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Amazonas-Regenwald Peru

Der Widerstand aus dem Urwald

Bewohner von Tamshiyacu Entschlossen verteidigen die Bewohner von Tamshiyacu ihren Wald – für die Schutzgebiete markieren sie Grenzbäume (Foto ganz unten) (© Angelika Kotzur)

Mit vielfältigen Aktionen wehren sich die Menschen gegen Abholzung und Zerstörung. Rettet den Regenwald hilft bei Regenwaldkauf, ökologischer Landwirtschaft, Demos und beim wichtigen und unverzichtbaren Kampf der Juristen und Anwälte.

Der erste Hilferuf aus dem Amazonas-Regenwald von Peru erreichte uns 2013. Angelika Kotzur berichtete, dass Bulldozer und Motorsägen die Stille des Dschungels zerrissen. Tag für Tag, von morgens bis abends – nur wenige Kilometer von ihrem Haus entfernt. Die Heilpraktikerin aus Deutschland war einige Jahre zuvor in die unberührte Natur gezogen, um mit ihrem peruanischen Mann Francisco Guerra Tanata in der Nähe des Dschungeldorfes Tamshiyacu einen Ort der Heilung zu schaffen. Francisco ist Schamane; gemeinsam behandeln sie dort Menschen mit traditioneller Urwald-Medizin.

Als sich herausstellte, dass die Firma Cacao del Peru Norte des US-Investors Dennis Melka dabei war, Tausende Hektar Primärwald für Kakaoplantagen zu roden, schlugen Angelika Kotzur und Francisco Guerra Alarm und baten Rettet den Regenwald um Unterstützung. Zusammen mit ihrem Verein El Puente – Die Brücke organisieren sie seitdem den Widerstand vor Ort. Auch in der Bevölkerung ist der Rückhalt gewachsen: In der Provinzhauptstadt Iquitos protestiert regelmäßig ein breites Bündnis für den Erhalt des Amazonaswaldes. El Puente fordert von den staatlichen Institutionen, die großflächigen Rodungen zu stoppen.

Doch die Zeit drängt. Damit nicht noch mehr Natur verloren geht, kaufen unsere Partner Regenwald-Grundstücke, um Reservate einzurichten. Für dieses außergewöhnliche Projekt sammeln wir seit vielen Monaten Spenden. 205 Hektar konnten bereits gekauft werden. Weitere 100 Hektar kommen in den nächsten Monaten hinzu.

Inzwischen haben die Urwaldschützer eine kilometerlange Grenzmarkierung um die gekauften Grundstücke gezogen. Jetzt erfassen sie den Baumbestand auf den Grundstücken und übergeben die Daten an die Behörden, die dann das ganze Areal als Naturschutzgebiet registrieren.

Auch das neue ökologische Landwirtschaftsprojekt der Bauern von Tamshiyacu macht Fortschritte. Kleine Beete mit Gemüse sind angelegt.

Maniok und Bananen wachsen schon, der Boden wird für den biodynamischen Ackerbau vorbereitet. Immer mehr Leute fragen, ob sie im Projekt mitmachen oder dort lernen können.

Das Modell begeistert viele Menschen vor Ort. Die Nachbargemeinde Panguana 1 hat sich mit der Hilfe unserer Partner zur ersten Naturschutzgemeinde in der Region erklärt. Ihren ganzen Gemeindegrund haben sie für den Erhalt des Primärwaldes und für ökologische Landwirtschaft umgewidmet.

Hoatzin Der Hoatzin lebt an Fluss- und Seeufern und wird von den Amazonas-Bewohnern Stinkvogel genannt – der Grund ist wohl sein spezielles Verdauungssystem (© mongabay.com)

Mehrere hundert Kilometer weiter südlich kämpfen die indigenen Shipibo gegen die Palmölplantagen, angelegt von der Firma Plantaciones Pucallpa, die ebenfalls zur Firmengruppe von Dennis Melka gehört. „Wir wussten von nichts, niemand hat uns gefragt. Als der Lärm von Maschinen über den Fluß drang, sind wird hingerannt und haben es gesehen“, erzählt uns Alex. Er ist der Dorfchef von Santa Clara de Uchunya. „Vorher gingen wir hier auf die Jagd. Jetzt ist alles tot, die Pflanzen, die Tiere. Sie werden einfach plattgewalzt.“

Tief im Amazonas-Regenwald in der peruanischen Provinz Ucayali lebte das Volk der Shipibo seit vielen Generationen ungestört in Harmonie mit der Natur. Doch jetzt werden ihre Urwaldpfade immer mehr von Palmölplantagen versperrt. 52 Quadratkilometer ihres angestammten Landes wurden bereits von Holzfällern gerodet.

Das Land der Ureinwohner war nie im Grundbuch eingetragen. Dort stehen nun als Besitzer die Firmennamen des Palmölkonzerns. Die Indigenen haben den peruanischen Staat verklagt und sind bis ins entfernte Lima gereist, um ihr Land zurückzufordern. Rettet den Regenwald unterstützt die Shipibo mit Spenden, damit sie die anderen weit verstreut im Urwald liegenden Dörfer über die drohende Gefahr informieren und ihren Widerstand organisieren können.

Um die einzigartigen Amazonas-Regenwälder dauerhaft zu schützen, ist nicht nur die praktische Arbeit vor Ort wichtig, sondern auch die Erfassung und Auswertung von Daten und die Arbeit auf juristischer Ebene. Diese Aufgabe übernehmen unsere Partner von der Umweltorganisation Kené in Lima. Sie dokumentieren die Rodungen für Agrarplantagen und klären die rechtliche Lage. Kené berät die betroffenen Bauern, vertritt ihre Rechte vor Gericht, stellt Anwälte, bereitet Klagen vor und führt Prozesse. Außerdem schulen die Experten lokale Organisationen im Bereich Umweltschutz und betreiben Öffentlichkeits- und politische Lobbyarbeit in der Hauptstadt Lima.

Wir werden unsere Partner und Kämpfer für den Regenwald in Peru so lange unterstützen, bis ihre Heimat endgültig geschützt ist.

Mit Ihrer Spende können Sie helfen

Grenzbäume Markierung (© Angelika Kotzur)

Mit 10 Euro können unsere lokalen Partner zum Beispiel 200 Quadrat-meter Regenwald kaufen und bewahren. Dieser Betrag enthält auch die Kosten für Vermessung, Notar, Formalitäten und Behördengänge. Außerdem für die Pflege und Bewachung durch Patrouillen.

Spendenstichwort: Peru/Amazonaswald