Bitte unterschreibt: Rettet die Murchison Falls!

Giraffe in Murchison-Falls-Nationalpark, Uganda Die Savanne des Nationalparks Murchison Falls bietet einer Vielzahl von Tieren einen Lebensraum (© istockphoto.com)

Uganda sitzt auf großen Erdölvorkommen – internationale Konzerne wollen sie ausbeuten. Für die Natur im Nationalpark Murchison Falls und die Bevölkerung haben die Projekte Tilenga und Kingfisher katastrophale Folgen. Verheerend ist auch die Pipeline EACOP, die für den Export des Öls zum Hafen Tanga in Tansania gebaut werden soll.

News und Updates Appell

An: Ugandas Präsident Yoweri Museveni und das Management von TotalEnergies, CNOOC, CCCC, Exim Bank of China

„Die Ausbeutung von Erdöl und weitere Industrie- und Infrastrukturprojekte gefährden den Nationalpark Murchison Falls. Verhindern Sie diese Katastrophe.“

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Die Murchison Falls sind ein Juwel Afrikas. Tosend stürzt sich der Viktoria-Nil über die Klippen einer engen Schlucht. Ein Naturschauspiel, das tausende Touristen aus aller Welt anzieht und der örtlichen Bevölkerung ein gutes Einkommen beschert.

Die vielfältigen Ökosysteme des Albertine Graben beherbergen so ikonische Spezies wie Löwen, Elefanten und Flusspferde, darüber hinaus mindestens 500 weitere Tierarten. Wegen ihrer reichen Vogelwelt ist die Region ein Ramsar-Schutzgebiet.

Die einzigartige Natur ist jedoch gefährdet, falls die Erdöl-Projekte Tilenga und Kingfisher verwirklicht werden. Die Ölkonzerne TotalEnergies aus Frankreich und China National Offshore Oil Corporation (CNOOC) wollen die Region mit hunderten Bohrlöchern übersäen und täglich 200.000 Barrel Öl fördern. Hinzu kommt eine 1.445 Kilometer lange Pipeline zum Hafen von Tanga in Tansania.

Im Kampf gegen die Klimakrise wäre das Projekt eine Katastrophe: Die Kapazität der Pipeline ist so groß, dass bei der Verbrennung des transportierten Öls bis zu 34,3 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr freigesetzt würden – sieben mal so viel wie Uganda und Tansania derzeit produzieren.

Am 1. Februar 2022 haben die Regierungen der beiden Länder, TotalEnergies und CNOOC einen Investitionsvertrag über 10 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Doch die Finanzierung ist völlig offen. 15 internationale Banken haben bereits erklärt, dass sie sich nicht beteiligen.

In der Bevölkerung ist der Widerstand stark. Die Einwohner zahlreicher Dörfer klagen über den Verlust ihrer Lebensgrundlage. Aktivisten leben dabei gefährlich. Wiederholt wurden Umweltschützer und Menschenrechtler willkürlich festgenommen. Unter ihnen war Joss Mugisa, für dessen Freilassung sich auch Rettet den Regenwald eingesetzt hat.

Die Forderung ist klar: Keine Erdölforderung und keine Pipeline!

Hinter­gründe

Der Murchison Falls Nationalpark wurde bereits 1952 eingerichtet und ist 3.878 Quadratkilometer groß. In der Region mit ihren Savannen-Ökosystemen, zu der auch die Schutzgebiete Budongo, Bugoma und Wambabya gehören, haben Wissenschaftler 144 Säugetierarten, 51 Reptilienarten und 755 Pflanzenarten gezählt.

Schutzgebiete, die keinen Schutz gewähren

In zahlreichen Ländern geben Regierungen Schutzgebiete zur Resourcenausbeutung, für Staudämme oder Infrastrukturprojekte frei: In der Demokratischen Republik Kongo droht dem Nationalpark Virunga Gefahr durch Erdölbohrungen. In Guinea plant der chinesische Konzern Sinohydro einen Staudamm im neuen Moyen-Bafing Nationalpark, in Tansania ist das Unesco-Welterbe-Gebiet Selous ebenfalls wegen eines Stausees bedroht.

Öl im Murchison Falls National Park – die beteiligten Firmen

Die Erdölvorkommen werden auf 6,5 Milliarden Barrel geschätzt.

Gegen TotalEnergies kämpfen zahlreiche Naturschutz- und Menschenrechtsorganisationen. Sie berichten von Landraub, dem Verlust der Lebensgrundlage vieler Einheimischer und Verarmung. Les Amis de la Terre France und andere haben den Konzern in Paris verklagt. Sie beriefen sich dabei auf ein Gesetz zur Firmenverantwortung, die sich auch auf Tochterunternehmen im Ausland erstreckt.

