Millionen Bäume in Tansania retten!

Masaai Giraffen - Selous Game Reserve - Tansania Das Reservat Selous bietet Lebensraum für Giraffen, Elefanten und Nashörner (© nyiragongo/istockphoto.com)

Tansanias Regierung will in einem Dorado für Elefanten, Giraffen und Löwen 1.500 Quadratkilometer Wald und Savanne zur Abholzung freigeben. 2,6 Millionen Bäume sollen im UNESCO-Welterbe Selous für einen Stausee Platz machen. Die ökologischen Schäden wären nicht reparabel. Bitte helfen Sie, das Welterbe Selous zu bewahren.

News und Updates Appell

An: Tansanias Präsidentin Samia Suluhu Hassan

„Selous Game Reserve ist ein ökologischer Schatz. Bitte bewahren Sie das UNESCO-Welterbe, in dem bedrohte Elefanten und Löwen leben.“

Ganzes Anschreiben lesen

Noch ziehen Elefanten und Giraffen durch die Savanne, dümpeln Flusspferde im flachen Wasser, schleichen Löwen auf der Jagd durchs Gras. Vor kurzem haben Biologen Spitzmaulnashörner gesichtet. Im Selous Game Reserve pulsiert das Leben – und ist zugleich bedroht. Ein Damm in Stiegler‘s Gorge wäre ein ökologisches Desaster. Im Herzen des UNESCO-Welterbes soll er den Fluss Rufiji stauen. 1.500 Quadratkilometer Wald und Savanne werden überflutet.

Der Damm würde selbst flussabwärts bis ins Delta und die Mangroven-Wälder Schäden verursachen. 200.000 Menschen, insbesondere Bauern und Fischer, würden darunter leiden.

Das ägyptische Baukonsortium von El Sewedy Electric und Arab Contractors hat im November 2020 den ersten Bauabschnitt vollendet, nachdem im Juli 2019 der Spatenstich erfolgt war und 17 Firmen aus Tansania Rodungsgenehmigungen erhalten hatten. Neben der CRDB Bank Plc und der United Bank for Africa beteiligt sich auch die Africa Export-Import Bank (Afriexim Bank) am 3-Milliarden-Dollar-Projekt.

Umweltschützer laufen gegen das Projekt Sturm. Sie fürchten die endgültige Zerstörung des Schutzgebietes, das bereits geschädigt ist. Eine Uranmine droht einen Teil des Reservats kaputt zu machen. Die Elefantenpopulation ist eingebrochen. Die UNESCO hat Selous deshalb im Jahr 2014 auf die Liste der „bedrohten Welterbe“ gesetzt.

Der im März 2021 verstorbene Präsident John Magufuli wollte als Macher gelten, dem Kritik egal ist. Ein Regierungsmitglied drohte Gegnern des Projekts sogar mit Gefängnis.

Tansanias Bevölkerung benötigt unbestritten eine bessere Stromversorgung. Das Staudammprojekt ist dafür allerdings keine Lösung. Bitte unterschreiben Sie unsere Petition zum Schutz des Selous Game Reserve. 2,6 Millionen Bäume dürfen nicht für ein sinnloses Projekt gefällt werden!

Hinter­gründe

Selous Game Reserve

Das Selous Game Reserve wurde 1982 zum UNESCO-Welterbe erklärt. Mit 51.200 Quadratkilometern ist es größer als die Schweiz. Maßgeblich für den ökologischen Wert des Gebietes ist der „saisonale Puls“ des Flusses Rufiji mit dem Wechsel zwischen Wasserüberfluss, Überschwemmungen und Trockenheit, in der Flussarme zu Seen schrumpfen oder gar austrocknen. Der Abwechslungsreichtum an Lebensräumen reicht von ausgedehnten Miombo-Wäldern, Galeriewäldern, offenem Grasland, Canyon-Ökosystemen bis zu Sümpfen.

