Aber am Widerstand Japans und anderer asiatischer Länder scheiterten Anträge zum Schutz des Blauflossen-Thunfischs, von Korallen und mehreren Haiarten. Die japanische Taktik ist der Beweis dafür, dass sich CITES von einer auf den Naturschutz ausgerichteten Vereinigung in eine von Geld und wirtschaftlichen Interessen getriebene Institution gewandelt hat. Am Vorabend des Votums über das Handelsverbot für den Blauflossen-Thunfisch hatte die japanische Botschaft zum Empfang geladen. Gereicht wurde Sushi aus genau dem Fleisch des Fisches, dessen Bestände weltweit inzwischen vor dem Kollaps stehen – das Handelsverbot wurde abgelehnt. Die Jahrestreffen ähneln somit leider immer häufiger den UN-Klimakonferenzen, wo Politik, Macht und Geld deutlichen Vorrang vor wissenschaftlichen Erkenntnissen haben und Vereinbarungen hinter verschlossenen Türen getroffen werden. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Definition von „Handel“, nämlich „jeder Transport über Grenzen hinweg“. Hier klafft eine riesige Lücke, denn auch innerhalb von Staaten wird illegal mit bedrohten Tierarten gehandelt. Im März 2013 fand die letzte Cites-Konferenz in Bangkok, Thailand statt. Unter anderem legten die USA einen Antrag auf Schutz des Eisbären vor. Seine Bestände sinken seit Jahren, weil der Lebensraum durch den Klimawandel massiv schrumpft und Menschen auf Trophäenjagd gehen. Kanada und auch die EU stimmten dagegen, und so wurde der Antrag mit 38:42 Stimmen abgelehnt. Ähnlich verlief es bei den Anträgen zum Schutz von Nashörnern und Rochen. Einziger Erfolg: Drei Anträge für insgesamt fünf Haiarten wurden angenommen und die Arten in Anhang II aufgenommen.

Gibt es staatliche Bemühungen, gegen die Wilderei vorzugehen?

Am 29. November 2012 hat die deutsche Bundesregierung einen Antrag auf mehr Schutz für Elefanten verabschiedet. Der Antrag beinhaltet, dass Deutschland Länder, in denen Elefanten vorkommen, bei deren Schutzbemühungen sowie im Kampf gegen die Wilderei und den Elfenbeinhandel unterstützt. Am 10. Dezember 2012 haben die Ministerin für Wasser und Umweltangelegenheiten Südafrikas, Edna Molewa, und der vietnamesische Minister für Landwirtschaft und Landesentwicklung, Dr. Cao Duc Phat, eine Absichtserklärung gegen die Nashorn-Wilderei und andere Umweltvergehen unterzeichnet. Die Erklärung soll dazu dienen, dass die beiden Länder in den Bereichen Biodiversitätsmanagement, -erhaltung und -schutz stärker kooperieren. Beide Seiten wollen sich bemühen, internationale Abkommen wie z.B. das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) einzuhalten. Inwieweit Theorie und Praxis hier übereinstimmen, bleibt abzuwarten.

Was macht es so schwierig, die Wilderei zu verhindern?

Es gibt nicht nur die Einheimischen, die häufig aufgrund ihrer Armut Wildtiere jagen, sondern mittlerweile international organisierte Wilderei-Banden. In Afrika arbeiten auch manche Nationalpark-Tierärzte mit den kriminellen Wilderei-Banden zusammen. Sogar Botschaftern wird vorgeworfen, in das Netz der Wilderer verstrickt zu sein. Gerade Bestechung und Korruption spielen hier eine sehr große Rolle. Selbst aus beschlagnahmten Beständen werden immer wieder Teile gestohlen und gelangen so wieder auf den Schwarzmarkt. Problematisch ist auch, dass die Banden international organisiert sind, also über Ländergrenzen hinweg agieren. So entkommen sie recht leicht den Strafen im Ursprungsland. Wird doch eine Bande aufgespürt, ist die Strafe meist lächerlich gering. Rettet den Regenwald liegen z.B. Informationen aus einem Interview mit der Virunga Nationalpark-Verwaltung vor, dass gefasste Wilderer spätestens nach drei Tagen wieder frei gelassen werden. Erschwerend kommt hinzu, dass Banden und Händler immer raffinierter vorgehen. Knochen und Fell werden entfernt, sodass keine Rückschlüsse auf die Tierart gezogen werden können. Das Fleisch wird dann auf dem Markt als Rinder- oder Ziegenfleisch ausgegeben. Ein weiteres Problem ist die Abholzung der Urwälder durch Konzerne, die vor allem aus dem Ausland kommen. Nicht nur, dass die Wilderer durch verbesserte Infrastrukturen immer weiter in die Wälder eindringen können, die Holzfäller kaufen ihnen das Fleisch auch ab, sei es zum eigenen Verzehr oder zum Weiterverkauf zu einem höheren Preis in den umliegenden Städten und Dörfern.

Wie kann ich helfen?

  • Teilen Sie diese Informationen. Sprechen Sie Freunde, Familie und Bekannte darauf an. Helfen Sie mit bei der Aufklärung. Nur wenn viele Menschen über das Problem Bescheid wissen, kann man langfristig etwas erreichen. Legen Sie den Regenwald Report beim Friseur, im Wartezimmer Ihres Arztes oder an anderer Stelle aus. Wir senden Ihnen gern ausreichend Exemplare zu.
  • Nehmen Sie auf keinen Fall an Tiershows teil, weder im Urlaub, noch in Freizeitparks oder Zoos.
  • Setzen Sie sich dafür ein, dass Tiershows verboten werden. Es ist möglich, wie das Beispiel Indien zeigt. Indien hat nämlich zumindest Tiershows mit Meeressäugern wie Delfinen seit Juni 2013 gesetzlich verboten.
  • Gehen Sie nicht in den Zirkus, wo Tiere immer auf unwürdigste Art gehalten werden. Stellen Sie sich vor, Sie müssten ihre Freiheit gegen einen engen Stahlbehälter mit Gitterstäben eintauschen...
  • Verzichten Sie auf Urlaubssouvenirs, die aus Körperteilen gefährdeter Arten erzeugt werden. Das Mitführen dieser ist nicht nur strafbar, sondern würde die Wilderei weiter anfachen. Kaufen Sie niemals Fleisch oder Körperteile von bedrohten Tieren. So reduzieren Sie den finanziellen Anreiz für Wilderer.
  • Seien Sie vorsichtig, was Touristenattraktionen angeht und informieren Sie sich ausführlich über die lokalen Gegebenheiten.
  • Genießen Sie einen Urlaub der anderen Art und helfen Sie als Freiwillige(r) bei einem der vielen Projekte zum Erhalt und Schutz der Regenwälder mit.
  • Unterstützen Sie die Arbeit von Rettet den Regenwald, um die einzigartige Artenvielfalt unseres Planeten zu schützen. Beteiligen Sie sich an Protestaktionen. Sammeln Sie selbst Unterschriften, wir senden Ihnen gern die passenden Listen zu. Spenden Sie projektbezogen oder projektunabhängig für den Erhalt der Natur. Mit Ihrer Spende können verschiedene Projekte für gefährdete Tierarten verwirklicht werden. Spenden Sie beispielsweise für den Schutz von Orang-Utans oder Elefanten.