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Peru

Die Wegbereiter der Abholzung

Luftaufnahme Urwälder in der Nähe des Amazonas-Dorfes Tamshiyacu in Peru Auf der Luftaufnahme erkennt man gut, wie sich die Kahlschläge für riesige Plantagen in die Urwälder hineinfressen. Sie liegen in der Nähe des Amazonas-Dorfes Tamshiyacu in Peru

In Peru sollte der Anbau von Drogen durch Palmöl und Kakao ersetzt werden – so die Idee der Vereinten Nationen. Die Realität sieht anders aus: Palmöl und Kakao verdrängen den Regenwald. Ausführlich dokumentiert ist das Desaster im TV-Report „Steuergelder für die Kokain-Mafia? UN-Mitarbeiter unter Verdacht“ und im Zeit-Artikel „Der König im Kokaland“.

Es begann vor gut 30 Jahren: Der Deutsche Hans-Jochen Wiese kam nach Peru, um für die Vereinten Nationen (UN) als technischer Leiter ein „Alternatives Entwicklungsprogramm“ aufzubauen. Damit wollen die UN Kleinbauern motivieren, Ölpalmen, Kakao oder Kaffee für den Weltmarkt zu pflanzen – statt Koka für die Drogenmafia. Fast einhundert Millionen US-Dollar hat die Behörde zur Drogen- und Verbrechensbekämpfung UNODC in das Programm investiert.

Während dieser Zeit nahmen insgesamt 27.000 Bauern an dem Programm teil. Sie wurden in Kooperativen zusammengeschlossen; Palmölmühlen und Verarbeitungsbetriebe entstanden. 150 Millionen Dollar sollen die Projekte allein über den Export erzielen.

Das klingt nach einem großen Erfolg. Doch die befragten Bauern klagen über zu niedrige Preise – sie werden ihnen von den Abnehmern diktiert. „Zuerst glaubten wir an die Versprechungen der UN-Leute. Ich hoffte, das ist eine gute und nachhaltige Alternative zu Koka. Später wurde mir klar, dass unter dem Deckmantel der Vereinten Nationen eine Gruppe von Kriminellen zu uns gekommen ist“, erklärt Victor Barral, Bauer in Aguaytía am Rande des Amazonasbeckens. „Unserer Meinung nach erfüllten die UN-Funktionäre ihre eigentliche Aufgabe nicht. „Sie haben sich auf unsere Kosten bereichert.“

Baumaschinen Bei Tamshiyacu räumen Baumaschinen den Wald für Straße und Plantagen ab (© York Hovest)

Trotz der Riesensummen staatlicher Gelder - darunter viele Millionen aus Deutschland und von der EU – ist Peru mit Kolumbien zum größten Kokaproduzenten aufgestiegen. Statt den Drogenanbau einzudämmen, werden jetzt weitere Regenwälder abgeholzt – für Koka und für Industrieplantagen.

Als Berater haben die UN Investoren nach Peru geholt, darunter den US-Amerikaner Dennis Melka. Dieser hatte bereits im Regenwald von Sarawak auf Borneo die Palmölfirma Asian Plantations aufgebaut. Nach dem Ende seines Beratervertrags bei den UN soll Melka ein Netzwerk von etwa zwei Dutzend Firmen geschaffen haben. Sein Ziel in Peru seien Tausende Hektar industrielle Monokulturen mit Ölpalmen und Kakao, berichtet die Umweltorganisation EIA. Etwa 15.000 Hektar Urwald soll die Melka-Gruppe schon in Plantagen umgewandelt haben, wie Wissenschaftler anhand von Satellitenaufnahmen belegen.

Auf der Fahrt von Aguaytía nach Pucallpa, der Hauptstadt der Region Ucayali, ist der Palmölboom unübersehbar. Statt Regenwald sprießen überall Ölpalmen. Vier qualmende Ölmühlen säumen die Landstraße. Die größte davon, Olamsa, wurde mit UN-Geldern errichtet. Auch Melka soll bereits den Bau von zwei Ölmühlen beantragt haben.

Tamandua Der Tamandua ist ein kleiner Verwandter der Ameisenbären und kann hervorragend klettern und schwimmen. Er gehört zu den 430 Säugetierarten Amazoniens (© Luis Alejandro Cisneros, CC BY-SA 3.0)

Ehemals leitende Angestellte des UN-Programms arbeiten jetzt offenbar für den Investor. Ihr Insiderwissen und ihre Kontakte sollen eine zentrale Rolle bei seinen Projekten spielen. Der langjährige Projektleiter für die UN-Palmölplantagen, Alfredo Rivera, ist nun der Generalmanager von Firmen der Melka-Gruppe. Er arbeitete bereits für Melka, als er noch sein Gehalt von den UN bekam, so die TV-Reportage.

Aber auch gegen Hans-Jochen Wiese werden schwere Vorwürfe erhoben. In Pucallpa treffen wir uns mit Pablo Ramírez Mori. Der Funktionär aus dem Landwirtschaftsministerium war jahrelang zuständig für die Vergabe von Landtiteln. 2010 hat er im Auftrag der Regionalregierung von Ucayali geschützten Regenwald für Dennis Melka vermessen.

„Ich wurde zu dem Treffen bestellt. Ich bin hingefahren und wir besprachen die Sache. Rivera war dabei, Melka und Herr Wiese“, sagt Ramírez Mori. „Ich sollte Flächen ausweisen, die für den Anbau von Ölpalmen geeignet sind. Zusätzliche Flächen. Denn Melka wollte auf insgesamt 100.000 Hektar kommen. Wiese hat sich darauf beschränkt, zuzustimmen.“

Die Vereinten Nationen schweigen zu den Vorwürfen. Man habe interne Ermittlungen eingeleitet, äußere sich aber nicht zu den Verfahren, so die Antwort.

Die UNODC, deren Aufgabe es ist, den Drogenhandel, die Geldwäsche, Korruption und das organisierte Verbrechen zu bekämpfen, deckt offenbar die Machenschaften ihrer Mitarbeiter. Die zahlreichen Untersuchungs- und Gerichtsverfahren gegen die Melka-Gruppe und staatliche Funktionäre in Peru unterstützt sie nicht. Sie beteiligt sich auch nicht daran, den Einwohnern bei der Beseitigung der angerichteten Schäden zu helfen.

Bitte unterschreiben Sie unsere Petition an die Vereinten Nationen:
www.regenwald.org/petitionen/1067/

Dort auch Links zu Film und Zeit-Artikel

Buchtipp

Buchtipp

Seine Reise zu den Hütern des Waldes führt den Fotografen York Hovest nach
Peru, Brasilien, Venezuela und Ecuador – zu den Ureinwohnern, die ihm ihre verborgene Welt geöffnet haben. Nach 220 Seiten mit fantastischen Bildern und Geschichten weiß jeder, warum wir die Amazonaswälder schützen müssen. Im Shop S. 15.