Für EU-Biodiesel fallen 7.000 km² Regenwald

Fotomontage: Aus einem Autoauspuff vor einer EU Flagge dringt Qualm, der den Regenwald verpestetDie EU diskutiert über Beimischung von Palmöl zum Sprit

1,9 Millionen Tonnen Palmöl werden zwangsweise dem Diesel in der EU beigemischt. Dafür werden 7000 Quadratkilometer Regenwald vernichtet. Mittwoch den 13. November berät die EU ob das so weiter gehen soll. Deutschland hat die entscheidende Stimme. Wir fordern: Stopp den Irrsinn!

Mit Kraftstoff vom Acker will die EU Autofahren klimaverträglicher machen. Der an den Tankstellen verkaufte Kraftstoff enthält daher immer höhere Anteile an so genanntem Biosprit.

1,9 Millionen Tonnen Palmöl wurden dem Dieselkraftstoff im vergangenen Jahr bereits EU-weit beigemischt – neben vielen weiteren Millionen Tonnen ebenso schädlichen Raps- und Sojaöls.

Die dafür benötigten Palmölplantagen nehmen 700.000 Hektar in Beschlag – Land, das bis vor kurzen noch Regenwald und der Lebensraum von etwa 5.000 Orang-Utans war. Trotz der Abholzung der Regenwälder hat die EU Palmöl als nachhaltig produziert eingestuft.

Dabei warnen Umweltschützer, Entwicklungsexperten und auch die Wissenschaft schon lange vor der schädlichen Pflanzenenergie. Den Politikern in Brüssel fliegt ihre Energiepolitik längst um die Ohren, wie unabhängige und selbst die von der EU in Auftrag gegebenen Studien zeigen: Biodiesel aus Palm- und Sojaöl aber auch heimischem Raps ist schädlicher als fossiler Diesel aus Erdöl.

Die EU müsste also ihre Biospritpolitik sofort beenden. Doch die Agrarindustrie setzt alles daran, um weiter im Geschäft zu bleiben. Auf 10 Milliarden Euro pro Jahr belaufen sich allein die direkten und indirekten Subventionen für Agrosprit in der EU.

Der Entscheidungsprozess in der EU ist lang und bedeutet ein monatelanges, vielleicht sogar jahrelanges Geschacher um Zahlen, Anteile und Gutachten. Hunderte von Industrielobbyisten beeinflussen die Politiker dabei: Über den von der EU-Kommission im Oktober 2012 veröffentlichten Vorschlag müssen das  Europaparlament und dessen Fachausschüsse abstimmen sowie der Ministerrat beraten.

Bitte unterzeichnen Sie unser Schreiben an die EU und fordern Sie mit uns, Agrosprit endgültig zu stoppen:

Start der Aktion: 18.02.2013

14 Millionen Tonnen „Biosprit” werden dem Benzin und Diesel pro Jahr in der EU beigemischt. 2020 sollen es 30 Millionen Tonnen sein, um zehn Prozent des Erdöls zu ersetzen. Ständig steigende Mengen von Agrosprit bzw. der für dessen Herstellung benötigten Rohstoffe wie Palm- und Sojaöl werden aus Übersee importiert. In Südamerika brennen die Regenwälder und Savannen, um Platz für den Anbau von Zuckerrohr für die Ethanolproduktion und Soja-Monokulturen für Agrardiesel zu schaffen.

In Südostasien werden die Regenwälder vor allem für Palmöl-Plantagen abgeholzt. Malaysia und Indonesien sind mit einem Weltmarktanteil von fast 90 Prozent die beiden größten Palmölproduzenten – und zugleich auch die größten Regenwaldvernichter. 39 indonesische Umweltorganisationen haben sich im September 2013 mit einem Schreiben an die EU (auf Englisch) gewandt und den sofortigen Stopp des Einsatzes von Palmöl für Biodiesel gefordert.

Die Plantagen sind mit dem Siegel des „Runden Tischs für nachhaltiges Palmöl (RSPO)" zertifiziert. Das dort erzeugte Palmöl gilt damit für die EU als „nachhaltig" und kann dem Biodiesel beigemischt werden. 1,9 Millionen Tonnen Palmöl, das mit Abstand billigste Pflanzenöl, fließen auf den europäischen Biodieselmarkt.

Einer der größten deutschen Agrospritproduzenten ist die Verbio AG. Verbio produziert nach eigenen Angaben pro Jahr rund 450.000 Tonnen Biodiesel, 300.000 Tonnen Bioethanol und 480 Gigawattstunden Biomethan. Der Konzern liefert seine Produkte direkt an die europäischen Mineralölkonzerne, Mineralölhandelsgesellschaften, freie Tankstellen, Speditionen, Stadtwerke und Fahrzeugflotten.

Gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung erklärte der Verbio-Chef Ende April 2013: „Wir sind gezwungen, die Verarbeitung von heimischem Raps zur Biodiesel-Herstellung einzustellen.“ Künftig werde man stattdessen tropisches Palmöl für die Produktion zukaufen. Nur so könne das Unternehmen wieder profitabel arbeiten.

„Die politischen Rahmenbedingungen lassen uns aber keine andere Wahl“, so der Verbio-Chef weiter. Immer mehr subventionierter Biodiesel werde aus Argentinien und Indonesien nach Europa eingeführt. Das Billig-Palmöl aus Südostasien werde trotz Rodung von Regenwäldern von der EU als nachhaltig produziert eingestuft. Biodiesel aus Palmöl sei 30 Prozent günstiger als aus Rapsöl.

Der finnländische Neste Oil-Konzern und auch die US-Multis ADM und Cargill sind schon längst diesen Weg gegangen. Sie betreiben eigene Palmölplantagen in Südostasien oder sind Joint Ventures mit Palmölkonzernen wie Wilmar und IOI eingegangen. Neste Oil hat in Singapur und exklusiv für den europäischen Markt in Rotterdam zwei riesige Palmöl-Dieselraffinerien errichtet. Die Anlage in den Niederlanden importierte 2012 allein 400.000 Tonnen Palmöl, um daraus Biodiesel für den europäischen Markt herzustellen.

Zahlen zum EU Biodiesel

Rohstoffe für die Produktion von EU "Biodiesel" (Gesamtmenge ca. 9,4 Millionen Tonnen) 2012
Rapsöl 5,4 Mio t (= 57%)
Palmöl 1,9 Mio. t (= 20%)
Sojaöl 0,5 Mio. t (= 5,3%)
Sonnenblumenöl 0,1 Mio. t (= 1,1%)
Talg und Fett (Schlachtabfälle) 0,5 Mio. t (= 5,3 %)
Abfall- und Recyclingöle („Frittierfett") 1 Mio. t (= 10,6 %)

Palmölverbrauch für „Biodiesel" in der EU
2006: 0,4 Mio. t
2012: 1,9 Mio. t
Zunahme 365%

Quelle: IISD 9-2013: The EU Biofuel Policy and Palm Oil: Cutting subsidies or cutting rainforest? http://www.iisd.org/gsi/sites/default/files/bf_eupalmoil.pdf

Zusammensetzung des deutschen "Biodiesel" 2013
Rapsöl 53%
Palmöl 25%, Sojaöl 11% & Kokosöl 11% = 47% des Agrosprits importierte Rohstoffe aus den Tropen
Basis: Proben von 60 Tankstellen verschiedener Marken in Deutschland im Sommer 2013

Quelle: UFOP August 2013, Rohstoffbasis der Biodieselanteile in Dieselkraftstoffen
http://www.ufop.de/files/5213/7819/3806/UFOP_Bericht_Tankstellenbeprobung_neu.pdf

Demonstranten befüllen ein Auto mit EssenFoto: Christine Denck

10.12.2013

Aktion in Berlin: 256.000 gegen die EU-Agrospritpolitik

Am Tag der Menschenrechte zogen Rettet den Regenwald e.V., Campact, FIAN, OXFAM und BUND vor das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in Berlin, um rund 140.000 Unterschriften von Regenwaldfreunden und weitere 114.000 von empörten Bürgern zu übergeben, die fordern: Stoppen Sie den Agrosprit jetzt endgültig/ Essen statt E10!

Hintergrund war die bevorstehende Abstimmung der EU-Energieminister (bzw. anderer von den Mitgliedstaaten entsandten Minister) über die Beimischungspflicht von Agrosprit zu Kraftstoffen am 12.12.2013.

„Der Herr Minister Altmaier hatte sich bei so viel Gegenwehr zum geplanten EU-Beschuss wohl im Büro versteckt, nur seinen Pressesprecher Herrn Geißler hatte er zum angefragten Termin verspätet vorgeschickt – allerdings glaube ich, dass die Worte der einzelnen Organisationen sehr wohl an seine Ohren gekommen sind: direkte und indirekte Regenwaldzerstörung (durch Verdrängung der Landwirtschaft auf andere Flächen) beim Anbau von Palmöl für Kraftstoff, Verschärfung von Nahrungsmittelknappheit in bestimmten Teilen der Erde, höherer CO2-Ausstoß (unter Berücksichtigung aller Einflussfaktoren) durch den sogenanten 'Biosprit'.

