STOPP! Kein EU-Freihandel mit Palmöl

Lange Reihen von Ölpalmsetzlingen in einer Baumschule Palmöl vernichtet die Regenwälder (© Papa Annur / shutterstock.com)

Indonesien verhandelt mit der EU über das Freihandelsabkommen CEPA. Indonesische Organisationen fordern, Palmöl dürfe nicht Gegenstand der Abkommen sein. Mit CEPA käme mehr Palmöl nach Europa. Das bedeute weitere Entwaldung und noch mehr Treibhausgase aus abgeholzten Torfböden.

News und Updates Appell

An: An die Teilnehmer der Indonesien-EU CEPA-Verhandlungen

„Kein Freihandel für Palmöl! Die EU soll ihre eigenen Klimastudien ernst nehmen.“

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Die Europäische Union verhandelt mit Indonesien über ein Freihandelsabkommen. Das Thema Palmöl dominiert die Gespräche.

Indonesische Umweltgruppen befürchten, dass CEPA den Handel mit Palmöl vereinfacht und es zu weiterer Entwaldung und sozialen Konflikten kommen wird. Deswegen fordern sie, dass Palmöl nicht Teil des Abkommens sein darf.

„Vom Freihandel profitieren nur die Konzerne“, warnt Yuyun Harmono vom Umweltnetzwerk WALHI. Weil für Palmölplantagen für Biosprit Wald und Torfwald vernichtet würden, verursache Biosprit größere Treibhausgasemissionen als fossiler Kraftstoff. Die Klimaerwärmung verschlimmere sich. Deswegen fordern Yuyun Harmono und weitere Umweltschützer einen sofortigen Stopp für neue Ölpalmplantagen.

Indonesien produziert gut die Hälfte des weltweiten Palmöls, und die EU ist nach Indien der wichtigste Abnehmer. In den letzten Jahren sind besonders viele Torfwälder abgeholzt worden. Die Emissionen aus den qualmenden Torfböden führen alljährlich zu einer ökologischen und humanitären Katastrophe. 

Nach den Waldbränden von 2015 hat die indonesische Regierung verboten, dass Ölpalmen auf abgebrannten Flächen und auf Torf angelegt werden. RKK, ein Zulieferer von Unilever, dem Vorreiter von  „Nachhaltigem Palmöl“, ist als Brandstifter überführt worden. 

Parallel zu den Verhandlungen über Freihandel entscheidet die EU über ihre Energiepolitik bis ins Jahr 2030. Dabei spielt Palmöl eine wichtige Rolle. Biodiesel aus Palmöl verursacht dreimal so viele klimaschädliche Emissionen wie Diesel aus Erdöl, so von der EU in Auftrag gegebene Studien. Das EU-Parlament vertritt daher mit großer Mehrheit die Position, Palmöl als Rohstoff für Biosprit auszuschließen. Der Freihandel mit Palmöl droht die Bestrebungen der EU aushebeln, die Energiepolitik umweltfreundlicher zu machen.

Hinter­gründe

Die Palmöl-Realität: Brandstiftung und Unilever

Palmöl ist die Hauptursache für die hohen Treibhausgasemissionen aus Indonesien. 2015, nach monatenlangen Waldbränden mit extrem hohen Rauchbelastungen, hat die indonesische Regierung Dutzende von Firmen identifiziert, die für Millionen von Hektar abgebrannten Wald- und Torfflächen verantwortlich sind. Nur eine der großen Firmen ist bisher gerichtlich belangt worden: RKK, eine Plantagenfirma der Makin-Gruppe. Dieser erste Erfolg ist unserem Partner Feri Irawan zu verdanken. Der Fall RKK zeigt beispielhaft, dass Palmöl nicht nachhaltig produziert werden kann.

Palmöllieferant von Unilever wegen Brandrodung auf Sumatra verurteilt

Die Palmöl-Realität im Video: ASIMETRIS

Die Reportage "Asimetris" zeigt, dass die Menschen zu den Verlierern des Palmölbooms gehören. Sie können den Film in unserem Shop kaufen.

CEPA - Comprehensive Economic Partnership Agreement

CEPA zielt, ähnlich wie andere Freihandelsabkommen TTIP und TTP, auf weitreichende Liberalisierung und Deregulierung der Märkte. Damit dient CEPA den Interessen großer Konzerne und hebelt bestehende menschenrechtliche und Umweltbestimmungen aus. NGOs fordern daher, dass die Partner das Abkommen nur auf der Basis von Garantien für eine gesunde Umwelt, eine klimafreundliche Wirtschaft und menschenwürdige Lebensbedingungen verhandeln dürfen. Die CEPA-Verhandlungen sollen ausgesetzt werden, bis eine solche Basis geschaffen ist.

Die I-EU-CEPA-Verhandlungen wurden 2016 ins Leben gerufen. Bei der 4. Gesprächsrunde im Februar 2018 verhandelten die Partner hinter verschlossenen Türen über verschiedene Handelsbarrieren, sehr wahrscheinlich auch über Palmöl. Details sind nicht bekannt, ein Bericht soll laut Presseerklärung folgen. Die 5. Gesprächsrunde ist für Sommer 2018 in Brüssel geplant.

