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RegenwaldReport 02/2005

Dammbruch bei der Weltbank

Weltbank finanziert wieder Megaprojekte wie den umstrittenen Nam Theun-Staudamm in Laos. Deutschland sitzt mit im Boot

Am 31. März 2005 hat Deutschland bei der Weltbank für einen neuen Mega-Staudamm in Laos gestimmt. Der umstrittene 1,3 Milliarden US Dollar teure Nam Theun 2 Staudamm bedroht die Lebensgrundlage von bis zu 120.000 Menschen. Umweltorganisationen kritisieren, dass die Bundesregierung mit dieser Entscheidung eigene Prinzipien missachtet.

„Die Ministerin Wiezcorek-Zeul behauptet immer, sie würde nur solche Dämme unterstützen, von denen die Bevölkerung vor Ort tatsächlich profitiert. Das Nam Theun 2-Projekt setzt die Bevölkerung vor Ort großen Risiken aus. Das teure Projekt kann zudem für die gesamte laotischen Bevölkerung zum Schuldenklotz am Bein werden“, erklärt Ann Kathrin Schneider vom International Rivers Network.

Der 48 Meter hohe Nam Theun 2 Staudamm soll in Zentrallaos am Theun Fluss gebaut werden, einem Nebenfluss des Mekong. Bauherren sind Electricite de France und zwei thailändische Unternehmen in Zusammenarbeit mit der laotischen Regierung. Der Staudamm wird über 6.000 Menschen direkt vertreiben und die Lebensgrundlage von bis zu 120.000 Menschen zerstören, die flussabwärts von dramatisch zurück gehenden Fischbeständen betroffen sein werden. Die Rücknahmeproduzierte Energie soll an Thailand verkauft werden und zu einer Steigerung der laotischen Staatseinnahmen beitragen. Nichtregierungsorganisationen bezweifeln jedoch, dass die Einnahmen tatsächlich zur Armutsbekämpfung eingesetzt werden. „Die Weltbank selbst bewertet die laotische Regierung sehr kritisch, was gute Regierungsführung betrifft. Auch lassen die bisherigen Erfahrungen mit Staudämmen in Laos nichts Gutes hoffen: dort hat sich die soziale Lage der Damm-Betroffenen deutlich verschlechtert, und sie warten vergeblich darauf, dass die Regierung etwas dagegen unternimmt“, erläutert Regine Richter von urgewald.

Mit Nam Theun 2 steigt die Weltbank wieder in die Finanzierung von großen Infrastrukturprojekten ein. Der geplante Damm in Laos verstößt dabei gegen zahlreiche Empfehlungen der Weltstaudammkommission. Diese Tatsache und die Wahl des stellvertretenden US-Kriegsministers Paul Wolfowitz zum neuen Präsidenten der Weltbank machen einen neuen Trend deutlich: Die Weltbank wird wieder stärker Mega-Projekte fördern ohne Rücksicht auf betroffene Menschen und Umwelt. Statt Armut zu bekämpfen, die eigentliche Aufgabe der Bank, werden die Armen bekämpft.