Gut verbildlicht wurden die Statements und Forderungen von einem Protestierenden mit übergroßer Altmaier-Maske, der von Pfeifkonzert begleitet breit grinsend Maiskolben, Zucker, Brot und Pflanzenöl über einen präperierten Trichter in seinen BMW tankte.

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch den Gedankenaustauch der Protestierenden untereinander über die (Nicht-)Notwendigkeit ein eigenes Auto zu fahren und mögliche verschärfte Klimabedingungen in absehbarer Zukunft”, schreibt eine der Delegierten der Berliner Regionalgruppe von Rettet den Regenwald e.V.

Banner von Rettet den Regenwald "Palmöl vernichtet das Klima"Abgeholzt wird der Regenwald für EU-Biodiesel. Dank der deutschen Bauernlobby, die unbedingt Biosprit beibehalten will.

30.11.2013

Die EU, der Biodiesel, ein Trauerspiel

Ganz, ganz langsam bewegt sich bei der EU etwas. Biosprit soll auf 7 Prozent begrenzt werden. Die EU-Umweltminister werden demnächst noch mal beraten und dann noch mal... bis die EU endgültig entscheidet, sind weitere Millionen Hektar Regenwald vernichtet. Hier gibt es Links zu Presse, Gesetzen und Aktionen

Umweltschutz: EU-Staaten wollen Biosprit-Nutzung begrenzen. SPIEGEL-Bericht mit vielen Links zu Studien etc.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/umweltschutz-eu-staaten-wollen-biosprit-nutzung-begrenzen-a-936355.html

EU-Kommission zu erneuerbaren Energien

http://ec.europa.eu/energy/renewables/targets_de.htm

EU-Gesetze – Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen

http://europa.eu/legislation_summaries/energy/renewable_energy/en0009_de.htm

 Wir müssen jetzt noch viel mehr tun, um den Biosprit ganz zu stoppen. Unsere Aktion zu EU Biodiesel und zu Palmöl in Peru

https://www.regenwald.org/aktion/908/eu-biodiesel-faellt-7-000-quadratkilometer-regenwald

https://www.regenwald.org/aktion/933/stoppt-den-palmoelangriff-auf-den-amazonas

Hier kann man öffentliche Fragen an Bundestags- und EU-Parlamentarier stellen

http://www.abgeordnetenwatch.de/

30.11.2013

Umweltfreundliche Energiepolitik jetzt! Demo in Berlin

Am Samstag, 30. November 2013, rufen Umwelt- und Sozialorganisationen unter dem Motto „Energiewende retten! Sonne & Wind statt Fracking, Kohle & Atom" zur Demo und Umzingelung des Kanzleramts in Berlin auf.

Am Samstag, 30. November 2013, rufen Umwelt- und Sozialorganisationen unter dem Motto „Energiewende retten! Sonne & Wind statt Fracking, Kohle & Atom" zur Demo und Umzingelung des Kanzleramts in Berlin auf. Offizieller Demobeginn ist 13 Uhr vor dem Hauptbahnhof in Berlin. Die Kundgebung endet gegen 16 Uhr vor dem Kanzleramt.

Die Berliner Regionalgruppe von Rettet den Regenwald ist auch dabei und sucht noch tatkräftige Helferinnen und Helfer: Zum Hochhalten der Banner, zum Verteilen von Regenwald Reports und vor allem, um mit uns für eine wirklich umweltfreundliche Energiepolitik zu demonstrieren.

Denn auch so genannte erneuerbare Energien sind nicht grundsätzlich umweltfreundlich. Dazu gehört ganz besonders der Biosprit, der aus Nahrungsmitteln wie Palm- oder Sojaöl sowie Mais und Weizen hergestellt wird. Für Anbau und Produktion werden in den Ländern des Südens Bauern von ihrem Land vertrieben, Regenwälder abgeholzt, Unmengen an Pestiziden und Mineraldüngern eingesetzt.

Rettet den Regenwald kämpft seit langem gegen die verheerende Biosprit-Politik der EU, die die Beimischung von Pflanzen-Kraftstoff gesetzlich vorschreibt.

Demo wann und wo?

