Indonesien: Terror und Vertreibung für Palmöl

Eine Ureinwohnerin sitzt verstört vor den Trümmern ihres Hauses Nichts als Verwüstung ist den Ureinwohnern geblieben (© Feri Irawan)
76.957 Teilnehmer

Ende der Aktion: 17.10.2014

Der steigende Palmölbedarf für unseren Biodiesel hat immer brutalere Folgen: 1.500 bewaffnete Männer haben in Indonesien vier Siedlungen der Ureinwohner zerstört und die Menschen vertrieben. Sie wollten ihr Land nicht freiwillig einer Palmölfirma überlassen. Die EU muss handeln und die Importe von Palm- und Sojaöl stoppen.

Appell

An: Die EU, Regierungen der EU Mitgliedsstaaten und Neste Oil

„Die EU-Regierungen müssen die Beimischungspflicht von Biosprit sofort beenden und die Importe von tropischen Pflanzenölen verbieten“

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„Am Morgen des 11. Dezember rüttelten plötzlich Männer an meiner Tür", berichtet der 41-Jährige Basron aus der Siedlung Pinang Tinggi. Dann stand er hilflos einem bewaffneten Trupp aus Soldaten, Polizisten, Mitarbeitern der Palmölfirma PT Asiatic Persada und angeheuerten Schlägern gegenüber.

„Alle Häuser werden heute zwangsgeräumt und niedergebrannt", rief ihm einer der Männer zu. Wenig später musste Basron mitansehen, wie ein Bulldozer aus seiner Hütte Kleinholz machte.

Insgesamt 1.500 Männer haben in der Provinz Jambi auf Sumatra die wehrlosen Ureinwohner der Suku Anak Dalam in ihren Hütten überfallen und vertrieben. Anfang Dezember 2013 wurden mindestens 296 Häuser in vier Siedlungen geplündert und zerstört.

Seit knapp drei Jahrzehnten bekämpft Asiatic Persada die Indigenen: 1986 hat die Firma damit begonnen, ihren Regenwald für Palmölplantagen zu roden. Doch die Menschen ließen sich von ihrem Land nicht vertreiben - bis zum Dezember 2013.

Die Agrospritpolitik der EU führt dazu, dass immer neue Palmölplantagen in die Regenwälder geschlagen werden. Durch die steigende Nachfrage nach so genanntem Biodiesel wird immer mehr Palmöl aus den Tropen als Rohstoff importiert – bereits 2,5 Millionen Tonnen Palmöl in den ersten sechs Monaten des Jahres, 63 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Wichtigster Biodieselproduzent aus Palmöl in Europa ist der Neste Oil-Konzern aus Finnland. Neste Oil, zu 51 Prozent im finnischen Staatsbesitz, betreibt in Singapur und Rotterdam die weltweit größten Biodieselraffinerien mit Kapazitäten von jeweils einer Milliarde Litern pro Jahr.

Bitte fordern Sie die EU und die Regierungen der Mitgliedsländer auf, die Beimischungspflicht von Biosprit und die Importe von tropischen Pflanzenölen endlich komplett zu stoppen:

Hinter­gründe

Neste Oil und Wilmar

Der größte europäische Produzent von Biodiesel aus Palmöl ist Neste Oil. Der mehrheitlich im Besitz des finnischen Staates befindliche Konzern betreibt in Singapur und Rotterdam nach eigenen Angaben die weltweit größten Biodieselraffinerien zur Belieferung der EU-Mitgliedsländer. Beide Anlagen haben eine jährliche Produktionskapazität von jeweils 1 Milliarde Litern. Mehr als die Hälfte des hergestellten Biodiesels basiert auf Palmöl, das Neste Oil vom zertifizierten Palmölkonzern Wilmar aus Singapur bezieht.

Wilmar wiederum war bis zum Frühjahr der Besitzer der Palmölfirma PT Asiatic Persada in Jambi auf Sumatra. Asiatic Persada wurde an die Ganda-Gruppe, einer Firma im Besitz des Bruders von Wilmar-Gründer Martua Sitorus veräußert, verkauft aber weiterhin das Palmöl an Wilmar.

Weitere Informationen:
Unsere Infoseiten zu Palmöl und Biodiesel sowie unsere Spendenaktion Vertrieben, geschlagen und alles verloren – bitte helfen Sie Sumatras Ureinwohnern

Artikel auf Englisch:
Mongabay: Indonesian palm oil company demolishes homes and evicts villagers in week-long raid

Stellungnahme des indonesischen Umweltnetzwerkes WALHI: Wilmar's No Deforestation policy tested by latest abuses by PT Asiatic Persada

An­schreiben

An: Die EU, Regierungen der EU Mitgliedsstaaten und Neste Oil

Sehr geehrte Damen und Herren Politiker,

unsere steigende Nachfrage nach Palmöl für Biodiesel zerstört Regenwälder und Menschenleben. Zum wiederholten Mal haben Anfang Dezember bewaffnete Männer der Palmölfirma Asiatic Persada, Polizisten und Soldaten – insgesamt 1.500 Mann - die indigene Bevölkerung von vier Siedlungen in der indonesischen Provinz Jambi auf Sumatra angegriffen.

Sie haben 300 Häuser zerstört, Frauen, Männer und Kinder brutal vertrieben. Und das alles, weil PT Asiatic Persada den indigenen Suku Anak Dalam nicht das Land zurückgeben will, das sie ihnen geraubt und abgeholzt hat – obwohl die zuständigen Behörden die Palmölfirma mehrfach dazu aufgefordert hatten.

Die EU und ihre Mitgliedsstaaten fördern mit ihrer Agrospritpolitik den Landraub und die Regenwaldabholzung. Palmöl ist das billigste Pflanzenöl auf dem Weltmarkt. Deshalb verwenden die europäischen Biodieselhersteller immer mehr Palmöl - allen voran der staatliche finnische Neste Oil-Konzern. Durch die steigenden Beimischungsquoten von Biosprit wird immer mehr Palmöl aus den Tropen als Rohstoff importiert – bereits 2,5 Millionen Tonnen Palmöl in den ersten sechs Monaten des Jahres, 63 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Wir fordern die EU und die Regierungen der Mitgliedsländer dazu auf, die Beimischungspflicht von Biosprit und die Importe von tropischen Pflanzenölen endlich komplett zu stoppen.

Mit freundlichem Gruß

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

2016 importierte die EU 6,43 Millionen Tonnen Palmöl aus Indonesien (4,37 Mio. t) und Malaysia (2,06 Mio. t). Auf Deutschland entfielen davon nach Angaben der Bundesregeirung 1,34 Millionen Tonnen (Durchschnitt der Jahre 2013-15). Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.