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Indonesien

Unilever gegen Mensch und Natur

Orang-Utan mit Baby Ein erwachsener Orang-Utan braucht 1,5 Quadratkilometer intakten Regenwald, um sich zu ernähren. Von der Mutter lernt der Nachwuchs, welche Früchte und Blätter essbar sind, welche Kräuter Krankheiten heilen (© istock.com)

Sozial- und umweltverträglich sei der Anbau seines Palmöls – damit wirbt der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern. Doch dies ist ein leeres Versprechen: Unilever akzeptiert, dass sein Palmöllieferant Wilmar in Westkalimantan einen der größten Mangrovenwälder Indonesiens zerstören lässt. Dieser Fall ist nur einer von vielen. Fordern Sie von Unilever: Schluss mit Palmöl – kein Handel mit Raubbaufirmen!

Zwei Milliarden Menschen nutzen täglich ein Unilever-Produkt, verkündet der Konsumgüter-Gigant stolz auf seiner Website. Sein wichtigster Rohstoff für Rama, Pfanni, Knorr und Dove: Palmöl. Für dieses billige tropische Pflanzenöl werden Regenwälder vernichtet und Menschen von ihrem Land vertrieben. Doch der Konzern behauptet: „Unilever bezieht Palmöl aus nachhaltigem Anbau.“ Die Realität sieht anders aus: Immer wieder berichten unsere Partner in den Tropen von Naturzerstörung, Landraub und Vertreibung für Palmöl.

Auch Unilevers Lieferant, der weltgrößte Palmölhändler Wilmar International, kauft sein tropisches Pflanzenöl aus Regenwaldabholzung.

Abgebrannter Regenwald, Borneo Brandrodungen sind die billigste und schnellste Methode für Firmen, um Plantagen vorzubereiten (© BOS)

Einen der vielen Fälle von Kahlschlag und Gewalt für Palmöl haben unsere indonesischen Partner vom Netzwerk Link-AR Borneo in einem der wertvollsten Ökosysteme Südostasiens aufgedeckt: Die Mangroven- und Torfsumpfwälder im Distrikt Kubu Raya gehören zu den ausgedehntesten und artenreichsten Indonesiens. Ein Drittel aller 202 Mangrovenarten des Archipels wächst dort entlang der Süßwasserflüsse bis hin zum Südchinesischen Meer. Sie sind wichtiger Küstenschutz und auch Lebensraum und Kinderstube einer unglaublichen Vielfalt an Fischen; wasserliebenden Waldschildkröten geben sie Nahrung und Schutz. In den Kronen der Bäume hocken Nasenaffen, Orang-Utans und Fluggleiter; durchs Dickicht streifen Nebelparder und der bedrohte Binturong, ein Raubtier aus der Familie der Schleichkatzen. Erst vor einem Jahr sichteten Einheimische den sehr scheuen Finnenlosen Tümmler, das war eine kleine Sensation.

Doch die Schönheit und der unermessliche Wert dieser Natur halten skrupellose Geschäftemacher nicht zurück – längst sind Ölpalmplantagen in den Distrikt Kubu Raya gedrungen. Eine der Firmen ist PT Sintang Raya. 2007 begann sie mit der illegalen Abholzung der Torfwälder und Zerstörung der Felder von sieben Dörfern. Die Bevölkerung wehrte sich gerichtlich. Ihrer Anzeige gegen die Erteilung der Betriebserlaubnis wurde 2011 stattgegeben, 2012 durch eine höhere Instanz und 2014 vom Obersten Gerichtshof bekräftigt. Damit ist die 20.000 Hektar große Plantage Sintang Raya offiziell illegal.

Riesengleiter in Borneo Riesengleiter sind katzengroße Baumbewohner, nachtaktiv und Vegetarier (© istock.com)

Doch vor Ort änderte sich nichts, Terror und Einschüchterungen nahmen noch zu. Die Verzweiflung der Bevölkerung wandelte sich in Widerstand. Der Firma PT Sintang Raya gelang es, die Menschen zu kriminalisieren. Siebzehn Dorfleute wurden 2014 rechtskräftig zu Gefängnisstrafen verurteilt, weitere sind in Untersuchungshaft. Wegen des andauernden Terrors flüchteten die Bewohner der sieben Dörfer 2016 auf das Gelände der Menschenrechtskommission.