Wir treffen uns ab 12 Uhr auf dem Washingtonplatz (Hauptbahnhofsvorplatz in Richtung Kanzleramt, gleich hinter dem Taxistand). Das grüne Regenwaldtransparent mit dem Tukan ist ein gut sichtbarer Orientierungspunkt. Wer erst nach Aufstellung des Demo-Zuges zur Veranstaltung kommt, wird uns am am Anfang des Demo-Zuges gleich hinter dem Energietisch/Attac-Block finden.

Weitere Infos unter http://www.energiewende-demo.de/ und http://www.ausgestrahlt.de/mitmachen/energiewende-demo/ablauf0.html

Übergabe von 243.998 Bürgerstimmen gegen Agrosprit an das EU-Parlament zusammen mit 6 NROs

11.09.2013

Agrosprit: EU-Parlament stimmt für weitere Regenwald-Zerstörung

„Der Konsum von Palmöl hat schon so viel dazu beigetragen, die Lebensquellen der Menschen in Indonesien zu zerstören. Wenn nach der EU-Entscheidung der Palmöl-Verbrauch für Kraftstoff noch weiter steigt – dann hat Europa mitgeholfen, auch die letzten Regenwälder Indonesiens zu vernichten.“ So kommentiert Nordin, Gründer und Aktivist der indonesischen Umwelt- und Menschenrechtsorganisation „Save our Borneo".

„Der Konsum von Palmöl hat schon so viel dazu beigetragen, die Lebensquellen der Menschen in Indonesien zu zerstören. Wenn nach der EU-Entscheidung der Palmöl-Verbrauch für Kraftstoff noch weiter steigt – dann hat Europa mitgeholfen, auch die letzten Regenwälder Indonesiens zu vernichten." So kommentiert Nordin, Gründer und Aktivist der indonesischen Umwelt- und Menschenrechtsorganisation „Save our Borneo".

Heute hat das EU-Parlament dafür gestimmt, die Verbrennung von Nahrungsmitteln in unseren Autotanks nicht nur fortzusetzen, sondern sogar zu forcieren. Der Anteil des „Biosprits" im Tank soll von derzeit EU-weit 4,5 Prozent weiter steigen: Aus Nahrungsmitteln hergestellter Agrosprit soll künftig 6 Prozent ausmachen, und mit 4 Prozent nicht essbaren Rohstoffen soll das Ziel von 10 Prozent so genannter erneuerbarer Energien im Verkehr bis 2020 erreicht werden.

„Der 11. September ist ein schwarzer Tag für die Menschen und die Regenwälder in den Tropenländern", erklärt Klaus Schenck, Wald- und Energiereferent von Rettet den Regenwald. „Es ist eine Schande, dass den EU-Politikern die Geschäfte der Agrar- und Agrospritindustrie wichtiger sind als die Umwelt."

Ein immer größerer Teil der Nahrungspflanzen, die bei uns in den Tank kommen, werden auf Kosten der Tropenwälder angebaut: Vor allem Palm- und Sojaöl für Biodiesel, aber auch Zuckerrohr für Ethanol (E10), das dem Benzin beigemischt wird. Mit jährlich 10 Milliarden Euro Subventionen finanziert die EU die Branche, angeblich damit bei uns die Autos klimafreundlich fahren können.

Steigt die Nachfrage nach diesen pflanzlichen Rohstoffen, werden in Südostasien, Lateinamerika und Afrika noch mehr Regenwälder und andere Lebensräume zerstört und noch mehr Menschen- und Landrechte verletzt. Und der Hunger verschärft. Die Probleme sind seit langem bekannt, doch die EU Abgeordneten ignorieren die katastrophalen Konsequenzen ihrer Politik.

Schon heute wachsen in Indonesien 9 Millionen Hektar Ölpalmplantagen und in Malaysia gut 5 Millionen Hektar. Die beiden Länder exportieren zusammen 90 Prozent des weltweit gehandelten Palmöls. Aufgrund der ständig steigenden Nachfrage plant Indonesien weitere 11 Millionen Hektar Ölpalmmonokulturen in die Regenwälder zu schlagen.

Rettet den Regenwald hat schon 120.000 Unterschriften gegen den „EU-Biosprit" und die Regenwaldvernichtung gesammelt und den Politikern übergeben. Der Verein wird die Proteste fortsetzen. Voraussichtlich im Herbst entscheidet der Ministerrat über die Agrospritpolitik der EU. Das Gezerre der Lobbyisten um die Pflanzenenergie vom Acker wird also noch Monate weitergehen.

Rettet den Regenwald fordert: Die Beimischungspflicht von Agrosprit muss unverzüglich abgeschafft und sämtliche steuerlichen Vergünstigungen, Subventionen und Importe von Agrosprit und Agrospritrohstoffen wie Palmöl sofort gestoppt werden.

