Wilderei in Asien

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Wie ist die Situation der Wilderei in Asien?

In Asien gibt es nicht nur Wilderei, sondern auch florierende Schwarzmärkte für jegliche illegale Ware. Die Waren stammen nicht nur aus Asien, sondern zum großen Teil aus Afrika. Hauptgrund, besonders in China, ist die traditionelle Medizin. Bei vielen asiatischen Bevölkerungsgruppen ist der Glaube an die Heilungskraft von Nashorn-Pulver, Tigerknochen und Ähnlichem weit verbreitet. Zudem gilt z.B. Elfenbein als Symbol für Reichtum sowie als Nahrungsergänzungs- oder Potenzmittel. Ein großes Problem: In Asien werden vor allem auch sehr seltene Tierarten Tiger gewildert und gehandelt. Dadurch sind schon einige Arten ausgestorben oder stehen kurz davor.

In welchen Regionen wird am meisten gewildert?

In Asien sind vor allem die indomalayische Inselwelt und die asiatische Halbinsel stark betroffen, aber auch auf den beiden großen Inseln Borneo und Sumatra sowie in Thailand und Vietnam wird stark gewildert. Die Wilderei an Primaten ist besonders im indonesischen Teil Borneos verbreitet. Schätzungen zufolge landen jedes Jahr mehr als 1.000 Orang-Utans auf den Märkten des Landes. Auf internationalen Märkten werden für einzelne Tiere Spitzenpreise von bis zu 40.000 US-Dollar geboten. In Indien und Thailand werden häufig Tiger gewildert, da sich dort die größten noch vorhandenen Populationen Asiens befinden.

Welche Tiere sind am häufigsten betroffen?

In Asien ist der Tiger bereits fast ausgestorben, weil er bis heute gnadenlos geschossen wird. Die mit Abstand am meisten bejagte Art ist wohl der Südchinesiche Tiger. Man schätzt den Bestand auf maximal 30 verbliebene Tiere weltweit. Möglicherweise ist diese Art in freier Wildbahn bereits ausgerottet, da zuletzt 1964 ein freilebendes Exemplar gesichtet wurde. Der Bestand der Sumatra-Tiger wird auf rund 400 Tiere geschätzt, auch seine Überlebenschance ist fraglich. Durch die Wilderei ausgerottet sind bereits der Java-Tiger, der Bali-Tiger und der Kaspische Tiger. In diesem Zusammenhang spielt zudem die Vernichtung des Lebensraumes der Tiere eine entscheidende Rolle. Gerade in Südostasien, speziell auf Sumatra und Borneo werden wie Regenwälder in einem rasenden Tempo vernichtet. Neben den großen Tieren, wie z.B. Tiger und Affen, werden auch Schlangen, Nagetiere, Schuppentiere, Schildkröten, Krokodile und Vögel gnadenlos gewildert. Unter den Affen sind besonders Languren, Makis und Menschenaffen wie Orang-Utans und Gibbons betroffen. Elf der 25 am stärksten bedrohten Primatenarten leben in Asien, darunter auch ein erst kürzlich entdeckter indonesischer Maki, der noch nicht einmal einen Namen hat.

Warum werden die Tiere gewildert?

