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Regenwald Report 04/2019

Schutz für Westafrikas Schimpansen

Schimpanse klettert auf einen Baum, Liberia

Liberias Regenwälder genießen wegen ihrer Artenvielfalt Weltruhm: Vögel, Amphibien, Primaten; nur wenige Regionen der Erde beherbergen mehr Spezies. Zu den bekanntesten gehören zweifelsfrei die Schimpansen. Doch deren Überleben hängt am seidenen Faden.

Wenn sich Matthew Traore jetzt versteckt, bin ich verloren. Die Natur würde ihn verschlucken – und damit auch mich. Der Dschungel ist so dicht, wirkt so undurchdringlich, dass ein mitteleuropäischer Stadtmensch kaum eine Chance hat, sich ohne Waldläufer wie Matthew Traore zu orientieren. Selbstverständlich ist auf ihn Verlass. Und auf das GPS-Gerät in seiner Hand, seinem wichtigsten Arbeitsinstrument.

Ranger in Uganda Matthew Traore von der WCF hilft, den Lebensraum der Schimpansen zu erforschen. Mit dem GPS-Gerät markiert er die Fundorte von Nestern und Werkzeugen der Primaten (© Mathias Rittgerott/Rettet den Regenwald)

Wir befinden uns im Sapo Nationalpark in Liberia. Abgesehen von einer Holzhütte, zu der ein zugewucherter Pfad führt, gibt es in dem Park nichts – außer Natur! Und die ist atemberaubend.

Liberias Schatz

Mehr als 200 Baumarten wachsen hier und bilden ein dichtes Blätterdach. Durch den Dschungel zwängen sich Waldelefanten und Zwergflusspferde, im Geäst turnen Diana-Meerkatzen und Schimpansen. Mit 40 Prozent des „Upper Guinea Forest“ verfügt Liberia über einen unsagbar wertvollen Schatz. 

Nur wenn diese Regenwälder erhalten werden, haben die Schimpansen eine Überlebens-Chance. Ihr Lebensraum wird so rigoros zerstört, dass die Primaten auf der Roten Liste als „stark gefährdet“ geführt werden, die westafrikanische Unterart ist sogar vom Aussterben bedroht. Zwischen Ghana und Guinea leben noch höchstens 65.000 der Menschenaffen. In der Elfenbeinküste ist der Bestand um 90 Prozent eingebrochen. In Guinea und Liberia ist die Schimpansen-Population noch recht groß, doch auch um ihre Zukunft ist es schlecht bestellt: Die Mehrheit ist in Wäldern ohne jeglichen Schutzstatus daheim, wie übrigens ein Großteil bedrohter Tierarten.

Schimpansen Alle vier Menschenaffen-Spezies der Erde – Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans – sind stark bedroht, weil ihr Lebensraum zerstört wird. Schutzgebiete können helfen, sie vor dem Aussterben zu bewahren (© Public Domain)

Doch wie ernst meint es die Menschheit mit dem Naturschutz? Schließlich sind Schimpansen näher mit uns verwandt als jede andere Art. Die Primaten verfügen über mehr als tierische Instinkte: Sie zeigen Empathie, sie trauern um ihre Toten, sogar Männchen übernehmen soziale Verantwortung und adoptieren Waisenkinder. Die Vielfalt ihrer Verhaltensweisen zeigt, dass sie Kultur besitzen. Der Primatologe Professor Christophe Boesch hat bahnbrechende Studien dazu vorgelegt und aus Sorge um die Menschenaffen im Jahr 2000 die Wild Chimpanzee Foundation (WCF) gegründet. Mit Unterstützung von Rettet den Regenwald arbeitet die Organisation daran, Schutzgebiete einzurichten.

Schimpansen auf der Spur

WCF-Mitarbeiter Matthew Traore entdeckt auf seiner Tour im Sapo Nationalpark tatsächlich Spuren von Schimpansen: Hoch oben im Geäst erspäht er aus Zweigen geflochtene Nester, in denen die Tiere vergangene Nacht geschlafen haben dürften. Am Boden liegen verstreut Nussschalen, daneben Steine, die sie zum Knacken benutzt haben. Die Schimpansen selbst bekommen wir nicht zu Gesicht – sich in diesem Urwald zu verstecken, ist schließlich keine Kunst.

Aktiv werden! Helfen Sie mit

Schimpansen sind die nächsten Verwandten des Menschen – doch in Westafrika haben wir sie an den Rand des Aussterbens gebracht. Um sie zu retten, muss ihr Lebensraum geschützt werden. Das ist das Ziel der Wild Chimpanzee Foundation (WCF). 

Im Wald von Grebo-Krahn in Liberia ist ihnen das gelungen; die Regierung hat das Gebiet als Nationalpark unter Schutz gestellt. Mit Hochdruck arbeiten die Schimpansen-Schützer jetzt daran, dass dies auch in Krahn-Bassa passiert. In Guinea ist es zur Etablierung des vorgeschlagenen Moyen-Bafing Nationalparks noch ein weiter Weg – weil hier 5.000 Schimpansen leben, muss das Projekt gelingen!

Nötig sind dafür aufwendige – und teure – Studien über die Artenvielfalt. Die örtliche Bevölkerung wird eingebunden, Behörden und Politiker müssen überzeugt werden. Mit der Ausrufung eines Nationalparks ist die Arbeit nicht getan: Selbst in etablierten Reservaten wie dem Sapo Nationalpark müssen Ranger, die aus den Dörfern der Region stammen, durch den Wald patrouillieren und ihn vor illegalen Aktivitäten wie Wilderei, Holzeinschlag und der Suche nach Gold schützen.

Ihre Spende hilft, den Lebensraum von Schimpansen, Zwergflusspferden und Waldelefanten zu sichern. Vielen Dank!

www.regenwald.org/rr006 
oder über das Spendenformular auf der Heftrückseite