zurück zur Übersicht

Urwaldkauf in Paraguay

Verschenken Sie einen Baum: Der Chacourwald in Südamerika ist ein einzigartiges Naturparadies und doch massiv bedroht. Auch das Volk der Ayoreo leidet unter der Abholzung seines Lebensraums. Kaufen sie ein Stück Urwald und helfen Sie, die Umwelt samt der einzigartigen Kultur und Lebensform der Indianer zu erhalten.

Der Urwaldkauf gibt den Ayoreo Mut und KraftDer Urwaldkauf gibt den Ayoreo Mut und Kraft

Kurz hinter Filadelia geht die asphal- tierte Landstraße in eine staubige Piste über. Wir sind Richtung Westen unterwegs, zum Grundstück 152 in der Verwaltungsregion Boquerón in Para- guay. Mit Spendengeldern von Rettet den Regenwald soll das Grundstück gekauft werden. Vermessungsarbeiten, notarielle Beglaubigungen und eine Anzahlung wurden schon geleistet. Die Landschaft ist von der Tropensonne ausgedörrt und fast menschenleer. Trockenwälder, meterhohe Kakteen und Dünenlandschaften gehören hier im ariden westlichen Teil des Chaco zum Landschaftsbild. Auf einer Fläche mehr als doppelt so groß wie Deutschland weitet sich die Großlandschaft des Chaco mit ihrer einzigartigen Flora und Fauna aus. Nach dem Amazonasbecken ist er das zweitgrößte Ökosystem des südamerikanischen Kontinents –verteilt über drei Länder: vom Norden Argentiniens über den Westen Paraguays bis in den Osten Boliviens hinein. Der Chaco ist ein bisher noch weitgehend unbekanntes Naturparadies im Herzen Südamerikas und ist akut bedroht. Bis zu 1200 Hektar Wald wurden dieses Jahr im Norden Paraguays abgeholzt – pro Tag!

Jetzt im Oktober treibt der Wind kalte Luftmassen aus dem Süden vor sich her. Eigentlich ungewöhnlich für die Jahreszeit, steht doch die Regenzeit kurz bevor. Doch das Wetter spielt verrückt, was mit den ausufernden Waldrodungen und dem Klimawandel zu tun hat.

Von Nachtaffen und Gürteltieren...

Die Pflanzen und Tiere haben sich den extremen Bedingungen angepasst. Der Flaschenbaum speichert beispielsweise in seinen bauchigen Stämmen Wasser,um die Trockenzeit zu überstehen. Seine Rinde ist mit derben Stacheln bewehrt, um hungrige Tiere fernzuhalten. Weiter im Osten des Chaco ist es feuchter. Quebrachowälder und üppig grüne Palmenhaine sind typisch, unterbrochen von der ausufernden Vegetation der Sumpfgebiete. In den Ästen der Bäume turnen Südliche Rotkehl-Nachtaffen herum – übrigens auch am Tage. Die in Familiengruppen lebenden reviertreuen Primaten ernähren sich von Früchten. Ergänzt wird die Kost durch Blätter und Blüten sowie Heuschrecken, Käfer und Spinnen. Die urtümlichen Gürteltiere leben hingegen als zumeist nachtaktive Einzelgänger am Boden. Ihr Panzer aus Horn- und Knochenplatten bedeckt fast die gesamte Körperoberfläche. Verbindungen mit überlappenden Hautfalten gewähren den Tieren eine erstaunliche Flexibilität. Mit seinen bis zu 20 cm langen messerscharfen Krallen reißt das Riesengürteltier sogar die steinharten Termitenhügel auf, um an die eiweißreiche Insektenkost zu kommen. Übersetzt heißt Chaco das große Jagdgebiet, denn neben einer enormen Zahl an Tier- und Pflanzenarten ist dieser auch die Heimat von 19 verschiedenen indianischen Völkern. Die Ureinwohner leben seit Jahrtausenden im Chaco. Auch sie haben sich perfekt an die Naturbedingungen angepasst. Sie ernähren sich von Früchten, Wurzeln und wildem Honig, gehen Fischen und auf die Jagd.

