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Regenwald Report 02/2022 · Philippinen

„Die Krabben finanzieren mir das Studium“

Bernadette Caramat am Krabbenstand Bernadette (links) verkauft die Königskrabben mit Gewinn (© CALG)

Corona hat die indigene Bevölkerung auf der Insel Palawan besonders hart getroffen. Mit Krabbenzucht und dem Verkauf von selbst her-gestellten Rattan-Produkten haben die Menschen nun zusätzliches Einkommen. Rettet den Regenwald unterstützt sie dabei.

Bernadette Caramat hat einen Traum: „Ich wünsche mir, dass es mehr Kinder gibt, die wie ich die Schule beenden und studieren können. Ich beginne bald ein Lehrer-Studium an der Universität. Meine Familie und unsere Gemeinde sind glücklich und sehr dankbar, dass wir jetzt eine zusätzliche Einkommensquelle haben. Das macht unser Leben leichter.“

Bernadette ist 17 Jahre alt und lebt in der Gemeinde Candawaga im Süden der Philippinen-Insel Palawan. Früher hat sie ein- bis zweimal im Monat mit ihren Geschwistern Bananen und Gemüse am Straßenrand verkauft. Die Eltern arbeiten auf den Hochlandfeldern. Doch das Geld reichte weder für die Schule noch für die Internet-Gebühren für den Online-Unterricht während der Corona-Pandemie. 

Vor gut einem Jahr hat sich das Leben der indigenen Gemeinde verändert: Mit Unterstützung der Coalition Against Land Grabbing (CALG) und Rettet den Regenwald haben die Menschen Teiche angelegt, um dort Königskrabben zu züchten. 15 Familien profitieren vom Verkauf der Delikatesse – auch außerhalb der lokalen Märkte. 

Positiver Nebeneffekt der Mangroven-Aufforstung

Die Teiche sind nicht wie üblich aus Beton, sondern naturnah aus Lehm gebaut. Sie liegen direkt neben dem Mangrovenwald, den die Gemeinde seit zwei Jahren aufforstet. Mangroven sind für Klima, Küstenschutz und auch als Kinderstube der Meeresbewohner lebenswichtig. Deshalb unterstützt Rettet den Regenwald auch die Aufforstung der Mangroven.

Die Rattanpalme wächst zahlreich in Palawans Regenwäldern – und ist ein Segen für die indigene Bevölkerung. Möbel, Fischfallen, Körbe, Matten, Schnüre, Zahnbürsten und Kunsthandwerk: Die Palme lässt sich vielseitig und fantasievoll verarbeiten und ist eine gute Einnahmequelle. Mithilfe von CALG hat die Gemeinde Panalingan im Süden von Palawan von der Handelsbehörde die Genehmigung erhalten, Rattan in ihren Wäldern zu ernten, Produkte daraus herzustellen und zu vermarkten. CALG hat dafür Finanz- und Management-Training bereitgestellt. 

Inzwischen ist das Projekt so erfolgreich, dass die Gemeinde ihre Produkte nicht nur lokal verkauft, sondern auch entferntere Märkte erschließt. Im Nachbarland Malaysia werden die Möbel bereits angeboten. Um den Nachschub stabil zu halten und den Wald zu bewahren, hat die Gemeinde eine Baumschule für Rattanpalmen gegründet.

Landrechte für Indigene

Die Insel Palawan ist wegen ihrer Artenvielfalt seit 1990 UNESCO Biosphären-Reservat. Dennoch lässt die Regierung seit Jahren die einzigartigen Regenwälder zerstören: für Bergbau und industrielle Plantagen aus Öl- und Kokospalmen. Der einzige Weg, die Natur, die Lebensgrundlage und Kultur der indigenen Bevölkerung zu bewahren, sind verbriefte Landrechte. 

Dieses Ziel hat sich die Coalition Against Land Grabbing gesetzt, ein Netzwerk aus Indigenen und Kleinbauern. Rettet den Regenwald unterstützt diese Arbeit seit vielen Jahren – auch mit Ihren Spenden.

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