EU-Einfuhrzölle und Handelsbarrieren bremsen im Moment den ungehinderten Export in die EU ein wenig. Die indonesische Regierung hat ein Interesse daran, dass diese Hindernisse fallen, stattdessen aber das indonesische Zertifikat ISPO (Indonesian Sustainable Palm Oil) als Nachweis der Nachhaltigkeit anerkannt wird. Mit der Anerkennung des ISPO würden ökologische, arbeitsrechtliche, soziale und auch gesundheitliche Standards ausgehebelt. Automatisch wäre alles Palmöl aus Indonesien nachhaltig und dürfte in Autos verbrannt werden.

Indonesien versteht ökologische und Klima-Bedenken nur als Diskriminisíerung seiner Wirtschaft. NGO-Kampagnen gegen die Monokulturisierung der Regenwälder seien unfaire Attacken. In das CEPA-Abkommen sollen nach Auffassung der indonesischen Regierung sogar Maßnahmen gegen Anti-Palmöl-Kampagnen einfließen. In einem geleakten Brief an die EU fordert Indonesien Rechtsschritte gegen „negative“ Botschaften und Kampagnen mit „falschen Argumenten zu Ernährung, Gesundheit und/oder Umwelt“, wie AFP News berichtet.

Trotz verschiedener Ansätze zum Schutz der Wälder hat Indonesien ein ehrgeiziges Biospritprogramm aufgelegt, um den innerindonesischen Verbrauch von Palmöl anzukurbeln. Die Beimischungsquote zu Diesel beträgt inzwischen 30%, und Biospritproduzenten erhalten großzügige Hilfen. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 haben die fünf größten Palmölkonzerne Subventionen in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro für die Produktion von Biosprit eingestrichen.

An­schreiben

An: An die Teilnehmer der Indonesien-EU CEPA-Verhandlungen

Sehr geehrte Damen und Herren,

Indonesien unternimmt große Anstrengungen, die gravierenden Folgen des Anbaus von Ölpalmen zu verringern. Dazu gehören Waldbrände, Austrocknung der Torfböden und die damit verbundenen Folgen für das Klima. Diese Anstrengungen sind für den Klimaschutz und die Biodiversität von größter Bedeutung.

Beeindruckend sind auch erste Schritte, das Schicksal der Opfer von Landraub, Entwaldung und Ausbeutung durch den Palmölboom zu verbessern.

Ein Freihandel mit Palmöl würde jedoch zu weiteren ökologischen und sozialen Katastrophen führen.

In der EU mehren sich die Stimmen derjenigen, die nicht mitschuld sein wollen an Regenwaldzerstörung und Menschenrechtsverletzungen für mehr Konsum, insbesondere für Energie und Treibstoff. Auch Nachhaltigkeitslabel können die Probleme des Ölpalmenanbaus nicht lösen.

Umweltorganisationen aus Indonesien und Europa warnen deshalb davor, Palmöl zum Verhandlungsthema zu machen. Sie fordern, auf CEPA in der jetzigen Form zu verzichten. Nötig sind Garantien für eine gesunde Umwelt, Klimafreundlichkeit und menschenwürdige Lebensbedingungen.

Die wirtschaftlichen Interessen der beiden Verhandlungspartner EU und Indonesien dürfen niemals Vorrang vor dem Recht der Menschen auf eine gesunde Umwelt haben.

Schließen Sie daher Palmöl aus den Verhandlungen aus, damit für Handel und Wirtschaft weder Menschen geschädigt noch Natur geopfert wird.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

2016 importierte die EU 6,43 Millionen Tonnen Palmöl aus Indonesien (4,37 Mio. t) und Malaysia (2,06 Mio. t). Auf Deutschland entfielen davon nach Angaben der Bundesregierung 1,34 Millionen Tonnen (Durchschnitt der Jahre 2013-15). Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.

Die Reportage Asimetris

Die Reportage Asimetris zeigt, warum die Menschen zu den Verlierern des Palmölbooms gehören. Sie können den Film in unserem Shop kaufen.

News und Updates

News | 31.05.2018

ASIMETRIS – Ein Film über Gewinner und Verlierer des Palmölbooms

Cover der DVD Asimetris

Palmöl ist eine der Ursachen von Umweltzerstörung und vom Elend vieler Kleinbauern. Der indonesische Journalist Dandhy Laksono dokumentiert in seinem Film ASIMETRIS, wie die einfache Bevölkerung leidet, während die Firmen profitieren. Eine DVD des Films können Sie in unserem Shop kaufen.

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News | 15.03.2018

Die grüne Lüge – im Kino, als Buch in unserem Shop

Können wir die Welt retten, wenn wir Tiefkühlpizza nur noch mit „nachhaltigem“ Palmöl essen? Wenn wir Kaffee mit Fairtrade-Siegel trinken und ein Elektro-Auto fahren? Solche Fragen stellt sich Dokumentarfilmer Werner Boote – und engagiert die kundige Buchautorin Kathrin Hartmann für eine Reise zu den nachhaltigen Ressourcen-Ausbeutern dieser Welt. Herausgekommen ist: Die grüne Lüge.

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