In Asien wird hauptsächlich aus kommerziellen Gründen gewildert. Gerade in China boomt das illegale Geschäft mit Tigerprodukten. Nahezu alle Bestandteile des Tiger gelten in der traditionellen chinesischen Medizin als Heilmittel: Tigertatzen gelten als Mittel gegen Schlaflosigkeit, die Zähne werden zu Pulver verarbeitet und sollen fiebersenkend wirken, und die Knochen der Tiger sollen gegen Rheuma helfen. Jedoch werden nicht nur Teile des Tigers in der traditionellen Medizin verwendet – bis zu 1500 verschiedenen Tierarten sollen Heilungskräfte besitzen, so z.B. auch das Nashorn. Ein Teil der gewilderten Tiere z.B. Schnitzereien aus Elfenbein, aber auch lebende Vögel oder Reptilien werden als Urlaubssouvenirs angeboten. Oder Restaurants geben ihr Fleisch als Delikatessen aus. Vor allem in Vietnam gibt es viele Restaurants die Affenfleisch auf der Karte haben. Der Schweizer Artenschützer und Naturfotograf Karl Amman erklärt, dass es in Asien in Mode gekommen ist, Fleisch von seltenen Tierarten zu essen. „In Asiens Partyszene werden Tigerpenisse und Nashornpulver herumgereicht wie andernorts Kokain", so Ammann. Auch deutsche Touristen kaufen sich Tier- „Souvenirs“. Laut dem International Fund for Animal Welfare (IFAW) hat das Hauptzollamt in Frankfurt allein im Jahr 2011 über 4.000 lebende Tiere und um die 15.000 aus geschützten Tier- oder Pflanzenarten hergestellte Produkte beschlagnahmt. Die illegalen Einfuhren stammen hauptsächlich von Touristen. Auf Borneo und Sumatra werden viele Orang-Utans aufgrund ihres Fleisches auch von der einheimischen Bevölkerung gewildert. Dabei bleiben viele Orang-Utan-Junge zurück, die dann als Haus- oder Zirkustiere weiter verkauft werden.

Wie viel Geld wird für die Tiere bezahlt?

Für einen einzigen Tiger können auf dem Schwarzmarkt bis zu 15.000 Euro eingenommen werden. Bei den Angaben für die Preise von Nashorn schwanken die Angaben von 20.000 bis 50.000 US-Dollar pro Kilo Horn. Für ein einzelnes Horn werden bis zu 60.000 US-Dollar bezahlt. Die Nachfrage nach Orang-Utans ist gigantisch. Die Preise für Orang-Utans und ihre Babys sind in den vergangenen sechs Jahren um eintausend Prozent gestiegen! An so einem Geschäft verdienen viele, aber am wenigsten die Mörder selber. Für 50.000 Rupien, was umgerechnet gut 3 Euro entspricht, tötet ein Wilderer. So viel zahlen ihm seine Auftraggeber, die Dorfhändler an den Flüssen Zentralborneos. Für ein Baby, das dort über den Ladentisch geht, bringt der Wilderer im Schnitt sechs Mütter samt Nachwuchs um, da viele Babys den Sturz aus den bis zu 40 Meter hohen Baumwipfeln nicht überleben. Der Flusshändler tauscht die Waisen bei Holzschiffkapitänen, die vom Landesinneren an die Küste fahren, ein – beispielsweise gegen ein gebrauchtes Radio. Nun ist der Wert der Affen bereits auf umgerechnet 70 Euro gestiegen. Über Zwischenhändler und weitere Holzschiffer, die zwischen den indonesischen Inseln verkehren, erreichen die Orang-Utans in winzigen Käfigen und schlecht ernährt Singapur, die Großstädte Javas, Thailands und Taiwans. Käufer müssen dort rund 350 Euro bezahlen. Höchstpreise erzielen die Tiere dann in Amerika. Ein Orang-Utan-Baby kostet dort 20.000 US-Dollar. In Taipeh, der Hauptstadt Taiwans, leben mittlerweile mehr Orang-Utans pro Quadratkilometer als in Kalimantan, dem indonesischen Teil Borneos, wo die Tiere ursprünglich zu Hause sind.

Was passiert mit den Tierwaisen?

Vor allem junge Primaten werden in die Städte Asiens verkauft, um die Menschen zu erheitern: als Haustier, Kindersatz oder Schoßhündchen. In Gefangenschaft werden Orang-Utans ca. 15 Jahre alt – in der Natur können sie bis zu 50 Jahre alt werden. Und obwohl es z.B. in Indonesien verboten ist, sich Primaten als Haustiere zu halten und auch vor den Gefahren gewarnt wird, haben die Besitzer solcher Tiere kaum etwas zu befürchten.