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Regenwald Report 02/2020

Bolsonaro lässt abholzen

Indigenendorf im Regenwald

Die indigenen Völker haben mit ihrer Lebensweise die Regenwälder bis heute erhalten und vor Eindringlingen verteidigt. Nun gibt Brasiliens Präsident Bolsonaro ihre Schutzgebiete zur Plünderung durch die Bergbau-, Holz- und Agrarindustrie frei.

Die Dörfer der Yanomami liegen weit verstreut im Regenwald – meist in der Nähe der Flüsse. Den Mittelpunkt bildet ein großes, rundes, gemeinschaftliches Wohn- und Schlafhaus, das innen offen ist und einen kleinen Platz umschließt. Privateigentum kennen und brauchen die Yanomami traditionell nicht. Der Urwald liefert ihnen alles, was sie benötigen.

Neben der Jagd, dem Fischfang und dem Sammeln von Honig, Früchten und Medizinalpflanzen bauen sie auf kleinen Rodungen eine Vielzahl von Pflanzen wie Kochbananen und Maniok an. Nach wenigen Jahren ziehen sie weiter, um ein neues Dorf und Felder anzulegen.  So kann die Natur die verlassenen Flächen schnell zurückerobern und sich erholen.

Indigene in Amazonas Gebiet Die Jagd erfordert jahrelange Übung und viel Geschick (© Nigel Dickinson/Alamy Stock Foto)

Beim Umweltschutz spielen die Regenwaldvölker und ihre Lebensweise eine ganz entscheidende Rolle – in Brasilien und weltweit. Ihre angestammten Gebiete decken sich mit den bis heute noch verbliebenen Urwäldern. 567 indigene Territorien mit eine Fläche von 1,17 Millionen Quadratkilometern – fast ein Viertel des brasilianischen Amazonasgebietes – wurden laut der staatlichen Indigenenbehörde FUNAI bisher anerkannt. Für weitere 117 Gebiete der Ureinwohner wurde die Anerkennung beantragt.

Bolsonaro verschachert Reservate

Doch Präsident Bolsonaro hat die Verfahren gestoppt. Seine Regierung arbeitet an Gesetzen, um die indigenen Reservate für den Bergbau, den Holzeinschlag, den Anbau von Soja, Zuckerrohr und die Rinderzucht freizugeben. Sogar die Besetzung und der Verkauf von Land in den Schutzgebieten sollen erlaubt werden.

Brüllaffen Brüllaffen sind Vegetarier, die sich von Blättern und Früchten ernähren. Dabei verteilen sie Samenkörner im Regenwald. (© flickr/ Zackalicious)

Dazu betreibt Bolsonaro gezielt Hetze gegen die Ureinwohner. Sie seien wie Zootiere und stünden der Entwicklung des Landes im Wege. 20.000 illegale Goldsucher sind in die Yanomami-Reservate eingedrungen. Sie fällen den Regenwald, zerstören die Flussgebiete und verseuchen sie mit hochgiftigem Quecksilber, das zur Bindung der Goldpartikel eingesetzt wird.

Fast eine Million Hektar Wald – eine Fläche, zehn Mal so groß wie Berlin – sind 2019 in Brasilien abgeholzt worden oder in Flammen aufgegangen, so das staatliche Institut für Satellitenüberwachung INPE. Damit hat die Rodungsrate seit Bolsonaros Amtsübernahme um 30 Prozent zugenommen.

Illegale Goldmine im Regenwald Von Goldsuchern verwüsteter Regenwald: Noch schlimmer als die Abholzung ist das Quecksilber, das die Natur vergiftet. (© Marcio Isensee e SA/istockphoto.com)

Die Minenarbeiter, Holzfäller, Viehzüchter und Siedler bringen Alkohol, Prostitution und Gewalt mit und schleppen Krankheiten in die Regenwaldgebiete ein. Nun breitet sich auch noch die COVID-19-Pandemie im Amazonasgebiet aus. In der Millionenstadt Manaus am Amazonas heben Bulldozer Massengräber für die Opfer aus. Auch aus den Dörfern der Indigenen im Regenwald werden Corona-Infizierte und Tote gemeldet. Das erste Opfer bei den Yanomami war ein 15-jähriger Junge, der sich in einem von Goldsuchern besetzten Gebiet infiziert hat.

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Bolsonaro wegen Völkermordes anklagen

„Mein Volk hat das Recht, in Frieden und bei guter Gesundheit zu leben, weil es in seinem eigenen Haus lebt. Wir sind im Regenwald zu Hause“, erklärte Davi Kopenawa im März vor der UN-Menschenrechtskommission. Der Führer der Yanomami ist vor die UNO getreten, um die katastrophale Lage der indigenen Völker Brasiliens und die gravierenden Menschenrechtsverstöße der Regierung unter Präsident Jair Bolsonaro anzuzeigen.

Kopenawa verweist auf den 71-seitigen Bericht, den das bra-silianische Anwaltskollektiv für Menschenrechte (CADHu) und Comissão Arns bereits Ende vergangenen Jahres dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag übergeben hatte. Sie fordern die Anklägerin am Gerichtshof, Fatou Bensouda, auf, den Bericht zu prüfen und Bolsonaro wegen Aufstachelung zum Völkermord und systematischer Angriffe auf indigene Völker anzuklagen.

Auch die Associação Brasileira de Juristas pela Democracia (ABJD) aus Sao Paulo hat sich im April an den Internationalen Strafgerichtshof gewandt. Sie werfen Bolsonaro wegen seiner Untätigkeit gegen die Ausbreitung des Coronavirus Völkermord vor.

Menschenrechtler und Indigene legen ihre Hoffnung in den Internationalen Strafgerichtshof. Unterzeichnen auch Sie unsere Petition:

www.regenwald.org/rr018