Die Regenwälder des Kongo nicht der Ölindustrie opfern

Bonobo auf dem Zweig eines Baumes in Kongo Bonobos gibt es nur in der Demokratischen Republik Kongo (© shutterstock.com)

Die Regierung in Kinshasa macht Ernst: Präsident Tshisekedi will große Gebiete des Kongo-Regenwalds für Erdöl opfern. Das wäre eine Katastrophe für die Bevölkerung, die Artenvielfalt und das Weltklima. Gemeinsam mit unseren Partner:innen in Afrika können wir die Pläne verhindern.

News und Updates Appell

An: Präsident der Demokratischen Republik Kongo, Félix Tshisekedi

„Stoppen Sie die Erschließung neuer Ölfelder in der Demokratischen Republik Kongo“

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Die Regenwälder im Kongobecken sind Heimat von Millionen Menschen und ungezählten Tier- und Pflanzenarten, darunter die drei Menschenaffen Schimpansen, Bonobos und Gorillas. Für den Erhalt der Biodiversität und im Kampf gegen die Klimakrise sind die Wälder unentbehrlich.

Doch die Regierung der Demokratischen Republik Kongo (DRK) hat Ende Juli begonnen, 16 Ölfelder zu versteigern. Mindestens drei davon befinden sich im sensiblen Ökosystem der Cuvette Centrale, dem größten Torfkomplex der Tropen. Neun überlappen mit Schutzgebieten.

Das Gebiet speichert 30 Gigatonnen Kohlenstoff – so viel wie die weltweiten CO2-Emissionen eines Jahres. Die Torfwälder sind zudem eines der wertvollsten Ökosysteme der Erde. Sie sind so groß und schwer zugänglich, dass noch Vieles über ihre biologische Vielfalt unerforscht ist.

Weil sich mehr als die Hälfte der Torfgebiete und 60 Prozent des Kongo-Regenwalds in der DRK befinden, spielt das Land eine Schlüsselrolle im Kampf gegen die Klimakrise.

Die Wissenschaft ist klar: Die Regierungen der Welt müssen innerhalb der nächsten 8 Jahre die CO2-Emissionen halbieren. Sie müssen daher alle neuen Projekte für Öl, Kohle und Gas stoppen.

Auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow hat Präsident Tshisekedi die DRK als „Lösungsland" im Kampf gegen die Klimakrise präsentiert. Die üppigen Wälder, das Potenzial für erneuerbare Energien und bestimmte Rohstoffe trügen dazu bei. Doch der Erdöl-Plan untergräbt die globalen Bemühungen und gefährdet das Ziel des Pariser Abkommens, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Die Pläne bedrohen zudem die Lebensgrundlage tausender örtlicher, zumeist indigener Gemeinschaften.

In einem Bündnis mit Umweltschützer:innen aus Afrika und aller Welt wollen wir die Ausbeutung von Erdöl verhindern. Bitte unterschreiben Sie unsere gemeinsame Petition.

An­schreiben

An: Präsident der Demokratischen Republik Kongo, Félix Tshisekedi

Sehr geehrter Präsident Félix Tshisekedi,

wir fordern Sie auf, die Pläne für die Erschließung von 16 Ölfeldern aufzugeben. Das zielt darauf ab, die Klimakatastrophe zu verhindern und die Rechte der verwundbaren Bevölkerungsgruppen zu schützen, die in den für die Erschließung der Ölfelder vorgesehenen Gebieten leben.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Klima

Wie das Klima und der Regenwald zusammenhängen

Regenwälder sind komplexe Ökosysteme, in dem Pflanzen, Pilze und Tiere eng miteinander vernetzt sind. Für das lokale und globale Klima spielen sie eine herausragende Rolle. Pflanzen nehmen das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) aus der Luft auf. Mit Hilfe von Wasser und Sonnenlicht bilden sie Zucker und daraus andere Pflanzenbausteine. So wird Kohlenstoff in Stämmen, Blättern und Wurzeln gebunden. Frei werdender Sauerstoff wird an die Atmosphäre abgegeben. Den gesamten Prozess nennt man Photosynthese.

Schätzungen zufolge binden Regenwälder 250 Milliarden Tonnen CO2, ein großer Teil davon in Torfwäldern. Das entspricht global betrachtet dem 90-fachen der menschengemachten Treibhausgas-Emissionen pro Jahr. 40 Prozent des Sauerstoffs in der Atmosphäre stammen aus den Regenwäldern. Das Bild der Wälder als „Lungen der Erde“ ist zwar nicht ganz stimmig, jedoch einprägsam.

Regenwälder produzieren die hohen, auf das Jahr gleichmäßig verteilten Niederschläge zu einem großen Teil selbst. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Evapotranspiration, also die Feuchtigkeit, die die Pflanzen über die Blätter abgeben. In den Wäldern ist es zwar heiß und schwül, die Wolken strahlen jedoch einen großen Teil des Sonnenlichts in die Weltraum zurück – und kühlen somit die Atmosphäre. Ohne diesen Effekt wäre es in den Gebieten noch wärmer.

Als Kohlenstoffspeicher und Regenmacher spielen die intakten Wälder eine wichtige Rolle im Klimageschehen und eine Schlüsselrolle ihm Kampf gegen Klimakatastrophe.

Das Problem: Klimakatastrophe und Waldvernichtung

Doch die Regenwälder können ihre Funktion als Klimastabilisator immer weniger erfüllen. Im Gegenteil: Ihre Vernichtung etwa für Plantagen, Weiden oder Bergbauprojekte setzt große Mengen Treibhausgase frei. So haben die Waldbrände in Indonesien 1997 ein Drittel der gesamten globalen Emissionen ausgemacht. Besonders verheerend wirkt sich die Zerstörung von Torfwäldern aus.