Weitere Informationen zu Agrarenergie und Biodiesel und zur Übergabe von 243.998 Unterschriften gegen EU-Agrosprit an das EU Parlament in Straßburg

Für Anfragen:

Klaus Schenck, Wald- und Energiereferent, Rettet den Regenwald e.V.

Umweltschützer halten Plakate mit der Anzahl der gesammelten Protestunterschriften in Straßburg in die KameraFast eine Viertelmillion Unterschriften gegen Agrosprit: Die Umweltschützer mit den EU-Parlamentariern vor der Abstimmung in Straßburg

11.09.2013

Straßburg: 243.998 Unterschriften gegen Agrosprit übergeben

Rettet den Regenwald hat gemeinsam mit den Organisationen ActionAid, Down To Earth, Friends of the Earth, Oxfam, Transport & Environment und Walhi Indonesia dem EU-Parlament eine von 243.998 Bürgern unter­zeich­nete Petition gegen die fatale EU-Agrospritpolitk übergeben

Die Petition wurde von den Abgeordneten Corinne Lepage, der EU- Berichterstatterin für „Biosprit", Matthias Groote, Vorsitzender des Umweltausschusses, sowie Claude Turmes, Bas Eickhout, Josefa Andrés Barea und  Sabine Wils entgegengenommen. Im Laufe des Tages wird das Plenum der Abgeordneten über die Zukunft der angeblich grünen Energie vom Acker abstimmen. 

Immer mehr Palmöl aus Regenwaldrodung und Landraub ist im Agrosprit der EU enthalten. Indonesien und Malaysia vereinen 90 Prozent der weltweiten Palmölproduktion auf sich. In beiden Ländern ist der Anbau von Ölpalmen auf riesigen industrieplantagen die Hauptursache für die Abholzung der Urwälder und die Bedrohung von Tieren wie Orang-Utans, Zwergelefanten und Sumatra-Tigern.

Die EU hat gesetzlich festgeschrieben, dass Agrosprit dem fossilen Kraftstoff beigemischt werden soll. 2020 soll der Anteil so genannter erneuerbarer Energien im Verkehr 10 Prozent betragen. Fast sämtlicher Agrosprit wird aus Nahrungsmitteln produziert: Aus Palm-, Soja- und Rapsöl für Biodiesel und aus Mais, Weizen, Zuckerrohr und Zuckerrübe für Ethanol (E10).

Rettet den Regenwald hat allein die Hälfte der Unterschriften mit der Protestaktion „Biosprit": EU vernichtet 700.000 Hektar Regenwald gesammelt und die Petition vorher bereits den 766 Parlamentariern per E-Mail und Post zugestellt. Der Verein fordert, dass die Beimischungspflicht von Agrosprit unverzüglich abgeschafft und sämtliche steuerlichen Vergünstigungen, Subventionen und Importe von Agrosprit und Agrospritrohstoffen wie Palmöl sofort gestoppt werden.

Nach dem EU-Parlament wird voraussichtlich im Herbst auch der EU-Ministerrat über den „Biosprit" entscheiden. Die EU fördert dessen Produktion mit Subventionen von 10 Milliarden Euro jährlich, weshalb die Industrie- und Agrarlobby mächtig Druck bei der EU macht. Die bisher zur Entscheidung vorliegenden Beschlussvorlagen enthalten deshalb überwiegend Zahlenspiele und kosmetische Korrekturen, obwohl längst klar ist, welche verheerenden Folgen die EU-Agrospritpolitik auf die Natur und Menschen rund um den Globus hat.

12.08.2013

DIE WELT: Singapur erstickt, damit wir Biosprit tanken können

Der Smog über Südostasien ist nicht zuletzt dem Palmöl-Boom zu verdanken. Aber in der EU ist man schon wieder dabei, die Energiegewinnung aus Feldfrüchten noch weiter zu forcieren. Der Film zum Thema: “Climate Crimes”

21.06.2013

Babyelefant als Geisel der EU Biospritpolitik

Dramatischer Konflikt auf Sumatra: Dieser kleine Elefant und seine Mutter wurden durch Palmölplantagen aus dem Regenwald vertrieben und flüchteten sich auf die Felder der Bauern.

Nun haben die Bauern den kleinen Elefanten als Geisel genommen und verlangen von der Regierung Entschädigung für die zerstörten Felder.

