Nashörner und Millionen Bäume in Gefahr!

Masaai Giraffen - Selous Game Reserve - Tansania Das Reservat Selous bietet Lebensraum für Giraffen, Elefanten und Nashörner (© nyiragongo/istockphoto.com)

Tansanias Präsident John Magufuli will in einem Dorado für Elefanten, Giraffen und Löwen 1.500 Quadratkilometer Wald und Savanne zur Abholzung freigeben. 2,6 Millionen Bäume sollen im UNESCO-Welterbe Selous für einen Stausee Platz machen. Die ökologischen Schäden wären nicht reparabel. Bitte helfen Sie, das Welterbe Selous zu bewahren.

News und Updates Appell

An: Tansanias Präsident John Pombe Joseph Magufuli

„Selous Game Reserve ist ein ökologischer Schatz. Bitte bewahren Sie das UNESCO-Welterbe, in dem bedrohte Elefanten und Löwen leben.“

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Noch ziehen Elefantenherden und Giraffen durch die Savanne, dümpeln Nilpferde im flachen Wasser, schleichen Löwen auf der Jagd durchs Gras. Vor kurzem haben Biologen Spitzmaulnashörner gesichtet. Im Selous Game Reserve pulsiert das Leben – und ist zugleich bedroht. Ein geplanter Damm in Stiegler‘s Gorge wäre ein ökologisches Desaster. Im Herzen des UNESCO-Welterbes soll er den Fluss Rufiji stauen.

Präsident John Magufuli will jetzt Fakten schaffen und 2,6 Millionen Bäume fällen lassen. 1.500 Quadratkilometer Wald und Savanne, die eines Tages durch den Stausee weitgehend überflutet würden, sollen abgeholzt werden. Im Mai konnten sich Firmen um den Auftrag bewerben, 53 Millionen Euro soll ihnen der Verkauf des Holzes einbringen.

Umweltschützer laufen gegen das Projekt Sturm. Sie fürchten die endgültige Zerstörung des Schutzgebietes, das bereits geschädigt ist. Eine Uranmine droht einen Teil des Reservats kaputt zu machen. Die Elefantenpopulation ist eingebrochen. Die UNESCO hat Selous deshalb im Jahr 2014 auf die Liste der „bedrohten Welterbe“ gesetzt. Im Februar schickte sie einen Brandbrief an die Regierung – ohne Wirkung.

Der Damm würde selbst flussabwärts bis ins Delta und die Mangroven-Wälder Schäden verursachen. 200.000 Menschen, insbesondere Bauern und Fischer, würden darunter leiden.

Den Baubeginn hat Tansanias Regierung für Juli angekündigt, obwohl die Finanzierung unklar ist. Präsident Magufuli will als Macher gelten, dem Kritik egal ist. Ein Regierungsmitglied drohte Gegnern des Projekts sogar mit Gefängnis.

Tansanias Bevölkerung benötigt unbestritten eine bessere Stromversorgung. Das Staudammprojekt ist dafür allerdings keine Lösung. Bitte unterschreiben Sie unsere Petition zum Schutz des Selous Game Reserve. 2,6 Millionen Bäume dürfen nicht für ein sinnloses Projekt gefällt werden!

Hinter­gründe

Selous Game Reserve

Das Selous Game Reserve wurde 1982 zum UNESCO-Welterbe erklärt. Mit 51.200 Quadratkilometern ist es größer als die Schweiz. Maßgeblich für den ökologischen Wert des Gebietes ist der „saisonale Puls“ des Flusses Rufiji mit dem Wechsel zwischen Wasserüberfluss, Überschwemmungen und Trockenheit, in der Flussarme zu Seen schrumpfen oder gar austrocknen. Der Abwechslungsreichtum an Lebensräumen reicht von ausgedehnten Miombo-Wäldern, Galeriewäldern, offenem Grasland, Canyon-Ökosystemen bis zu Sümpfen.

Mehr als 2100 Pflanzenarten wurden in Selous bisher bestimmt, die Zahl soll aber deutlich höher liegen. Im Reservat leben laut UNESCO mehr als 100.000 Elefanten (Loxodontha africana) und 2130 Nashörner (Diceros bicornis). Hinzu kommt eine der weltweit größten Populationen von Nilpferden (Hippopotamus amphibius) mit 18.200 Tieren und von Kaffernbüffeln (Syncerus caffer) mit nahezu 205.000 Exemplaren. 350 Vogelarten wurden von Ornithologen gezählt.

Das Schutzgebiet ist eingebettet in das 90.000 Quadratkilometer große Selous Ökosystem und ist funktional mit dem Niassa Game Reserve in Mosambik verknüpft.

Wilderei

Wilderei ist eines der zentralen Probleme des Selous Game Reserve. Die Zahl der Elefanten ist seit der Erklärung zum Welterbe 1982 aufgrund von Wilderei um 90 Prozent eingebrochen.

Schäden durch das Staudamm-Projekt

Die ökologischen Schäden betreffen weitaus größere Teile des Schutzgebietes über den eigentlichen Stausee hinaus: über 230 Kilometer Zugangsstraßen und Unterkünfte für Tausende Bauarbeiter locken Siedler und Bauern an, die Land in Beschlag nehmen und dauerhaft bleiben. Elefanten- und Nashorn-Wilderern wird der Zugang erleichtert – die Gefahr für die Tiere wächst deutlich.