Mehr als 2100 Pflanzenarten wurden in Selous bisher bestimmt, die Zahl soll aber deutlich höher liegen. Im Reservat leben laut UNESCO mehr als 100.000 Elefanten (Loxodontha africana) und 2130 Nashörner (Diceros bicornis). Hinzu kommt eine der weltweit größten Populationen von Nilpferden (Hippopotamus amphibius) mit 18.200 Tieren und von Kaffernbüffeln (Syncerus caffer) mit nahezu 205.000 Exemplaren. 350 Vogelarten wurden von Ornithologen gezählt.

Das Schutzgebiet ist eingebettet in das 90.000 Quadratkilometer große Selous Ökosystem und ist funktional mit dem Niassa Game Reserve in Mosambik verknüpft.

Wilderei

Wilderei ist eines der zentralen Probleme des Selous Game Reserve. Die Zahl der Elefanten ist seit der Erklärung zum Welterbe 1982 aufgrund von Wilderei um 90 Prozent eingebrochen.

Schäden durch das Staudamm-Projekt

Die ökologischen Schäden betreffen weitaus größere Teile des Schutzgebietes über den eigentlichen Stausee hinaus: über 230 Kilometer Zugangsstraßen und Unterkünfte für Tausende Bauarbeiter locken Siedler und Bauern an, die Land in Beschlag nehmen und dauerhaft bleiben. Elefanten- und Nashorn-Wilderern wird der Zugang erleichtert – die Gefahr für die Tiere wächst deutlich.

Am Unterlauf fehlen durch den Staudamm 16,6 Millionen Tonnen Sedimente, die der Fluss bisher pro Jahr mitführt. Die Fruchtbarkeit der Böden sinkt. Zugleich nimmt die Erosion an den Ufern zu. Die Hydrologie und Biologie des Flusssystems ändern sich grundlegend. Seitenarme, die in der Trockenzeit zu Seen werden, trocknen womöglich gänzlich aus und fehlen Tieren als Tränke. Das Delta schrumpft und damit auch einer der größten Mangroven-Wälder der Erde.

Das Staudammprojekt gefährdet auch das Rufiji-Mafia-Kilwa Marine Ramsar-Schutzgebiet, ein zweites, global bedeutendes Schutzgebiet.

Staudamm-Projekt

Das Wasserkraftwerk in Stiegler‘s Gorge soll 2.100 MW leisten. Die Hauptmauer soll 126 hoch und 700 breit werden, vier zusätzliche Dämme sollen 13,9 Kilometer lang werden. Der Stausee soll 1200 Quadratkilometer bedecken und wäre der größte in Ostafrika.

Für die Kosten werden 3 Milliarden Dollar veranschlagt, für die Bauzeit 36 Monate. Beides scheint illusorisch. Im Dezember 2018 hat die Regierung den Bauauftrag an ein ägyptisches Konsortium vergeben.

Die Umweltverträglichkeitsprüfung ist nach Expertenmeinung so ungenügend, dass sie den Namen nicht verdient.

Mangelhafte Stromversorgung

Tansania leidet unter großen Defiziten in der Stromversorgung. Laut United Nations Development Program (UNDP) sind nur zehn Prozent der Haushalte ans Stromnetz angeschlossen. Derzeit haben die Kraftwerke des Landes eine Kapazität von zusammen 1.700 MW, mit dem Projekt würde sich die Kapazität also mehr als verdoppeln. Eine Konzentration großer Teile der Stromerzeugung auf ein Kraftwerk ist hoch riskant.

Deutsches Steuergeld

Deutschland unterstützt das „Nachhaltige Management des Selous-Wildschutzgebietes“ mit 18 Millionen Euro. Das Geld für die Überwachung des Schutzgebiets aus der Luft und Förderprogramme für die Bevölkerung am Rand von Selous wird über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ausbezahlt. Beteiligt sind der WWF und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt.

Beharrt Tansanias Regierung auf dem Staudamm-Projekt, ist der Sinn dieser Unterstützung zweifelhaft.