Ursprünglich war auch Tullow Oil mit Sitz in London beteiligt. Die Firma bezeichnete sich selbst als „Afrikas führende unabhängige Ölfirma“ und war in 15 Ländern in Afrika, Südamerika und vor Jamaika aktiv. Hauptgeschäft ist die Erkundung von neuen Öl- und Gasfeldern an Land und offshore.

Die China National Offshore Oil Corporation (CNOOC) ist der drittgrößte Mineralölkonzern der Volksrepublik China. Er agiert vor allem in Afrika, im Iran und neuerdings auch in Europa und Nordamerika. Er ist zu 70 Prozent im Staatsbesitz.

Die China Communications Construction Company (CCCC) ist einer der größten Baukonzerne der Welt. In Uganda hat er den rund 40 Kilometer langen Expressway zwischen dem Flughafen in Entebbe und der Hauptstadt Kampala gebaut.

Die Export Import Bank of China ist als Finanzier an der Zerstörung des Murchison Falls Nationalpark beteiligt. Die Kosten für den Ausbau von drei „National Oil Roads“ wird mit insgesamt rund 485 Millionen Euro veranschlagt, 85 Prozent davon als Kredit (rund 410 Million Euro). Neben CCCC sind zwei weitere chinesische Firmen beteilgt.

Der Baubeginn war nach Einschätzung von Umweltschützern illegal. So war unklar, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt wurde. Während zweier öffentlicher Anhörungen zum Tilenga-Projekt wurde offenbar gegen zahlreiche Vorschriften verstoßen.

Erster Schritt: Die Straße

Im Frühjahr 2019 hat CCCC begonnen, eine Piste durch den Murchison Falls Nationalpark, die vorwiegen Safari-Touristen dient, zur Schwerlast-Straße auszubauen. Der Nationalpark und Korridore zu weiteren Schutzgebieten wird durch die Erweiterung zerschnitten, viele Tiere werden bei Unfällen mit Autos und LKW sterben, auch tödliche Aufeinandertreffen mit Menschen werden zur täglichen Gefahr. Für Umweltschützer war klar: Der Ausbau der Straße diente allein dem Erdölbusiness.

Die Straßenbauprojekte stehen beispielhaft dafür, wie China in zahlreichen Ländern umweltschädlichen Projekte initiiert, finanziert und durchzieht. In Uganda sind der Staatskonzern Sinohydro und die Export Import Bank auch federführend am Bau eines Wasserkraftwerks bei Karuma beteilgt.

Straßen als „Pandoras Büchse“

Umweltschützer vergleichen den Bau von Straßen mit dem Öffnen von „Pandoras Büchse der Umweltschäden“ (Pandora‘s box of environmental evils) und ziehen Parallelen zur Ausbreitung von Krebszellen. Satellitenbilder zeigen, wie sich nach dem Bau einer Überlandstraße viele Nebenstraßen wie ein Fischgrätenmuster durchs Land ziehen. Dabei handelt es sich sowohl um offizielle als auch um inoffizielle Straßen, die beispielsweise von Holzfällerfirmen angelegt werden.

Durch Straßen werden zuvor schwer zugängliche Gebiete für Landwirtschaft (Felder, Plantagen, Weideflächen), Holzeinschlag, Bergbau, Wilderei und Besiedlung geöffnet. Viele der Bedrohungen für Regenwälder sind mit dem Bau von Straßen verbunden. In den Tropen konzentrieren sich 95 Prozent der Rodungen höchstens fünf Kilometer von Straßen entfernt.

An­schreiben

An: Ugandas Präsident Yoweri Museveni und das Management von TotalEnergies, CNOOC, CCCC, Exim Bank of China

Präsident Museveni,
sehr geehrte Damen und Herren,

die Region rund um die Murchison Falls ist ein Juwel Afrikas. Die vielfältigen Ökosysteme des Albertine Graben beherbergen so ikonische Spezies wie Löwen, Elefanten und Flusspferde, darüber hinaus mindestens 500 weitere Tierarten. Jedes Jahr besuchen tausende Touristen aus aller Welt Murchison Falls und bescheren der örtlichen Bevölkerung und Uganda insgesamt beachtliche Einnahmen.

Die einzigartige Natur und die Lebensgrundlage der Bevölkerung sind jedoch gefährdet, wenn das Erdöl-Projekt Tilenga und damit verbundene Infrastrukturprojekte weiterverfolgt werden. Auch Ugandas Tourismus-Sektor und Ugandas Reputation als für den Schutz der Natur und des Klimas Sorge tragende Nation würden empfindlich leiden.

Erste Schäden sind bereits sichtbar, da mit dem Ausbau der Straßen durch den Nationalpark Murchison Falls bereits begonnen wurde.

Wir bitten Sie daher:

Beenden Sie das Tilenga-Projekt. Lassen Sie das Erdöl im Boden.
Beenden Sie mit dem Erdöl-Business verknüpfte Projekte wie den Straßenbau.

Mit freundlichen Grüßen

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