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Regenwald Report 03/2020

Das Geheimnis im Dschungel von Ebo

Gorilla im Ebo-Wald, Kamerun Die Gorillas in Ebo-Wald leben 200 Kilometer von ihren nächsten Verwandten entfernt. Ein Indiz dafür, dass sie eine neue Unterart sind (© Cyril Ruoso)

Die Gorillas in Kameruns Ebo-Wald sind eine eigene Spezies – das haben Forscher erst vor wenigen Jahren herausgefunden. Dass die Menschenaffen dort so lange unentdeckt leben konnten, zeigt: Wälder bergen unbekannte Schätze, ihr Schutz bewahrt auch Geheimnisse.

Landläufig stellt man es sich wahrscheinlich so vor: Entdecken Forscher neue Arten, handelt es sich um kleine Tiere; vielleicht faszinierend, womöglich hübsch, häufig unscheinbar. Schmetterlinge etwa oder Frösche. Aber große Säugetiere? Die müssten der Wissenschaft doch längst bekannt sein, denkt man. Und doch ist im Ebo-Wald in Kamerun etwas Sensationelles geschehen. 

Im Jahr 2002 hat die Primatologin Bethan Morgan dort erstmals Gorillas gesichtet – eine bis dato unbekannte Unterart. 155 Jahre nachdem der Western Gorilla wissenschaftlich beschrieben wurde, 99 Jahre später als der Eastern Gorilla. 

Unentdeckte Arten drohen auszusterben

Der Laie würde den Unterschied nicht bemerken, doch dass auch der Forschung diese Art neu war, kann schlicht an der Fülle der Geheimnisse liegen, die in den Wäldern schlummern und die es zu entdecken gibt. Rund zwei Millionen Tier- und Pflanzenarten sind bereits bekannt, viele Millionen harren noch ihrer Erforschung. 

Die Biologen sind indes dabei, ein Rennen gegen die Zeit zu verlieren. Jüngst haben die Vereinten Nationen gewarnt: Innerhalb der nächsten Jahrzehnte könnte eine Million Arten aussterben. Viele können sich an den Klima-wandel nicht anpassen. Plantagen, industrielle Landwirtschaft, Bergbau und Holzeinschlag zerstören ihre Lebensräume. Auch Jagd und Wilderei spielen eine Rolle.

Ebo-Wald, Kamerun Der Ebo-Wald speichert 35 Millionen Tonnen Kohlenstoff. Eine Rodung wäre für das Klima schädlich (© Ebo Forest Research Project)

Vom Artensterben werden womöglich die Gorillas (Gorilla gorilla) betroffen sein, ebenso die bereits heute extrem seltenen, im Ebo-Wald lebenden Preuss-Stummelaffen (Piliocolobus preussi), Waldelefanten (Loxodonta africana cyclotis), Graupapageien (Psittacus erithacus) und Goliathfrösche (Conraua goliath).

Die 700 Nigeria-Kamerun-Schimpansen (Pan troglodytes ellioti) im Ebo-Wald – ebenfalls bedroht – haben nach dem Stand der Forschung weltweit eine einzigartige Fähigkeit: Sie können sowohl mit Steinen und Holzhammern Nüsse knacken, als auch mit Stöcken Termiten fangen. In anderen Regionen beherrschen die Primaten nur eine der beiden Techniken. Forscher interpretieren das als Zeichen dafür, dass Menschenaffen unterschiedliche Verhaltensweisen lernen können und somit über Kultur verfügen.

Die Einheimischen bewahren den Reichtum des Waldes

Mehr als 160 Vogelarten leben im Ebo-Wald; viele von ihnen sind endemisch und kommen an keinem anderen Ort der Welt vor. Dasselbe gilt für mindestens zwölf Pflanzenarten. Trotz intensiver Forschungsarbeiten ist der Artenreichtum noch längst nicht erschöpfend erfasst. Kaum untersucht sind etwa nachtaktive Primaten, kleine Säuger wie Fledertiere, Amphibien und Reptilien.

Den Einheimischen vom Volk der Banen war die Existenz der Gorillas im Ebo-Wald natürlich längst bekannt, wie sie generell mit dem Reichtum des Waldes vertraut sind. Seit Jahrhunderten leben die Einwohner von mehr als 40 Dörfern im und um ihren Wald, ohne ihn zu gefährden. Sie sehen ihn als Land der Ahnen an, gehen dort auf Jagd, fischen, sammeln Pflanzen für ihre Ernährung und als Medizin, betreiben im kleinen Rahmen Landwirtschaft. Zudem hat der Wald spirituelle Bedeutung, ist Ort für traditionelle Rituale und beherbergt zahlreiche Grabstätten. 

Was Kameruns Regierung veranlasst hat, im Februar 2020 ausgerechnet große Teile des Ebo-Waldes für Holzeinschlag freizugeben, lässt sich schwer sagen. 130.000 Hektar Dschungel waren plötzlich in akuter Gefahr. Das Fällen von Bäumen hätte verheerende ökologische, soziale und klimatologische Schäden zur Folge. Es ist häufig der erste Schritt zur weitgehenden Zerstörung von Ökosystemen, denn Wilderer, Siedler, Landspekulanten folgen.

Für eine unerwartete Wende sorgte im August zwar ein Erlass von Präsident Paul Biya, der die Pläne offiziell auf Eis gelegt hat. Doch für wie lange? Die Erfahrung lehrt, dass Politiker solche Entscheidungen für die Natur nicht selten kurzerhand zurücknehmen. Darum geben sich Einheimische und Umweltschützer erst zufrieden, wenn der Ebo-Wald dauerhaft geschützt ist (siehe Petition).

Regenwälder müssen bewahrt werden, auch wenn dort keine populären Arten wie Elefanten und Schimpansen bekannt sind und die Entdeckung von Gorillas unwahrscheinlich ist. Jeder Wald kann wie der Ebo-Forest Hüter ungeahnter, atemberaubender Geheimnisse sein.

Aktiv werden! Unterschreiben Sie unsere Petitionen

Ebo-Wald für immer schützen

Der Ebo-Wald zeichnet sich durch seine Artenvielfalt aus, das Volk der Banen lebt von und mit ihm. Wir setzen uns daher für seinen Schutz ein. Pläne für den Holzeinschlag wurden zwar gestoppt, doch das genügt nicht. Wir machen weiterhin Druck mit unserer Petition.

Unterzeichnen Sie unsere Petition:
www.regenwald.org/rr022