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Regenwald Report 02/2022 · Rettet den Regenwald

Waldrechte: Letzte Chance zur Rettung

Regenwald in Indonesien Um Regenwald zu bewahren, muss er aktiv und dauerhaft gegen Zerstörung geschützt werden (© Feri Irawan)

Was können wir tun, um die Regenwälder zu bewahren? Reichen Proteste gegen Palmölfirmen? Ist der Kauf von Regenwald eine gute Idee? Ein Appell unserer Partner.

Boboy verharrt ehrfürchtig vor der Höhle. Innen an der Felswand, mitten im Urwald Borneos, liegt eine Reihe Schädel. „Liang Ombun ist ein sakraler Ort für uns“, erklärt ihm Rodhi, ein indigener Dayak vom Stamm der Tawoyan. „Dieser Wald darf nie genutzt werden. Wir Indigene leben seit Langem hier. Die Relikte unserer Vorfahren sind ein Beweis dafür.“

Das dichte Kronendach in Liang Ombun zeigt, wie erfolgreich die Dayak Tawoyan ihren Wald bisher geschützt haben. Ihre Vorfahren haben überliefert, welcher Bereich des Waldes genutzt werden darf und welcher nicht. Dieses Wissen beruht auf dem Respekt vor der Natur und auf jahrhundertelangen Erfahrungen. Es macht Indigene zu den besten Regenwaldschützern.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in anderen Regenwaldgebieten der Erde, in Amazonien und im Kongobecken. Wissenschaftler bestätigen die Beobachtung. Die Biodiversität in den Wäldern der Indigenen ist höher, die Treibhausgas-Emissionen sind niedriger. 80 Prozent der Vielfalt in Wäldern finden sich in Gebieten, die von Indigenen bewohnt werden.

Es gibt sie also noch, die intakten Urwälder ohne Plantagen und Holzfäller, und zwar dort, wo Indigene leben. Was liegt näher, als denjenigen, die ihre Fähigkeit als Waldwächter längst unter Beweis gestellt haben, zu vertrauen und ihre Rolle zu stärken?

Waldrechte durchsetzen

Die Zeit drängt, damit die Regenwälder und mit ihnen die Vielfalt des Lebens erhalten bleiben. Deswegen hat Boboy Simanjuntak, Mitarbeiter von Rettet den Regenwald, eines der Projekte besucht, das Indigene bei der Erlangung ihrer Waldrechte unterstützt.

In vielen Staaten im globalen Süden gehört der Wald dem Staat. Er vergibt Lizenzen für Abholzung, Bergbau und Plantagen an Firmen. Die eigentlichen Bewohner ziehen oft den Kürzeren. Sie verlieren ihre Lebensgrundlage und werden nicht selten vertrieben. Tausende von offenen Konflikten zeugen vom ungleichen Kampf.

Proteste und Petitionen helfen manchmal, einen Wald zu schützen. Auch Waldkauf oder ein offizieller Schutzstatus können in bestimmten Fällen eine Lösung sein. „Unsere letzte Hoffnung für die Wälder aber sind anerkannte Waldrechte“, sagen Rodhi und andere Partner von Rettet den Regenwald. „Wenn der Wald den Indigenen gehört, haben Palmölfirmen oder Bergbauunternehmen legal keinen Zugriff mehr.“

Der erste Schritt zur offiziellen Anerkennung der Waldrechte ist der Nachweis der historischen Nutzung. Darum ist es so wichtig, die Geschichte zu dokumentieren, Wald zu vermessen und die Nutzung zu regeln. Nur so können Indigene wie die Tawoyan die Waldrechte offiziell erlangen.

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Aus unseren Erfahrungen und von der Wissenschaft lernen: So ist unser Programm „Waldrechte“ entstanden. Kartierung und Gutachten schaffen die Voraussetzungen für die staatliche Anerkennung der Rechte der Indigenen, denn sie sind der beste Schutz.

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