Am Unterlauf fehlen durch den Staudamm 16,6 Millionen Tonnen Sedimente, die der Fluss bisher pro Jahr mitführt. Die Fruchtbarkeit der Böden sinkt. Zugleich nimmt die Erosion an den Ufern zu. Die Hydrologie und Biologie des Flusssystems ändern sich grundlegend. Seitenarme, die in der Trockenzeit zu Seen werden, trocknen womöglich gänzlich aus und fehlen Tieren als Tränke. Das Delta schrumpft und damit auch einer der größten Mangroven-Wälder der Erde.

Das Staudammprojekt gefährdet auch das Rufiji-Mafia-Kilwa Marine Ramsar-Schutzgebiet, ein zweites, global bedeutendes Schutzgebiet.

Staudamm-Projekt

Das Wasserkraftwerk in Stiegler‘s Gorge soll 2.100 MW leisten. Die Hauptmauer soll 126 hoch und 700 breit werden, vier zusätzliche Dämme sollen 13,9 Kilometer lang werden. Der Stausee soll 1200 Quadratkilometer bedecken und wäre der größte in Ostafrika.

Für die Kosten werden 3 Milliarden Euro veranschlagt, für die Bauzeit 36 Monate. Beides scheint illusorisch. Noch ist unbekannt, welche Banken das Projekt finanzieren und welcher Konzern das Vorhaben baut. Der brasilianische Baukonzern Odebrecht hat das Projekt in den vergangenen Jahren maßgeblich vorangetrieben, ist jedoch tief in Korruptionsskandale verstrickt, die Brasilien in eine politische Krise geführt haben.

Noch liegt keine Umweltverträglichkeitsprüfung vor. Deshalb wäre auch die Rodung der 1.500 Quadratkilometer illegal und verstieße zudem gegen Regeln der UNESCO. Weil die Holzfäller die Konzession jedoch vom Staat erwerben, könnten sie das Holz legal verkaufen. Eine absurde Situation.

Mangelhafte Stromversorgung

Tansania leidet unter großen Defiziten in der Stromversorgung. Laut United Nations Development Program (UNDP) sind nur zehn Prozent der Haushalte ans Stromnetz angeschlossen. Derzeit haben die Kraftwerke des Landes eine Kapazität von zusammen 1.700 MW, mit dem Projekt würde sich die Kapazität also mehr als verdoppeln. Eine Konzentration großer Teile der Stromerzeugung auf ein Kraftwerk ist hoch riskant.

Deutsches Steuergeld

Deutschland unterstützt das „Nachhaltige Management des Selous-Wildschutzgebietes“ mit 18 Millionen Euro. Das Geld für die Überwachung des Schutzgebiets aus der Luft und Förderprogramme für die Bevölkerung am Rand von Selous wird über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ausbezahlt. Beteiligt sind der WWF und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt.

Beharrt Tansanias Regierung auf dem Staudamm-Projekt, ist der Sinn dieser Unterstützung zweifelhaft.

An­schreiben

An: Tansanias Präsident John Pombe Joseph Magufuli

Sehr geehrter Präsident John Pombe Joseph Magufuli,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Tansania kann zu Recht stolz auf sein Naturschutzerbe sein. Bitte fahren Sie mit dieser großartigen Tradition zum Wohle Ihrer Bevölkerung und der gesamten Menschheit fort.

Tansania besitzt mit der Selous Game Reserve einen einzigartigen Naturschatz von Weltrang. Die UNESCO hat das Gebiet bereits 1982 zum Welterbe erklärt. Leider steht Selous seit dem Jahr 2014 auf der Liste des „Welterbes in Gefahr“. Neben der grassierenden Elfenbeinwilderei bedroht das Staudamm-Projekt in Stiegler‘s Gorge das Schutzgebiet erheblich.

Dennoch hat Tansanias Forstbehörde TFS 1.500 Quadratkilometer Savanne und Wald zur Abholzung freigegeben. Das Fällen von 2,6 Millionen Bäumen würde bereits großen Schaden an der Umwelt anrichten, während die Finanzierung des Projekts unklar ist und keine Umweltverträglichkeitsprüfung vorliegt.

Wir bitten die Regierung von Tansania daher:

- Verhindern Sie das Fällen von 2,6 Millionen Bäumen.
- Legen Sie eine gründliche Umweltverträglichkeitsprüfung für das Staudammprojekt in Stiegler’s Gorge vor.
- Stellen Sie Selous mit einer gesunden Elefantenpopulation und seiner ursprünglichen Artenvielfalt wieder her.

Tansania ist eine souveräne Nation, die Verantwortung für ihre Bevölkerung trägt, inklusive Stromversorgung. Eines des bedeutendsten Naturgebiete zu zerstören, wäre jedoch eine langfristige Entscheidung, die nicht wiedergutgemacht werden kann.

Wir bitten Tansanias Regierung, an ihrem Versprechen festzuhalten, Selous als Schatz für die Welt zu bewahren.

Mit freundlichen Grüßen

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