Palmöl – ein umstrittenes Alltagsprodukt

Sie kaufen kein Palmöl? Vielleicht nicht bewusst, doch der Stoff, der die Regenwälder zerstört, steckt in beinahe jedem zweiten Alltagsprodukt. Hier lesen Sie, was Ihnen gerne über Palmöl verschwiegen wird:

Ölpalmen wachsen rund um den Äquator, doch 85 Prozent des Palmöls wird von Indonesien und Malaysia produziert. Allein in Indonesien wachsen Ölpalmen bereits auf neun Millionen Hektar, das ist ein Viertel der Fläche Deutschlands. Bis 2025 sollen es 26 Millionen Hektar sein. Das hat fatale Folgen für den Regenwald.

 

Stimmt es, dass für Palmöl der Regenwald abgeholzt wird?

Zum Gedeihen brauchen Ölpalmen Regenwaldklima, d.h. ständig hohe Feuchtigkeit und Temperaturen, und viel Land. Schon jetzt breiten sich die zumeist riesigen industriellen Ölpalm-Monokulturen auf etwa 15 Millionen Hektar aus. Billige Flächen für neue Ölpalm-Plantagen finden sich vor allem in den Urwaldgebieten. Regierungen vergeben dort große Konzessionen an die Ölpalmkonzerne. Zudem sind die Tropenholz- und Palmölindustrie eng miteinander verflochten. Mit dem Einschlag und Verkauf von Edelhölzern werden die Investitionskosten für die Ölpalmplantagen finanziert. Die restliche Urwaldvegetation wird einfach niedergebrannt. Dann werden in endlosen Reihen Ölpalmen gepflanzt.

In welchen Produkten ist Palmöl enthalten?

Als billiger Rohstoff ist Palmöl bei der Industrie begehrt und in etwa der Hälfte aller Supermarktprodukte enthalten: In Lebensmitteln wie Margarine, Schokoaufstrichen, Speiseeis, Kekse, Fertigsuppen, Tiefkühlpizzen und Schokoriegeln, darüber hinaus in Kerzen, Wasch- und Reinigungsmitteln, in der Kosmetik, im Dieseltank und Heizkraftwerk. Aufgrund des zunehmenden öffentlichen Drucks und Problembewusstseins haben einige Firmen verkündet, in Zukunft weitgehend auf Palmöl zu verzichten oder ihre Produktion umzustellen.

Warum ist Palmöl bei der Industrie so beliebt?

Palmöl ist das mit Abstand billigste Pflanzenöl. Aufgrund seiner chemischen Eigenschaften ist es vielseitig einsetzbar in der Lebensmittel- und Chemieindustrie. Es hat einen hohen Schmelzpunkt, ist deshalb streichfähig und geschmeidig. Palmöl steckt in tausenden von Supermarktprodukten (s. Frage 2).

Warum ist Palmöl auf den meisten Produkten nicht deklariert?

Nur wenige Hersteller – zumeist aus der Biobranche – kennzeichnen das in den Produkten enthaltene Palmöl und Palmfett auf der Verpackung. Die meisten Firmen versuchen dies zu verschleiern und schreiben von „pflanzlichen Ölen und Fetten“. Zwar hat die EU 2011 eine Kennzeichnungspflicht für Palmöl beschlossen, doch es gilt eine zweijährige Übergangsfrist. Bis dahin werden die Verbraucher weiter im Unklaren gelassen.

Ölpalmen sind doch auch Bäume. Können die Tiere aus dem Regenwald nicht auch da leben?

Die öden Ölpalm-Monokulturen sind nicht mit Regenwäldern vergleichbar. Wenn die Tropenwälder gerodet und in Plantagen umgewandelt werden, wird der Lebensraum einer ungeheuren Vielfalt verschiedener Tier- und Pflanzenarten vernichtet. Die Orang-Utan-Menschenaffen stehen hier nur stellvertretend als Symbol für Tausende weiterer bedrohter Arten.

