EU und Holzhandel

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Im März 2013 ist die EU-Holzhandelsverordnung in Kraft getreten. Sie stellt erstmals die Einfuhr von Hölzern aus illegaler Regenwaldrodung und anderen gesetzwidrigen Quellen unter Strafe. Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, dem viele weitere folgen müssen

Die EU gehört zusammen mit China, Japan und den USA zu den größten Importeuren illegaler Hölzer weltweit. Bisher ging die geraubte Hehlerware tagtäglich auch bei uns über die Ladentische, ohne dass eine wirksame gesetzliche Handhabe dagegen bestand. Nun kann Holz aus illegalen Quellen beschlagnahmt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden.

Ob die EU-Holzhandelsverordnung (European Timber Regulation) tatsächlich greift, hängt vor allem vom Willen der Regierungen der Mitgliedsländer ab. Diese müssen die Verordnung durch wirksame Kontrollen in die Praxis umsetzen. Eine flächendeckende Überwachung der Holzimporte ist bisher nicht geplant, man will sich lediglich auf Stichproben beschränken. In manchen EU-Ländern ist zudem das Interesse gering, gegen den Import illegaler Hölzer vorzugehen. Die Verordnung betrifft generell nur den EU-Erstimporteur.

Ausgerechnet die deutsche Bundesregierung macht beim Strafmaß einen Rückzieher in letzter Minute. Auf nationaler Ebene schränkte sie mit einer Änderung des Holzhandels-Sicherungsgesetzes die Strafbarkeit des Holzdiebstahls massiv ein: So sollen nur solche Fälle verfolgt werden, in denen „Vermögensvorteile großen Ausmaßes erlangt oder eine vorsätzliche Handlung beharrlich wiederholt” wird. Eine Strafe als Ordnungswidrigkeit wird kaum das organisierte Verbrechen abschrecken können, das mit dem illegalen Holz jedes Jahr Einnahmen zwischen 30 bis 100 Milliarden US-Dollar laut Schätzungen der Weltbank verzeichnet.

Reine Tropenholzimporte sind seit Jahren rückläufig, stattdessen nehmen die Einfuhren von Fertigprodukten aus Holz vor allem aus China und Südostasien weiter stark zu. Doch ob in den Containerladungen mit Haushalts- und Küchenutensilien, Spielzeug, Kunsthandwerk und Möbeln nur Holz aus legalem Einschlag steckt, ist kaum nachzuverfolgen.

Außerdem sind Druckerzeugnisse im neuen Gesetz komplett ausgenommen. Aus China werden jedoch große Mengen an Büchern und Katalogen eingeführt, die aus Kahlschlag im Regenwald stammen, wie Analysen der Holzfasern ergaben: Die Experten haben darin hohe Anteile von Urwaldbäumen wie Meranti-Arten, Mangrovenholz und sogar Ramin gefunden, das als vom Aussterben bedrohte Holzart auf dem Index des Washingtoner Artenschutzabkommens (englisch CITES) steht.

Auch legales Tropenholz ist kein Segen für Menschen und Natur

Generell ist die Legalität der Ware nur die absolute Mindestforderung. Denn legal bedeutet noch lange nicht umweltfreundlich und sozialverträglich. Auch in Einklang mit den Gesetzen werden tagtäglich die Regenwälder von der Holzindustrie geplündert.

Regierungen vergeben Holzeinschlagsgenehmigungen oder -konzessionen für riesige Urwaldgebiete, und das zumeist auch über die Köpfe der Einwohner der Waldgebiete hinweg, deren Lebensgrundlagen von den Ökosystemen abhängen. Oftmals erfahren die Menschen erst davon, wenn die Holzfirmen mit Bulldozern und anderem schweren Gerät anrücken, um Straßen und Pisten die vorher meist unberührten Regenwälder zu walzen, Holzlagerplätze, Sägewerke, Arbeitercamps usw. anlegen.

Verantwortung auf Holzlabel abschieben

Vor allem Politiker der Grünen setzen zudem auf die freiwillige Selbstkontrolle der Wirtschaft. Sie wollen, dass Holzprodukte, die mit einem der zahlreichen Industrielabel wie beispielsweise Forest Stewardship Council (FSC), indonesisches Holzzertifzierungssystem (SVLK), Malaysisches Holzzertifzierungsrat (MTCC) oder PEFC zertifiziert sind, grundsätzlich als legal gelten.

Für Politik und Holzindustrie ist es bequem, die Verantwortung auf die Label abzuwälzen. Doch Transparenz und lückenlose Rückverfolgbarkeit der Hölzer gibt es bei keinem der Label, und auch die Regenwaldrodung lässt sich damit nicht eindämmen. Unter dem Schutz der Label holzen die Firmen unberührte Primärwälder ab und legen riesige industrielle Baummonokulturen an.

DNA Analyse von Holz

Viel Geld steckt die Bundesregierung hingegen in einen genetischen Fingerabdruck von Holz. Damit soll sich nicht nur die Holzart sicher bestimmen lassen, sondern auch deren Herkunft. Das Problem: Das Verfahren ist sehr aufwändig, teuer und erst im Aufbau. Denn es werden weltweit mehrere Hundert verschiedene Holzarten gehandelt, insgesamt gibt es global über 10.000 Baumarten.

Das damit beauftragte Hamburger Thünen-Institut muss von allen diesen Hölzern jeweils Tausende Proben von lebenden Bäumen an den verschiedenen Waldstandorten (Rastermuster) aus dem gesamtem Verbreitungsgebiet entnehmen und im Labor die Erbsubstanz (DNA) analysieren. Es wird mehrere Jahrzehnte Arbeit kosten, diese Untersuchungen für alle wichtigen Holzarten flächendeckend vorzunehmen. Viele der Wälder werden dann gar nicht mehr stehen, denn jedes Jahr werden weltweit 13 Millionen Hektar Regenwald abgeholzt.

Ein weiterer Schwachpunkt: Mit der DNA-Analyse lässt sich nicht der exakte Standort des Baumes bestimmen, sondern lediglich seine ungefähre Herkunft im Umfeld von bestenfalls 30 Kilometern. Daraus ergibt sich eine Fläche von der Größe Hamburgs. Für manche der zum Teil mehrere Millionen Hektar großen Holzkonzessionen mag diese sehr grobe Standortbestimmung ausreichen. In vielen Waldgebieten sind die Holzeinschlagsgenehmigungen aber viel kleiner. Dann lässt sich mit dem Verfahren nicht klären, ob eine Holzprobe von einem legalen Holzeinschlag stammt oder von illegaler Plünderung 15 Kilometer entfernt.

Weitere Informationen:

Studie von Interpol und Uno über den illegalen Einschlag, Steuerbetrug und Geldwäsche mit Tropenhölzern (auf engl., franz. und span.): Green Carbon – Black Trade Illegal Logging, Tax Fraud and Laundering in the Worlds Tropical Forests