Elephants suffering as habitat destroyed by palm oil products

Vor allem muss aber die Ausbreitung der Plantagen gestoppt werden! Rettet den Regenwald hat dazu zwei Aktionen an die indonesische Regierung: Weltweite Aktion für den Orang-Utan-Wald

Und an die EU, die immer noch 1,9 Millionen Tonnen Palmöl zu "Biodiesel" verarbeitet. „Biosprit”: EU vernichtet 700.000 Hektar Regenwald

Es liegt an uns die Elefanten und den Wald zu retten. Die EU und die indonesische Regierung tragen die ganze Verantwortung für den Wald, die Menschen und Tiere.

Der nachtschwarze Himmel über dem Regenwald ist vom Feuer rot-gelb erleuchtetDer Regenwald brennt für Ölpalmplantagen

20.06.2013

Auf Sumatra brennen die Wälder – EU gießt noch Öl ins Feuer

Auf der indonesischen Insel stehen die Regenwälder in Flammen. Großbrandstifter sind Palmölfirmen. Menschen, Tiere und Pflanzen sind den Feuern ausge­liefert. Der Umweltausschuss des EU Parlaments entscheidet über Regenwaldbeimischung zum Sprit.

Singapur schlägt Alarm. Indonesiens Nachbarstaat erlebt seit ein paar Tagen die schlimmsten Luftverschmutzungen, die dort jemals gemessen wurden. Der Index stieg bis auf 321 – Werte über 100 gelten als ungesund.

Verursacher sind vor allem die Palmölfirmen, die Platz für ihre riesigen Monokulturen schaffen. Mehr als 100 Brandherde zeigen die Satellitenbilder. Brandrodung ist in Indonesien verboten – gilt aber als der schnellste Weg, um Regenwälder zu vernichten. Und Palmöl ist der billigste Stoff, der als „Biosprit“ in unsere Dieseltanks fließt – im letzten Jahr waren es europaweit 1,9 Millionen Tonnen.

Zurzeit verhandeln diverse EU-Ausschüsse über Agrospritpolitik. Heute tagte der Industrie-Ausschuss und goss mit seinem Votum noch Öl in die Feuer. So soll z. B. der Anteil von Biosprit aus Nahrungsmitteln nicht, wie geplant, auf 5 Prozent begrenzt sein, sondrn auf 6,5 Prozent steigen. Auch der Ausstoß von klimaschädlichen Gasen durch ILUC soll weder angerechnet noch überhaupt ermittelt werden. ILUC bedeutet Indirekte Landnutzungsänderung – das heißt, die Bevölkerung muss neues Land urbar machen, weil auf ihrem Land statt Nahrungsmittel jetzt Pflanzen für Agrosprit wachsen. 

Im Norden Sumatras gab es erst im letzten Jahr eine große Tragödie: In der Provinz Aceh starben rund einhundert Orang-Utans bei Brandrodungen für Ölpalmplantagen. 

Der gefährliche Smog hat Singapurs Regierung jetzt dazu veranlasst, Indonesiens Umweltminister zum sofortigen Handeln aufzufordern. Eine Delegation ist deshalb heute zu einem Krisengipfel nach Jakarta gereist. „Indonesien muss dringend und endgültig dafür sorgen, das Problem an der Quelle zu beseitigen“, so Singapurs Umweltminister Vivian  Balakrishnan. Die Firmen, die illegal Feuer legen, müssten hart bestraft werden. „Kein Land und kein Unternehmen hat das Recht, die Luft auf Kosten der Einwohner Singapurs zu verpesten“.

Indonesische Regierungsvertreter versuchen jedoch, ihre Verantwortung abzuschieben: Ausländische Palmöl-Investoren würden für einen Teil der Feuer verantwortlich sein, einschließlich Firmen mit Sitz in Singapur. Was diese natürlich sofort zurückweisen.

Zu den größten Palmölkonzernen mit Hauptsitz in Singapur gehört zum Beispiel Wilmar International – berüchtigt für die Verletzung von Menschenrechten und Umweltschutz.

Wir können noch handeln: Am 10. Juli tagt der EU-Umweltausschuss und am 10. September das Plenum des Parlaments über die Agrosprit-Politik. 

Hier können Sie unsere Petition an die EU unterschreiben:

www.regenwald.org/aktion/908/biosprit-eu-vernichtet-700-000-hektar-regenwald

Biosprit vernichtet nicht nur Regenwälder und die Lebensgrundlage von Menschen und Tieren, sondern verschärft den Hunger auf der Welt. Das ist seit langem bekannt – wird in einer aktuellen Studie aber gerade wieder bestätigt: Theoretisch könnten sogar zehn oder elf Milliarden Menschen ernährt werden, meint  Joel Cohen von der New Yorker Rockefeller University. Das Getreide sei schon heute vorhanden - aber nur etwa die Hälfte davon werde gegessen. Der Rest ende als Tierfutter, Biosprit oder Schmierstoff.