Der Chaco ist Indianerland

Lange Zeit war der Chaco unerschlossen und galt als ungeeignet für die Landwirtschaft. Die paraguayische Regierung vergab dort bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts ausgedehnte Ländereien an ausländische Firmen und Großgrundbesitzer, doch kaum jemand wollte sich in der Wildnis ansiedeln. Doch seit Jahren expandiert um den Chaco herum der industrielle Anbau von Gensoja. Immer mehr Landspekulanten und Viehzüchter machen den Ureinwohnern das Land streitig. Der US-amerikanische Gentech- und Chemiekonzern Monsanto, der das genetisch veränderte Soja-Saatgut verkauft, hat nun die Eroberung des Chaco mit einer neuen Gensoja-Sorte (BT Triple) aus seinen Laboratorien angekündigt, die auch im trockenen Klima sprießt. Im östlichen Teil des Chaco liegt der Ort Filadelfia, der vor 80 Jahren von eingewanderten deutschstämmigen Mennoniten gegründet wurde. Die heute 9.000 Einwohner leben vor allem vom Anbau von Baumwolle, Erdnüssen, Viehzucht und Milchwirtschaft. Dafür ist im Umkreis von 200 km um Filadelfia herum der Wald bereits weitgehend parzelliert und gerodet. Aus grenzenloser Wildnis wurden umzäunte Äcker und Rinderweiden. Die aus dem Urwald vertriebenen Ayoreo fristen zusammengepfercht in 18 Siedlungen ein trostloses Dasein. Weil sie dem Landhunger von skrupellosen Spekulanten und Siedlern im Wege standen, wurden die meisten von ihnen durch christliche Prediger zwangsmissioniert. So verloren sie ihre Identität und Kultur und der versprochene Wohlstand blieb aus. Lange Jahre hat die Strategie der Missionare funktioniert, dann begann sich der Widerstand zu regen. Mehr und mehr Ayoreo denken an ihre Territorien und möchten dahin zurückkehren. In Filadelfia hat die Union der eingeborenen Ayoreo von Paraguay (UNAP) ein kleines Büro. Die Indianervereinigung kämpft für die Rechte und Interessen der 2.600 Ayoreo in Paraguay. Für die Ayoreo und den Erhalt der einzigartigen Natur wird der Urwald gekauft.

Gebt den Ayoreo ihr Land zurück

Koordiniert wird das Projekt von der Organisation Iniciativa Amotocodie. Ihr Leiter, der seit gut dreißig Jahren in Paraguay lebende Schweizer Benno Glauser, arbeitet eng mit den Ayoreo und deren gewählten Führern Mateo Sobode Chiquenoi und Aquino Aquiraoi Picanerai zusammen. Der Urwaldkauf ist eine dringende Rettungsaktion, damit besonders wichtige Gebiete des Ökosystems und das Land der Ureinwohner erhalten werden können. In Paraguay leben immer noch etwa 100 bis 150 Menschen vom Volk der Ayoreo tief im Urwald ohne Kontakt zum Rest der Welt. Es handelt sich um die einzigen sogenannten „unkontaktierten“ Gruppen in Südamerika, die außerhalb des Amazonasgebiets leben. Die als Noma- den durch den Chacowald streifenden Ayoreo sind dabei verletzlicher und bedrohter als seltene Tierarten.

Landreform kommt nur langsam voran

Sie haben keinen Immunschutz gegen Infektionskrankheiten wie Grippe, Keuchhusten oder Masern. Jeder Kontakt mit der Außenwelt kann deshalb ihren Tod bedeuten. Dennoch strömen Siedler in das Gebiet, die Bulldozer roden weiterhin den Urwald. Auch religiöse Gruppen versuchen immer noch Kontakt zu den isolierten Indianergruppen herzustellen. Damit aus den bisher gesicherten Waldinseln ein zusammenhängendes Territorium entsteht, das den isoliert lebenden Ayoreo-Gruppen das Überleben sichern kann, müssen noch viele weitere Urwaldflächen hinzukommen. Mittelfristig ist es allerdings notwendig, dass der paraguayische Staat den gesetzwidrigen Landhandel und die Urwaldrodung beendet. Die Regierung verfügte bereits in den 90er-Jahren verschiedene Schutzmaßnahmen, die unter anderem die Suche und das Kontaktieren der noch im Wald lebenden Indianer unter Strafe stellten. Mit der Amtseinführung des neuen Präsidenten Lugo im August 2008 verbinden viele die Aussicht, dass illegal erworbenes Land an den Staat zurück übertragen und den rechtmäßigen Besitzern wie den Ayoreo übereignet werden kann. Dazu braucht Paraguay internationale Unterstützung. Die angestrebte Landreform kommt nur langsam voran, weil sich Großgrundbesitzer und Agroindustrie mit Händen und Füßen dagegen wehren. Doch es gibt kleine Hoffnungsschimmer. Bereits vor Lugos Amtsübernahme haben die Staatsbehörden im Januar 2008 das Naturreservat des Ayoreos-Stammlandes „Punié Paesoi“ als Gebiet zum Schutz der isolierten Ayoreo-Gruppen anerkannt.

URWALDKAUF SCHÜTZT LEBEN Lage des Chaco in Südamerika

Die Iniciativa Amotocodie und UNAP konnten bereits zwei große Urwaldstücke erwerben: 3.740 Hektar 2005 und 8.000 Hektar 2008. Rechtlich werden die Urwaldgrundstücke an die UNAP übertragen. Mit einer verbindlichen Klausel verplichtet sich die UNAP, die Biodiversität und die Natur auf den erworbenen Landflächen zu schützen. Auch der Verkauf der Grundstücke ist nicht gestattet. Diese dürfen nur von den isolierten Ayoreo-Gruppen auf traditionelle Art für die Jagd und das Sammeln von Waldprodukten wie Knollen und Früchten genutzt werden. Das erste Urwaldstück wurde bereits per Dekret vom paraguayischen Staat als Naturschutzgebiet und Erbe der Ayoreo (Área Silvestre Protegida y del Patrimonio Ayoreo) anerkannt.

