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Holzenergie

Wollen wir wirklich unseren Wald verheizen?

Holzkraftwerk Uniper Um im großen Stil Energie zu produzieren, reicht heimisches Restholz nicht aus. Darum wird Holz in Massen zum Verbrennen importiert (© Gaetan Hutter)

Wälder zu verheizen, befeuert den Klima-wandel. Das Verbrennen von Holz und Pellets ist keinesfalls klimaneutral – ganz gleich ob im Kraftwerk oder dem heimischen Ofen. Es setzt große Mengen Kohlendioxid frei und richtet in der Natur große Schäden an. Ein Plädoyer für die Bewahrung unserer Wälder

Wer will da kein Öko sein: Behagliche Wärme am Kamin; klimafreundliche Pellets in Kellern und Kraftwerken - Heizen und Stromerzeugung mit selbst Gehacktem und Holzresten verspricht einen umweltschonenden Lebensstil. Zudem unabhängig von Ölscheichs und russischem Gas. Politiker und Heizungsbauer preisen die erneuerbare Energie aus dem heimischen Forst als geradezu märchenhaft klug an. Dabei könnte diese Öko-Romantik nicht weiter von der Realität entfernt sein. Das Geschäft mit dem Brennstoff Holz ist milliardenschwer, global, Wälder verschlingend und klimaschädlich.

Es ist schlicht falsch, dass das Verbrennen von Holz im Kampf gegen den Klimawandel hilft. Die Rechnung, dass das Heizen mit dem Naturstoff nur so viel Kohlendioxid freigibt, wie die Bäume beim Wachsen aus der Luft gespeichert haben, ist bestenfalls ein Nullsummenspiel. Vergessen, übersehen oder absichtsvoll verschwiegen wird bei der Argumentation der Faktor Zeit. Wer Wälder verfeuert, erhöht jetzt den CO2-Gehalt in der Atmosphäre, während er dringend gesenkt werden muss. Auf abgeholzten Flächen gepflanzte Bäume benötigen Jahrzehnte bis Jahrhunderte, das auszugleichen. Bis dahin wird das Klima gekippt sein.

Demonstration gegen Biomassekraftwerk Proteste gegen die Energiegewinnung durch Holz: In England demonstrieren Aktivisten gegen den Drax-Konzern, der das größte Biomassekraftwerk der Welt betreibt (© CC BY Sebastian Wood/Biofuelwatch)

Zumal der Ersatz von Kohle durch Holz den Ausstoß an Kohlendioxid in die Höhe schnellen lässt: Pro Kilowattstunde Strom schneiden Pellets in puncto Effizienz und damit Emissionen schlechter ab.

Nicht Restholzverwertung, sondern Waldvernichtung

Die Vorstellung, für Brennholz und Pellets würden nur Abfälle und Reste verwendet, ist nahezu absurd. Der Bedarf von Kraftwerken und Zigtausenden privaten Heizungen ist dafür zu groß. In Wahrheit stammt der Brennstoff aus natürlichen Wäldern und von Baumplantagen. Und das in horrendem Ausmaß.

Für das Kraftwerk in Drax, das sieben Prozent von Großbritanniens Strombedarf deckt, wird mehr Holz benötigt, als im Land geschlagen wird. Der Meiler ist vom Import abhängig, lebt also davon, dass andernorts gerodet wird. Das Kraftwerk der E.on-Tochter Uniper in Gardanne in der Provence trägt zur Verwüstung der Wälder Südfrankreichs bei und ist auf die Einfuhr aus Übersee angewiesen. Etwa den USA. Dort boomt der Markt, seit die EU auf Holzverfeuerung setzt.

Flächenbedarf ist enorm groß

Europa als Markt im Blick, will die Firma Enviva in Lucedale im Bundesstaate Mississippi die größte Pelletfabrik der Welt bauen. Für die avisierten 1,4 Millionen Tonnen müssten jährlich bis zu 52.000 Hektar Wald gerodet werden – eine Fläche, doppelt so groß wie Frankfurt am Main. Noch ist Deutschland Nettoexporteur von Pellets, Enviva und Konsorten werden jedoch nichts unversucht lassen, das zu ändern.

Europäischer Wald mit Totholz Unberührter Wald ist in Deutschland kaum noch zu finden. Meist hat sich der Mensch den Wald nutzbar gemacht und ihn so gestaltet, wie er ihn benötigt (© CCBY3.06)

Der forcierte Bedarf an Holz führt dazu, dass Wälder stärker als bisher auf Produktion getrimmt werden. Dabei ist schon heute in Deutschland kaum ein natürlicher Wald zu finden. Zumeist stehen hierzulande recht schnell wachsende Fichten – der Brotbaum heimischer Förster – in Reih‘ und Glied. Holzplantagen überziehen Flächen, auf denen aus ökologischer Sicht Laubmischwälder dominieren sollten. In vielen Ländern ist es ähnlich: Baum-Monotonie statt artenreichen Waldes.

Wer das gut findet, versteht nicht, dass Bäume allein keinen Wald bilden, dass Wälder mehr sind als Holzfabriken. Sie sind vielfältige Lebensräume für ungezählte Tier- und Pflanzenarten. Ihre Biodiversität zu erhalten ist unverzichtbar. Ebenso ihre Rolle im Wasserkreislauf und beim Reinigen der Luft. Werden Wälder für den angeblichen Klimaschutz vernichtet, verschlimmert das den ökologischen Niedergang sowie das globale Artensterben und raubt der örtlichen Bevölkerung wie indigenen Völkern die Lebensgrundlage.

Zur Rettung des Klimas brauchen wir daher einen Vielklang des Bewahrens: Lasst Bäume wachsen! Schützt sie wie auch Savannen, Moore und Mangroven vor Motorsägen und Planierraupen! Der Energiehunger kann nicht mit Holz gestillt werden. Wenn wir Biomasse verbrennen, bedroht das die verbliebenen Reste Wald.