„Die Abholzung der Mangroven- und Torfwälder ist eine ökologische Kata­strophe“, sagt Agus Sutomo, Gründer von Link-AR Borneo. „Nicht nur die Natur, auch die Menschen leiden unter den Folgen. Zum Beispiel unter furchtbaren Überschwemmungen wie im Juli 2010, als ganze Dörfer und Felder betroffen waren. Die Sommerzeit bringt jetzt Dürren mit sich. Das Schlimme ist, dass in der Folge salziges Meerwasser bis in die Siedlungen dringt. Deswegen gibt es kein sauberes Trinkwasser mehr, die Ernten fallen geringer aus und besonders die Kokospalmen, von deren Kopra die Menschen hier leben, versalzen. Die Firma hat keine Umweltverträglichkeitsprüfung, holzt die Wälder ab und kümmert sich nicht um die Brandgefahr. Sie muss augenblicklich geschlossen werden.“

CIFOR-Forscher CIFOR-Forscher untersuchen, wie viel Kohlenstoff Mangroven speichern (© CIFOR)

Von PT Sintang Raya kauft Wilmar International und liefert das Palmöl an Konzerne wie Unilever. Und das ist kein Einzelfall. Im gleichen Distrikt agiert die Palmölfirma Rezeki Kencana, deren Palmöl ebenfalls über Wilmar in Unileverprodukte gelangt. Die indonesischen Umweltschützer fordern: „Wilmar und Unilever müssen die Verantwortung übernehmen für Landraub, Menschenrechtsverletzungen und die Zerstörung des einzigartigen Mangroven-Ökosystems von Kubu Raya, das nicht nur für uns, sondern für das gesamte Weltklima von Bedeutung ist.“

Mangroven speichern vier bis fünf mal mehr Kohlenstoff im Boden als dieselbe Fläche Regenwald. Das fanden die Forscher vom Center for International Forestry Research (CIFOR) aus Bogor auf Java heraus. Und weil Indonesien mit der größten Mangrovendichte der Erde gesegnet ist, wird dort ein Drittel aller Kohlenstoff-Vorkommen gespeichert; insgesamt 3,14 Milliarden Tonnen von zehn Milliarden weltweit. „Doch leider“, so die Forscher, „werden in Indonesien die Mangrovenwälder in einem Tempo vernichtet wie in keinem anderen Land. Für Landwirtschaft, Aquakulturen, Besiedelung und durch Übernutzung.“ So trägt der Kohlenstoff, der durch die Vernichtung der Mangroven in Indonesien als CO2 entweicht, immens zur Erderwärmung bei.

Nebelparder-Baum Nebelparder bewohnen Busch, Grasland und Mangrovensümpfe. Sie sind gefährdet, weil ihr Lebensraum schrumpft (© CC BY 2.0)

„Niemand leugnet, wie wichtig dieses Ökosystem sowohl für das Erdklima als auch den Lebensunterhalt der lokalen Bewohner ist“, sagt Nur Masripatin, Direktorin für Klimawandel im indonesischen Umwelt- und Forstministerium. „Davon müssen wir auch die Provinzregierungen überzeugen. Viele lokale Regierungen wissen nicht um den Wert der Mangroven und dass sie geschützt werden müssen.“

Nicht nur die indonesische Regierung ist zum Handeln verpflichtet. Auch die globalen Konzerne müssen ihre Verantwortung wahrnehmen und dürfen kein Palmöl oder andere Rohstoffe aus Naturzerstörung kaufen.

Bitte unterschreiben Sie unsere Petition an Unilever online unter www.regenwald.org/petitionen/1101/. Oder schreiben Sie selbst an den Konzern – einen Musterbrief finden Sie auf dieser Seite.

Musterbrief an Unilever

Unilever Deutschland
Holding GmbH
Geschäftsführung
Am Strandkai 1
D-20457 Hamburg

Sehr geehrte Damen und Herren, Ihr Unternehmen behauptet, nachhaltiges Palmöl zu beziehen. Doch immer wieder ist zu erfahren, dass Ihre Zulieferer illegal Regenwald abholzen lassen. Zum Beispiel PT Sintang Raya und PT Rezeki Kencana in der Provinz Westkalimantan auf Borneo und PT Agra Bumi Niaga im Leuser Ökosystem auf Sumatra. Diese Firmen beliefern Wilmar International und damit auch Ihren Konzern.

Bitte streichen Sie Palmöl endlich aus Ihrer Zutatenliste und beenden Sie die Geschäftsbeziehungen zu Raubbaufirmen.

Freundliche Grüße