Seit Ende 2008 unterstützt Rettet den Regenwald beide Organisationen. Aktuell wird ein 1.800 Hektar großes Urwaldstück gekauft. Bewachsen ist es mit unberührtem Chaco-Trockenwald im Urzustand und liegt mitten im Territorium einer nicht kontaktierten Ayoreo- Gruppe. Die UNAP möchte das Grundstück zusätzlich als Basis für ihre Aktivitäten zum Schutz der Indianer in der Gegend und zur Überwachung des benachbarten Nationalparks Medanos del Chaco benutzen. Rettet den Regenwald hat dazu bereits 95.000 Euro überwiesen, weitere Spendengelder stammen von Brot für die Welt und SOS Regenwald.

Im kommenden Jahr sollen weitere 3.200 Hektar erworben werden. Dafür brauchen wir Ihre Hilfe und Spenden! Der Preis beträgt 120 Euro pro Hektar, das entspricht 10.000 Quadratmetern. 100 Quadratmeter, so viel wie eine große Wohnung, kosten gerade mal 120 Cent! Die Iniciativa Amotocodie verwendet maximal 5% der Spendensumme für Arbeits-, Anwalt- und Notarkosten, Behördengebühren sowie Schutzarbeiten im Gelände wie das Anbringen von Hinweisschildern und Gattern auf den Zufahrtswegen. Alle Landstücke werden vor dem Kauf einer sorgfältigen Prüfung unterzogen, die bis zu mehreren Monaten dauern kann. Dabei wird vor allem die Echtheit und Legalität der Landtitel geprüft. Erst danach wird das Land gekauft. Hier gelangen Sie zum Spendenformular: https://www.regenwald.org/spenden.php?id=31

 

INTERVIEW MIT DEN AYOREO-FÜHRERN ZUM URWALDKAUF

Mateo Sobode Chiquenoi
ist Präsident der UNAP, Aquino Aquiraoi Picanerai ist sein Amtsvorgänger. Beide wurden in ihrer Kindheit von Missionaren aus dem Urwald auf Missionsstationen deportiert und leben heute in der Siedlung Campo Loro im Chaco.

RdR: Wie ist die aktuelle Situation des Ayoreo-Volks?
Das Leben ist sehr schwer
für uns, seit wir von der Zivilisation kontaktiert wurden. Die „unkontaktierten“ Ayoreo, die noch im Urwald leben, dürften sehr besorgt über die Zerstörung der Urwälder sein. Aber abgesehen davon müssen sie glücklich sein, weil sie ihr angestammtes Leben haben, das es ihnen ermöglicht, Ayoreo zu sein. In ihrem Leben im Urwald fehlt es an nichts, sie haben alles, was sie brauchen. Uns, die wir mit den Weißen leben, mangelt es an vielen Dingen. Sie haben all unsere Kräfte zerstört, einschließlich unserer Religion und Schamanen. Erst haben sie unser Land und dann haben sie alles weggenommen, was uns Ayoreo ausmacht.

RdR: Wie hilft der Urwaldkauf den Ayoreo?
Der Kauf von Urwald hilft
den isolierten Indianern, dass sie weiter leben und sich versorgen können. Natürlich ist das, was man kaufen kann, nicht so groß, aber es ist ein ruhiges Rückzugsgebiet, in das niemand sonst eindringen kann. Der Urwaldkauf gibt uns viel Mut und Kraft, um an unser Territorium zu denken… Wenn wir an den Klimawandel und all die falschen Strategien denken, die uns jetzt die Weißen präsentieren, betrachten wir es als eine Lösung, dass die Regierung uns zumindest einen Teil unseres großen mit Urwald bedeckten Territoriums zurückgibt. Das könnte wirklich im Kampf gegen den Klimawandel helfen. Wenn die Wälder wieder die unsrigen sind, können wir sie schützen, während sie in den Händen der weißen Besitzer bis zum letzten Baum gerodet werden.

RdR: Wie können die Menschen in Deutschland den Ayoreo und der Natur helfen?
Sie sollten uns
auch weiterhin helfen, Urwald zu kaufen. Wir sind keine Viehzüchter, wir kümmern uns um unsere Wälder und damit auch um die unkontaktierten Indianer darin. Es ist zugleich gut, wenn die Menschen in Deutschland mit Kampagnen unseren Landanspruch gegenüber der paraguayischen Regierung unterstützen. Und dass es eine Kampagne gegen die Abholzung im Chaco gibt, das ist sehr dringend!