Bitte unterschreibt gegen die Abholzergesetze

Yanomami mit Kind Die Yanonami sind eins der 240 Indianervölker Brasiliens (© Wikimedia/Cmacauley (CC BY-SA 3.0))

Der brasilianische Amazonasregenwald ist in höchster Gefahr. Die seit dem 12. Mai amtierende Übergangsregierung will die Umweltgesetze massiv aufweichen. Die Territorien der Ureinwohner und die Regenwaldschutzgebiete sollen für Sojaplantagen, Rinderweiden, Staudämme und Bergbauvorhaben Platz machen. Bitte unterzeichnen Sie die Petition

Appell

An: Brasilianische Regierung, Senat und Abgeordnetenkammer

„Die brasilianischen Regenwaldindianer kämpfen um ihr Überleben. Das PEC 215 bedroht den Wald und die Indianer“

Ganzes Anschreiben lesen

„Die Übergangsregierung ist nur für kurze Zeit im Amt. Wir Indigene sind dagegen für immer da“, erklärt Leila Rocha vom Volk der Guarani Kaiowa. Mit diesem Leitspruch protestieren die brasilianischen Ureinwohner vor dem Parlament in der Hauptstadt Brasilia. Mit einem offenen Schreiben wenden sie sich an den Interimspräsidenten Michel Temer.

Dessen Kabinett alter Männer weisser Hautfarbe hat am 12. Mai die politische Macht in Brasilien übernommen – zunächst für 180 Tage. Sie wollen die Wirtschaft ankurbeln, die Steuern für Reiche senken, die Sozialprogramme kürzen und die Landrechte der Ureinwohner rückgängig machen. Gegen ein Drittel der Minister laufenden Korruptionsverfahren.

Landwirtschaftsminister wurde der Milliardär Blairo Maggi. Dessen Familie bewirtschaftet 4.000 km² Land, eine Fläche vier Mal so groß wie Berlin. Der Sojakönig von Brasilien gilt als einer der schlimmsten Abholzer des Amazonas-Regenwaldes.

Schon seit Jahren kämpfen die brasilianischen Indigenen gegen eine von der Agrarindustrie vorangetriebene Verfassungsänderung mit dem Kürzel PEC 215. Sie soll es ermöglichen, dass die staatlichen und indigenen Schutzgebiete vom Parlament aufgehoben werden können.

Schon mehrmals konnten die Ureinwohner PEC 215 stoppen. Sie besetzten den Kongress in Brasilia, ihre Demos verhinderten die Debatte im Parlament.

Nun soll auch die Prüfung von Umweltlizenzen geändert werden. Nicht mehr der Staat, sondern die Unternehmen sollen die Unbedenklichkeit von Bauvorhaben bescheinigen. Ein neues Bergbau-Gesetz steht ebenfalls auf der politischen Agenda.

Bitte helfen Sie die drohende Welle der Abholzungen zu vermindern und unterzeichnen Sie unsere Petition an die Regierung

Hinter­gründe

Brasilien hat das Übereinkommen Nr. 169 über indigene und in Stämmen lebende Völker (Indigenous and Tribal Peoples Convention) der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) unterzeichnet und ratifiziert (im Jahr 2002). In der Konvention verpflichten sich die Staaten, die Rechte der eingeborenen Völker zu schützen und ihre Unversehrtheit zu gewährleisten. Dazu gehören auch die Anerkennung der angestammten Territoren der Völker und der Schutz ihrer Lebensgrundlagen und Lebensweise.

Bereits 2012 hatte der brasilianische Kongress eine Änderung des Waldgesetzes (Código Florestal) beschlossen. Seitdem dürfen auch ökologisch und für den Wasserschutz besonders sensible Flächen wie die Uferstreifen entlang von Bächen und Flüssen sowie Steilhänge gerodet werden, um Platz für Ackerbau und Viehzucht zu schaffen.

Wälder speichern enorme Mengen Wasser und regulieren den Wasserstand der Flüsse. Ohne die schützende Vegetation fließt das Regenwasser rasch ab, die Böden trocknen aus.

Zudem erzeugen die Regenwälder einen großen Teil der Regenfälle selbst. Etwa Dreiviertel der Niederschläge im Amazonasgebiet stammen aus der Verdunstung der Vegetation, nur ein Viertel aus den vom Atlantik heranströmenden feuchten Luftmassen.

