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Indonesien

Wir pflanzen Bäume für die Orang-Utans

Die Gruppe der Baumpflanzer. Im Hintergrund ein Orang-Utan Basuki (l.) und die Freunde des Nationalparks. Immer dabei: Orang-Utan-Weibchen Julie (© Save our Borneo)

Im Süden der Insel Borneo kämpfen Naturschützer für einen ganz besonderen Schatz: den Tanjung Puting Nationalpark. Er ist ein 4.000 Quadratkilometer großes Mosaik aus artenreichen Tropenwaldlandschaften, Heimat der seltenen Nasenaffen und Schutzgebiet für 6.000 Orang-Utans. Dennoch zerstören Palmölfirmen diesen Wald – auch für unseren Biosprit. Die „Freunde von der Nationalpark-Stiftung“ forsten den Regenwald wieder auf. Immer dabei: Orang-Utan Julie, die sie einst vor den Bulldozern retteten.

Das Haus ist von Kopf bis Fuß grün. Es wird von einer kleinen Baumschule umgeben und hat den Tanjung Puting Nationalpark im Blick. Basuki Budi Santoso und seine Freunde von der Nationalpark-Stiftung haben ihr Büro selbst gebaut; zwei Jahre lang wurde gemauert, gezimmert und gestrichen – für einen Ort, an dem sich Naturschützer, Förster, Forstpolizisten und Einwohner beraten können. Sie alle eint ein gemeinsames Ziel: den Nationalpark vor Raub und Zerstörung zu beschützen.

Basukis Herz schlägt für den Wald. Deshalb verließ der Indonesier vor mehr als 20 Jahren seine Heimatinsel Java, auf der es längst kaum mehr Bäume als Menschen gab. „Ich bin nach Borneo gezogen, um Forstwirtschaft zu studieren und mein Wissen über den Wert und den Schutz der Regenwälder weiterzugeben. Ich lebte hier so gern mitten im Wald. Doch dann kam der Konflikt.“

Wir pflanzen Bäume für die Orang-Utans Mit einfachen Wasserbehältern bekämp-
fen die Umweltschützer die Flammen.
Die Feuer haben rund 90.000 Hektar im
Tanjung Puting Nationalpark zerstört

Den Konflikt brachten Palmölfirmen um das Jahr 2004. Weltweit steigt die Nachfrage nach dem tropischen Pflanzen-öl: für industrielle Nahrungsmittel und für Biosprit in unseren Dieseltanks. In Indonesien, dem weltgrößten Palmöl-Exporteur, ist das Land für die Plantagen knapp geworden – und so machen die Bulldozer selbst vor einem der letzten Zufluchtsorte der Orang-Utans nicht halt: dem Tanjung Puting Nationalpark.

Eine der dort operierenden Palmölfirmen gehört dem indonesischen Unternehmen Bumitama Agri Ltd., das auf Borneo und Sumatra 153.268 Hektar Palmölplantagen betreibt. Im Mai 2013 habe eine Bumitama-Tochter angefangen, im Nationalparkgebiet Wald abzuholzen und Ölpalmen zu pflanzen – offenbar ohne die nötigen Genehmigungen. Das berichten Einheimische der Hamburger Filmautorin Inge Altemeier. Die Fernsehjournalistin war im Sommer 2014 nach Tanjung Puting gereist, um zum wiederholten Mal den Zusammenhang zwischen der Regenwald-Abholzung und unserem Palmöl-Konsum aufzuzeigen. „Orang-Utans in Gefahr – tanken wir ihre Heimat kaputt?“ heißt der Titel ihrer ZDF-Reportage.

Holz- und Palmölfirmen haben durch Brandrodung ihre Plantagen erweitert

Wir pflanzen Bäume für die Orang-Utans Aufgeforstet werden nur Pflanzenarten,
die im Park heimisch sind. Eisenholz,
Mahagoni und Meranti wachsen zu
wahren Urwaldriesen heran

„Bumitama hat sich darauf berufen, dass die offiziellen Grenzen zwischen dem Forstministerium in Jakarta und den lokalen Behörden nicht klar seien.“ Dem ZDF gegenüber behauptet die Firma, „alle notwendigen Genehmigungen“ gehabt zu haben. Allerdings musste sie zugeben, auch 80 Hektar in der Kernzone des Parks erschlossen zu haben – aus Versehen. Sie gab das Land schwer zerstört zurück.

„Wir haben diesen Wald wieder aufgeforstet. Doch dann ist er abgebrannt.“ Das berichtete Basuki der Filmautorin, als sie Tanjung Puting im November 2015 erneut besuchte. Die Feuer, die in Indonesien mindestens 20.000 Quadratkilometer Regen- und Torfwald zerstörten, schwelten noch immer. Vor allem Palmöl- und Holzfirmen haben durch Brandrodung ihre Plantagen erweitert. Auch auf dem Bumitama-Gelände in Tanjung Puting hat es gebrannt. „Es gibt viele Hinweise und Belege auf Satellitenbildern, dass dort ein großes Feuer gelegt wurde“, so Altemeier.

Immer wieder wird der Parkförster gerufen, um Orang-Utans zu retten

Wir pflanzen Bäume für die Orang-Utans Kannenpflanzen fangen Insekten. Diese
Art (nepenthes gracilis) gedeiht nur
auf Borneo, Sumatra und Sulawesi

Basuki und 150 Freiwillige haben zwei Monate lang im Wald gelebt, um mit Palmwedeln und einfachen Wasserkanistern Brände zu löschen. Jetzt sind sie dabei, im Park neue Bäume zu pflanzen, die sie rund um ihr Bürohaus aufgezogen haben. Begleitet und neugierig beäugt von Orang-Utan-Weibchen Julie. Nationalpark-Förster Fajar Dewanto hat sie einst von der Bumitama-Plantage gerettet und nun begleitet sie die Menschen durch den Wald – zusammen mit ihrem Baby, das im letzten Oktober zur Welt kam.

