zurück zur Übersicht
Regenwald Report 02/2022 · Amazonas

Sie verteidigen den letzten großen Regenwald

Indigene Kaapor stehen in einer Doppelreihe vor zwei Hütten im Regenwald Die indigenen Kaapor setzen bei der Verteidigung ihres Regenwaldes auf Tradition und Zusammenhalt (© Poema/Johann Graf)

Die indigenen Kaapor haben das letzte große Regenwaldgebiet im südöstlichen Amazonasgebiet bis heute geschützt und gegen Abholzung verteidigt. Doch sie werden von Holzfällern, Viehzüchtern und Bergbaufirmen weiter massiv bedroht.

Wie eine grüne Insel ragt das staatlich anerkannte und ausgewiesene Territori-um Alto Turiaçu der indigenen Kaapor aus einem Meer der Zerstörung hervor. Das 531.000 Hektar große Urwaldgebiet – das entspricht der doppelten Fläche des Saarlandes – liegt im brasilianischen Bundesstaat Maranhão. Dort, im Nordosten Brasiliens, geht der Amazonasregenwald langsam in die südlich gelegenen tropischen Savannen des Cerrado über. 

Die besonderen Bedingungen bieten Lebensraum für eine enorme Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Einige Arten wie der kritisch bedrohte Kaapori-Kapuzineraffe und der bedrohte schwarze Saki haben in Alto Turiaçu einen ihrer letzten verbliebenen Lebensräume. 

Kaapori-Kapuzineraffe Im Territorium der Indigenen hat der Kaapori-Kapuzineraffe einen seiner letzten Lebensräume (© CC BY-SA 4.0)

Indigene erhalten den Regenwald

Die etwa 1.800 Kaapor sind eines der über 300 indigenen Völker Brasiliens. Mit ihrer Lebensweise haben sie bis heute den Urwald erhalten und verteidigen ihn gegen illegale Eindringlinge und Plünderer. Bis an den Rand des Schutzgebiets der Kaapor haben Holz- und Bergbaufirmen, Viehzüchter, Großgrundbesitzer und Landspekulanten den Regenwald schon fast komplett gerodet und machen inzwischen nicht einmal mehr vor dessen Grenzen halt.

Holzfäller haben es auf die Ipé-, Massaranduba- und Cedro-Bäume auf dem Gebiet der Kaapor abgesehen. Die tropischen Hölzer gehen in den Export für die Produktion von Gartenmöbeln, Parkett und Holzterrassen – auch nach Europa. Wilderer sind hinter der reichen Tierwelt des Gebiets her. Bergbaufirmen haben vom Staat viele Tausend Hektar Konzessionen erworben, um im Regenwald Gold abzubauen.

Aktiv werden! Helfen Sie mit

Mit finanzieller Hilfe von Rettet den Regenwald unterteilen die Kaapor weiter ihr Territorium in verschiedene Zonen und arbeiten Pläne zur Verteidigung der Gebiete aus. Sie organisieren Treffen in den Dörfern, vermessen den Wald und erstellen Landkarten.

Spenden Sie über das Formular:
regenwald.org/rr067

„Wir sind massiven Bedrohungen und extremer Gewalt ausgesetzt: Seit 2015 wurden zwei Dörfer von Holzfällern überfallen und 15 Menschen ermordet. Keines der Verbrechen wurde von den brasilianischen Behörden aufgeklärt und bis heute wurde nicht ein einziger Täter bestraft“, berichtet der Rat der indigenen Führer.

All das passiert vor den Augen der brasilianischen Behörden, die weitgehend inaktiv sind und die Klagen und Forderungen der Ureinwohner ignorieren. Viele Beamte und Politiker sind zudem korrupt und in die Aktivitäten verstrickt.

Kaapor im Amazonas-Regenwald Die Kaapor leben in einem der letzten Gebiete des Amazonas-Regenwaldes im Bundesstaat Maranhão (© Andrew Johnson)

Kraft aus der Tradition

Um dem standzuhalten, haben sich die Kaapor auf ihre Traditionen zurückbesonnen. Sie stärken ihre angestammten Praktiken, Rituale, ihre Art zu pflanzen, ihre Beziehung zum Wald mit seinen Flüssen, Tieren und Pflanzen. So beschreibt es der Rat der Kaapor.

Um ihr Gebiet besser zu schützen, haben die Einwohner 25 Holzfällerpisten blockiert. Ebenfalls als Blockade haben sie am Rande des Territoriums neue Dörfer errichtet - zumeist in ehemaligen Holzfäller-Camps oder an Orten, an denen Fahrwege bis an den Regenwald heranführen.

Innerhalb von Alto Turiaçu überwachen sie permanent mit eigenen Ranger-Trupps den Regenwald. Sie greifen illegale Holzfäller und Wilderer auf und schaffen sie aus dem Gebiet. Über hundert Lastwagen  haben sie bereits aufgespürt und unbrauchbar gemacht.

Um die Siedlungen haben die Kaapor bereits elf Schutzgebiete eingerichtet. Die Ernährung sichern sie durch Landwirtschaft und durch das, was ihnen die Bäume bieten. Über das 2012 vom Rat der indigenen Führer gegründete Zentrum zur Bildung und zur Bewahrung des Wissens der Kaapor (CFSK) haben sie dafür gesorgt, dass die Kinder und Jugendlichen in der Schule in ihrer eigenen Sprache unterrichtet und nach ihren traditionellen Werten erzogen werden.

Aktiv werden! Unterschreiben Sie unsere Petitionen

Die Kaapor fordern die brasilianischen Behörden auf, sie gegen Übergriffe zu schützen und die Täter zu verfolgen.

Bitte unterstützen Sie unsere Petition und unterschreiben Sie:
www.regenwald.org/rr064