Quelle: spiegel online vom 20. Juni 2013: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/ernte-ertraege-steigen-zu-langsam-fuer-kuenftige-welternaehrung-a-906860.html

 http://www.taz.de/Brandrodungen-in-Indonesien/!118971

2 Fotos. Links: Palmölplantage und ein Stück Regenwald. Rechts: Ein Mann schaut auf sein verwüstetes LandÖlpalmplantagen vernichten Regenwälder und die Lebensgrundlage der Menschen

13.06.2013

Palmöl-Lobby umwirbt Abgeordnete

Anfang Mai hat der Palmölkonzern Neste Oil fünf EU-Parlamentariern zu einem Luxus-Aufenthalt in Malaysia und Singapur verholfen. Eine brisante Einladung: Zurzeit berät die EU über ihre Agrosprit-Politik.

In diesen Wochen verhandeln verschiedene Ausschüsse des Europäischen Parlaments über die zukünftige Agrosprit-Politik der EU. Es steht viel auf dem Spiel: die Regenwaldzerstörung für Palmöl-Plantagen auf der einen Seite – Palmöl verbrennt massenhaft in europäischen Dieseltanks. Andererseits geht es um die milliardenschweren Geschäfte der Agrarsprit-Industrie. Letztere wollte offenbar rechtzeitig Nägel mit Köpfen machen: Der Palmölkonzern Neste Oil und das European Energy Forum haben Anfang Mai fünf Europaabgeordnete für vier Tage nach Malaysia und Singapur eingeladen, darunter auch den für Biosprit zuständigen Berichterstatter im Industrieausschuss. Auf dem Programm standen die Besichtigung von Ölpalmplantagen in Malaysia sowie der weltgrößten Biodiesel-Raffinierie in Singapur.

Die Abgeordneten mussten nur für Hin- und Rückflug bezahlen, die Unterkunft in Luxushotels, der Transport vor Ort und der Flug von Singapur nach Malaysia waren für sie gratis. Das berichtet die Wochenzeitung „der Freitag“ in ihrer jüngsten Ausgabe. Die Öffentlichkeit wurde über diesen dreisten Fall von – legalem – Lobbyismus bis zu diesem Tag nicht informiert.

Hier können Sie die Petition von Rettet den Regenwald gegen "Biosprit" unteschreiben.

Nordin von Save our Borneo vor einem abgeholzten Regenwald. Feri Irawan mit Lautsprecher auf einer DemoMit im Film dabei: Unsere indonesischen Partner Nordin von Save our Borneo (links) und Feri Irawan auf Sumatra

14.05.2013

Themenabend auf Arte: Das Geschäft mit dem Klima

Unsere Politiker wollen mit „grünem Strom“ die Erderwärmung aufhalten. Den Preis dafür zahlen die Menschen und ihre Natur sowohl bei uns als auch in den Ländern des Südens. Zwei Filmdokumentation über angeblich umweltfreundliche Energieerzeugung zeigen, was hinter den Versprechungen von Industrie und Politik wirklich steckt: Heiße Luft und Milliardengeschäfte

Die Rettung des Klimas steht immer wieder auf der politischen Agenda. Die verantwortlichen Politiker versprechen seit vielen Jahren, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und den Klimawandel aufzuhalten. Regelmäßig versammeln sie sich auf Klimagipfeln und jetten rund um den Globus, um die Menschheit zu retten. Begriffe wie „nachhaltig“, „alternative Energien“ oder „CO2-neutral“ werden geradezu inflationär kommuniziert. Für alles gibt es mittlerweile ein Siegel, ein Zertifikat oder einfach nur eine grüne Verpackung. Doch viele der vermeintlich sauberen Energien entpuppen sich als Mogelpackung. Auch der Emissionshandel, die vielgepriesene Wunderwaffe zur Rettung des Klimas, hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Im Gegenteil: Weltweit wird inzwischen 40 Prozent mehr CO2 ausgestoßen als 1990.



