Abholzen für Klimaschutz?

Jährlich verbrennen über 1,9 Millionen Tonnen Palmöl in den Dieselmotoren der EU. Für den Anbau der Plantagen sterben die Regenwälder und die Orang-Utans.

Die EU soll Biosprit und Palmöl sofort stoppen!

Fotomontage: Aus einem Autoauspuff vor einer EU Flagge strömen Abgase einem Orang-Utan ins Gesicht Die EU entscheidet über die Beimischung von Biosprit

Mit Kraftstoff vom Acker will die EU Autofahren klimaverträglicher machen. Der an den Tankstellen verkaufte Kraftstoff enthält daher immer höhere Anteile an so genanntem Biosprit.

1,9 Millionen Tonnen Palmöl wurden dem Dieselkraftstoff EU-weit beigemischt. Die dafür benötigten Palmölplantagen nehmen 7.000 Quadratkilometer in Beschlag – Land, auf dem Regenwald wuchs und Orang-Utans lebten. Trotz der Abholzung der Regenwälder hat die EU Palmöl als nachhaltig eingestuft.

Dabei fordern Umweltschützer und Experten schon lange das Ende für die Pflanzenenergie. Wie unabhängige und selbst die von der EU in Auftrag gegebenen Studien zeigen: Biodiesel aus Palm- und Sojaöl aber auch heimischem Raps ist schädlicher als Diesel aus Erdöl.

197 Naturschutzorganisationen insbesondere aus Asien, Afrika und Lateinamerika fordern in einem Brief von den Europaabgeordneten ein Ende der bisherigen Biospritpolitik. Sie beklagen zunehmende Landkonflikte, Menschenrechtsverletzungen und Regenwaldvernichtung.

Die EU müsste ihre Biospritpolitik sofort beenden. Doch die Agrarindustrie setzt alles daran, um weiter im Geschäft zu bleiben. Auf 10 Milliarden Euro pro Jahr belaufen sich allein die direkten und indirekten Subventionen für Agrosprit in der EU.

2012 hat die EU-Kommission einen Vorschlag veröffentlicht, der vorsah, den Biospritanteil im Kraftstoff auf 5 Prozent zu begrenzen. Seitdem läuft in der EU ein Geschacher um Zahlen, Anteile und Gutachten. Hunderte von Industrielobbyisten beeinflussen die Politiker dabei. Im Frühjahr sollen die EU-Parlamentarier erneut entscheiden. 

Bitte unterzeichnen Sie unser Schreiben an die EU und fordern Sie mit uns, Agrarsprit endgültig zu stoppen!

Dies ist eine gemeinsame Aktion mit dem Logo Umweltinstitut München

14 Millionen Tonnen „Biosprit” werden dem Benzin und Diesel pro Jahr in der EU beigemischt. 2020 sollen es 30 Millionen Tonnen sein, um zehn Prozent des Erdöls zu ersetzen. Ständig steigende Mengen von Agrosprit bzw. der für dessen Herstellung benötigten Rohstoffe wie Palm- und Sojaöl werden aus Übersee importiert. In Südamerika brennen die Regenwälder und Savannen, um Platz für den Anbau von Zuckerrohr für die Ethanolproduktion und Soja-Monokulturen für Agrardiesel zu schaffen.

In Südostasien werden die Regenwälder vor allem für Palmöl-Plantagen abgeholzt. Malaysia und Indonesien sind mit einem Weltmarktanteil von fast 90 Prozent die beiden größten Palmölproduzenten – und zugleich auch die größten Regenwaldvernichter. 39 indonesische Umweltorganisationen haben sich mit einem Schreiben an die EU (auf Englisch) gewandt und den sofortigen Stopp des Einsatzes von Palmöl für Biodiesel gefordert.

Die Plantagen sind mit dem Siegel des „Runden Tischs für nachhaltiges Palmöl (RSPO)" zertifiziert. Das dort erzeugte Palmöl gilt damit für die EU als „nachhaltig" und kann dem Biodiesel beigemischt werden. 1,9 Millionen Tonnen Palmöl, das mit Abstand billigste Pflanzenöl, fließen auf den europäischen Biodieselmarkt.