An­schreiben

An: Tansanias Präsidentin Samia Suluhu Hassan

Sehr geehrte Präsidentin Samia Suluhu Hassan,
sehr geehrte Damen und Herren,

Tansania kann zu Recht stolz auf sein Naturschutzerbe sein. Bitte fahren Sie mit dieser großartigen Tradition zum Wohle Ihrer Bevölkerung und der gesamten Menschheit fort.

Tansania besitzt mit der Selous Game Reserve einen einzigartigen Naturschatz von Weltrang. Die UNESCO hat das Gebiet bereits 1982 zum Welterbe erklärt. Leider steht Selous seit dem Jahr 2014 auf der Liste des „Welterbes in Gefahr“. Neben der grassierenden Elfenbeinwilderei bedroht das Staudamm-Projekt in Stiegler‘s Gorge das Schutzgebiet erheblich.

Dennoch hat Tansanias Forstbehörde TFS 1.500 Quadratkilometer Savanne und Wald zur Abholzung freigegeben. Das Fällen von 2,6 Millionen Bäumen würde bereits großen Schaden an der Umwelt anrichten, während die Finanzierung des Projekts unklar ist und keine Umweltverträglichkeitsprüfung vorliegt.

Wir bitten die Regierung von Tansania daher:

- Verhindern Sie das Fällen von 2,6 Millionen Bäumen.
- Legen Sie eine gründliche Umweltverträglichkeitsprüfung für das Staudammprojekt in Stiegler’s Gorge vor.
- Stellen Sie Selous mit einer gesunden Elefantenpopulation und seiner ursprünglichen Artenvielfalt wieder her.

Tansania ist eine souveräne Nation, die Verantwortung für ihre Bevölkerung trägt, inklusive Stromversorgung. Eines des bedeutendsten Naturgebiete zu zerstören, wäre jedoch eine langfristige Entscheidung, die nicht wiedergutgemacht werden kann.

Wir bitten Tansanias Regierung, an ihrem Versprechen festzuhalten, Selous als Schatz für die Welt zu bewahren.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Biodiversität

Die Ausgangslage: Warum ist Biodiversität so wichtig?

Biodiversität oder Biologische Vielfalt umfasst drei Bereiche, die sehr eng miteinander verbunden sind: die Artenvielfalt, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme wie z.B. Wälder oder Meere. Jede Art ist Teil eines hoch komplexen Beziehungsgeflechts. Stirbt eine Art aus, wirkt sich das auf viele andere Arten und ganze Ökosysteme aus.

Weltweit sind derzeit fast 2 Millionen Arten beschrieben, Experten schätzen die Anzahl weitaus höher. Tropische Regenwälder und Korallenriffe gehören zu den artenreichsten und am komplexesten organisierten Ökosystemen dieser Erde. Rund die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten lebt in den Tropenwäldern.

Die biologische Vielfalt ist für sich alleine schützenswert und gleichzeitig unsere Lebensgrundlage. Wir nutzen täglich Nahrungsmittel, Trinkwasser, Medizin, Energie, Kleidung oder Baumaterialien. Intakte Ökosysteme sichern die Bestäubung von Pflanzen und die Bodenfruchtbarkeit, schützen uns vor Umweltkatastrophen wie Hochwasser oder Erdrutschen, reinigen Wasser und Luft und speichern das klimaschädliche CO2.

Die Natur ist auch die Heimat und zugleich ein spiritueller Ort vieler indigener Völker. Sie sind die besten Regenwaldschützer, denn besonders intakte Ökosysteme findet man in den Lebensräumen von indigenen Gemeinschaften.

Der Zusammenhang zwischen dem Verlust von Natur und der Ausbreitung von Pandemien ist nicht erst seit Corona bekannt. Eine intakte und vielfältige Natur schützt uns vor Krankheiten und weiteren Pandemien.