Laut einer im Magazin Nature veröffentlichten Studie könnten sich die Regenwälder allein aufgrund sich verändernder klimatischer Verhältnisse und Wachstumsbedingungen ab dem Jahr 2035 von CO2-Speichern zu CO2-Quellen entwickeln – und die Klimakatastrophe weiter antreiben.

Weil das Ökosystem Regenwald vielfältig verwoben ist, kann das gesamte Geflecht leiden, wenn es an einer Stelle beschädigt wird. So etwa beim Wasserkreislauf. Treten infolge der globalen Klimaveränderungen trockenere Perioden auf, was bereits beobachtet wird, kann dieser Kreislauf zusammenbrechen. Die immergrünen, üppigen Regenwälder werden zu artenärmeren Savannen. Das lokale Klima ändert sich: es wird trockener und heißer.

Besonders bedrohlich sind die 18 so genannten Kipppunkte im Klimasystem: Hat beispielsweise in Amazonien die Klimaveränderung ein bestimmtes Ausmaß erreicht, ist der Prozess und dabei der Verlust des Regenwalds in der heutigen Form nicht mehr zu stoppen.

Klar ist: Die Klimakatastrophe ist vom Menschen gemacht. 98 Prozent der Wissenschaftler, die sich mit der Klimathematik befassen, stimmen dem zu. Weil das Klima ein hochkomplexes System ist, entdecken Forscher laufend neue Zusammenhänge, interpretieren Daten unterschiedlich, revidieren Prognosen. Das ist in der Wissenschaft völlig normal. Die Erkenntnisse der Klimatologen werden allerdings immer alarmierender.

Die Lösung: Regenwaldschutz ist Klimaschutz

Für den Klimaschutz müssen Regenwälder erhalten werden, weil ihre weitere Vernichtung die Katastrophe verschlimmern würde und sie als Kohlenstoff-Speicher unverzichtbar sind. Klimaschutz ist somit Regenwaldschutz und umgekehrt.

  • Wir müssen Regenwälder erhalten und Schäden heilen. Wälder sind dabei mehr als Kohlenstoffspeicher und -senken, nämlich vielfältige Ökosysteme und Lebensraum von Millionen Menschen.
  • Wir müssen das Klima schützen und gleichzeitig die Biodiversität bewahren. Klimakatastrophe und Artensterben sind zwei existentielle Krisen, die wir Hand in Hand bewältigen müssen.
  • Wir müssen die Rechte indigener Völker, die in Regenwaldgebieten leben, stärken. Sie sind häufig die besten Waldschützer.
  • Wir müssen unsere Lebens- und Wirtschaftsweise grundlegend ändern. Wir müssen unseren Verbrauch von Energie, Nahrungsmitteln, Rohstoffen senken, statt ihn mit „grünen Produkten“ aufrecht zu erhalten. Wir müssen aufhören, Kohle, Erdöl und Erdgas zu verfeuern.
  • Wir müssen falsche Klimapolitik reformieren: Wir müssen den Irrweg von Biotreibstoffen, insbesondere wenn sie auf Palmöl, Soja oder Zuckerrohr basieren, beenden und die Verfeuerung von Bäumen in Kraftwerken stoppen.
  • Wir sagen Nein zum „Ablasshandel“ mit Offset-Programmen, bei denen beispielsweise Firmen Umweltschutzmaßnahmen bezahlen, um im Gegenzug weiterhin Treibhausgase emittieren zu dürfen. Wir lehnen angeblich klimaschonendere Brücken-Technologien wie den Ersatz von Kohle durch Erdgas ab.
  • Nach der Covid-Pandemie müssen wir Wirtschaft und Gesellschaft umweltverträglich umgestalten. Es darf keine „Konjunkturprogramme“ mit alten Rezepten geben.

Covid hat gezeigt, dass wir angesichts einer existentiellen Krise schnelle und tiefgreifende Veränderungen schaffen können.

News und Updates Fußnoten

größten Torfkomplex der Tropen.Die Torfgebiete der Cuvette Centrale (übersetzt etwa Zentrales Becken) sind mit 145.500 Quadratkilometern größer als England.


Schutzgebieten.Kurz vor Beginn der Versteigerung hat die Regierung die Zahl der angebotenen Blöcke erhöht. Statt ursprünglich 16 sind es jetzt 27 Öl- und 3 Gasfelder.


Kongo-RegenwaldsDer Regenwald im Kongobecken ist nach dem Amazonas-Regenwald der zweitgrößte zusammenhängende Tropenwald der Welt. Die DRK beherbergt 60 Prozent davon. Die übrigen Teile liegen in der Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, Gabun, Equatorial Guinea und Kamerun.


präsentiertDer Widerspruch, in den Torfgebieten nach Öl zu bohren und sich gleichzeitig als "Lösungsland" darzustellen, ist besonders eklatant, weil die DRK gemeinsam mit Ägypten die nächste UN-Klimakonferenz COP27 ausrichtet.


zu begrenzen.Die Regierung der DRK wäre nicht allein dafür verantwortlich, sondern unter anderem auch beteiligte Ölkonzerne, Banken, Versicherungen und die Verbraucher des Erdöls.

Über die Förderung von Erdöl hinaus würden etwa dafür benötigte Strassen, Brücken und Siedlungen der Arbeiter zur Zerstörung von Regenwald führen.


gemeinsame Petition.Zum Bündnis gehören neben unseren Partnern Réseau CREF in Goma und RIAO-RDC in Kinshasa zahlreiche weitere kongolesische, afrikanische und internationale Organisationen wie

Greenpeace Africa

350.org-Gruppen in Afrika

Rainforest Foundation UK

Diese Petition ist in folgenden Sprachen verfügbar:

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