Sehen Sie dazu die beiden Arte-Dokumentationen vom 14. Mai 2013 (jeweils 52 Minuten):

"Saubere Energie – Das falsche Versprechen" von Steffen Weber und Reinhard Hornung über die angeblich umweltfreundliche Stromerzeugung aus Biomasse und Kohle




"Profit mit schmutziger Luft" von Inge Altemeier über den lukrativen Handel und Betrug mit Verschmutzungsrechten und CO2-Emissionen

Nordin von Save Our Borneo und Feri von Perkumpulan Hijau

07.05.2013

Kronzeugen der fatalen EU- Klimapolitik: Unsere Partner bei „arte”

Am Dienstag, den 14. Mai sendet arte einen Themenabend über „Das Geschäft mit dem Klima".  Welche Rolle die EU und die UN dabei spielen, sehen Sie ab 20.15 Uhr in zwei Dokumentationen. Dort kommen auch unsere indone­sischen Partner Nordin (Foto links, Borneo) und Feri Irawan (rechts, Sumatra) zu Wort.

Seit vielen Jahren versprechen Politiker, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Stattdessen ist er dramatisch gestiegen. Auf Kosten der Menschen und ihrer Natur in den Ländern des Südens – und für den Profit der größten Umweltsünder. Bei arte geht es um EU-Subventionen und Profite aus dem Emissionshandel.

Die indonesische Provinz Zentralkalimantan auf der Insel Borneo: Nordin steht auf einem verwüsteten Acker, der am Tag zuvor noch dichter Regenwald war. Der Gründer der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Save our Borneo ist seit vielen Jahren Partner von Rettet den Regenwald. In der zweiteiligen arte-Klima-Dokumentation der renommierten Hamburger Filmautorin Inge Altemeier und ihres Kollegen Steffen Weber ist Nordin einer der Kronzeugen für die fatalen Folgen der EU-Klimapolitik in Indonesien.

„Hier finden wir sehr viele frisch abgeholzte Urwaldriesen und auch herumirrende Orang-Utans, die ihren Lebensraum gerade erst verloren haben", so Nordin vor der Kamera.

Doch nicht nur die Orang-Utans verlieren mit dem Wald ihre Nahrungsquelle – auch die Menschen können sich nicht mehr ausreichend ernähren. Sie werden vertrieben und müssen an anderer Stelle ihre Waldgärten anlegen – so werden immer neue Flächen erschlossen. In der Fachsprache nennt man diese Entwicklung Indirekte Landnutzungsänderung, kurz ILUC.

Palmöl ist in Europa ein begehrter Rohstoff und für die Industrie ein Milliardengeschäft. Den größten Teil verarbeiten die Nahrungsmittelhersteller. Doch seitdem die EU mit Biomasse im Tank das Klima retten will, boomt die Nachfrage nach dem billigen Palmöl für den sogenannten Biodiesel. Und damit der Bedarf, neue Palmölplantagen in die Regenwälder zu roden. 6,25 Prozent beträgt die Beimischungspflicht von Pflanzenkraftstoff im Tank zur Zeit; 10 Prozent sollen es bis 2020 sein. Allein 10 Milliarden Euro EU-Subventionen streicht sich die Biospritindustrie pro Jahr ein.

Doch längst haben Wissenschaftler belegt: Der Kraftstoff vom Acker ist nicht klimaneutral. Denn die Ökobilanzen enthalten weder die CO2-Emissionen für Anbau, Chemie-Einsatz, Produktion und Transport des Palmöls. Auch der Ausstoß von klimaschädlichen Gasen durch ILUC werden nicht berechnet. Das heißt, wenn die Bevölkerung neues Land urbar machen muss, weil auf ihrem Land statt Nahrungsmittel jetzt Pflanzen für den Agrosprit wachsen sollen. Studien, die das belegen, hat die EU selbst in Auftrag gegebenen – und lange unter Verschluss gehalten.

Unsere Partner Nordin von Save our Borneo und Feri Irawan auf Sumatra haben dazu beigetragen, dass der sogenannte ILUC-Faktor in der EU endlich diskutiert wird.

Mit ihrer politischen Arbeit tragen sie in ihrem Land Indonesien dazu bei, dass illegale Abholzungen für Palmöl, für die Holz- und Papier-Industrie angezeigt und öffentlich gemacht werden. Und dass Regenwaldgebiete bewahrt und unter Schutz gestellt werden können.

Rettet den Regenwald unterstützt ihre Arbeit seit vielen Jahren. Bitte tragen Sie mit Ihrer Spende dazu bei, dass die Regenwaldkämpfer weiterhin erfolgreich sind:
Spende für den Regenwaldschutz auf Borneo
Spende für den Elefanten-Schutzwald auf Sumatra

Weitere Infos zum arte-Themenabend