Deutscher Beamter auf Elefantenjagd

Sumatra-Tiger im Regenwald Die Stoßzähne des von Wedekind geschossenen Elefanten bilden den Rahmen für das makabre Jagdfoto
45.560 Teilnehmer

Ende der Aktion: 20.05.2014

Afrikas Elefanten sind bedroht. Wilderer schießen sie jährlich zu Tausenden für den Elfenbeinhandel. Udo Wedekind, Spitzenbeamter in Thüringen, tötet einen Elefanten als Freizeitvergnügen und brüstet sich mit seiner Jagdtrophäe. Bitte protestieren Sie.

Appell

An: Umweltminister Jürgen Reinholz, Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz; Postfach 90 03 65; 99106 Erfurt; Tel. 0361-37 900; Fax: 0361-37 98 800; poststelle@tmlfun.thueringen.de

„Elefantenjäger Udo Wedekind aus dem thüringischen Umweltministerium muss sofort zurücktreten“

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Stolz posiert Udo Wedekind neben dem von ihm erlegten Elefanten. Das Foto und weitere Aufnahmen sollen von einer Jagdsafari in Botswana vom 6. Dezember stammen.

Udo Wedekind ist einer der höchsten Beamten im Umweltministerium Thüringens, das auch für Artenschutz zuständig ist. Doch für seine Vorgesetzten ist es offenbar kein Problem und eine Privatangelegenheit, wenn die Mitarbeiter aus Spaß bedrohte Elefanten in Afrika schießen.

Ein Sprecher von Umweltminister Jürgen Reinholz erklärte nach Angaben der Thüringer Allgemeinen, dass es nicht von Interesse sei, was Beamte in ihrer Freizeit täten - so lange sie sich an Recht und Gesetz hielten.

Bis Dezember vergangenen Jahres konnten betuchte Großwildjäger aus aller Welt in Botswana Elefanten und andere bedrohte Tiere abknallen. Auf Jagdsafaris spezialisierte Firmen boten die Elefantenjagd für ca. 37.000 bis 45.000 Euro an.

Aufgeflogen ist der Skandal, weil Wedekind seinen Kollegen im Umweltministerium über sein Jagdglück in Afrika berichtete, und seine E-Mail an die Medien weitergeleitet wurde. „Anbei vier Bilder von „meinem" Elefanten", schrieb der Spitzenbeamte darin nach Informationen des Spiegel.

Nach Angaben der Thüringer Allgemeine ist Wedekind allerdings kein Einzeltäter im Umweltministerium, es herrscht "Trophäen-Neid im Ministerium: Beamte streiten, wer jagen darf".

Als Udo Wedekind Anfang Dezember in Botswana jagte, fand dort gerade mit Finanzierung Deutschlands ein Gipfeltreffen gegen Elfenbeinhandel statt.

Höchstens 470.000 Elefanten leben noch in Afrika, pro Jahr fallen etwa 30.000 der Tiere Wilderern zum Opfer. Ende der siebziger Jahre wurde die Zahl der afrikanischen Elefanten noch auf bis zu drei Millionen geschätzt.

Bitte schreiben Sie an den Umweltminister von Thüringen. Siehe auch News und Updates.

Hinter­gründe

Nach Medienangaben war der von Udo Wedekind geschossene Elefant drei Tonnen schwer und hat von der Rüssel- bis zur Schwanzspitze 7,24 Meter gemessen; die Schulterhöhe betrug drei Meter. Der Todeskampf des Elefanten dauerte dabei wohl sehr lang. Das von Wedekind angeschossene Tier soll demnach noch längere Zeit versucht haben zu flüchten. Erst nach mehr als 20 Schüssen sei das Tier endlich erlegt gewesen.

„Die Jagd war bei 37 Grad Celsius im Schatten und relativ hoher Luftfeuchte im Dickbusch körperlich sehr anstrengend und eine tatsächliche Herausforderung. Ich bin wirklich froh, dass alles erfolgreich und mit den notwendigen Jagdglück geendet hat“, zitiert die FAZ den Umweltbeamten Udo Wedekind.

