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Peru

Wir brauchen Regenwald ohne Grenzen

Montage: Ein Gelbbrustara fliegt über einer palmölplantage in der Luft Gelbbrustaras ernähren sich von den Früchten, Nüssen und Beeren der Regenwälder. Wenn diese verschwinden, ist auch der Bestand der 80-90 Zentimeter großen Vögel in Gefahr (© Luc Viatour/CC BY-SA 3.0)

Seit Generationen lebt das Volk der Shipibo ungestört im peruanischen Amazonas-Regenwald. Doch jetzt werden ihre Urwaldpfade immer mehr von Ölpalmplantagen versperrt. Die Ureinwohner fordern ihr Land zurück und bitten um Hilfe. Rettet den Regenwald hat sie besucht

Langsam knattert der Einbaum den Aguaytía in Peru hinauf. Eine Flussschleife folgt der nächsten. An den Ufern wuchern Palmen und Riesenbambus, dahinter erhebt sich Regenwald. Im Amazonastiefland von Ucayali sind die Grenzen zwischen Wasser und festem Grund fließend. Der Strom ändert ständig seinen Lauf. Mal spült er aus Sedimenten neues Land auf, mal bahnt er sich ein neues Flussbett durch den Dschungel.

„Bald müssen wir unser Dorf verlegen“, erklärt mir Joel. Er ist der Präsident der Gemeinde Santa Clara de Ushunya, dem Ziel unserer Reise. „Wir Shipibo leben hier inmitten einer Schleife des Aguaytía. Der Fluss nagt an unserer Insel, von den verbleibenden 280 Hektar Land können die 53 Familien nicht leben. Früher war das kein Problem. Wir hatten unser Territorium im Urwald und konnten ausweichen. Jetzt geht das nicht mehr“, sagt Joel, und seine Stimme klingt bitter.

Eine riesige Palmölplantage hätte ihre Pfade durchtrennt. 5.200 Hektar ihres angestammten Lands soll die Firma Plantaciones Pucallpa abgeholzt haben. Sie dürften die Rodung nicht einmal durchqueren. Statt tropischer Artenvielfalt gibt es nun endlose Reihen von Ölpalmen. Das Konzert der Brüllaffen, Aras und Baumfrösche ist jetzt für immer verstummt.

Wir brauchen Regenwald ohne Grenzen Der Dorfchef von Santa Clara will die
Urwaldgemeinden im Widerstand gegen
Palmölplantagen vernetzen

Die Shipibo erzählen uns von ihrem Widerstand. Auch der Sender Panamericana, die Agentur Servindi und die Zeitung El Comercio berichten vom Protest der Indigenen.

Wenige Kilometer weiter südwestlich zerstört eine weitere Palmölfirma, Plantaciones Ucayali, großflächig Urwald. Dies belegen die von Wissenschaftlern des MAAP-Projekts veröffentlichten Auswertungen von Satellitenfotos. Die Regionalregierung soll Tausende Hektar Land an das Unternehmen verkauft haben, informiert die Agentur Inforegion.

Die Studie „Deforestation by definition“ der Umweltorganisation EIA bringt den US-Amerikaner Dennis Melka mit den beiden Palmölprojekten in Verbindung. Insgesamt 25 in Peru gegründete Plantagenfirmen seien demnach seiner Gruppe zuzuschreiben. Das soll offenbar nur der Anfang sein. 96.192 Hektar Palmölplantagen seien beantragt, schreibt EIA.

Wir brauchen Regenwald ohne Grenzen Luftaufnahmen offenbaren das ganze
Ausmaß der Katastrophe. In der Region
Ucayali plant die Regierung weitere
Palmölplantagen im Amazonasregenwald

Die Shipibo müssen kämpfen. Sie haben keine andere Wahl zum Überleben

Gegen Manager von Plantaciones Ucayali sowie gegen staatliche Funktionäre und den ehemaligen Regionalpräsidenten von Ucayali wird ermittelt – bis hin zum Höchsten Gericht in Lima, schreibt das Justizministerium. In Ucayali verhängte das Höchste Gericht nach Angaben der peruanischen Nachrichtenagentur Andina einen Arbeitsstopp gegen die Firma.

Doch die Verfahren kommen nur sehr langsam voran. Der Justizapparat ist offenbar überlastet, es fehlt an politischer Rückendeckung. Die Shipibo kämpfen weiter. Sie haben keine andere Wahl zum Überleben.

Ihre Spende hilft

Die Palmölfirmen kamen urplötzlich. Die Shipibo fühlten sich total überrumpelt. Nun haben sie reagiert. Mit umgerechnet 2.000 Euro hat Rettet den Regenwald bereits eine Vollversammlung aller betroffenen Dörfer unterstützt. Denn nur vereint können die Menschen den ungleichen Kampf gewinnen. Nun brauchen sie Spenden für einen Anwalt, Gerichtsverfahren, Fahrten in die Stadt Pucallpa und nach Lima. Bitte helfen Sie.

Spendenstichwort: Peru–Netzwerk gegen Palmölplantagen