Einer der größten deutschen Agrospritproduzenten ist die Verbio AG. Verbio produziert nach eigenen Angaben pro Jahr rund 450.000 Tonnen Biodiesel, 300.000 Tonnen Bioethanol und 480 Gigawattstunden Biomethan. Der Konzern liefert seine Produkte direkt an die europäischen Mineralölkonzerne, Mineralölhandelsgesellschaften, freie Tankstellen, Speditionen, Stadtwerke und Fahrzeugflotten.

Gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung erklärte der Verbio-Chef Ende April 2013: „Wir sind gezwungen, die Verarbeitung von heimischem Raps zur Biodiesel-Herstellung einzustellen.“ Künftig werde man stattdessen tropisches Palmöl für die Produktion zukaufen. Nur so könne das Unternehmen wieder profitabel arbeiten.

„Die politischen Rahmenbedingungen lassen uns aber keine andere Wahl“, so der Verbio-Chef weiter. Immer mehr subventionierter Biodiesel werde aus Argentinien und Indonesien nach Europa eingeführt. Das Billig-Palmöl aus Südostasien werde trotz Rodung von Regenwäldern von der EU als nachhaltig produziert eingestuft. Biodiesel aus Palmöl sei 30 Prozent günstiger als aus Rapsöl.

Der finnländische Neste Oil-Konzern und auch die US-Multis ADM und Cargill sind schon längst diesen Weg gegangen. Sie betreiben eigene Palmölplantagen in Südostasien oder sind Joint Ventures mit Palmölkonzernen wie Wilmar und IOI eingegangen. Neste Oil hat in Singapur und exklusiv für den europäischen Markt in Rotterdam zwei riesige Palmöl-Dieselraffinerien errichtet. Die Anlage in den Niederlanden importierte 2012 allein 400.000 Tonnen Palmöl, um daraus Biodiesel für den europäischen Markt herzustellen.

Zahlen zum EU Biodiesel

Rohstoffe für die Produktion von EU "Biodiesel" (Gesamtmenge ca. 9,4 Millionen Tonnen) 2012
Rapsöl 5,4 Mio t (= 57%)
Palmöl 1,9 Mio. t (= 20%)
Sojaöl 0,5 Mio. t (= 5,3%)
Sonnenblumenöl 0,1 Mio. t (= 1,1%)
Talg und Fett (Schlachtabfälle) 0,5 Mio. t (= 5,3 %)
Abfall- und Recyclingöle („Frittierfett") 1 Mio. t (= 10,6 %)

Palmölverbrauch für „Biodiesel" in der EU
2006: 0,4 Mio. t
2012: 1,9 Mio. t
Zunahme 365%

Quelle: IISD 9-2013: The EU Biofuel Policy and Palm Oil: Cutting subsidies or cutting rainforest? http://www.iisd.org/gsi/sites/default/files/bf_eupalmoil.pdf

Zusammensetzung des deutschen "Biodiesel" 2013
Rapsöl 53%
Palmöl 25%, Sojaöl 11% & Kokosöl 11% = 47% des Agrosprits importierte Rohstoffe aus den Tropen
Basis: Proben von 60 Tankstellen verschiedener Marken in Deutschland im Sommer 2013

Quelle: UFOP August 2013, Rohstoffbasis der Biodieselanteile in Dieselkraftstoffen
http://www.ufop.de/files/5213/7819/3806/UFOP_Bericht_Tankstellenbeprobung_neu.pdf

Filmplakat: Die Zangen eines Baggers greifen nach Land Die Zuckerrohr-Plantage von Addax gilt als ein Beispiel für Landraub ( © Pressematerial )

03.07.2015

Sierra-Leone: Biosprit-Firma stellt Produktion ein

Seit einem Jahr erzeugt die Firma Addax Bioenergy in Sierra Leone Ethanol für den Export in die EU. Der aus Zuckerrohr gewonnene "Biosprit" wird dem Super-  und E10-Benzin beigemischt. Doch nun droht dem Biospritabenteuer der Schweizer Firma in Westafrika offenbar das Aus.

In einer Pressemitteilung schreibt Addax von „unvorhersehbaren Ereignissen“, die Einfluss auf den geplanten Zeitplan, die Kosten und die Einnahmen gehabt hätten. In den kommenden sechs Monaten würden „alle Optionen“ geprüft.