Seit diesem Jahr vergibt die Regierung von Botswana keine Jagdlizenzen mehr für schießwütige Großwildjäger. Ausnahmen können in privaten Gehegen mit Wildbestand bestehen. In anderen Ländern Afrikas wie Namibia, Südafrika und Tansania können Menschen, die Spass am Töten bedrohter Tiere haben, allerdings mit "Ausnahmeregelungen" weiter auf Elefanten, Nashörner, Büffel, Löwen und Leoparden (big five) schiessen.

Die österreichische Firma Jagd Royal bietet beispielsweise exklusive Jagdsafaris in zahlreichen afrikanischen Ländern an, auf denen die Kunden die "big five" abknallen können.

Auch das Washingtoner Artenschutzabkommen ermöglicht in diesen Fällen, dass die Trophäen heimgebracht werden können (Arten auf dem Anhang I). Und bei Arten, die auf dem Anhang II gelistet sind, ist keine Importgenehmigung notwendig. Viele Jäger schmücken mit den erlegten Tierkadavern ihre Wohnzimmer und prahlen damit gegenüber anderen Sinnesgenossen.

Im April 2012 sorgte schon die Elefantenjagd des spanischen Staatsoberhauptes und damaligen WWF-Ehrenpräsidenten, König Juan Carlos, weltweit für Entsetzen und Unverständnis. Auch der Monarch hatte in Botswana einen Elefanten erlegt und posierte auf Fotos vor dem Tierkadaver.

Die US-Journalistin Melissa Bachman sorgte Ende vergangenen Jahres für große Empörung. Sie betreibt die Fernsehshow Winchester Deadly Passion für Jäger und Waffenfans und brüstete sich u.a. damit, in Südafrika einen Elefanten geschossen zu haben.

Vom 2. bis 4. Dezember fand in Botswana eine internationale Konferenz zum Schutz der Elefanten statt. Vertreter aus 30 Ländern nahmen an der Veranstaltung teil, Deutschland war mit sechs Fachleuten vertreten. Es wurden zahlreiche  Sofortmaßnahmen zum Schutz der bedrohten Elefanten beschlossen, viele weitere müssen dringend verabschiedet und umgesetzt werden, vor allem gegen den Elfenbeinhandel.

Weitere Aktion von Rettet den Regenwald: Rettet die Elefanten Tansanias

Artikel von ProWildlife: Elefanten: Schützen oder töten? Elfenbeinhandel und Abschusspläne gefährden Elefanten

UN Bericht auf Englisch: Elephants in the dust – The African Elephant crisis

An­schreiben

An: Umweltminister Jürgen Reinholz, Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz; Postfach 90 03 65; 99106 Erfurt; Tel. 0361-37 900; Fax: 0361-37 98 800; poststelle@tmlfun.thueringen.de

Sehr geehrter Herr Umweltminister Reinholz,

es bestürzt mich sehr, dass der Spitzenbeamte des thüringischen Umweltministeriums, Udo Wedekind, in Afrika einen Elefanten geschossen hat, wie etliche Medien berichteten.

Ein noch größerer Skandal ist es, dass Ihre Regierung offenbar die Trophäenjagd auf bedrohte Tiere in Afrika als Privatangelegenheit ansieht. Der Sprecher des thüringischen Umweltministeriums wird in der Presse mit den Worten zitiert, „dass es nicht von Interesse sei, was Beamte in ihrer Freizeit täten - so lange sie sich an Recht und Gesetz hielten.“

Jagdsafaris in Afrika und das Töten bedrohter Elefanten als Freizeitspaß sind auf keinen Fall mit der Arbeit deutscher Ministerien vereinbar. Das Umweltministerium ist sogar für den Artenschutz zuständig.

Ich fordere Sie daher auf, Herrn Udo Wedekind sofort seines Amtes zu entheben. Großwildjäger gehören nicht in deutsche Ministerien oder Behörden.

Mit freundlichem Gruß