Die Auswirkungen: Artenschwund, Hunger und Klimakrise

Der Zustand der Natur hat sich weltweit dramatisch verschlechtert. Rund 1 Million Tier- und Pflanzenarten sind in den nächsten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind derzeit 37.400 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht - ein trauriger Rekord! Experten sprechen von einem sechsten Massenaussterben in der Geschichte der Erde - das Tempo des globalen Artensterbens ist durch den Einfluss des Menschen um Hunderte mal höher als in den letzten 10 Mio. Jahren.

Auch zahlreiche Ökosysteme weltweit - 75 % Landfläche und 66 % Meeresfläche - sind gefährdet. Nur 3% sind ökologisch intakt – z.B. Teile des Amazonas und des Kongobeckens. Besonders betroffen sind artenreiche Ökosysteme wie Regenwälder und Korallenriffe. Rund 50% aller Regenwälder wurden in den letzten 30 Jahren zerstört. Das Korallensterben nimmt durch den globalen Temperaturanstieg immer weiter zu.

Hauptursachen für den massiven Rückgang der Biodiversität sind die Zerstörung von Lebensraum, intensive Landwirtschaft, Überfischung, Wilderei und Klimaerwärmung. Rund 500 Milliarden US-Dollar jährlich werden weltweit in die Zerstörung der Natur investiert - in Massentierhaltung, Subventionen für Erdöl und Kohle, Entwaldung und Flächenversiegelung.

Der Verlust an Biodiversität hat weitreichende soziale und ökonomische Folgen, die Ausbeutung der Ressourcen geht zu Lasten von Milliarden Menschen im globalen Süden. Die UN kann die 17 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung z.B. die Bekämpfung von Hunger und Armut nur erreichen, wenn die Biodiversität weltweit erhalten und für die nächsten Generationen nachhaltig genutzt wird.

Ohne den Erhalt der Biodiversität ist auch der Klimaschutz bedroht. Die Zerstörung von Wäldern und Mooren – als wichtige CO2-Senken - heizt den Klimawandel weiter an.

Die Lösung: Weniger ist mehr!

Die natürlichen Ressourcen der Erde stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Knapp zwei Erden verbrauchen wir Menschen, bei derzeitigem Ressourcenverbrauch werden es 2050 mindestens drei sein. Um für den Erhalt der biologischen Vielfalt als unserer Lebensgrundlage zu kämpfen, müssen wir den Druck auf die Politik weiter erhöhen.
Und auch in unserem Alltag lässt sich viel bewegen.

Mit diesen Alltags-Tipps schützt man auch die biologische Vielfalt:

  1. Öfter mal pflanzlich: Mehr buntes Gemüse und Tofu auf den Teller oder am besten gar kein Fleisch! Rund 80% der Agrarflächen weltweit werden zur Tierhaltung und zum Anbau von Tierfutter genutzt.
  2. Regional und Bio: Ökologisch erzeugte Lebensmittel verzichten auf den Anbau von riesigen Monokulturen und den Einsatz von Pestiziden. Der Kauf von regionalen Produkten spart zudem Unmengen an Energie!
  3. Bewusst leben: Brauche ich schon wieder neue Klamotten oder ein Handy? Oder kann ich Alltagsdinge auch gebraucht kaufen? Es gibt gute Alternativen zu Produkten mit Palmöl oder Tropenhölzern! Tropische Haustiere wie z.B. Papageien oder Reptilien sind tabu! Berechne jetzt deinen ökologischen Fußabdruck.
  4. Werde Bienenfreund:in: Auf dem Balkon oder im Garten freuen sich Bienen und andere Insekten über vielfältige, leckere Pflanzen. Aber auch ohne eigenes Grün kann man in einem Naturschutzprojekt in der Region aktiv werden.
  5. Protest unterstützen: Demonstrationen oder Petitionen gegen die Klimaerwärmung oder für eine Agrarwende üben Druck auf Politiker:innen aus, die auch für den Schutz der biologischen Vielfalt verantwortlich sind.

Lesen Sie hier, warum so viele Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden.

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