Wilderei an Primaten

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Warum werden gerade Primaten gnadenlos gejagt?

Primaten sind unsere nächsten Verwandten, knapp 99% des Erbguts von Schimpanse und Mensch stimmen überein. Da ist es schon unfassbar, dass weltweit immer mehr Menschen Affenfleisch essen. Primaten sind weltweit stark bedroht, so leben 11 der 25 am stärksten bedrohten Arten in Asien, sieben in Afrika, vier auf Madagaskar und drei in Südamerika. Neben der weltweiten Lebensraumzerstörung führt ein sehr großer Anteil der Bedrohung auf die Wilderei zurück. Die meisten der gewilderten Primaten sind relativ große Tiere. Dieser Umstand erleichtert es den Wilderern, sie im Wald auszumachen und zu erkennen. Außerdem ist es lukrativer, große Tiere anstatt kleiner zu töten, weil sie mehr Fleisch bringen, das verkauft werden kann. Denkt man zum Beispiel an Gorillas oder Orang-Utans, so ist ein einzelner Mann meistens nicht in der Lage, die Kadaver zu transportieren – nur um einmal den Größen- und Gewichtsvergleich darzustellen.

Wieso ist es „verhältnismäßig einfach“, Primaten zu jagen?

Die Jagd auf Primaten ist für Wilderer „verhältnismäßig einfach“. Im Gegensatz zu den meisten anderen Tieren leben viele Affenarten in den Bäumen des Regenwaldes. Somit sind sie sehr viel leichter zu erkennen als Tiere, die sich im Unterholz verbergen. Man sieht die Baumkronen wackeln und die Äste sich biegen. Ein weiterer Aspekt: Primaten verständigen sich wie der Mensch durch Kommunikation. Ihre Laute sind mitunter kilometerweit zu hören, denkt man nur an die bekannten Brüllaffen oder die weniger bekannten Springaffen in Südamerika. Diese Art von Kommunikation verrät den Standort der Tiere. Selbst wenn die Tiere sich in den Baumkronen fortbewegen, können sie durch ihre Laute „gut“ verfolgt werden. Viele Affenarten sind auch sehr neugierig, was ihnen zum Teil die Scheu vor dem Menschen nimmt.

Wie ist die Gesamtsituation der Primaten zu beurteilen?

Laut der internationalen Weltnaturschutzorganisation IUCN ist fast jede dritte Affenart vom Aussterben bedroht. Die Zerstörung tropischer Wälder, Wilderei und Tierhandel gefährden 29 Prozent aller Affen- und Halbaffenarten weltweit. In Asien ist die Situation besonders schlimm. Auf der südchinesischen Insel Hainan legten 60 Experten aus 21 Ländern eine Liste von 25 besonders bedrohten Primatenarten vor. „Alle überlebenden Vertreter dieser Arten passen in ein einziges Fußballstadion – so wenige gibt es von ihnen heute noch auf der Erde“, betonte der Präsident von Conservation International (CI), Russell Mittermeier, in einer Mitteilung. Die engsten Verwandten des Menschen sind aber wichtig für die Erhaltung der Ökosysteme. Auf der neuen Liste der bedrohtesten Primaten stehen acht bereits im vierten Jahr in Folge, darunter der Sumatra-Orang-Utan und der Cross-River-Gorilla. Sechs Arten mussten neu aufgenommen werden, darunter auch ein erst kürzlich entdeckter indonesischer Maki, der noch nicht einmal einen Namen bekommen hat.

Gibt es Schutzstrategien?

Theoretisch gibt es viele Möglichkeiten, die Wilderei zu stoppen. Doch in der Realität lassen sie sich schwer durchsetzen. Eine Möglichkeit bietet der Schutz der Lebensräume der betroffenen Primatenarten, in Form von Ausweitung von Schutzgebieten und Einrichtung biologischer Korridore. Weil Land, zumindest in Südamerika, meist in privatem Besitz ist, müssen Schutzkonzepte die privaten Landbesitzer mit einbeziehen. In der Vergangenheit ist es jedoch immer wieder deutlich geworden, dass solche Maßnahmen nur wenig nützen, solange die Gesetze und ihre Implementierung, vor allem im Bezug auf Wilderei, nicht streng und konsequent genug sind. Bestehende Regularien über Wilderei an Primaten müssen dringend überarbeitet werden, denn einige Staaten erlauben die Jagd auf Primaten unter bestimmten Umständen. So könnte es wesentlich einfacher sein, die Jagd komplett zu verbieten, als die zahlreichen Ausnahmen zu formulieren. Diese Ausnahmen müssten streng kontrolliert werden. Auch das ist aufwändiger, als das strikte Verbot zu kontrollieren.