Die Firma informierte die Einwohner in Sierra Leone bereits über den Produktionsstopp. Der Betrieb stecke in finanziellen Schwierigkeiten, heißt es in Sierra Leone. Es ist von einem Defizit von 150 Millionen Euro die Rede. Dabei hatte das Unternehmen mit der Regierung von Sierra Leone für 13 Jahre Steuervergünstigungen in Höhe von 135 Millionen US-Dollar vereinbart . Außerdem hat die Raffinerie demnach lediglich 7 Millionen Liter Ethanol produziert, statt wie geplant 19 Millionen.

Das Biosprit-Projekt der Genfer Firma ist seit Jahren als Beispiel für Landraub in der Kritik. 10.000 Hektar Ackerland hatten die Schweizer für den Anbau von Zuckerrohr in Beschlag genommen. Die Einwohner verloren dadurch nicht nur ihr Land, sondern auch ihre Ernährungsgrundlagen. Die von Addax gezahlte Pacht für die Äcker reicht nicht zum Leben. Und die von der Firma gezahlten Arbeitslöhne lägen unter dem von der Regierung festgelegtem Minimum, berichtet das Netzwerk für das Recht auf Ernährung in Sierra Leone (SiLNoRF).

Die Menschen beklagen zudem, ihnen seien Schulen, Gesundheitsposten, Straßen und Jobs versprochen worden. Die Versprechen seien nicht eingehalten worden. Ein weiterer Konflikt besteht um den enormen Wasserverbrauch der Firma. Statt die Lebensbedingungen für die Menschen zu verbessern, seien sie jetzt schlechter dran, belegen auch wissenschaftliche Studien.

Auch die Pläne von Addax, weitere 4.000 Hektar Land mit Zuckerrohr zu bepflanzen, sind damit wohl vom Tisch. Längst ist klar, dass Agrarsprit nicht die Energie- und Umweltprobleme im Verkehrssektor lösen kann. Lebensmittel in Autos zu verbrennen, ist sogar ein Verbrechen an der Menschheit. In dem Film "Landraub", der am 8. Oktober in Deutschlands Kinos kommt, spielt das Projekt von Addax eine kritische Rolle.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit größtem Unverständnis habe ich erfahren, dass die EU weiter am Biosprit festhalten will.

Dabei verschärft der Kraftstoff vom Acker nicht nur den Hunger auf der Welt, er ist auch für die Natur und das Klima eine Katastrophe. Die industriellen Monokulturen breiten sich weltweit auf Kosten der natürlichen Ökosysteme aus und vernichten die Artenvielfalt.

Umweltschützer, Menschenrechtler, Wissenschaftler, Entwicklungsexperten, selbst internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen (UN) und OECD fordern die EU seit Jahren auf, ihre schädliche Biospritpolitik zu beenden.

Auch die von der EU-Kommission beauftragten wissenschaftlichen Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Biodiesel aus Palm-, Soja- und Rapsöl mehr klimaschädliche Emissionen verursacht als fossiler Diesel.

Weil Palmöl aus Südostasien wesentlich billiger ist als andere Pflanzenöle, setzt die Biodieselindustrie immer mehr von dem tropischen Öl ein. Die von der EU anerkannten Siegel wie das Palmölsiegel RSPO stufen dessen Anbau als nachhaltig ein – trotz der fortschreitenden Regenwaldrodung.

Die Agrospritproduktion verbraucht zudem Unmengen an Wasser, Düngemitteln und Pestiziden, die die Umwelt und Gesundheit der Menschen belasten. Auch bei uns in Europa verschwinden die Feldvögel, weil Rapsmonokulturen für Biodiesel ihren Lebensraum in Beschlag nehmen.

Der Vorschlag der EU-Kommission, den Anteil von Biosprit aus Nahrungsmitteln auf fünf Prozent zu begrenzen und den aus Abfällen und Zellulose produzierten Agrosprit vierfach anzurechnen, kann die grundsätzlichen Probleme nicht lösen.

Bitte schaffen Sie nun unverzüglich die Beimischungspflicht von Agrosprit ab und streichen Sie sämtliche steuerlichen Vergünstigungen, Subventionen und Importe.

Das Menschenrecht auf Ernährung, der Erhalt der Biodiversität und der Schutz der Natur müssen Vorrang vor den einseitigen Geschäftsinteressen der Agrospritindustrie haben.

Mit freundlichem Gruß

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