Ist Palmöl auch für die Menschen vor Ort eine Belastung?

Palmöl bedeutet Elend für die Menschen . Auch die in den Regenwaldgebieten lebenden Menschen sind durch den Palmöl-Boom massiv bedroht. Ihre Lebensgrundlagen und ihre Kultur werden zerstört. Kleinbauern und Ureinwohner werden von ihrem angestammten Land vertrieben. Allein in Indonesien, wo 45 Millionen Menschen in Wäldern leben, gehen zirka 5.000 Land- und Menschenrechtskonflikte auf das Konto der Palmölindustrie. 2009 hat die Weltbank ein weltweites Palmölmoratorium verhängt, nachdem sie 30 Jahre lang die Ausbreitung der Ölpalmen mit Milliardenbeträgen finanziert hatte.

Stimmt es, dass Palmöl krank machen kann?

Palmöl besteht fast zur Hälfte aus gesättigten Fettsäuren aus, die hohe Cholesterinwerte und Herzkrankheiten verursachen können und als „Dickmacher “ verschrien sind. Palmkernöl, das gerne für Kakaoglasuren, Eiskonfekt und Karamell verwendet wird, besteht sogar zu 80 Prozent aus gesättigten Fettsäuren.

Daneben enthält Palmöl sogenannte Fettsäureester (3 -MCPD- und Glycidol-Fettsäureester), die als krebserregend gelten. Vor allem bei raffiniertem Palmöl, ein Bestandteil von Säuglingsmilchnahrung, sind die Schadstoffkonzentrationen hoch. Auch die beliebten Nuss-Nougat- und Schoko-Brotaufstriche enthalten meist sehr viel Palmöl. Kinder sind besonders gefährdet, da ihr Körpergewicht im Verhältnis zur aufgenommenen Schadstoffmenge gering ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt vor der Aufnahme der Palmöl-Schadstoffe.

Ist Bio-Palmöl umwelt- und sozialverträglich?

Auch die Biobranche setzt voll auf Palmöl. In weit über 400 Bioprodukten der bekannten Hersteller wie Alnatura, Allos, Rapunzel usw. ist Palmöl enthalten. Bei deren Lieferanten, der Daabon-Gruppe in Kolumbien, hat Rettet den Regenwald schwere Unfälle und Leckagen, Wasservergeudung, Umweltverschmutzung, Rodungen und Landvertreibung von Kleinbauern festgestellt. Auch hier dehnen sich die riesigen Ölpalm-Monokulturen auf tausenden Hektar Land aus. Die verdienen nach Ansicht von Rettet den Regenwald auf keinen Fall „Bio“siegel für „ökologische“ Landwirtschaft und „Fair Trade“.

Was ist mit angeblich nachhaltigem Palmöl nach RSPO-Kriterien?

Die großen Palmölerzeuger und -verbraucher haben zusammen mit dem WWF den Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl (RSPO) gegründet. Den Vorsitz des Labelvereins führt ein Manager des Unilever-Konzerns (Dove, Knorr, Rama usw.), der mit 1,4 Millionen Tonnen pro Jahr zugleich der weltweit größte Palmölverbraucher ist. Ziel des Industrielabels ist es, die Produktion und den Absatz von Palmöl weiter zu steigern. Palmöl soll damit wieder hoffähig gemacht werden. Dabei schließt RSPO nicht einmal die Regenwaldrodung aus.

Die meisten der sozialen Aspekte, die durch den RSPO definiert werden, sind allgemeine Grund- und Menschenrechte, deren Einhaltung selbstverständlich sein sollte. Dennoch werden Bauern und Indigene von ihrem Land vertrieben, bedroht und verhaftet, wenn sie sich gegen den Landraub wehren. Die Einhaltung der Kriterien wird nicht ausreichend überprüft, Verstöße kaum geahndet.