Auch der noch intakte Amazonasregenwald ist im Wandel begriffen, wie jüngste Studien belegen. Die Bäume im Amazonasgebiet wachsen langsamer, immer mehr sterben zudem ab, berichtet ein internationales Forscherteam in der Fachzeitschrift Nature. Die Ursachen sind nicht klar. Die Forscher nennen zwei Dürren 2005 und 2010 sowie höhere Temperaturen als mögliche Ursachen. Über einen Zeitraum von fast 30 Jahren haben Forscher auf 321 über das gesamte Amazonas-Gebiet verteilten Arealen die Entwicklung von Bäumen untersucht. Insgesamt wurden fast 200.000 Bäume vermessen sowie sterbende und neu nachwachsende Bäume erfasst.

Doch immer mehr Regenwald und andere Ökosysteme werden durch die Holzindustrie, für Siedlungen und vor allem für die Landwirtschaft abgeholzt. Der mit Abstand größte Wasserverbraucher ist die Agrarindustrie. Die riesigen Monokulturen mit Soja (25 Millionen Hektar), Zuckerrohr (10 Millionen Hektar), Orangenplantagen (3 Millionen Hektar) verbrauchen Dreiviertel des Wassers.

Nicht nur zur Erzeugung von Nahrungsmitteln und für Tierfutter, sondern auch für die Tankfüllungen der Autos werden Unmengen an Wasser verbraucht. Brasilien ist nach den USA der größte Ethanolproduzent. 

Während die Lage in Brasilien immer kritischer wird und Millionen Menschen gegen die Politik der Regierung protestieren, schaufeln sich die Politiker Korruptionsgelder in die Taschen. Umgerechnet 170 Millionen Euro Schmiergelder soll der staatliche Erdölkonzern Petrobras in die Kassen der Regierungspartei PT von Präsidentin Dilma Rousseff gezahlt haben. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Inzwischen wird gegen über 50 Politiker aus fünf Parteien ermittelt. DieSumme von Schmiergeldzahlungen wird auf umgerechnet drei Milliarden Euro geschätzt.

Den Wassermangel bekämpfen die Politiker, indem sie öffentlich zu Gott beten. Zudem wollen sie neue Stauseen bauen, und einige sind sogar auf die Idee gekommen, den Amazonas anzuzapfen. Kanäle und Rohrleitungen sollen das kostbare Nass über Tausende Kilometer aus dem Regenwald in die Städte und die industrialisierte Landwirtschaft im Süden leiten.

Seit Ende März läuft in den brasilianischen Kinos der Film „A Lei da Áuga", zu deutsch das Gesetz des Wassers". Der Dokumentarfilm zeigt, wie wichtig die Wälder für den Erhalt der Wasserressourcen in Brasilien sind. Der Film beleuchtet auch die Auswirkungen der Änderung des Waldgesetzes auf die Ökosysteme und das Leben der Einwohner.

Weitere Informationen:

Webseite der Abgeordentenkammer zum Verfassungszusatz PEC 215

Spiegel, 19.3.2015: Treibhausgas CO2: Amazonas-Wälder nehmen weniger Kohlendioxid auf

Nature, 18.3.2015: Long-term decline of the Amazon carbon sink

FAZ, 12.3.2015: Korruption in Brasilien - Die schwarzen Kassen der Arbeiterpartei

Taz, 4.3.2015: Landnutzung in Brasilien - Der harte Kampf um den Regenwald

Spiegel, 26.2.2015: Verlorener Regenwald: Satellitenfotos zeigen immer schnellere Abholzung

Informationen zum Film „A Lei da Áuga“ auf Portugiesisch: https://aleidaaguafilme.wordpress.com/

Filmtrailer: http://bit.ly/aleidaaguatrailer

An­schreiben

An: Brasilianische Regierung, Senat und Abgeordnetenkammer

Sehr geehrte Damen und Herren Politiker,

bitte lehnen Sie den Verfassungszusatz PEC 215 und das neue Bergbaugesetz ab. Mit diesen Gesetzesänderungen verschärfen Sie die Landkonflikte, die Regenwaldzerstörung und den Wassermangel in Brasilien weiter.

Bitte setzen Sie sich für die Anerkennung der indigenen Territorien und den Erhalt der Wälder ein. Die Indianergebiete und der Amazonasregenwald dürfen nicht für kurzfristige Wirtschaftsinteressen geopfert werden.

Mit freundlichem Gruß

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