Immer wieder werden Fajar und seine Freunde gerufen, um Orang-Utans zu retten, weil ihr Wald zerstört wurde. Nach den Bränden, so Fajar, wurde es noch schlimmer. „Weil die Tiere kein Futter mehr finden, kommen sie in die Dörfer und fressen die Gärten und Felder leer. Wir werden dann gerufen, um die Affen zu retten.“

Wir pflanzen Bäume für die Orang-Utans

Indonesien will noch mehr Palmöl im Tank

Das südostasiatische Land wird seine Palmölproduktion massiv steigern und weitere Regenwälder opfern. Vor allem für Bioenergie.

Palmöl und Biosprit

Indonesien will seine Wirtschaft weiter ankurbeln – dazu gehört auch die Ausweitung der Palmölproduktion. Sie soll bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent steigen. Für die benötigten Plantagen werden laut Regierung weitere Wälder gerodet. Schon jetzt wachsen in Indonesien Palmölplantagen offiziell auf 10,3 Millionen Hektar. Umweltschützer sprechen sogar von 14,5 Millionen Hektar. Palmöl soll vor allem in die indonesischen Dieseltanks. Deshalb werden Biotreibstoffe und Biodieselfabriken massiv subventioniert. Gewinner sind die großen Multis. Schon jetzt beträgt die Beimischungsquote von Biodiesel 20 Prozent und soll noch auf 30 Prozent steigen.

Bitte unterschreiben Sie unsere Online-Petition an Präsident Joko Widodo: www.regenwald.org/aktion/986

Holz und erneuerbare Energien

Neben Kohle und Gas wird der Anteil erneuerbarer Energien ausgebaut – vor allem Wasserkraft, Geothermie und Biomasse. Für die Verbrennung von Biomasse sind neue Holzkraftwerke und 300.000 Hektar Holzplantagen in Planung – eine weitere Bedrohung für den Regenwald und die Landrechte indigener Gemeinschaften.



„Wir müssen noch viele Bäume pflanzen. Wo sollen die Tiere sonst leben?“

Wir pflanzen Bäume für die Orang-Utans Eisvögel, wie dieser Storchschnabelliest, gehören zu den 220 Vogelarten im
Nationalpark. Sie leben an den bewaldeten Ufern von Flüssen und dem Meer

Bumitama Agri Ltd. ist Mitglied beim RSPO, dem „Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl“, und rühmt sich seiner Verantwortung für die lokalen Gemeinden und die Umwelt. Dennoch gehen beim RSPO Beschwerden ein, dass Bumitama die Landrechte der Bevölkerung verletzt. 2014 wurde die Firma sogar vor dem Obersten Gerichtshof Indonesiens wegen unrechtmäßiger Rodung von 7.000 Hektar Primär-regenwald verurteilt.

Anteilseigner und Kunde von Bumi-tama ist die IOI-Gruppe aus Malaysia. IOI beliefert Konsumgüterkonzerne wie Nestlé und Unilever sowie den finnischen Biosprit-Hersteller Neste Oil. Somit fließt Palmöl aus den Rodungen in und um Tanjung Puting auch in unsere Lebensmittel, Haushaltsreiniger und Autotanks. Mit Nachhaltigkeits-Zertifikat.

„Es kann doch einfach nicht sein, dass wir eine Menschenaffenart zu verlieren drohen, weil wir meinen, wir bräuchten Biosprit“, empört sich Professor Manfred Niekisch, Leiter des Frankfurter Zoos, vor der ZDF-Kamera. Niekisch berät Bundesregierung und EU beim Naturschutz. „Mir ist wirklich ein Rätsel, warum trotzdem, nach Jahren der Diskussion in der EU, nichts geändert wird.“ Wir wollen seit Jahren, dass sich etwas ändert. Bitte beteiligen Sie sich an unserer Petition an Ministerin Barbara Hendricks (Seite 9).

Basuki und seine Freunde können auf die Entscheidung der EU nicht warten. Sie forsten unermüdlich weiter auf – damit aus der Asche neue Bäume wachsen. „Die Tiere haben ja sonst nirgends einen Platz, wo sie leben können.“

Wir pflanzen Bäume für die Orang-Utans Für die 6.000 Orang-Utans von Tanjung Puting schrumpft der Lebensraum durch Brände und Rodungen. Ein erwachsenes Tier braucht 150 Hektar zum Sattwerden. Im Park leben noch 9 weitere Primatenarten – darunter die seltenen Nasenaffen



Ihre Spende hilft

Die „Freunde der Nationalpark-Stiftung“ wollen Tausende neue Bäume im Tanjung Puting Nationalpark pflanzen, um den Tieren den Lebensraum zurückzugeben. Palmölfirmen und die Feuer des vergangenen Jahres haben große Teile zerstört. Die Setzlinge ziehen sie in ihrer eigenen kleinen Baumschule. Bitte unterstützen Sie die Umweltschützer mit Ihrer Spende. Die Kosten für die Aufzucht der Setzlinge und die Aufforstung betragen pro Tag etwa 26 Euro.

Spendenstichwort: Tanjung Puting