Der Klimaschutz ist überhaupt nicht berücksichtigt. Mit dem Label wird die Öffentlichkeit getäuscht. Die zertifizierten Firmen werben mit „nachhaltigem“ Palmöl und roden trotz RSPO-Label weiter Regenwald. Der Palmöl-Konzern Wilmar, weltweit die Nummer 1, ist allein in Indonesien in 100 Land- und Menschenrechtskonflikte verwickelt. 256 Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt haben bereits 2008 RSPO als Etikettenschwindel abgelehnt.

Heizt der Palmöl-Boom das Klima an?

Palmöl heizt die globale Klimaerwärmung massiv an. Aus den für Ölpalmplantagen gerodeten Regenwäldern und den trockengelegten Torfwäldern entweichen gigantische Mengen Kohlenstoff. Indonesien ist vor allem durch die Regenwald-Abholzung der weltweit drittgrößte CO2-Emittent nach den USA und China.

Für den Palmölanbau werden zudem große Mengen an fossiler Energie für Bodenbearbeitung, Düngemittel, Pestizide, Ernte, Transport und Verarbeitung aufgewendet. Aus den Produktionsrückständen entweicht Methan, das ein sehr starkes Treibhausgas ist. Selbst wenn Ölpalmen in der Wüste angebaut werden könnten, wäre Biodiesel niemals – wie von der Industrie behauptet – „klimaneutral“.

Was macht Palmöl im Autotank?

In Deutschland und der EU gibt es die gesetzliche Beimischungspflicht von „Biosprit“: 2010 war es ein Anteil von 6,25 Prozent. Bisher wird Palmöl aus technischen Gründen nur in geringen Mengen dem fossilen Diesel beigemischt. Doch das soll sich sehr bald ändern. Durch chemische Behandlung – die sogenannte Hydrierung von Palmöl – kann man dessen Eigenschaften verändern. Der staatliche finnische Neste-Konzern besitzt ein patentiertes Verfahren dazu und will mit billigem Palmöl-Diesel den europäischen Markt überschwemmen. Dafür hat Neste Oil drei riesige Palmöl-Raffinerien in Singapur, Rotterdam und Helsinki gebaut.

Um sicher zustellen, dass nur „nachhaltig“ produzierter Agrosprit angerechnet wird, wurden acht sogenannte Zertifizierungssysteme in der EU zugelassen. Außerdem muss gegenüber fossilem Kraftstoff eine mindestens 30-prozentige CO2-Einsparung erreicht werden. Doch sowohl die Label als auch die CO2-Rechnungen weisen gravierende Mängel und Lücken auf. Wissenschaftler aus aller Welt und die Vereinten Nationen fordern die EU und Bundesregierung auf, ihre Agrospritpolitik unverzüglich zu beenden.

Fördert das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) die Klimaerwärmung?

Mit der Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) 2004 begann das massenhafte Verheizen von Palmöl in Deutschland. Gut ein Drittel der ca. 1,1 Millionen Tonnen Palmöl, die nach Deutschland importiert werden, verbrennt in den 1.400 deutschen Blockheizkraftwerken. Die Palmöl-Importe sind dadurch sprunghaft gestiegen. Besonders schlimm: Dieser Wahnsinn wird über das EEG mit bis zu 0,19 Euro pro Kilowattstunde subventioniert. Bezahlen müssen das alle Stromkunden über eine Umlage von derzeit 2,5 Cent pro verbrauchte Kilowattstunde, die auf die Stromrechnung draufgeschlagen wird. Zwar werden nach einer EEG-Änderung ab 2012 keinen neuen Pflanzenölkraftwerke mehr gefördert, aber die bestehen Anlagen genießen für 20 Jahre Bestandsschutz und ihre Betreiber die EEG-Vergütungen.

Weitere Informationen bei Rettet den Regenwald e.V. , Jupiterweg 15, 22391 Hamburg Tel. 040 – 410 38 04; info@regenwald.ORG ; www.regenwald.ORG und in unserem Shop:

Bücher:

 CDs und DVDs:

Aufkleber

https://www.regenwald.org/shop/product/186/8/aufkleber-palmoel-nein-danke

Stand: 15. Januar 2013

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